Walter Homolka

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Walter Homolka
Ehud Olmert mit Walter Homolka

Walter Homolka (* 21. Mai 1964 in Landau an der Isar) ist deutscher Rabbiner und ordentlicher Universitätsprofessor für Jüdische Religionsphilosophie der Neuzeit, Schwerpunkt Denominationen und interreligiöser Dialog, an der School of Jewish Theology der Universität Potsdam.[1] Er ist Gründer und erster Rektor des 1999 errichteten Abraham-Geiger-Kollegs an der Universität Potsdam. Seit 2005 Chairman der Leo Baeck Foundation[2] und seit 2008 Vorsitzender des Vorstandes des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks für jüdische Begabtenförderung. Homolka ist auch Geschäftsführer des Zacharias Frankel College an der Universität Potsdam für die Ausbildung konservativer Rabbiner, das am 17. November 2013 mit der American Jewish University in Potsdam eröffnet wurde.[3] Er initiierte die Errichtung der School of Jewish Theology der Universität Potsdam am 19. November 2013[4]. Im Liberalen Judentum übt er zahlreiche Funktionen aus, u.a. Vizepräsident der European Union for Progressive Judaism, Vorstandsmitglied der World Union for Progressive Judaism

Leben[Bearbeiten]

Nach eigenen Angaben war er von der jüdischen Lehre „eines verborgenen Gottes” fasziniert; auch habe er sich vom „Sinnmonopol” seiner katholischen Umgebung abgrenzen wollen.[5] „Meine persönliche Entscheidung als Jugendlicher für das Judentum will ich nicht als Wertentscheidung gegenüber anderen Religionen verstanden wissen“, betont Homolka. „Es ist eher so, dass Gott Menschen eben da hinstellt, wo Gott eine Aufgabe hat. Nicht mehr und nicht weniger.“ [6] Er studierte nach dem Abitur die Fächer Philosophie, Theologie und Finanzwissenschaften mit einem Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes und graduierte 1986 zum „Baccalaureus theologiae seu divinitatis“ (Ludwig-Maximilians-Universität München). Sein Studium setzte er am Leo Baeck College in London fort. 1989 erwarb er ein Zertifikat für Erwachsenenpädagogik (Hochschule für Philosophie München). 1992 promovierte er am King’s College London mit einer Arbeit über Rabbiner Leo Baeck und den deutschen Protestantismus. Seinen Magister in Jüdischen Studien erwarb er 1993 am St. David’s University College Lampeter, University of Wales. Nach Abschluss der Prüfungen am Leo Baeck College wurde er 1997 zum Rabbiner ordiniert.

Nach einem beruflichen Werdegang unter anderem bei Bertelsmann, Greenpeace, der Alfred-Herrhausen-Gesellschaft für internationalen Dialog und der Kultur-Stiftung der Deutsche Bank AG wurde Walter Homolka im September 2002 zum Rektor des Abraham-Geiger-Kollegs, des ersten Rabbinerseminars in Deutschland seit dem Holocaust, ernannt. Seit 2003 ist Walter Homolka Vorsitzender des Kuratoriums der Ursula-Lübbe-Stiftung und seit 2011 Mitglied des Vorstands des 1986 von Claudio Abbado gegründeten Gustav Mahler Jugendorchesters. Der ehemalige Rabbiner der liberalen Gemeinde in München und Landesrabbiner von Niedersachsen lehrte von Mai 2007 bis Mai 2014 als Honorarprofessor der philosophischen Fakultät an der Universität Potsdam und hatte verschiedene Gastprofessuren inne, z. B. an der New York University, der Katholischen Péter-Pázmány-Universität in Budapest, dem Kanonistischen Institut Potsdam, dem Theologieprogramm an der Dormitio-Abtei Jerusalem und der Old Dominion University Norfolk VA. Das Hebrew Union College – Jewish Institute of Religion (New York, Cincinnati, Los Angeles und Jerusalem) verlieh ihm den „Doctor Humanarum Litterarum“ für seine wissenschaftlichen Erfolge und sein „singular achievement in resurrecting rabbinic education and ordination in Germany after the Shoah“ (President David Ellenson).

Homolka ist Mitglied in der Allgemeinen Rabbinerkonferenz Deutschland, der „Central Conference of American Rabbis (CCAR)“, der „Rabbinic Conference“ von „Liberal Judaism UK“ und im „New York Board of Rabbis“. Er ist Mitglied des Direktoriums des Zentrums Jüdische Studien Berlin-Brandenburg[7] und arbeitet im Gesprächskreis „Juden und Christen“ beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken mit und im Beirat der Schirn Kunsthalle Frankfurt. Er sitzt im Board des „Solomon B. Freehof Institute“ für jüdisches Religionsrecht und des Saltz International Education Center Jerusalem. Außerdem ist er Beiratsmitglied der Internationalen Orient-Okzident-Gesellschaft, Mitglied des Kuratoriums des NABU und der Eugen-Biser-Stiftung, der Grünhelme e.V. und der Hirschfeld-Eddy-Stiftung sowie Mitglied des Vorstands des Jüdischen Versorgungswerks.

Homolka war Mitglied im „Jewish Studies Advisory Board“ der Princeton University, Moses Mendelssohn-Fellow und German Marshall Fund Fellow, außerdem stellvertretendes Stiftungsratsmitglied der Berliner Philharmoniker, Mitglied der Hessischen Kulturkommission und Mitglied des Aufsichtsrates der Österreichische Bundestheater Holding. Von 1997 bis 2000 und wieder ab 2004 war er Mitglied im Governing Body der World Union for Progressive Judaism. Von 1997 bis 2000 Mitglied im Vorstand der Union progressiver Juden in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Er ist Mitglied im Beirat des „Forum für Interkulturellen Dialog e.V.“.

Aus Protest gegen die Neuformulierung der Karfreitagsfürbitte für die Juden durch Papst Benedikt XVI. im Jahr 2008 sagte Homolka seine Teilnahme am 97. Deutschen Katholikentag ab, da das Gebet die Judenmission billige. Er erklärte, Gott habe die Juden zum „Licht unter den Völkern“[8] berufen, daher sei sicher keine Erleuchtung durch die katholische Kirche nötig. Außerdem warf er der katholischen Kirche vor, ihre „antisemitischen Tendenzen” nicht im Griff zu haben. Homolka engagiert sich jedoch weiter im interreligiösen Dialog und wurde 2011 Kuratoriumsmitglied im Trägerverein für das interreligiöse Zentrum Berlin.[9]

Homolka ist Oberstleutnant der Reserve beim Einsatzführungskommando der Bundeswehr.

Er ist Kolumnist der österreichischen Wochenzeitung Die Furche, Mitherausgeber der Reihe Aus Religion und Recht beim Verlag Frank & Timme, Mitglied im Beirat der Zeitschrift de processibus matrimonialibus und Kuratoriumsmitglied der Zeitschrift Belletristik. Er ist Mitarbeiter an den Lexika Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG 4. Auflage) und Encyclopedia of the Bible and its Reception (EBR).

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Umweltfonds. Investieren in die Zukunft. Economica, Bonn 1990.
  • mit Albert H. Friedlander: Von der Sintflut ins Paradies. Der Friede als Schlüsselbegriff jüdischer Theologie. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1993.
  • Hrsg. mit Jonathan Magonet: Das Jüdische Gebetbuch. Übersetzung aus dem Hebräischen von Annette Böckler. Gütersloher Verlagshaus, 1997.
  • mit Jonathan Romain: Progressives Judentum – Leben und Lehre. Knesebeck, München 1999.
  • mit Kenneth Dyson: Culture First – Promoting Standards in the New Media Age. Cassell, London 1996.
  • mit Gilbert S. Rosenthal: Das Judentum hat viele Gesichter – die religiösen Strömungen der Gegenwart. Knesebeck, München 1999.
  • Hrsg.: Schalom Ben-Chorin. Ein Leben für den Dialog. Gütersloher Verlagshaus, 1999.
  • mit Martin Bauschke und Rabeya Müller: Gemeinsam vor Gott. Gebete aus Judentum, Christentum und Islam. Gütersloher Verlagshaus, 2004. 2. Auflage 2006.
  • Leo Baeck: Jüdisches Denken – Perspektiven für heute. Herder, Freiburg 2006.
  • mit Elias H. Füllenbach OP: Leo Baeck – Eine Skizze seines Lebens. Gütersloher Verlagshaus, 2006.
  • Hrsg.: Leo Baeck – Philosophical and Rabbinical Approaches. Frank & Timme, Berlin 2007.
  • mit Alexander Deeg und Heinz-Günther Schöttler (Hrsg.): Preaching in Judaism and Christianity – Encounters and Developments. De Gruyter, Berlin 2008.
  • mit Dirk Hartwig, Michael J. Marx, Angelika Neuwirth (Hrsg.): „Im vollen Licht der Geschichte“ – Die Wissenschaft des Judentums und die Anfänge der kritischen Koranforschung. Ergon, Würzburg 2008.
  • mit Erich Zenger (Hrsg.): „... damit sie Jesus Christus erkennen.“ Die neue Karfreitagsfürbitte für die Juden. Herder, Freiburg 2008.
  • mit Hans Küng: Weltethos aus den Quellen des Judentums. Herder, Freiburg 2008.
  • mit Elias H. Füllenbach OP: Rabbiner Leo Baeck – Ein Lebensbild. Jüdische Miniaturen, Band 75. Hrsg. von Hermann Simon. Hentrich & Hentrich, Berlin 2008. 2. Auflage 2009.
  • Das Jüdische Eherecht. De Gruyter, Berlin 2009.
  • mit Hans Küng: How to Do Good and Avoid Evil – A Global Ethic from the Sources of Judaism. SkyLight Paths Publishers, Woodstock 2009.
  • Hrsg. von Hermann Simon: Jesus von Nazareth im Spiegel jüdischer Forschung. Jüdische Miniaturen Band 85. Hentrich & Hentrich, Berlin 2009. 2. Auflage 2010. 3. Auflage 2011.
  • Hrsg. mit Tobias Barniske: Ernst Ludwig EhrlichVon Hiob zu Horkheimer. Gesammelte Schriften zum Judentum und seiner Umwelt. De Gruyter, Berlin 2009.
  • Hrsg.: Frieden in Fülle komme vom Himmel – Die schönsten Gebete des Judentums. Herder, Freiburg 2011.
  • Hrsg. mit Johannes CS Frank: Ein Leben in Deutschland. Inspiration für kommende Generationen. Berlin 2012.
  • Hrsg. mit Heinz-Günther Schöttler: Rabbi – Pastor – Priest. Their Roles and Profiles Through the Ages. De Gruyter, Berlin 2013.
  • Hrsg. mit Christian Wiese und Thomas Brechenmacher: Jüdische Existenz in der Moderne – Abraham Geiger und die Wissenschaft des Judentums. De Gruyter, Berlin 2013.
  • Hrsg. mit Hans-Gert Pöttering: Theologie(n) an der Universität – Akademische Herausforderung im säkularen Umfeld. De Gruyter, Berlin 2013.
  • mit Andreas Nachama und Hartmut Bomhoff: Basiswissen Judentum. Herder, Freiburg 2014.
  • Jesus Reclaimed - Jewish Perspectives on the Nazarene. Berghahn, New York/Oxford 2015.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.rbb-online.de/brandenburgaktuell/archiv/20140519_1930/6.html Stand: 19. Mai 2014
  2. leo-baeck-foundation.org: http://www.leo-baeck-foundation.org/de/vorstand.htm. Stand 6. November 2009.
  3. http://www.zacharias-frankel-college.de
  4. Deutschlandradio, 17. November 2013: http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2013/11/17/dlf_20131117_0737_980fd21c.mp3
  5. Caroline Fetscher: Der Rabbi am grünen Ruder. Der Tagesspiegel, 30. Mai 1998. Online-Version (PDF; 13 kB)
  6. Yvonne Jennerjahn: Rabbiner mit grüner Vergangenheit epd Landesdienst Ost, Aufgerufen am 24. Dezember, 2012.
  7. [1]Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg
  8. Vgl. etwa Jes 60,1–22 EU sowie zu Jes 49,5 EU Walter Homolka, Esther Seidel (Hrsg.): Nicht durch Geburt allein: Übertritt zum Judentum. Frank & Timme, 2006, S. 23f. – Online-Version
  9. Friedmann Eißler Trägerverein für interreligiöses Zentrum in Berlin gegründet EZW-Materialdienst, Nr. 12 aus 2011, S. 466
  10. Dekret vom 13. November 2002 [2]
  11. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)
  12. huc.edu: http://huc.edu/newspubs/pressroom/article.php?pressroomid=297. Stand 6. November 2009.
  13. Burkhard Schmidtke: Walter Homolka mit Ehrenkreuz der Bundeswehr ausgezeichnet. 2. Dezember 2010, abgerufen am 11. Januar 2014.
  14. Pressemitteilung des BMVg [3]
  15. islam.de [4]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Walter Homolka – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien