Westfalenhallen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Westfalenhallen Dortmund
Logo der Westfalenhallen
Westfalenhalle 1 Dortmund.JPG
Westfalenhalle 1
Daten
Ort Dortmund
Koordinaten 51° 29′ 47″ N, 7° 27′ 21″ O51.4963888888897.4558333333333Koordinaten: 51° 29′ 47″ N, 7° 27′ 21″ O
Eigentümer Westfalenhallen Dortmund GmbH
Betreiber Westfalenhallen Dortmund GmbH
Baubeginn 1920er
Eröffnung 1925 und 1952 (nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg)
Kapazität bis zu 15.400

Die Westfalenhallen Dortmund sind ein Messe-, Kongress- und Veranstaltungszentrum an der Bundesstraße 1 in Dortmund. Unter der Führung der Muttergesellschaft Westfalenhallen Dortmund GmbH arbeiten insgesamt drei Tochterunternehmen: Messe Westfalenhallen Dortmund GmbH, KHC Westfalenhallen GmbH und Veranstaltungszentrum Westfalenhallen GmbH. Alleinige Gesellschafterin der Westfalenhallen Dortmund GmbH ist die Stadt Dortmund. Der Jahresumsatz der Gesellschaft liegt bei 40 bis 50 Millionen Euro.

Die Westfalenhallen umfassen insgesamt neun Hallen mit einer Gesamtfläche von rund 60.000 Quadratmetern. Die bekannteste ist die legendäre, denkmalgeschützte Westfalenhalle 1. Sie gehört zu den traditionsreichsten Veranstaltungsarenen Deutschlands. Zum Areal gehören außerdem die Messe Westfalenhallen Dortmund, das Kongresszentrum Westfalenhallen und das Mercure-Hotel Messe & Kongress Westfalenhallen.

Die Westfalenhallen verzeichnen rund 1,5 Millionen Besucher jährlich. 2009 konnte der 100-millionste Besucher seit 1952 begrüßt werden.

Geschichte[Bearbeiten]

Gedenkstein an das Stammlager VI D vor der heutigen Westfalenhalle III
SPD-Parteitag in der Westfalenhalle 1976

Die erste Westfalenhalle wurde in der Zeit von April bis November 1925 in nur sieben Monaten auf Anregung des damaligen Stadtbaurates Hans Strobel als Holzkonstruktion für 15.000 Besucher in Dortmund erbaut und war zeitweise die größte Halle Europas. Sie wurde am 28. November 1925 offiziell eröffnet.

Die Halle umfasste mehrere Festsäle, eine Reitbahn sowie Stallungen für 400 Pferde. Sie war Schauplatz von Messen und Bühnenfestspielen, Leichtathletikwettkämpfen, Reit- und Eissportturnieren und politischen Veranstaltungen. 1927 ging die Westfalenhalle in die Geschichte des Boxsports ein, als Max Schmeling den Belgier Fernand Delarge besiegte und Europameister wurde. Zwischen 1926 und 2008 fanden in der Westfalenhalle insgesamt 67 Sechstagerennen statt.[1]1935 wurde dafür vom Münsteraner Architekten Clemens Schürmann eine 200 Meter lange Radrennbahn eingebaut, die 1952 durch eine neue Bahn, ebenfalls von Schürmann, ersetzt und 2003 nochmals renoviert wurde.[2] Nach dem Ende der Sechstagerennen in Dortmund 2008 wurde die Radrennbahn 2011 ausgebaut.[3]

Im Jahre 1932 besuchte Adolf Hitler am 10. März und 30. Oktober im Rahmen seines Wahlkampfes die Westfalenhalle. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde die Halle häufig zu Propagandazwecken genutzt. Nach dem Kriegsbeginn mit dem Überfall auf Polen beschlagnahmte die Wehrmacht die Westfalenhalle. Die Wehrmacht errichtete dann in der Halle und später, als der Platz in der Halle nicht mehr ausreichte, in umliegenden Holzbaracken das Kriegsgefangenen-Mannschafts-Stammlager, kurz Stammlager VI D. In diesem Kriegsgefangenenlager waren bis 10.000 Kriegsgefangene gleichzeitig, vornehmlich Polen, Russen und Franzosen, untergebracht. Insgesamt durchliefen das Stalag VI D, 77.000 Gefangene, die in der Dortmunder Schwerindustrie als Arbeitskräfte eingesetzt wurden. Am 23. Mai 1944 wurde die Westfalenhalle durch einen Bombenangriff zerstört. Dabei starben tausende Kriegsgefangene, die den Angriffen schutzlos ausgeliefert waren. Am Gründonnerstag 2007 wurde ein Gedenkstein vor der Westfalenhalle 3B zur Erinnerung an das dortige Kriegsgefangenenlager eingeweiht.

Unmittelbar nach dem Krieg beschloss der Rat der Stadt Dortmund 1945, die Westfalenhalle neu zu erbauen. Am 2. Februar 1952 eröffnete Bundespräsident Theodor Heuss die neue Halle. Die von den Architekten Walter Höltje, damals 28-jährig, und Horst Retzki[4] als Betonkonstruktion geplante Halle besitzt eine freitragende Dachkonstruktion – so konnte auf störende Stützpfeiler im Innenraum verzichtet werden. Die 118 m lange, 98 m breite und 29 m hohe Halle bietet je nach Bühnenaufbau und Bestuhlung Platz für bis zu 15.400 Zuschauer, nachdem die Kapazität 2011/2012 erweitert worden ist. Auf dem Dach dreht sich seit 1968 ein großes beleuchtetes „U“, welches das Symbol der Dortmunder Union-Brauerei ist. 2011 kam auf die eine Seite der Dachwerbung ein C hinzu, das Logo des Werbepartners „Die Continentale“.[5] Das Veranstaltungs-, Messe- und Kongresszentrum umfasst insgesamt neun Hallen. Die Westfalenhalle 1 ist als Baudenkmal in die Denkmalliste der Stadt Dortmund eingetragen.[6]

In der Westfalenhalle 1 wurde viele Jahre lang die Auszeichnung Goldene Westfalenhalle vergeben. Preisträger sind u. a. James Last, Udo Jürgens, Freddy Quinn und Otto Waalkes.

Das 2006 veröffentlichte Bild Mayday V des deutschen Fotografen Andreas Gursky zeigt die Glasfassade der Halle 1 während der jährlichen Techno-Veranstaltung Mayday. Mittels Fotomontage erzeugt Gursky die Illusion eines 18-stöckigen Turmes.[7]

Zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 wurde in der Halle 3B ein Medienzentrum eingerichtet. Die restlichen Flächen wurden zur Übernachtungsmöglichkeit für auswärtige Besucher umgebaut und hatten eine Kapazität von knapp 4000 Betten. Außerdem wurde vier Wochen lang ein großes „Fan Fest“ veranstaltet.

Messe Westfalenhallen Dortmund GmbH[Bearbeiten]

Eingang Messe Westfalenhallen
Halle bei Nacht

Mehr als 8000 Aussteller nehmen jedes Jahr an rund 35 Messen teil. Die Messe Westfalenhallen Dortmund GmbH veranstaltet u. a. europa- oder sogar weltweit führende Messen, wie die Jagd & Hund, die Creativa, die Intermodellbau oder die Inter-tabac.

Kennzeichnend für die Messe ist das kompakte Hallenensemble, das sich auf eine Grundfläche von 300 × 750 m verteilt. Jede Halle ist maximal 200 m vom Haupteingang entfernt.

Zur Messe Westfalenhallen Dortmund gehören neun klimatisierte Hallen mit zwischen 1000 und 10.600 Quadratmetern Fläche. Die neueste Halle, die Westfalenhalle 3B, wurde im Frühjahr 2005 mit einer Fläche von 10.600 m² eröffnet. Insgesamt bietet die Messe Westfalenhallen eine Ausstellungsfläche rund 60.000 m². Damit liegt Dortmund auf dem deutschen Messemarkt im mittleren Größenbereich.

Zu dem überregional bedeutenden Messen zählen:

Publikumsmessen

Fachmessen

  • Brille & Co[Anm. 1]
  • Best of Events International (*)
  • Wäsche und mehr...[Anm. 1]
  • easyFairs Schüttgut + weitere easy Fairs-Messen[Anm. 1]
  • Elektrotechnik
  • Inter-tabac
  • DKM – Internationale Fachmesse für die Finanz- und Versicherungswirtschaft[Anm. 1]
  • DIE INITIALE
  1. a b c d e f g h wird nicht von der Westfalenhallen Dortmund GmbH organisiert

KHC Westfalenhallen GmbH[Bearbeiten]

Die Westfalenhalle im Juli 1963

KHC steht für „Kongresszentrum – Hotel – Catering“, womit die drei großen Tätigkeitsfelder der Gesellschaft umrissen sind. Die KHC Westfalenhallen GmbH betreibt neben dem Mercure Hotel Dortmund Messe & Kongress Westfalenhallen sowie dem Kongresszentrum Westfalenhallen auch die Restaurants Rosenterrassen und VeriTable an den Westfalenhallen sowie externe Locations: das Bistro Restaurant StadtGARTEN im Dortmunder Rathaus sowie die Gastronomieeinrichtungen und Kongressräume am Dortmund Airport. Unter der Marke „Manufaktur CulinaDo“ bietet das Unternehmen hochwertiges Catering, Kochevents und Kochkurse an.

Kongresszentrum[Bearbeiten]

Das Kongresszentrum Westfalenhallen umfasst rund 30 Säle und Hallen, in denen Kongresse und Tagungen für 10 bis 10.000 Teilnehmern durchgeführt werden können. Jährlich betreut das Kongresszentrum rund 1.000 Termine. Zusätzlich bewirtschaftet das Kongresszentrum Säle im Flughafen Dortmund.

Der legendäre Goldsaal hat in seiner langen Vergangenheit schon oft Geschichte geschrieben. So beschloss der DFB am 28. Juli 1962 im Goldsaal die Gründung der Fußball-Bundesliga.

Restauration[Bearbeiten]

  • Restaurant Rosenterrassen
  • Restaurant VeriTable
  • Gastronomie des Flughafens Dortmund
  • Stadtgarten Bistro Restaurant im Rathaus Dortmund

Veranstaltungszentrum Westfalenhallen GmbH[Bearbeiten]

Westfalenhalle 1 und Eingang der Halle 2

Zum Veranstaltungszentrum Westfalenhallen zählen die Westfalenhallen 1–3A. Flaggschiff des Unternehmensverbundes ist die Westfalenhalle 1 mit einem Fassungsvermögen von 15.400 Menschen. Sie ist denkmalgeschützt und gehört zu den traditionsreichsten Veranstaltungshallen Deutschlands. Eröffnet wurde das heute bestehende Gebäude 1952, der Vorgängerbau sogar schon 1925. In der Westfalenhalle 1 fanden bereits mehr als 30 Weltmeisterschaften und über 50 Europameisterschaften statt. Die Konzertstatistik der Veranstaltungszentrum Westfalenhallen GmbH umfasst weit mehr als 1.000 Künstlernamen. Für einige Stars, wie Chris de Burgh und Marius Müller-Westernhagen, war ein Konzert in der Großen Westfalenhalle gar der Durchbruch auf dem Weg zum Superstar.

1981 war die große Westfalenhalle, neben Los Angeles, London und Uniondale (New York), einer von weltweit nur vier Veranstaltungsorten der The Wall Tour von Pink Floyd.

Von einer Vielzahl namhafter Interpreten wurden Konzertmitschnitte von ihren Auftritten in der großen Westfalenhalle als CD oder DVD veröffentlicht, unter ihnen Weltstars wie Bob Marley, Iron Maiden und Joe Cocker.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Mayday 2009

Weltmeisterschaften[Bearbeiten]

Europameisterschaften[Bearbeiten]

Größe der Hallen[Bearbeiten]

Halle
Größe
Westfalenhalle 1
4.700 m²
Westfalenhalle 2
1.800 m²
Westfalenhalle 2N
970 m²
Westfalenhalle 2U
1.000 m²
Westfalenhalle 3A
1.730 m²
Westfalenhalle 3B
10.600 m²
Westfalenhalle 4
8.300 m²
Westfalenhalle 5
5.100 m²
Westfalenhalle 6
7.200 m²
Westfalenhalle 7
6.000 m²
Westfalenhalle 8
5.500 m²

Technische Ausstattung[Bearbeiten]

Im Januar 2008 begann T-Systems mit der Installation einer auf dem Internetprotokoll (IP) basierenden Kommunikationstechnik, die es Ausstellern ermöglicht, leistungsfähige Internet-Zugänge sowie Internet-Telefonie zu nutzen. Parallel dazu wurde ein flächendeckendes WLAN installiert.

Geschäftsführer[Bearbeiten]

Bisherige Geschäftsführer der Westfalenhallen seit 1952:

  • 1952–1953: Wilhelm Wortelmann, Sportjournalist
  • 1953–1971: Helmut Körnig, ehemaliger Sportler
  • 1971–1985: Hermann Heinemann, Politiker
  • 1985– Juli 2011: Ludwig Jörder, Rechtsanwalt und Notar
  • seit August 2011: Sabine Loos

Literatur[Bearbeiten]

  • Poppe, Artur; Weber, Andreas. Westfalenhallen Dortmund, Die Chronik. Dortmund. 2010. ISBN 978-3-00-030023-3.
  • Erich, lass mal Laufen! – Die Filme der Elisabeth Wilms. Dokumentation des LWL-Medienzentrum für Westfalen, Münster 2011, ISBN 978-3-939974-16-1 (DVD, unter anderem mit dem Film „Dortmunds neue Westfalenhalle – Der Gigant unter den Sportpalästen“ mit Aufnahmen aus den Jahren 1951/52 über die Bauarbeiten).

Quellen und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Jacq van Reijendam: 6-daagsen statistieken 2009. Nr. 17. Hrsg. von der Union International des Vélodromes
  2. velodromes.com
  3. Das Aus für die Radrennbahn auf derwesten.de v. 2. November 2010
  4. Westfalenhallen. In: archINFORM.
  5. http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/c-dockt-auf-westfalenhalle-an-dem-u-an-id6043572.html
  6. Nr. A 0570. Denkmalliste der Stadt Dortmund. In: dortmund.de – Das Dortmunder Stadtportal. Denkmalbehörde der Stadt Dortmund, 14. April 2014, abgerufen am 12. Juni 2014 (PDF, Größe: 180 kB).
  7. Florian Heine – Mit den Augen der Maler. C. J. Bucher Verlag 2009 (Kapitel: Mayday V, S. 156f). ISBN 978-3-7658-1612-3

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Westfalenhalle Dortmund – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien