The Wall

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Dieser Artikel behandelt das Pink-Floyd-Album. Für die gleichnamige Band siehe The Wall (Band).
The Wall
Studioalbum von Pink Floyd
Cover
Veröffentlichung 30. November 1979
Label ursprünglich:

Neuauflagen:

Format CD, LP
Genre Artrock
Anzahl der Titel 26
Laufzeit 80 Min 54 Sek[1]

Besetzung

Produktion Bob Ezrin, David Gilmour und Roger Waters

Studios

  • Super Bear Studios – Miravel, France
  • Britannia Recording Studios, Islington[2]
  • CBS – New York
  • Producers Workshop – Los Angeles
Chronologie
Animals
(1977)
The Wall The Final Cut
(1983)
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Logo des The Wall Films

The Wall ist ein Konzeptalbum der britischen Rockband Pink Floyd. Es wurde am 30. November 1979 in Großbritannien veröffentlicht. The Wall stellte nach den Vorgängeralben Wish You Were Here und Animals eine neue Ausrichtung der Musik der Band dar. Zugleich ist es das letzte Studioalbum der Band, das in der „klassischen“, seit 1968 bestehenden Besetzung eingespielt wurde, da Richard Wright am Ende der Aufnahmen veranlasst wurde, Pink Floyd zu verlassen.

Inhalt[Bearbeiten]

The Wall erzählt die Geschichte von Pink, einem jungen als Musiker erfolgreichen Mann, der aufgrund der Überbehütung durch seine Mutter (Mother), der Abwesenheit seines im Krieg gefallenen Vaters (Another Brick in the Wall Part I, When the Tigers Broke Free), Liebesaffären (Young Lust), dem Umstand, von seiner Frau betrogen und verlassen worden zu sein (Young Lust, Don´t Leave me Now) und der Grausamkeit der Lehrer in der Kindheit (The Happiest Days of Our Lives) eine imaginäre Mauer um sich errichtet, die ihn vor äußeren emotionalen Einflüssen schützen soll. Nachdem er die Mauer aufgebaut hat, verzweifelt der junge Mann jedoch an seiner Existenz, weil er durch sie von sozialen Kontakten weitgehend abgeschirmt ist.

Unfähig, die Mauer einzureißen, verabschiedet sich der Protagonist von der für ihn grausamen Welt (Goodbye, Cruel World). Anstatt sich jedoch umzubringen, versucht er, die letzten verbleibenden Gefühle zu unterdrücken und zieht sich in sich selbst zurück. Er ist nun drogenabhängig, apathisch und verbringt die meiste Zeit reglos und allein vor dem Fernseher (Nobody Home). Als er für einen Auftritt von einem Arzt mit Beruhigungsmitteln behandelt wird (Comfortably Numb) nehmen seine Drogenfantasien überhand: Zunächst entwickelt er Verfolgungswahn (Run like Hell), und in seinen Vorstellungen wird er sodann zu einem totalitären Agitator, der in seiner Wut auf die Welt gegen Minderheiten hetzt.

Am Ende seines Wahns ist Pink nicht mehr in der Lage, alle Emotionen zu unterdrücken, und klagt sich selbst des Vergehens, Gefühle gezeigt zu haben, vor einem imaginären Gericht an. Das Gericht nimmt die Zeugenaussagen von Lehrer, Ex-Frau und Mutter entgegen und verurteilt den Angeklagten: Als Strafe wird die Mauer eingerissen (The Trial). Der verletzliche Pink ist nun freigegeben, und ein neues Leben scheint sich anzubahnen (Outside the Wall) – allerdings bricht die letzte Melodie an genau der Stelle ab, an der das Album begonnen hat: Vielleicht beginnt Pinks Leidensweg also auch einfach wieder von vorn.

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Person des als Soldat verstorbenen Vaters trägt autobiografische Züge, da Roger Waters' Vater Eric Fletcher Waters im Zweiten Weltkrieg fiel. Besonders im Stück When the Tigers Broke Free verarbeitet Waters den Verlust seines eigenen Vaters, der als Soldat der „Royal Fusiliers Company C“ am 16. Februar 1944 bei der Verteidigung eines Brückenkopfes in Anzio (Italien) getötet wurde, als deutsche Kampfpanzer vom Typ Tiger die alliierten Stellungen durchbrachen. Dieser Titel ist allerdings nicht auf dem Album enthalten, Waters schrieb ihn extra für eine entsprechende Szene im später entstandenen Film.

Das Stück Vera ist eine Anspielung auf Vera Lynn, eine im Zweiten Weltkrieg für ihre vor allem bei britischen Soldaten beliebten Lieder bekannte Sängerin. Pink Floyd nimmt in diesem Stück Bezug auf Lynns Song We'll Meet Again aus dem Jahr 1942.

Kommerzieller Erfolg[Bearbeiten]

Die Verkaufszahl beträgt 30 Millionen Stück.[3][4] The Wall ist das weltweit meistverkaufte Doppelalbum [5][6] und war für einige Jahre auch das weltweit meistverkaufte Album überhaupt, bis es von Michael Jacksons Thriller übertroffen wurde.

Konzert[Bearbeiten]

Foto der The Wall Show aus dem Jahre 1980

Bedingt durch die aufwändige und teure Bühnenkonstruktion wurde The Wall in den Jahren 1980 und 1981 lediglich in New York, Los Angeles, London und Dortmund an jeweils mehreren Abenden in Hallen aufgeführt. Die Uraufführung fand am 7. Februar 1980 in Los Angeles statt.

Während der ersten Konzerthälfte wurde schrittweise quer über die Bühne eine Mauer, bestehend aus quaderförmigen Pappe-Bausteinen, errichtet. Mit jedem weiteren Lied kamen neue Steine hinzu, so dass sie mit dem letzten Ton des letzten Liedes (Goodbye Cruel World) geschlossen wurde. Anschließend fand eine rund dreißigminütige Pause statt.

In der zweiten Konzerthälfte spielten Pink Floyd hinter der Bühne, während vorne eine maskierte „Ersatzband“ agierte. Im Stück In The Flesh propagiert der Protagonist dieser „Surrogate band“ (Andy Bown, Snowy White, Willie Wilson und Peter Woods) in einer Rede seine faschistische Entschlossenheit. Bei der Uraufführung wurden willkürlich Zuschauer zu bestimmten Textpassagen ausgewählt und mit einem Spotlicht angeleuchtet, so zum Beispiel bei „Are there any queers in the theatre tonight?“ („Sind heute Abend Schwule in diesem Saal anwesend?“) oder „This one looks Jewish, and this one's a coon!“ („Der hier sieht jüdisch aus, und der hier ist ein Neger!“), schließlich kommentiert mit „If I had my way, I'd have all of you shot!“ („Wenn es nach mir ginge – ich würde euch alle erschießen lassen!“). Zum Finale seiner Rede fielen an den Wänden Banner mit den gekreuzten Hämmern herunter, in den Farben schwarz, weiß und rot. Vor allem vor Run like Hell pflegte Waters alias Pink zudem das Publikum zu beschimpfen: „Are there any paranoids in the audience tonight? Is there anyone who worries about things? Pathetic! This is for all you weak people in the audience!“ („Sind heute Paranoiker im Publikum? Sind hier Leute, die sich Sorgen machen? Wie jämmerlich! Dies hier ist für all euch Schwächlinge im Publikum!“)

Bei Run like Hell traten Pink Floyd vor die Mauer und spielten mit der „Ersatzband“. Ansonsten waren in der zweiten Hälfte der Shows nur in einzelnen Szenen, wie beispielsweise der Hotelzimmerszene, in der Roger Waters als Pink vor dem Fernseher sitzt, einzelne Bandmitglieder zu sehen. Und David Gilmour wurde z. B. bei einem seiner Gitarrensoli (Comfortably Numb) mittels einer Hebebühne auf Mauerhöhe gehoben, so dass er von den Zuschauern zu sehen war. Auf die Mauer wurden im Laufe des Konzerts mehrfach Trickfilmszenen projiziert. Am Schluss wurde diese Mauer (mit Geräuschen einer gewaltigen Explosion) zerstört und fiel in sich zusammen; dahinter wurden dann wieder die Pink-Floyd-Musiker sichtbar. Es folgte sodann das Schlusslied der Band „unplugged“, also völlig ohne jegliche elektronisch unterstützte Musik.

Spektakulär waren auch die riesengroßen Marionetten, die während der Show als Lehrer oder Mutter zu sehen waren.

Am 6. September 2013 feierte Roger Waters seinen 70. Geburtstag mit einem Konzert in der Esprit Arena in Düsseldorf im Zuge seiner The Wall Tour. Die 35.000 Zuschauer stimmten am Ende des Konzertes ein Happy Birthday an. Auf Grund der vielen Konzertbesucher kam es in Düsseldorf zu erheblichen Verkehrsstörungen, so dass manche erst zur zweiten Hälfte der Show die Veranstaltung erreichten, obwohl das Konzert aus eben diesen Gründen schon später angefangen hatte. Die jüdische Gemeinde Düsseldorfs hatte zuvor zum Boykott des Konzertes aufgerufen, da während der Show ein riesiges aufblasbares Schwein durch die Halle fliegen sollte, auf dem neben einer Reihe anderer Symbole, wie z.B. dem Kruzifix, Hammer und Sichel oder Firmenlogos auch ein Davidstern zu sehen war.[7] Roger Waters wies auf seiner Website darauf hin, dass er weder Antisemit sei, noch das Schwein antisemitisch gemeint sei. Der Davidstern sei als Protest gegen die israelische Außenpolitik zu sehen, die Waters seit Jahren offen angreift. Das aufblasbare Schwein, ein wiederkehrendes Element in Waters´ Shows, symbolisiere "das Böse eines fehlgeleiteten Staates".[8] Am Ende eines jeden Konzertes würde es den Fans zum Geschenk gemacht, die damit jedes mal das Richtige täten: Es zu zerstören, wie auch am 6. September 2013 auf der Südtribüne passiert.

Film[Bearbeiten]

1982 wurde das Album von Alan Parker und Gerald Scarfe mit dem Musiker Bob Geldof in der Hauptrolle verfilmt. Der Film enthält ein neues Lied (When the Tigers Broke Free) sowie Neueinspielungen von älteren Liedern wie Mother und Empty Spaces.

Der Film The Wall ist zusammengesetzt aus Realfilm- und Zeichentricksequenzen von Scarfe. In den Zeichentrickteilen wird insbesondere die Mauer visualisiert, sie dienen der Darstellung von Pinks Innenleben.

Geschichte[Bearbeiten]

Rund 300.000 Zuschauer versammelten sich auf dem ehemaligen Todesstreifen zwischen Brandenburger Tor und Leipziger Platz
Im Scheinwerferlicht auch Graffiti, wie sie für die Berliner Mauer typisch waren

Nach dem Fall der Berliner Mauer im Jahre 1989 wurde „The Wall“ am 21. Juli 1990 am Potsdamer Platz nochmals aufgeführt. Das Konzert wurde von Roger Waters geleitet, der über die Rechte an „The Wall“ verfügt. Alle Mitwirkenden (u. a. Paul Carrack, Cyndi Lauper, Sinéad O’Connor, Joni Mitchell, Jerry Hall, Bryan Adams, The Hooters, Scorpions, Van Morrison, Ute Lemper) verzichteten auf die Gage. Der Erlös in Höhe von sechs Millionen DM wurde an die Stiftung World War Memorial Fund for Disaster Relief gespendet.

Die Lieder wurden teilweise anders interpretiert als auf dem Album. Einige Arrangements waren sehr aufwändig, so kreisten zu den Hubschraubereffekten, die auf dem Album zu hören sind, echte Helikopter seitlich über den Zuschauern. Als Finale gab es mit „The Tide Is Turning“ einen Song, den Roger Waters auch zuvor auf dem Studioalbum Radio K.A.O.S. (1987) veröffentlicht hat. Der Song ist nicht auf „The Wall“ enthalten.

Für dieses Konzert wurden etwa 200.000 Karten verkauft, unmittelbar vor dem Konzert wurden die Tore aber aus Sicherheitsgründen geöffnet, weil noch viel mehr Menschen ohne Eintrittskarte auf das Festivalgelände drängten. Während des Konzertes kam es durch Probleme mit der Stromversorgung zum zeitweiligen Ausfall eines Großteils der Beschallungsanlage, wodurch Anwesende, die weiter entfernt standen, große Teile des Konzerts kaum hören konnten. Mit sieben Megawatt war die Beschallungsanlage die größte, die je für ein einzelnes Konzert gebaut worden war.

Bis heute ist The Wall das einzige Konzert, das durch den Veranstaltungsort auf der innerdeutschen Grenze mit einer Bühne gleichzeitig in zwei Staaten stattgefunden hat.

Einzelne Lieder der Produktion waren auch auf den folgenden Pink-Floyd-Tourneen und den weltweiten Konzerten von Roger Waters und auch David Gilmour zu hören.

In den Jahren 2010 und 2011 brachte Roger Waters The Wall zum ersten Mal seit 1990 wieder in kompletter Länge auf die Bühne. Die Tour startete am 15. September 2010 in Toronto, Kanada, durchquerte daraufhin die USA und schloss den Nordamerika-Teil der Tour am 21. Dezember in Mexiko Stadt ab. Am 21. März 2011 kam die Tour daraufhin nach Europa, wo sie in Lissabon, Portugal, startete und am 12. Juli in Athen, Griechenland, zunächst ihren Abschluss fand. Im Sommer 2013 schließt sich eine Stadiontour in Europa an. Waters hatte zuvor angedeutet, dass dies sein letztes großes Projekt sein könnte.[9]

Das opus magnum von Waters und Pink Floyd ist mittlerweile das Werk der Rockgeschichte, über welches die meisten akademischen Arbeiten verfasst worden sind. Diese reichen von der Musikwissenschaft über die Soziologie bis hin zur Anglistik und zur Theologie. Weitere offizielle Veröffentlichungen:

  • The Wall (DVD des Films von 1982)
  • Is There Anybody Out There? - The Wall Live 1980–1981 (Doppel-CD)
  • Roger Waters – The Wall: Live In Berlin (Doppel-CD)
  • Roger Waters – The Wall: Live In Berlin (DVD des Konzerts inklusive 5.1-Kanal-Raumklang, auch als Special Edition mit DTS-5.1-Sound erhältlich)

Titel[Bearbeiten]

(CD 1):

  1. In the Flesh? (Waters) – 3:18 min
  2. The Thin Ice (Waters) – 2:28 min
  3. Another Brick in the Wall (Part One) (Waters) – 3:21 min
  4. The Happiest Days of Our Lives (Waters) – 1:46 min
  5. Another Brick in the Wall (Part Two) (Waters) – 3:56 min
  6. Mother (Waters) – 5:32 min
  7. Goodbye Blue Sky (Waters) – 2:48 min
  8. Empty Spaces (Waters) – 2:06 min
  9. Young Lust (Waters/Gilmour) – 3:29 min
  10. One of My Turns (Waters) – 3:37 min
  11. Don't Leave Me Now (Waters) – 4:22 min
  12. Another Brick in the Wall (Part Three) (Waters) – 1:17 min
  13. Goodbye Cruel World (Waters) – 1:05 min

(CD 2):

  1. Hey You (Waters) – 4:41 min
  2. Is There Anybody Out There? (Waters) – 2:40 min
  3. Nobody Home (Waters) – 3:25 min
  4. Vera (Waters) – 1:39 min
  5. Bring the Boys Back Home (Waters) – 0:51 min
  6. Comfortably Numb (Waters/Gilmour) – 6:49 min
  7. The Show Must Go On (Waters) – 1:37 min
  8. In the Flesh (Waters) – 4:17 min
  9. Run Like Hell (Waters/Gilmour) – 4:23 min
  10. Waiting for the Worms (Waters) – 3:56 min
  11. Stop (Waters) – 0:32 min
  12. The Trial (Waters/Ezrin) – 5:18 min
  13. Outside the Wall (Waters) – 1:42 min

Trivia[Bearbeiten]

Neben The Dark Side of the Moon ist es das kommerziell erfolgreichste Werk der Band. Das Stück Another Brick in the Wall (Part 2) wurde als Single und Musikvideo weltbekannt, und Comfortably Numb entwickelte sich mit seinem berühmten Gitarrensolo zum Höhepunkt fast aller folgenden Konzerte der Band. Das Album The Wall wurde zum meistverkauften Doppelalbum der Welt. Eine „Fortsetzung“ von The Wall ist das Album The Final Cut von 1983. The Wall stammt nahezu vollständig aus der Feder von Roger Waters. Das Design des Plattencovers sowie die Animationen des Films stammen von Gerald Scarfe.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerald Scarfe: The Making of Pink Floyd: The Wall, Edel Germany, 2011. ISBN 978-3-8419-0061-6.
  • Marlies Bayha: Pink Floyds „The Wall“ – eine Abrechnung mit der Popkultur?, Grin Verlag, 2007, ISBN 978-3-638-82051-6.
  • Jeff Bench, Daniel O'Brien: Pink Floyd's The wall: in the studio, on stage and on screen, Reynolds & Hearn, 2004, ISBN 978-1-903111-82-6
  • Holden Hartsoe: The Unauthorized Guide to Pink Floyd's the Wall, BiblioBazaar, 2011, ISBN 978-1-241-16869-8
  • David Fricke: „Roger Waters: Welcome to My Nightmare … Behind The Wall“, Mojo Magazine (London: Emap Metro), 2009, 193: 68–84
  • Brian Hiatt: „Back to The Wall“, Rolling Stone (Rolling Stone), 2010, 1114: 50–57

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Allmusic, abgerufen am 15. März 2013
  2. Pink Floyd pupils sue for royalties
  3. Metro, On this day in entertainment, November 30, 2006. Retrieved August 15, 2009
  4. The Indepedent, The dark side of The Wall, Retrieved August 15, 2009
  5. Magazine Guitarist and Bass, Retrieved August 12, 2009 (PDF-Datei; 4,4 MB)
  6. Kevin Whitlock, Record Collector, Retrieved August 12, 2009
  7. Meldung bei spiegel.de
  8. Roger Waters und sein Skandal-Schwein
  9. http://tour.rogerwaters.com/