Florianturm

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Florianturm
Florian2013.jpg
Basisdaten
Ort: Dortmund
Land: Nordrhein-Westfalen
Staat: Deutschland
Höhenlage: 124 m ü. NHN
Verwendung: Fernmeldeturm, Rundfunksender, Aussichtsturm
Zugänglichkeit: Sendeturm öffentlich zugänglich
Besitzer: Deutsche Funkturm
Turmdaten
Bauzeit: 1958–1959
Bauherr: Deutsche Bundespost
Baustoffe: Beton, Stahlbeton
Betriebszeit: seit 1959
Letzter Umbau (Turm): 2006–2007
Gesamthöhe: 208,56 m
Höhen der Aussichtsplattformen: 141,8 m, 144,7 m
Daten der Sendeanlage
Letzter Umbau: 2004
Wellenbereich: UKW-Sender
Rundfunk: UKW-Rundfunk
Sendetypen: DVB-T, DAB, Richtfunk
Positionskarte
Florianturm (Nordrhein-Westfalen)
Florianturm
Florianturm
51.49667.4766Koordinaten: 51° 29′ 47,8″ N, 7° 28′ 35,8″ O

Der Florianturm, kurz Florian, ist ein weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt Dortmund. Der Aussichts- und Fernsehturm wurde 1959 anlässlich der Bundesgartenschau im Westfalenpark mit einer Höhe von 219,3 Metern errichtet. Für rund ein Jahrzehnt war er der höchste Fernsehturm Deutschlands und damit eines der höchsten Bauwerke des Landes. Die gegenwärtige Höhe des Turms mit Antennenanlage beträgt rund 209 Meter. Im Turmkorb befindet sich ein Drehrestaurant. 1959 war es das erste seiner Art weltweit.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Während der Planungs- und Ausführungsphase der ersten Dortmunder Bundesgartenschau gewann 1957 der Architekt Will Schwarz einen Preis für den Entwurf eines Aussichtsturms für das Ausstellungsgelände. Nach diesem ersten Entwurf sollte der Turm ein rotierendes Restaurant in 65 Meter Höhe besitzen.

Zeitgleich suchte die Deutsche Bundespost nach einem Standort für einen 150 Meter hohen Sendemast am Rheinlanddamm. Die technische Lösung eines Gittermastes hätte das Stadtbild gestört. Daher kamen die Stadt Dortmund und die Deutsche Bundespost überein, einen kombinierten Aussichts- und Fernmeldeturm auf dem Gelände der Bundesgartenschau errichten zu lassen.

Die Planung des Projektes verblieb beim Architekturbüro Will Schwarz. Am 22. Mai 1958 begann der Bau. Der Turmschaft wurde aus Beton in der Technik des Gleitschalsystems errichtet, bei dem ohne Gerüst gearbeitet werden konnte. Gebaut wurde im 24-Stunden-Schichtbetrieb. Im Winter wurde der Bau zeitweilig unter dem Schutz eines erwärmten Zeltes fortgeführt. Die Bauzeit betrug weniger als ein Jahr.

Das Restaurant wurde in einer Höhe von 138 Meter gebaut, das entsprach mehr als der doppelten Höhe des Ursprungsentwurfs. Oberhalb des Restaurant wurde eine Aussichtsplattform ausgeführt, darunter, in 133 Metern Höhe, Wirtschafts- und Maschinenräume.

Bei seiner Eröffnungsrede zur Bundesgartenschau verkündete der Dortmunder Oberbürgermeister Dietrich Keuning am 30. April 1959: „Der Turm ist fertiggestellt, der Aufzug läuft, das Restaurant dreht sich!“[2] Bei seiner Eröffnung rotierte das Restaurant drei mal pro Stunde.[1]

Über den Aussichtsplattformen sind die Fernmeldeeinrichtungen und Antennenanlagen der Deutschen Telekom untergebracht – von hier wurde seit 1959 terrestrisches Fernsehen ausgestrahlt. Zunächst war der obere Turmkorb mit einem Stockwerk ausgeführt; später kam ein zweites dazu, das dem Florianturm sein jetziges Aussehen verlieh.

Am 7. September 2004 erfolgte mit Hilfe eines russischen Lastenhubschraubers ein Austausch der Antennenanlage zur Vorbereitung der DVB-T-Ausstrahlung. Seit dem 8. November 2004 werden Dortmund und Umgebung mit zunächst 20 und seit dem 4. April 2005 mit 24 digitalen Fernsehprogrammen auf sechs UHF-Kanälen mit einer Sendeleistung von jeweils 50 kW (ERP) versorgt.

Der Florianturm hat nun eine Höhe von 208,56 Metern und rangiert damit bei den höchsten Türmen Deutschlands auf Rang 14. Betreiber und Eigentümer der Anlage ist die Deutsche Funkturm GmbH (DFMG), eine Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom mit Sitz in Münster.

1998 bis 1999 fanden umfangreiche Umbaumaßnahmen statt. Der Turm erhielt eine komplett neue Fassade und Inneneinrichtung sowie Brandschutzeinrichtungen.[3] Mechanik und Antrieb des Drehrestaurants, zuvor einige Zeit stillgelegt, wurde saniert. Die Arbeiten wurden durch eine öffentliche Spendenaktion unter dem Titel Aktion Dreh dich! unterstützt.[4]

Plattform für das Bungee-Jumping am Turmkorb

Ab dem Jahr 2000 beherbergte die obere Aussichtsplattform eine Anlage zum Bungeespringen. Diese wurde 2003 nach einem durch ein gerissenes Seil verursachten Todesfall stillgelegt und im Juli 2008 abgebaut.[5]

Anfang Oktober 2006 lösten sich in 164 Meter Höhe Betonstücke von der Außenfassade und stürzten in die Tiefe. Als Folge wurde der Turm großflächig abgesperrt und anschließend auf der Höhe von 164 bis 168 Metern eingerüstet. Nach der Sanierung wurde der Florianturm wieder geöffnet.

Von April 2011 an war der Turm aufgrund notwendiger Sanierungsarbeiten geschlossen.[6] Für 1,5 Mio. Euro wurde ab Juni 2011 die Betonfassade saniert[7] und der Turm Ende März 2012 wieder eröffnet[8]. Im folgenden Winterhalbjahr erhielt der Turm neue Aufzüge.[9] Das Turmcafé und die Aussichtsplattformen sind seit April 2013 wieder geöffnet.

Der Turm ist ein Themenpunkt der Route der Industriekultur.

Beschreibung[Bearbeiten]

Der Turm wurde mit der aus dem Industriebau bekannten Konstruktion der Betonkamine errichtet. Auf einer Stahlbetonröhre, deren Durchmesser sich nach oben bis zur Höhe von 129,75 Metern bei abnehmender Wandstärke konisch verjüngt, liegt in 130,60 Meter Höhe ein zweigeschossiger Gebäudeteil. Im Untergeschoss befinden sich Wirtschaftsräume, im Obergeschoss in 137,54 Meter Höhe ein Drehrestaurant. In 141,88 Meter und 144,7 Meter Höhe laden zwei Aussichtsplattformen den Besucher zum weiten Blick in die Ferne ein. Zu Fuß ist diese Plattform nach 762 Stufen erreichbar, das Restaurant nach 738 Stufen.

Der Turm ist als Baudenkmal in die Denkmalliste der Stadt Dortmund eingetragen.[10]

Brandschutz[Bearbeiten]

Brandschutzwand im Turm
Quelle: derwesten.de
(Foto: WAZ FotoPool/ Ralf Rottmann)

(Bitte Urheberrechte beachten)

Aufgrund aktueller Feuerschutzbestimmungen wurde das Treppenhaus mittels einer feuerfesten, rund 130 Meter hohen Wand vom Aufzugschacht getrennt, damit im Brandfall zwei von einander unabhängige Fluchtwege existieren.[11] Durch diese Ende der 1990er Jahre ausgeführte bauliche Maßnahme ist es möglich den Aussichtsturm bei verschärften Brandschutzbestimmungen, anders, als beispielsweise den etwa gleichaltrigen Stuttgarter Fernsehturm, für den Publikumsverkehr geöffnet zu halten.[12] Menschen mit mobilen Einschränkungen, beispielsweise Rollstuhlfahrer, dürfen den Turm nicht mehr befahren. In den Bestimmungen heißt es: Personen die den Turm befahren, müssen (Zitat) in Notfällen im Restaurantbereich über die Treppen und über eine senkrechte Feuerleiter auf die Aussichtsplattform des Turms gelangen können bzw. in Notfällen im Fahrstuhl die Kabine durch die Tür verlassen und im Fahrstuhlschacht über eine kleine Notstiege in die parallel haltende zweite Fahrstuhlkabine umsteigen können. Das Mitführen von Kinderwagen ist auch nicht gestattet.[13]

Frequenzen und Programme[Bearbeiten]

Analoges Radio (UKW)[Bearbeiten]

Vom Florianturm werden folgende Hörfunkprogramme über UKW ausgestrahlt:[14]

Programm Frequenz
(MHz)
ERP
(kW)
Radio 91.2 91,2 0,2
BFBS Radio Germany 106,0 2,5

Digitales Radio (DAB)[Bearbeiten]

DAB wird in vertikaler Polarisation und im Gleichwellenbetrieb mit anderen Sendern ausgestrahlt. Seit Oktober 2012 wird neben dem bundesweiten Multiplex auf DAB-Kanal 5C auch der landesweite Multiplex auf DAB-Kanal 11D vom Florianturm ausgestrahlt.

Block Programme
(Datendienste)
ERP 
(kW)
Antennen- diagramm
rund (ND),
gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H)/
vertikal (V)
Gleichwellennetz (SFN)
5C
DRDeutschland
(D__00188)
DAB+ Block der Media Broadcast: 10 D V


11D 
Radio für NRW
(D__00236)
DAB+-Multiplex des WDR/LfM: 10 D V Aachen (Stolberg-Donnerberg),

Arnsberg (Schloßberg), Bad Oeynhausen (P.Westf.-Wittekindsberg), Bonn (Venusberg), Dortmund (Florianturm), Düsseldorf (Rheinturm), Ederkopf (Oberste Henn), Eifel (Dahlem-Bärbelkreuz), Herford (Eggeberg), Gummersbach (Engelskirchen-Hohe Warte), Ibbenbüren (Blomenkamp), Kleve (Bresserberg), Köln (Kölnturm), Langenberg (Hordtberg), Münster (Nottuln-Baumberge), Nordhelle / Ebbegebirge, Oelde (Mackenberg), Olsberg, Siegen (Giersberg), Stemwede (Arrenkamp), Teutoburger Wald (Bielstein), Wuppertal (Auf der Königshöhe)

Digitales Fernsehen (DVB-T)[Bearbeiten]

Kanal Frequenz 
(MHz)
Multiplex Programme im Multiplex ERP 
(kW)
Polarisation
horizontal (H)/
vertikal (V)
Modulations-
verfahren
FEC Guard-
intervall
Bitrate 
(MBit/s)
29 538 RTL Group1) 50 V 16-QAM 2/3 1/4 13,27
35 586 ZDFmobil 50 V 16-QAM 2/3 1/4 13,27
46 674 ARD regional (WDR) 50 V 16-QAM 2/3 1/4 13,27
48 690 ARD Digital (WDR) 50 V 16-QAM 2/3 1/4 13,27
52 722 LfM 50 V 16-QAM 2/3 1/4 13,27
55 746 ProSiebenSat.1 Media 50 V 16-QAM 2/3 1/4 13,27
1) eventuelle Abschaltung zum 31. Dezember 2016
[15]

Analoges Fernsehen[Bearbeiten]

Bis zur Umstellung auf DVB-T wurden vom Florianturm folgende Programme in analogem PAL gesendet:

Kanal Frequenz 
(MHz)
Programm ERP
(kW)
Sendediagramm
rund (ND)/
gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H)/
vertikal (V)
25 503,25 ZDF 500 ND H
53 727,25 WDR Fernsehen (Dortmund) 500 ND H

Technische Daten[Bearbeiten]

  • Architekt: Werner Niemeyer für Will Schwarz, Dortmund
  • Bauzeit: Mai 1958 – April 1959
  • Fundamenttiefe: 8,10 m, die Unterkante des Fundamentes liegt damit 110,30 m über NN
  • Durchmesser der Fundamentplatte: 25,00 m
  • Stärke der Fundamentplatte: 2,50 m
  • Gesamtgewicht: ca. 7700 t
  • Zementverbrauch: ca. 1385 t
  • Betonverbrauch: ca. 3400 m³
  • Stahlverbrauch: ca. 660 t
  • Standsicherheit: 3,5-fach
Panoramabild von Dortmund vom Florianturm aus gesehen

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Willy Weinauge, Amt für Wirtschafts- und Verkehrsförderung (Hrsg.): Der Florianturm. Westfalenpark Dortmund. Dortmund, (ohne Jahr).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fernsehturm Dortmund – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Stadt Dortmund u. Zentralverb. d. Deutschen Gemüse-, Obst- u. Gartenbaues (Hrsg.): Das grüne Dortmund: ein Wegweiser durch die Bundesgartenschau 1959. Westfalendruck, Dortmund 1959, S. 23.
  2. Denkmal des Monats feiert im April 50. Geburtstag: "Florian" im Westfalenpark lädt zu Kaffee und Kuchen mit Vogelperspektive. Pressestelle der Stadt Dortmund, 30. März 2009, abgerufen am 21. Oktober 2012.
  3. Geschichte Fernsehturm, abgerufen am 15. Juni 2014
  4. Ellen Sarrazin: Vater der BUGA 1959 erinnert sich gern. DerWesten, FUNKE DIGITAL GmbH & Co. KG, 6. Februar 2009, abgerufen am 19. Oktober 2014.
  5. Florianturm: Bungee-Rampe wird abgebaut RuhrNachrichten.de, 4. Juli 2008
  6. Fernsehtürme vor dem Verfall Die Welt online, 28. Mai 2011, abgerufen am 29. März 2013
  7. Fernsehturm Florian im Westfalenpark Dortmund wird bis November saniert WAZ online, 23. Juli 2011, abgerufen am 29. März 2013
  8. Restaurants im Florianturm stehen kurz vor dem Neustart RuhrNachrichten.de, 24. Februar 2012, abgerufen am 29. März 2013
  9. Das Turmcafé im Florian, abgerufen am 7. April 2013.
  10. Nr. A 0864. Denkmalliste der Stadt Dortmund. In: dortmund.de – Das Dortmunder Stadtportal. Denkmalbehörde der Stadt Dortmund, 14. April 2014, abgerufen am 15. Juni 2014 (PDF, Größe: 180 kB).
  11. DerWesten, FUNKE DIGITAL GmbH & Co. KG: Florianturm, Dortmunder Fernsehturm — Warnleuchten und Treppenhaus. 23. Januar 2014, abgerufen am 14. Dezember 2014.
  12. DerWesten, FUNKE DIGITAL GmbH & Co. KG: Darum wird der Florian-Turm nicht geschlossen. 31. März 2013, abgerufen am 14. Dezember 2014.
  13. Florianturm Zutritt Aushang
  14. UKW-Sendertabelle NRW
  15. LfM/Media Broadcast: Media Broadcast treibt Aufbau einer DVB-T2-Plattform für die terrestrische Verbreitung von HD-Programmen voran. 3. Juni 2014, abgerufen am 3. Dezember 2014.