Andreas Bodenstein

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Andreas Bodenstein, genannt Karlstadt, Kupferstich (17--?)
Andreas Bodenstein, genannt Karlstadt, Holzschnitt 1. Hälfte 16. Jahrhundert
Gedenktafel am Haus Kirchplatz 11, in der Lutherstadt Wittenberg

Andreas Rudolf Bodenstein, genannt Karlstadt (* um 1486 in Karlstadt[1]; † 24. Dezember 1541 in Basel) war ein deutscher Reformator des 16. Jahrhunderts.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andreas Bodenstein entstammte vermutlich der bürgerlichen Führungsschicht seiner Heimatstadt. Als sein Vater wird der bischöflich würzburgische Kellermeister Peter (Rudolf) Bodenstein angenommen,[3] der für 1481 als Bürgermeister belegt ist. Der Vater wohnte mit seiner Familie um 1480 in einem Haus am Markt in Karlstadt des Würzburger Domkapitels.[4][5]

Der junge Andreas besuchte wahrscheinlich zunächst die örtliche Lateinschule, bevor er sich 1499 nach seinem Schulabschluss, im Alter von nur 13 Jahren, an der Universität Erfurt immatrikulierte. Im Jahre 1502 legte er das 1. Examen ab. Als Baccalaureus verließ er 1503 Erfurt und wechselte an die Universität Köln, wo er mit den Lehren des Thomas von Aquin vertraut gemacht wurde. Von Köln führte sein Weg im Jahre 1505 an die Leucorea der Universität zu Wittenberg. Hier an der Universität Wittenberg wird er im gleichem Jahr zum Magister artium erhoben. Zwei Jahre später 1507/08 ernennt man ihn dort zum Dekan an der Artistenfakultät. Seine kirchliche Karriere führte in über die niederen Weihen im Jahre 1508 schließlich 1510 zur Priesterweihe. Inzwischen zum Magister erhoben, wurde Bodenstein 1510 kurz nach seiner Priesterweihe auch zum Doktor der Theologie promoviert. Hiernach ging er um das Jahr 1510 von Wittenberg zurück in seine frühere Heimatstadt nach Karlstadt am Main, um seine Primiz zu halten. Auf dem Weg dorthin besuchte er im unterfränkischen Eußenheim seine verheiratete Schwester. Von Eußenheim aufgebrochen, um nach Karlstadt zu gelangen, wird er aber 1511 im so genannten «Höul» einem Hohlweg von Räubern überfallen und dabei schwer verletzt. Nach diesem Ereignis gab er das Gelübde zu seiner späteren Romreise – er wird sie im Jahre 1515 angetreten haben – ab.[6]

Er genas und erholte sich in Karlstadt von seinen Verletzungen. Dort feierte er als Hauptzelebrant seine erste heilige Messe und begab sich wieder auf den Weg zurück nach Wittenberg. In Wittenberg setzte er seine akademisch-theologische Karriere fort. Bodenstein habilitierte sich und nannte sich in humanistischer Tradition nach seiner Heimatstadt «Dr. Karlstadt». Bodenstein nahm 1511 eine Stelle als Dozent an der Theologischen Fakultät an, mit der auch das Archidiakonat an der Stiftskirche Allerheiligen (Schlosskirche) verbunden war. Darüber hinaus übernahm er mehrmals leitende Funktionen an der Universität. In seiner Wirkzeit als Dozent an der Artistenfakultät hielt er vor allem Vorlesungen über Thomas von Aquin. Er setzte sich jedoch unter anderem auch mit den Schriften von Johannes Duns Scotus und Wilhelm von Ockham auseinander.

Als Dekan promovierte er 1512 Martin Luther zum Doktor der Theologie. Zugleich setzte er seine universitäre Ausbildung auf juristischem Gebiet fort. Dann im Jahre 1515 erfolgt schließlich die Romfahrt, mit der er sein Gelübte aus Eußenheim einlöste. Auf dem Weg nach Rom wurde er in Siena zum Doktor der beiden Rechte (Doctor iuris utriusque) promoviert. Während seines Italienaufenthalts zwischen 1515 bis 1516 war er u. a. in Rom[7] auch als Schreiber an der Kurie beschäftigt.

Im Jahre 1517 versuchte ein Stiftskapitel in Würzburg den «Dr. Karlstadt» als Domprediger zu gewinnen.

Wirken vor der Reformation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zunächst Gegner der Hinwendung Luthers zur Theologie des Augustinus von Hippo, entwickelte er sich später zum Anhänger dieses Reformators. Außerdem wurde er von den Schriften Johanns von Staupitz und von der Mystik Johannes Taulers beeinflusst.

Karlstadt als Wittenberger Reformator[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1518 eröffnete Karlstadt mit den Apologeticae conclusiones, in denen er unter anderem zum Verhältnis zwischen menschlichem Willen und göttlicher Gnade Stellung bezog, die Auseinandersetzung mit Johannes Eck. In der Leipziger Disputation 1519 beschränkte er sich auf diese Themen und hielt sich in der Frage des päpstlichen Primats zurück. Eck hielt danach eine Verständigung mit Karlstadt noch für möglich, nicht jedoch mit Luther.

Erst nach der päpstlichen Bannandrohungsbulle Exsurge Domine vom 15. Juni 1520 durch Papst Leo X. gegen Luther und seine Anhänger vollzog Karlstadt den offenen Bruch mit der Papstkirche und der Tradition. Der Papst drohte mit Exkommunikation, die er dann am 3. Januar 1521 mit der Bulle Decet Romanum Pontificem in Kraft setzte.

Für eine kurze Zeit wirkte er, nach einer Einladung durch Christian II., 1521 in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Bodenstein kehrte aber bald, nach einigen Monaten, im Juni des gleichen Jahres nach Wittenberg zurück. Dort wurde er während Luthers Aufenthalt auf der Wartburg zum wichtigsten Protagonisten der Wittenberger Bewegung. Weder der Rat der Stadt noch Melanchthon setzten dieser großen Widerstand entgegen.

Karlstadt predigte für eine Erneuerung des Gottesdienstes, die Abschaffung der Heiligenbilder und der Kirchenmusik, die seiner Meinung nach von der Andacht abhielten, sowie des Zölibats. Eine zentrale Frage wurde für ihn die Feier des Abendmahls in beiderlei Gestalt, d. h. unter Austeilung von Brot und Wein an die Gemeinde. Zum Weihnachtsfest 1521 feierte Karlstadt die erste evangelische Messe auf Deutsch. Er trug dabei weltliche Kleidung und feierte das Abendmahl in beiderlei Gestalt, wobei die Laien den Kelch selbst in die Hand nahmen. Damit wurde die Heilsvermittlung durch Priester praktisch aufgehoben. Im Februar 1522 kam es schließlich zu Tumulten und Ausschreitungen bei der Beseitigung der Bilder aus den Kirchen.

Die Heirat mit Anna von Mochau (* ca. 1507) aus Seegrehna am 19. Januar 1522 bezeugte seinen Bruch mit dem Zölibat. Ihr gemeinsamer ältester Sohn war Johannes Bodenstein, der im Jahre 1522 geboren wurde.

Die Familie Bodenstein hatte wahrscheinlich sechs Kinder, den ältesten Sohn Johannes (* 1523), dann den zweitältesten Sohn Adam Bodenstein (1528–1577), gefolgt von Daniel (* 1539) und Sohn Küngold (* 1573) und zwei weiteren Kindern namens Gertrud und Jakob deren Geburtsdaten unbekannt sind. Adam Bodenstein wurde späterer ein Schüler von Paracelsus und übte den Arztberuf aus.[8]

Georg Major war Bodensteins Schwager, ebenso wie Gerhard Westerburg. Georg Major heiratete 1528 die Schwester von Anna von Mochau, Magarethe von Mochau († 10. Oktober 1577 in Wittenberg).[9]

Um die Februarausschreitungen von 1522 zu beenden, rief der Rat der Stadt Luther zu Hilfe, der gegen den Rat des Kurfürsten Friedrich die Wartburg verließ und im März 1522 seine Invokavitpredigten hielt. In diesen kritisierte er die Umsetzung der reformatorischen Gedanken durch Karlstadt, da jener keine Rücksicht auf die Schwachen genommen habe. Zugleich stellte Luther die alten gottesdienstlichen Formen wieder her und setzte ein Predigtverbot für Karlstadt sowie eine Zensur und Beschlagnahme seiner Schriften durch die Universität durch.[10]

Enttäuscht von Luther zog sich Karlstadt von der Universität und aus Wittenberg auf ein erworbenes Gut bei Wörlitz zurück und betrieb dort Landwirtschaft. Als «Bruder Endres» arbeitete er auf dem Hof seiner Ehefrau, um dann im Jahre 1523 schließlich die dem Allerheiligenstift zu Wittenberg inkorporierte Pfarrstelle in Orlamünde anzutreten.[11]

Pfarrer in Orlamünde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Sommer 1523 wurde Karlstadt zum Pfarrer von Orlamünde gewählt[12], nachdem sich die Gemeinde mit seinem Vorgänger wegen der Zehntleistungen überworfen hatte. Hier setzte er die Reformation mit Unterstützung der Gemeinde in seinem Sinne durch, reformierte die Liturgie, schaffte die Kindertaufe ab und entfernte die Orgel und die Heiligenbilder. Er nahm im gesamten Saaletal Einfluss auf die reformatorische Bewegung. Insbesondere nach Jena, wo zu dieser Zeit Martin Reinhart (* ca. 1500) als erster evangelischer Pfarrer (1522 bis 1524)[13] sowie Gerhard Westerburg wirkten, pflegte er intensive Kontakte. Dort wurden auch mehrere seiner Schriften gedruckt.

In vielen Punkten wie der Bilderfrage und der Abendmahlsfrage ähnelten seine Positionen denen Zwinglis und Calvins. Kurze Zeit stand er auch mit Thomas Müntzer in Verbindung, trat jedoch dem «Allstedter Bund» nicht bei, da er Gewalt als Mittel zur Durchsetzung der Reformation ablehnte. Die Gemeinde in Orlamünde verhielt sich später während Bauernunruhen entsprechend passiv. In der Ablehnung von Gewalt und in der Konzeption einer abseits der Welt stehenden Gemeinde ähnelten seine Positionen auch denen der ab 1525 in Erscheinung tretenden Schweizer Täufer. Dennoch sah Luther in ihm einen Anhänger Müntzers und betrieb seine Absetzung und Ausweisung. Im August 1524 kam es während Luthers Visitationsreise durch Thüringen zu zwei Disputationen in Jena und Orlamünde. Daraufhin wurde Karlstadt am 18. September 1524 aus Kursachsen ausgewiesen.

Weitere Stationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Die Folgezeit war durch eine unstete Wanderschaft gekennzeichnet, die ihn durch verschiedene oberdeutsche Städte führte. Jedoch wurde er überall nach kurzer Zeit wieder ausgewiesen. Auf Vermittlung Luthers konnte er 1525, nachdem er seine Abendmahlslehre widerrufen hatte, nach Wittenberg zurückkehren, blieb jedoch von Predigt und Universität ausgeschlossen.

Die wichtigsten Aufenthaltsorte und Lebensstationen des Andreas Bodensteins projiziert auf eine politische Karte um das Jahr 1560 (Karte der Reichskreise nach der Reichsreform Maximilians I.)
Die Verbreitung der Täuferbewegung zwischen 1525 bis 1550

Luther der im Jahre 1522 die Wartburg verlassen hatte, war nach Wittenberg zurückgekehrt. In den nächsten Jahren nahmen die Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und Bodenstein immer mehr zu. So das es im September 1524 als Folge dieser längeren Auseinandersetzungen zur endgültigen Ausweisung Bodensteins aus Kursachsen kam. Bodenstein seiner gewohnten Umgebung verloren suchte zunächst Unterschlupf bei Freunden, etwa in den Freie und Reichsstädten.

Sein Weg führte ihn nach Zürich und Basel, dort nahm er Kontakt zu den Täufern auf. Hiernach ging es nach Heidelberg und von dort über Schweinfurt, Kitzingen und Nördlingen gelangte er Ende 1524 nach Rothenburg ob der Tauber, wo ihn und seine Familie Freunde gastlich aufnahmen. In der Stadt ob der Tauber sieht er seine Kinder Johannes und den im Jahre 1525 in Kemberg bei Wittenberg geborenen Sohn Andreas erstmals. Doch schon bald zum Jahresanfang 1525 erging aber die Ausweisung durch den Rat der Stadt. Karlstadt tauchte erstmal in Rothenburg unter. Durch die Auswirkungen des Bauernkrieges und der unsicheren Situation verlassen sie Rothenburg. Bodenstein gerät zwischen die Fronten der kämpfenden Parteien und wäre beinahe von einem Bauernführer vor den Toren Rothenburgs erschlagen worden. Erneut ging er nach Karlstadt und von dort in die Freie und Reichstadt Frankfurt am Main. An Pfingsten 1525 reiste Bodenstein nach Karlstadt, um in der Kirche St. Andreas die erste evangelische Predigt zu halten. Er wird von Karlstadt erneut nach Frankfurt reisen. Am 12. Juni 1525 verweilte er in Frankfurt am Main. Seine Ehefrau, Anna von Mochau, nahm von dort Verbindung zu Martin Luther in Wittenberg auf. Man versucht für die Familie Bodenstein durch Luthers Hilfe eine Einreise- und Aufenthaltserlaubnis für Kurfürstentum Sachsen zu erwirken. Im Jahre 1526 lebte er und seine Familie in großer materieller Not. Der Kurfürst Johann der Beständige stimmte letztlich seiner Rückkehr nach Kursachsen zu, stellte aber zur Bedingung, dass Bodenstein sich von allen Vorwürfen zur Aufruhr distanzieren müsse. Bodenstein lässt sich mit seiner Familie in Seegrehna, dem Geburtsort seiner Ehefrau nieder. In Seegrehna wurde dann im März 1526 ihr zweiter Sohn Andreas getauft. Die Lage in Kursachsen hatte sich verschlimmert, als ein von ihm mit Caspar von Schwenckfeld unterhaltener Briefwechsel öffentlich wurde. Um Strafmaßnahmen zuvor zukommen, entwich er Anfang des Jahres 1529 heimlich aus Sachsen.[14][15] 1529 kehrte er Kursachsen endgültig den Rücken.

Seine Umgebung in der Vermutung lassend, er ginge nach Zürich, wandte er sich zunächst in Richtung Norddeutschland. Melchior Hofmann hatte ihn eingeladen, ihn gegen die Positionen der Lutheraner in Holstein zu unterstützen. Hofmann versuchte für Karlstadt auch eine Teilnahme an der Flensburger Disputation zu erwirken. Ein Bemühen, das für beide darin gipfelte, dass Karlstadt und Hofmann als Sakramentierer aus der Grafschaft verwiesen wurden. Über Kiel gelangte er nach Ostfriesland. Während eines achtmonatigen Aufenthalts in Ostfriesland wirkte er zeitweise zusammen mit dem Täufer Melchior Hofmann, beide hatten sich zunächst nach Emden (unter anderem auch Pilsum) gewandt, wo sie Ende April oder Anfang Mai 1529 eintrafen.[16] Während Hofmann wenig später nach Straßburg weiterzog, blieb Karlstadt in Ostfriesland und entfaltete dort eine nachhaltige Wirksamkeit. Enno II. wurde auf dem Reichstag zu Speyer vom sächsischen Kurfürsten gedrängt, sich im Sinne der lutheranischen Überzeugungen auszurichten. Karlstadt, der einen großen Respekt in weiten Kreisen des Landadels, der Geistlichkeit und auch der Bevölkerung genoss, wurde als ein Kritiker Luthers unbeliebt. So wurde er Anfang Februar 1530 unter Androhung von Gewalt durch Enno II. ausgewiesen.

Von Ostfriesland reiste Bodenstein nach Straßburg; in der elässischen Metropole traf er seine Ehefrau und Kinder wieder. Doch Straßburg bot ihnen keine Bleibe, nach einem kurzen Aufenthalt komplementierte man sie auch dort aus der Stadt. 1530 ging Karlstadt mit der Zwischenstation Basel nach Zürich, so erreichten sie Ende Juli den Hauptort des Kanton Zürichs.[17]

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Zürich wirkte dort zunächst als Diakon des Spitals und nahm 1531 die Pfarrstelle in Altstetten an, die er aufgrund des Sieges der altgläubigen Kantone im Zweiten Kappelerkrieg wieder aufgeben musste. Anschließend wirkte er in Zürich an der Schule des Grossmünsters. Auf Fürsprache Heinrich Bullingers wurde er 1534 Dozent und Pfarrer in Basel. 1537 war er Rektor der Universität Basel. Nach einem bewegten Leben starb er dort 1541 in der Weihnachtsnacht an der Pest.

Heinrich Pantaleon war ein Schüler und Freund aus Basler Zeiten. Ihm zu Ehren verfasste er Trauergedicht mit den folgenden Worten: «En CAROLSTADIUS quem olim Franconia misit Occidit, Helvetium Gloria, fama, decus» (Der Karlstadt, den Franken einst schickte, ist tot, der Schweizer Ruhm, Ehre und Zierde).

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Titelblatt: Von der Abtuung der Bilder. 1522

Zunächst Förderer und Weggefährte Luthers, entwickelte Karlstadt bald eine eigene reformatorische Konzeption. Insbesondere in seinen Vorstellungen von der Laienkompetenz ging er weiter als viele andere Reformatoren.

Abendmahlsfrage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1524 eröffnete er mit einem Traktat zur Abendmahlsfrage den Abendmahlsstreit zwischen Martin Luther und Ulrich Zwingli, der zur Spaltung zwischen Wittenberger und oberdeutscher Reformation beitrug.

Nach seiner Flucht im Juni 1525 in die Freie und Reichstadt Frankfurt am Main konnte Bodenstein und seine Familie 1526 wieder in das Kurfürstentum Sachsen zurückkehren. Bodenstein wurde gezwungen, in der Frage des Abendmahls die Ansicht Luthers von der Realpräsenz Christi öffentlich zu billigen. So wurde eine verklausulierte Erklärung abgegeben, «Erklärung wie Carlstat sein lere von dem hochwirdigen Sacrament vnd andere achtet vnd geacht haben wil» (Wittenberg 1525). Es kam zu einer Unterstützung Luthers, der Karlstadt zunächst und insgeheim in seinem Haus aufnahm.

Seinen Höhepunkt erreichte die Auseinandersetzung dann im März des Jahres 1536. Bei dem Basler Buchdrucker Thomas Platter erschien die erste Ausgabe der Institutio Christianae Religionis von Johannes Calvin. Als eines der wichtigsten Bücher der Reformation wurde die Institutio das theologische Lehrbuch der französischsprachigen reformierten Kirche und Grundlage der Theologie der reformierten Kirche außerhalb Frankreichs. Im Mai desselben Jahres schließen reformatorische Theologen die Wittenberger Konkordie. Dabei ging es um die Auslegung des Abendmahls, die zwischen Vertretern der Schweizer sowie der Oberdeutschen Reformation strittig waren. An den Verhandlungen vom 21. Mai bis 28. Mai nahmen teil die Wittenberger Martin Luther, Philipp Melanchthon, Johannes Bugenhagen, Caspar Cruciger der Ältere, Matthäus Alber und Johannes Schradin aus Reutlingen, Jacob Ottner aus Esslingen am Neckar, Johann Bernhard aus Frankfurt am Main, Martin Bucer und Wolfgang Capito aus Straßburg, Martin Frecht aus Ulm, Justus Menius aus Eisenach, Friedrich Myconius aus Gotha, Wolfgang Musculus und Bonifacius Wolfhart aus Augsburg, Gervasius Schuler aus Memmingen, und der erst später eingetroffene Johannes Zwick aus Konstanz. Justus Jonas der Ältere unterzeichnete die Konkordie nachträglich. Mit Ausnahme des Konstanzer Predigers Zwick, der vorgab, hierzu nicht legitimiert zu sein, nahmen die oberdeutschen Städte die Konkordie an, nicht aber die Schweizer Städte.

Verfasserfrage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ob Karlstadt der Verfasser der anonymen, 1525 publizierten Bauernkriegs-Flugschrift An die Versammlung gemeiner Bauernschaft ist, ist in der Geschichtsforschung umstritten und bisher nicht bewiesen.

Bilderfrage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aber (got klag ichs) mein hertz ist von Jugend auff yn eher erbiethung vnd wolachtung der bildnis ertzogen vnd auffgewachßen. vnd ist mir ein schedliche forcht eingetragen / der ich mich gern wolt endletigen / vnd kan nit. Alßo stehn ich in forcht / das ich keynen olgotzen dorfft verbrennen. Ich hette sorg der Teuffels narr mocht mich beleydigen. Wie wol ich die schrifft (an einem teyll) hab / vnd weiß. dz Bilder nicht vermogen / haben auch weder leben / bluth / nach geyst. Idoch helt mich forcht am andern teyll / vnd macht / das ich mich vor eynem gemalten teuffell / vor eynem schatwen / vor eynem gereusch eines leychten bletlins forcht / vnd flihe das / das ich menlich solt suchen.

Zitat: Andreas Bodenstein: Von abtuhung der Bylder. Wittenberg 1522[18]

Andreas Bodensteins radikale Aufforderung zur Beseitigung der Bilder scheint wie ein Versuch, sich in einem Gewaltakt von der eigenen Bilderfurcht zu lösen. Der Bildersturm wird zum symbolhaften Bruch mit seiner früheren «Abgötterei».

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belletristik

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Andreas Bodenstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Andreas Bodenstein von Karlstadt – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aus Karlstadt stammen einige weitere gelehrte Zeitgenossen von Bodenstein, so Johann Draconites (1494–1566), Johann Schöner (1477–1547), Michael Beuther (1522–1587).
  2. Armin Kohnle, Beate Kusche (Hrsg.): Professorenbuch der theologischen Fakultät der Universität Wittenberg 1502 bis 1815/17 (= Leucorea-Studien zur Geschichte der Reformation und der Lutherischen Orthodoxie [LStRLO] Band 27). Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2016, ISBN 978-3-374-04302-6, S. 32–34 (PDF-Datei).
  3. Philipp Melanchthon (bearbeitet von Heinz Scheible, unter Mitwirkung von Corinna Schneider): Melanchthons Briefwechsel. Band 12 der Regesten. Stuttgart-Bad Cannstatt 2005 (Fromann-Holzboog). ISBN 3-7728-2258-4. S. 399
  4. Karlstadter Humanisten. St. Johannis Karlstadt.
  5. Wahrscheinlich war dieses «Haus am Markt» das zu späteren Zeiten betriebene «Gasthaus zum Ochsen», welches jedoch abgerissen wurde.
  6. Andreas Bodenstein. 100 Jahre St. Johanniskirche 1904 – 2004. Nr. 7, Februar 2007
  7. Renate Meincke: Editionsdesiderate zur Frühen Neuzeit: Beiträge zur Tagung der Kommission für die Edition von Texten der Frühen Neuzeit. Bände 24-25 von Chloe (Amsterdam), Band 1, Rodopi, Amsterdam 1997, ISBN 9-0420-0332-4, S. 553 f.
  8. Ferdinand Brüggemann: Biographie der Aerzte. Bd. 1, F. Brockhaus, Leipzig 1829, S. 478
  9. Johannes Hund, Jan Martin Lies, Hans-Otto Schneider: Controversia et confessio: der interimistische Streit (1548-1549). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2010, ISBN 3-5255-6008-7, S. 48–49
  10. Johannes Wallmann: Kirchengeschichte Deutschlands seit der Reformation. Tübingen 2005, S. 44.
  11. Gottfried Seebass: Geschichte des Christentums. Band 2, W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-1701-8780-5, S. 150 f.
  12. Vgl. TRE 17, 652,12–21
  13. Martin Reinhart. personendaten.org
  14. Alejandro Zorzin: Andreas Bodenstein von Karlstadt (1486-1541). S. 1–12
  15. Ulrich Bubenheimer, Stefan Oehmig (Hrsg.): Querdenker der Reformation - Andreas Bodenstein von Karlstadt und seine Wirkung. Religion-und-Kultur-Verlag, Zell am Main 2001, ISBN 3-9338-9107-8, S. 277 f.
  16. Thomas Stäcker: Ostfriesische Landschaft: Karlstadt (Andreas von Bodenstein) Ostfriesische Landschaften, S. 1–5
  17. Andreas Bodenstein. 100 Jahre St. Johanniskirche 1904 – 2004. Nr. 7, Februar 2007
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