Leipziger Disputation

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Disputation in der Pleißenburg 1519. Reproduktion nach einer Lithographie von Max Seliger (1865–1920)
Leipziger Disputation zwischen Luther und Eck, Gemälde von Julius Hübner (1806–1882) (zerstört)
Titelseite von "Disputatio d. Iohannis Eccii, et p. Martini Luther in studio Lipsensi futura", Leipzig: Martin Landsberg, 1519. Exemplar Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, Sign.: I F 149a

Als Leipziger Disputation wird ein heftiges theologisches Streitgespräch zwischen dem katholischen Ingolstädter Theologen Johannes Eck und den führenden Vertretern der reformatorischen Bewegung, Martin Luther, Andreas Karlstadt und Philipp Melanchthon bezeichnet, das vom Montag, dem 27. Juni bis Samstag, dem 16. Juli 1519 im damals noch katholischen Leipzig stattfand.

Ablauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 1518 hatten sich Luther und Eck in Augsburg über Ort und Zeit des Streitgesprächs verständigt.

Johannes Eck traf bereits am 21. oder 22. Juni 1519 in Leipzig ein und wurde vom Bürgermeister Benedikt Beringershain († 1526) in dessen Wohnhaus Petersstraße Ecke Thomasgäßchen aufgenommen.

Am nächsten Tag zogen Karlstadt, Luther und Melanchton mit großem Gefolge in Leipzig ein: neben vier Doktoren, drei Lizentiaten, mehreren Magistri auch Nikolaus von Amsdorf, Johannes Sylvius Egranus, Johann Lange aus Erfurt sowie Gesandte aus Prag und 200 bewaffneten Studenten aus Wittenberg.[1] Während des etwa dreiwöchigen Streitgespräches wohnten die Wittenberger Reformatoren bei dem Buchdrucker Melchior Lotter in dessen Haus in der Hainstraße.

Das Streitgespräch wurde von der Universität Leipzig organisiert und fand in Gegenwart des Herzogs Georg von Sachsen – eines entschiedenen Gegners Luthers – in der Hofstube der Leipziger Pleißenburg statt.[2] Aus Angst vor Übergriffen waren ständig 76 Bewaffnete in der Pleißenburg vor Ort.[1]

Nach der Begrüßung des gesamten Auditoriums durch Simon Pistoris den Älteren ging man gemeinsam zu einer Messe in die Thomaskirche, bei der auch der Thomanerchor unter der Leitung des Thomaskantor Georg Rhau zu hören war. Die Eröffnungsrede zur Disputation hielt Petrus Mosellanus, der bis zuletzt versuchte, zwischen den Streitparteien zu vermitteln.[3]

Das Streitgespräch folgte der Form von These und Gegenthese. In der ersten Woche disputierten Eck und Karlstadt in den nächsten beiden Eck und Luther. Den Vorsitz der Leipziger Disputation führte Cäsar Pflugk neben Johann Kochel, Kanzler des Herzogs.[4] Vier Notare protokollierten alle Reden. Am 15. Juli hielt der vormalige[5] Rektor der Universität Leipzig, Johannes Lange von Löwenberg, die Abschlussrede der Disputation.[6]

Positionen des Disputs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eck und Karlstadt disputieren zunächst vom 27. Juni bis zum 3. Juli über den freien Willen und sein Verhältnis sowohl zur göttlichen Gnade wie zu den guten Werken. Am 4. Juli beginnt die Disputation zwischen Eck und Luther. Hauptthemen waren die Stellung des Papstamtes und der kirchlichen Lehrautorität, die menschliche Willensfreiheit im Verhältnis zur göttlichen Gnade sowie der Ablass. Dem fülligen Johannes Eck mit seiner stählernen Stimme stand ein zu dieser Zeit noch schmächtiger Luther gegenüber. Eck verteidigte vehement die Lehrautorität von Papstamt und Konzilien, deren Irrtumsfähigkeit Luther behauptete. Der Wittenberger vertrat die Ansicht, dass allein aus der Schrift (sola scriptura) der päpstliche Primat nicht begründet werden könne. Eck sah darin den Anlass, noch im gleichen Jahr sein Werk De primatu Petri zu veröffentlichen, eine Apologetik des Papsttums gegen die protestantische Kritik.

Luther hielt dagegen, dass weder Papst noch Konzil höchste Autorität in Glaubensdingen besitzen. Wie so oft bei einem derartigen Disput war der Ausgang am Ende unentschieden. Jedoch hatte eine Aussage Luthers eine besondere Bedeutung: Luther stellte im Laufe der Disputation fest, dass nicht alle Thesen des Jan Hus, die das Konstanzer Konzil verdammt hatte, häretisch seien. Einige davon seien sogar ganz christlich und evangelisch. Diese Behauptung war zu der damaligen Zeit so unerhört, dass Herzog Georg von Sachsen fluchend mit den Worten „Das walt die Sucht!“ vom Stuhl aufsprang.[7][8] Damit war Luthers Bruch it Rom offenkundig.

Eine weitere Nebenfigur war der kursächsische Rat Dr. jur. Hans Edler von der Planitz, der im Auftrag des für Luther freundlich gesinnten Kurfürsten Friedrich III. von Sachsen zur Leipziger Disputation geschickt wurde. Planitz ergriff beim Disput Partei für Martin Luther und wahrte ihm sein Recht auf Einspruch gegenüber Johannes Eck. Luther bedankte sich später in einem Brief an den Kurfürsten: „Und wäre Hans von Planitz, Eurer Kurfürstlichen Hoheit Hauptmann zu Grimma, nicht gewesen, so wäre ich ganz dahin gewesen, wie derselbe Eurer Kurfürstlichen Hoheit wohl mag berichten“.[9]

Ergebnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beide Seiten beanspruchten nach dem Ende den Sieg für sich. Historisch lässt sich festhalten, dass auf der Leipziger Disputation die wesentlichen Unterschiede zwischen katholischer und reformatorischer Lehre dokumentiert und der Bruch zwischen Rom und Lutheranern manifestiert wurde. Im Nachgang der Leipziger Disputation hatte Johannes Eck solange nicht geruht, bis er in Rom eine Bannbulle gegen Luther erwirkte.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • David Müller: Geschichte des deutschen Volkes; Berlin: Verlag von Franz Dahlen, 1900; §337ff.
  • Markus Hein, Armin Kohnle: Die Leipziger Disputation 1519: 1. Leipziger Arbeitsgespräch zur Reformation. Evangelische Verlagsanstalt, Berlin 2011, ISBN 3374027938

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Brief von Eck an Georg Hauer und Franz Burkhart 1. Juli 1519, uni-muenster.de [1]
  2. Heute befindet sich dort das Neue Rathaus.
  3. Petrus Mosellanus: Ein Beitrag zur Geschichte des Humanismus in Sachsen. Oswald Gottlob Schmidt, Leipzig, 1867: Digitalisierte Fassung - S. 44 ff.
  4. Jens Kunze: Pflugk (Pflug), Cäsar (Cesar), zu Eythra. In: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky, Online-Ausgabe, abgerufen am 11. Februar 2018 [2]
  5. Rektor vom 16. Oktober 1518 bis 23. April 1519 gemäß Leipziger Rektorenliste
  6. Leipziger Disputation auf der Homepage der Universität Leipzig
  7. David Müller: Geschichte des deutschen Volkes; Berlin: Verlag von Franz Dahlen, 1900
  8. „Das walt die Sucht!“ wünscht Luthers Aussage, dass die Thesen von Jan Hus christlich seien, in die Gewalt einer „Sucht“ (hier für: Krankheit) und ist paraphrasierbar mit: „Das soll/muss von einer Seuche ausgemerzt werden.“ Die gesendete Nachricht entspricht am ehesten der Redewendung: „Hole es/dich der Teufel!“
  9. Des Kursächsischen Rathes, Hans von der Planitz Berichte aus dem Reichsregiment zu Nürnberg 1521–1523, gesammelt von Ernst Wülcker, nebst ergänzenden Aktenstücken bearbeitet von Hans Virck, Leipzig, Druck und Verlag von B. G. Teubner, 1899, Königlich Sächsische Kommission für Geschichte.