Apelern

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Apelern
Apelern
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Apelern hervorgehoben
Koordinaten: 52° 17′ N, 9° 20′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Schaumburg
Samtgemeinde: Rodenberg
Höhe: 81 m ü. NHN
Fläche: 24,6 km2
Einwohner: 2470 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 100 Einwohner je km2
Postleitzahl: 31552
Vorwahl: 05043
Kfz-Kennzeichen: SHG, RI
Gemeindeschlüssel: 03 2 57 002
Gemeindegliederung: 6 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Amtsstraße 5
31552 Rodenberg
Bürgermeister: Andreas Kölle (SPD)
Lage der Gemeinde Apelern im Landkreis Schaumburg
Nordrhein-Westfalen Landkreis Hameln-Pyrmont Landkreis Nienburg/Weser Region Hannover Ahnsen Apelern Auetal Auhagen Bad Eilsen Bad Nenndorf Beckedorf Bückeburg Buchholz (bei Stadthagen) Hagenburg Haste Heeßen Helpsen Hespe Heuerßen Hohnhorst Hülsede Lauenau Lauenhagen Lindhorst Lüdersfeld Luhden Meerbeck Messenkamp Niedernwöhren Nienstädt Nordsehl Obernkirchen Pohle Pollhagen Rinteln Rodenberg Sachsenhagen Seggebruch Stadthagen Suthfeld Wiedensahl WölpinghausenKarte
Über dieses Bild

Apelern ist eine Gemeinde in der Samtgemeinde Rodenberg im Landkreis Schaumburg im Bundesland Niedersachsen in Deutschland.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Apelern liegt im Deister-Süntel-Tal westlich der BAB 2 bei Lauenau und südlich von Rodenberg, zwischen Deister, Süntel und dem Bückeberg. Durch den Ort fließt der Riesbach zur Rodenberger Aue.

Die Gemeinde besteht aus den Ortschaften:

  • Apelern mit den Wohnplätzen Allern und Riesenmühle
  • Groß Hegesdorf
  • Kleinhegesdorf
  • Lyhren mit der Rehbruchsmühle
  • Reinsdorf
  • Soldorf

Im Uhrzeigersinn liegen die Nachbargemeinden Beckedorf, die Stadt Rodenberg, die Gemeinden Lauenau, Pohle und Auetal sowie die Stadt Stadthagen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Apelern wurde bereits 866 als to den Apelderen urkundlich erwähnt. Der Name bedeutet in etwa bei den Äpfeln oder zu den Apfelbäumen. Zur Zeit der Sachsen war Apelern Kult- und Gerichtsstätte. Die Kirche war zum Ende des 12. Jahrhunderts Hauptkirche (Archidiakonat) des Bukkigaus. Die Ortsteile Soldorf und Kleinhegesdorf wurden 973 erstmals urkundlich erwähnt. Lyhren und Reinsdorf folgten 1182.

Ortsteil Soldorf war von Hexenverfolgung betroffen: die Gröper geriet in einen Hexenprozess. Das Jahr ist nicht überliefert.[2]

Bei der Teilung der Grafschaft Schaumburg 1648 wurden alle Ortsteile dem Kurfürstentum Hessen angegliedert und bildeten eine Exklave zum fernen Kassel. Diese bestand bis 1932.

Seit drei bis vier Jahrhunderten prägen die Güter der Adelsfamilien von Münchhausen und von Hammerstein das Ortsbild.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. März 1974 wurden die Gemeinden Groß Hegesdorf, Kleinhegesdorf, Lyhren, Reinsdorf und Soldorf eingegliedert.[3]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zum Kirchspiel Apelern der evangelisch-lutherischen Kirche gehören alle Ortsteile der politischen Gemeinde sowie der Ortsteil Wiersen der Gemeinde Auetal.
  • Die katholischen Christen gehören zur Kirchengemeinde Maria vom heiligen Rosenkranz in Bad Nenndorf und besuchen die Filialkirche Mariä Himmelfahrt in Rodenberg.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sitzverteilung im Apelerner Rat 2006–2011

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rat der Gemeinde Apelern setzt sich aus 13 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen.

SPD CDU WGA (Wählergemeinschaft Apelern) Bündnis 90 / Die Grünen Gesamt
2001 7 5 1 13 Sitze
2006 7 4 2 13 Sitze
2011 8 3 2 13 Sitze
2016 6 3 3 1 13 Sitze

Stand: Kommunalwahl am 11. September 2016

Bürgermeister / Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Apelerns Bürgermeister ist seit 2016 Andreas Kölle (SPD). Zum Gemeindedirektor hat der Rat für die Dauer der Wahlperiode Sven Janisch bestellt. Die Verwaltung erfolgt im Rathaus der Samtgemeinde Rodenberg. Ein eigenes Gemeindebüro wird nicht unterhalten.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen der Gemeinde zeigt einen goldenen Bischofsstab vor einem stilisierten Apfelbaum mit roten Blättern und Äpfeln in einem weißen Feld.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Kirche Apelern, zweischiffige Hallenkirche, erbaut um 1150. Der Kirchturm ist als Wehrturm benutzt worden. Der westliche Vorbau enthält die Gruft (Mausoleum) der Familie von Münchhausen.
  • Das Wasserschloss Münchhausen wurde um 1560–61 durch den Baumeister Jakob Kölling für die Eheleute Börries von Münchhausen (1515–1583), Drost zu Lauenau, und Heilwig von Büschen-Oldendorf (1537–1599) umgestaltet und weitgehend neu errichtet, die 1583 auch mit dem Bau des Münchhausenhofes in Hessisch Oldendorf begannen. (Börries' Onkel mütterlicherseits, der Söldnerführer Claus von Rottorp, hatte 1548 das benachbarte Wasserschloss Hülsede erbaut; Börries selbst machte sein Vermögen als Rittmeister im Söldnerheer seines Vetters, des Obristen Hilmar von Münchhausen, insbesondere 1557 in der Schlacht von St. Quentin). 1594 teilten sich die drei Söhne von Börries und Heilwig das Erbe auf: Claus[4] erhielt Apelern und Nienfeld, Otto Lauenau (wo er Schloss Schwedesdorf errichtete) und Ludolf das mütterliche Erbe in Oldendorf sowie Grundbesitz in Remeringhausen, wo er ebenfalls einen Neubau unternahm. Die Wasserburg wurde im 18. Jahrhundert durch einen Fachwerkbau erweitert und ist bis heute ein Wohnsitz der bereits seit 1370 in Apelern ansässigen Freiherren von Münchhausen. Bis 1886 lebte hier der hannoversche Ministerpräsident Alexander von Münchhausen, der das Gut einem Vetter vererbte. Nach dem Tod des Hans Georg von Münchhausen 1952 wechselte das Schloss aus dem Besitz der weißen Linie an einen Adoptivsohn aus der schwarzen Linie (die sich um 1250 abgeteilt hatte), um den ältesten Familiensitz nach nahezu 600 Jahren innerhalb des Mannesstammes der Münchhausen weiterzuvererben.
  • Schloss Hammerstein, ursprünglich Teil des Münchhausen'schen Besitzes, erbaut 1590 durch Anton Wietersheim, befindet sich seit 1673 im Besitz der Freiherren von Hammerstein-Gesmold.

Archiv[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Archiv der Gemeinde Apelern befindet sich als Depositum der Samtgemeinde Rodenberg im Staatsarchiv Bückeburg.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im Gemeindegebiet ist mit dem TuS Germania Apelern nur ein mit mehreren Sparten besetzter Sportverein aktiv. Er betreibt die Sparten Fußball, Ju-Jutsu, Turnen, Gymnastik und historische Kampfkunst. Ein Sportheim mit Sportplatz und Mehrzweckhalle sind vorhanden.
  • Der Tennisclub Apelern nutzt die Tennisplätze am Sportheim.
  • Der Schützenclub Apelern von 1961 e.V. unterhält ein Schützenhaus mit Schießständen.
  • Die Schützenkameradschaft Reinsdorf betreibt ebenfalls ein Schützenhaus mit Schießständen.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Karnevalsclub führt während der Session mehrere Prunksitzungen durch.
  • Der Schützenclub richtet jährlich ein Schützenfest aus.
  • Beide Laienspielgruppen führen in jedem Jahr an mehreren Spielabenden ein neues Theaterstück auf.
  • Seit 1975 findet jährlich am 30. April das Singen in den Mai statt. In einer Gemeinschaftsveranstaltung errichten der MGV und die Freiwillige Feuerwehr einen Maibaum auf dem Kirchplatz.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit den Nachbargemeinden Lauenau und Pohle hat sich ein Gewerbegebiet direkt an der BAB 2 entwickelt. Im Ort selbst sind zwei Hotels vorhanden.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Für Sicherheit und Ordnung ist das Polizeikommissariat Bad Nenndorf zuständig. Im Tagdienst ist eine Polizeistation in Rodenberg eingerichtet.
  • Den abwehrenden Brandschutz und die allgemeine Hilfe stellen die Freiwilligen Feuerwehren Apelern, Groß Hegesdorf, Lyhren, Reinsdorf und Soldorf sicher.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die vorschulische Erziehung ist ein Kindergarten vorhanden. Die Samtgemeinde unterhält in Apelern eine Außenstelle der Julius-Rodenberg-Grundschule. Die weiterführenden Schulen befinden sich in Rodenberg, Bad Nenndorf und Stadthagen.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Apelern liegt direkt an der Bundesautobahn 2 und ist über die angrenzende Auffahrt Lauenau zu erreichen. Die nächstgelegenen Bahnhöfe befinden sich in Bad Nenndorf, Bantorf und Haste. Im ÖPNV werden alle Ortsteile von der Schaumburger Verkehrs-Gesellschaft mit den Linien 2014 und 2015 bedient. Der Ortsteil Apelern zusätzlich mit den Linien 2020 und 2602.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dichter Börries Freiherr von Münchhausen lebte in seiner Jugend zeitweilig in Apelern, später in Windischleuba; sein Vater hatte das Wasserschloss 1886 von dem Vetter Alexander von Münchhausen, dem früheren Ministerpräsidenten des Königreichs Hannover, geerbt; danach erbte es der Bruder des Dichters, Hans Georg von Münchhausen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Judas, Friedrich: Apelern, ein Dorf macht Geschichte, Stadthagen 1992
  • Engel, Franz / Brosius, Dieter: Artikel Apelern in: Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Band 2 (1969)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Apelern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 100 Bevölkerungsfortschreibung – Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2015 (Hilfe dazu).
  2. Gerhard Schormann: Hexenverfolgung in Schaumburg, in: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Band 45, Hildesheim 1973, S. 149–151.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 192.
  4. Vgl. die Ballade Die Hochzeit des Dichters Börries von Münchhausen (in Balladen und ritterliche Lieder), die von der Hochzeitsfeier im Jahre 1588 für Claus von Münchhausen und Ursula von Quitzow handelt.