Baerl

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Duisburger Stadtwappen
Baerl
Stadtteil von Duisburg
Karte
Karte von Baerl
Basisdaten
Koordinaten: 51° 29′ 34″ N, 6° 40′ 23″ OKoordinaten: 51° 29′ 34″ N, 6° 40′ 23″ O
Höhe: 27,5 m ü. NN
Fläche: 21,3 km²
Postleitzahl: 47199
Vorwahlen: 02841,
02844 (Binsheim)
Bevölkerung [1]
Einwohner: 4992 (31. Dez. 2016)
Bevölkerungsdichte: 234,3 Einwohner/km²
Ausländeranteil: 6,75 % (337)
Wohngebäude: 1467
Wohnungen: 2200
Gliederung
Stadtbezirk: Homberg/Ruhrort/Baerl
Ortsteilnummer: 404
Luftbild von Baerl, 1953
Evangelische Kirche Baerl

Baerl (gesprochen [baːrl] mit Dehnungs-e) ist ein Duisburger Stadtteil im Stadtbezirk Homberg/Ruhrort/Baerl.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung reicht zurück ins Jahr 1234. Der Name geht zurück auf ein Geschlecht „von Barle“, das über Jahrhunderte in der Nähe des Paschmannshofes auf Haus Baerl lebte. Der Name Baerl wird von Barlo abgeleitet: Bar/Ber = Eber, Lo/Loh = Wald und steht im Zusammenhang mit dem im Westen des Ortes gelegenen Baerler Busch. Die heutige evangelische Dorfkirche wurde im 12. Jahrhundert errichtet.

Baerl musste in seiner Geschichte viele Hochwasserkatastrophen erleiden. Ganze Ortschaften wie Lindekum und Halen fielen den Fluten zum Opfer. Heute erinnern nur noch Flurnamen an längst versunkene Orte.

Baerl gehörte bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zur Grafschaft Moers. Von 1798 bis 1814 gehörten die dem Kirchspiel Baerl angehörigen Orte zum Arrondissement Krefeld des Rur-Departements. 1801 wurde Baerl Hauptort (chef-lieu) der gleichnamigen Mairie. Nach dem Wiener Kongress kam das Gebiet 1815 zum Königreich Preußen, 1816 wurde die Bürgermeisterei Baerl gebildet, die zeitweise vom Bürgermeister von Homberg mitverwaltet wurde.

Im Jahre 1910 schlossen sich die Gemeinden Baerl und Repelen zur Gemeinde Repelen-Baerl zusammen. Im Jahr 1950 wurde diese in Rheinkamp umbenannt. Mit der Kommunalreform, die am 1. Januar 1975 in Kraft trat, wurde Baerl nach Duisburg umgegliedert.[2]

Baerl heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtteil hat 4.992 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2016) und eine Fläche von 21,31 km². Er ist damit der flächenmäßig größte Duisburger Stadtteil und der nördlichste der linksrheinischen Duisburger Stadtteile. Er grenzt an die Städte Moers und Rheinberg.

Baerl ist ein ländlich geprägter Stadtteil. Die vier größeren und einige kleinere Seen sind sämtlich durch Kiesabgrabungen entstanden und dienen heute als Naherholungsgebiete. Zum Stadtteil gehören die Ortsteile Baerl, Binsheim, Gerdt, Lohheide, Lohmannsheide und Uettelsheim.

Binsheim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Binsheim ist ein landwirtschaftlich geprägtes Straßendorf im Nordosten von Baerl.[3] Im Osten liegt, getrennt durch den Hochwasserschutzdeich, das Naturschutzgebiet Rheinaue Binsheim.[4] Im Norden grenzt Binsheim an den mittelalterlichen Ort Orsoy.

Gerdt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsteil Gerdt liegt hinter dem linksrheinischen Rheindamm im Norden von Homberg. Einige Dutzend Häuser der Städter und vereinzelte Bauernhöfe sind umgeben von Feldern, Abraumhalden des Bergbaus und Industriebrachen, die sich unberührt zu neuen Biotopen entwickeln.

Lohheide[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lohheide wird im Westen durch den Baerler Busch, im Norden und Nordwesten durch den Lohheider See und im Osten durch Binsheim eingegrenzt. Sehenswert ist ein Besuch der Lohmühle, die im Norden von Lohheide 1834 erbaut wurde.[5] Der Lohheider See wird gern von Wassersportlern genutzt.[6]

Lohmannsheide[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lohmannsmühle oder auch Baerler Mühle von 1805 im Ortszentrum (2015)

Lohmannsheide liegt direkt an der Ausfahrt Duisburg-Baerl der Autobahn A42, durch die das Dorf geteilt wird. Der Ort grenzt im Osten an den Rheinbogen von Beeckerwerth, im Norden an den Ortskern Baerls und im Süden an Gerdt. Von dort führt auch die Haus-Knipp-Eisenbahnbrücke über den Rhein. Bekannte Höfe sind der Lohmannshof, der Kerlenhof und der Scholtheishof. Teile von Lohmannsheide gehören heute zu Moers.

Uettelsheim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Uettelsheim liegt im Osten des Uettelsheimer Sees und zählt nur wenige Häuser. Im Süden und Westen wird der kleine Ortsteil von den Moerser Stadtteilen Scherpenberg und Meerbeck sowie von Homberg-Hochheide eingegrenzt.

Halen - alter Dorfweg - Erinnerung an das im Rhein versunkene Dorf

Halen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf das im Jahre 1596 im Rhein versunkene Dorf Halen verweist nur noch der sogenannte "Niederhalener Dorfweg", der von Baerl hinunter zum Rheinufer führt. Halen war im Mittelalter Nachbargemeinde von Baerl und kämpfte aufgrund von Hochwasser und Änderungen des Rheinlaufes über hunderte von Jahren um seine Existenz. Auch die Halener Dorfkirche und die dem Ort vorgelagerte Burg Knipp sind in den Fluten versunken.

Mundart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Baerl – als ehemals zur Gemeinde Rheinkamp gehörig – wird eine spezielle Variante des „Grafschafter Platt“ gesprochen. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg war „Platt“ die Umgangssprache einer breiten Bevölkerungsschicht – heute sprechen und verstehen nur noch wenige Menschen die überkommenen Mundarten. Baerl liegt im Niederfränkischen Mundartraum nördlich der sogenannten Benrather Linie (mit der maache-maake-Unterscheidung), die das südliche Mittelfränkische (auch Ripuarisch genannt) vom nördlichen Niederfränkischen abgrenzt. Auch liegt Baerl nördlich der Uerdinger Mundartlinie, die sich vom Rhein kommend an Hüls vorbei über Kempen nach Venlo zieht. Diese Uerdinger Linie (auch ek-ech-Grenze genannt) grenzt das Südniederfränkische (das z. B. in Uerdingen und Krefeld gesprochen wird) vom Nordniederfränkischen ab, das im Krefelder Ortsteil Hüls (siehe Hölsch Plott) und Kempen, sowie nördlich im Großraum Moers, in den Kreisen Kleve und Wesel sowie Dinslaken, Duisburg und Mülheim-Ruhr gesprochen wird.

Eines der wichtigsten Merkmale des Nordniederfränkischen ist die Aussprache des Personalpronomenes „ich“ als „ek“ , während es im Süden des Niederrheines als „ech“ gesprochen wird. Auch das Verb „haben“ wird unterschiedlich gesprochen: im Raume Baerl sagt man z. B. „ek häbb“. Weiter südlich heißt es „ech han“. Auch wenn die Mundart auf dem Rückzug ist, so wird Platt zu Karneval, auf Mundartabenden und in Vereinen gepflegt. In Baerl und Umgebung besonders bekannt ist die Gruppe der „Baalsche Kraien !“.

Es gibt eine reichhaltige örtliche Mundart-Literatur. Hervorzuheben die Bücher von

  • Georg Kreischer, u. a. : „Op Platt vertällt on opgeschrewen“ (Ausgabe 2001)
  • Gottfried Krach, u. a. : „Min Modersprok“ (Ausgabe 1977, Steiger Verlag)

Aus dem Buch des Baerler Autors Georg Kreischer sei zitiert (Auszug):

Et Därp on sin Platt
Wor ös os Moddersprook gebleewen - hätt osen Titt sej fottgedrewen
Mar osen Titt, sind wej dat nit?
Wej häbben sälws et onderlooten – ok wie os Äldersch platt de trooten
An os leet dat, dröm proot wärr platt…

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Baerl.svg

Baerl führte kein eigenes Gemeindewappen. Lokale Vereine lehnen sich in ihrer Wappengestaltung deshalb zum Teil an das Wappen der Herren von Baerl an.[7] Dieses wiederum ist an das Wappen der Grafen von Moers angelehnt. Die Blasonierung des Wappens der Herren von Baerl lautet: Auf goldenem Schild, geteilt durch einen schwarzen Querbalken, oben drei steigende linksgerichtete schwarze Löwen. Ein neues Symbol für Baerl befindet sich als alternative zum alten Wappen zudem in dem Werk >RHEIN-BAERL- Das Juwel der Stadt Duisburg am linken Niederrhein< vom Autor Wilhelm Damschen. Hiermit soll die mit reichlichem Grün ausgestattete Landschaft und Lage am Rhein, auch das Schicksalhafte des Rheinstromes mit dem Ort Baerl gedacht werden! Zudem erhält der Baerler Wald eine Würdigung in Verbindung des ursprünglichen Ortsnamens Barlo oder Barle.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schienenverkehr

Durch Baerl verläuft eine Eisenbahnstrecke, die heute nur noch dem Güterverkehr zwischen Duisburg-Beeckerwerth und Moers dient. Ehemals bestand auch eine Bahnstrecke Duisburg-Meiderich Nord–Hohenbudberg mit einem Bahnhof in Baerl. Die Strecke bestand seit 1912 und führte über die im gleichen Jahr in Betrieb genommene Haus-Knipp-Eisenbahnbrücke. Der Streckenabschnitt zwischen Baerl und Hohenbudberg wurde am 25. August 1969 stillgelegt, gut ein Jahr später am 1. Oktober 1970 folgte der Abschnitt zwischen Duisburg-Meiderich Nord und der Abzweigstelle Buschmannshof. Sämtliche Gleise wurden inzwischen komplett abgebaut.

Straßenverkehr

Die Autobahn A 42 überquert seit 1990 bei Baerl mit der Beeckerwerther Brücke den Rhein. 1991 wurde die Anschlussstelle Duisburg-Baerl in Betrieb genommen.

ÖPNV

Den Busverkehr in Baerl regelt die Duisburger Verkehrsgesellschaft. Die Linien 909 nach Ruhrort-Mühlenweide und die 925 nach Obermeiderich/Alstaden haben an der Haltestelle Baerl Kirche Endstation. Sie verbinden Baerl mit Homberg, Meiderich/Beeck und der Duisburger Innenstadt. Außerdem fährt die 913 durch Baerl und verbindet es mit Rheinberg und Moers-Hülsdonk.

Linie Linienweg Takt Betreiber
909 Baerl Kirche – Beeckerwerth – Ruhrort Bf – Ruhrort Mühlenweide 20 DVG
913 Rheinberg-Schulzentrum – Rheinberg Bf – Rheinberg Rathaus – Budberg – (Eversael –) Orsoy – Duisburg-Baerl Kirche – Moers-Meerbeck – Scherpenberg – Moers Bf – Moers Königlicher Hof – Bahnhof Nord – Hülsdonk Nord 60 bis 120 DVG
925 Baerl Kirche – Homberg – Ruhrort Friedrichsplatz – Freihafen – Meiderich Bf – Meiderich Ost Bf – Obermeiderich Oberhauser Straße 20 DVG

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Duisburg-Baerl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Einwohnerstatistik der Stadt Duisburg vom 31. Dezember 2016 (PDF; 21 kB)
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 291.
  3. Binsheimer Höfe (Memento vom 16. Juli 2012 im Webarchiv archive.is)
  4. Rheinaue Binsheim (PDF)@1@2Vorlage:Toter Link/www3.lanuv.nrw.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  5. Lohmühle
  6. Seglergemeinschaft Lohheider See
  7. Vgl. zum Beispiel das Wappen des TuS Baerl Tennis.