Bahnstrecke Neu-Ulm–Kempten

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Neu-Ulm–Kempten
Streckennummer (DB): 5400
Kursbuchstrecke (DB): 756 (Ehingen–Memmingen)
975 (Ulm–Oberstdorf)
Streckenlänge: 84,65 km, ehem. 85,02 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Streckenklasse: D4
Höchstgeschwindigkeit: 140 km/h
Zweigleisigkeit: Neu-Ulm–Neu-Ulm Finninger Straße
Betriebsstellen und Strecken[1]
Strecke – geradeaus
Strecke von Ulm
Bahnhof, Station
85,02 Neu-Ulm
   
Strecke nach Augsburg
   
83,80 Neu-Ulm Im Starkfeld und Pfuhler Ried[2] (Awanst)
Haltepunkt, Haltestelle
82,70 Neu-Ulm Finninger Straße (Hp+Üst)
Blockstelle, Awanst, Anst etc.
82,10 Neu-Ulm Schwaighofen (Awanst)
Bahnhof, Station
78,20 Gerlenhofen
Bahnhof, Station
75,00 Senden 489 m
   
Strecke nach Weißenhorn
Bahnhof, Station
69,40 Vöhringen
Haltepunkt, Haltestelle
66,60 Bellenberg
Blockstelle, Awanst, Anst etc.
64,60 Au (b Illertissen) (Awanst)
Bahnhof, Station
63,00 Illertissen 518 m
Bahnhof, Station
56,10 Altenstadt (Iller)
Bahnhof, Station
51,40 Kellmünz 548 m
   
ehem. Strecke nach Babenhausen
   
47,40 Pleß (Iller)
   
45,30 Fellheim
Bahnhof ohne Personenverkehr
41,30 Heimertingen
   
36,20 Strecke von Buchloe
Bahnhof, Station
34,89 Memmingen 595 m
   
Strecke nach Leutkirch
   
ehem. Strecke nach Legau
   
27,60 Woringen (Schwaben)
Bahnhof, Station
21,90 Bad Grönenbach 676 m
   
16,50 Reicholzried
Bahnhof, Station
13,10 Dietmannsried 689 m
   
8,90 Heising
   
5,40 Kempten (Allg)-Ursulasried (Awanst)
Haltepunkt, Haltestelle
3,20 Kempten (Allg) Ost
   
Allgäubahn von München
BSicon d.svgBSicon BS2l.svgBSicon dSTR3h+l.svg
Außerfernbahn von Garmisch-Partenkirchen
BSicon .svgBSicon WBRÜCKE.svg
Obere Illerbrücken
BSicon exKBHFaq.svgBSicon eABZgr+r.svg
0,00 Kempten (Allgäu) Hbf (bis 1969)
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0,37 Kempten (Allgäu) Hbf (ab 1969) 705 m
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ehem. Strecke nach Isny
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Allgäubahn nach Lindau

Die Bahnstrecke Neu-Ulm–Kempten ist eine nicht elektrifizierte und überwiegend eingleisige Hauptbahn von Neu-Ulm über Memmingen nach Kempten (Allgäu). Sie folgt auf gesamter Länge dem Lauf der Iller und wird daher auch Illertalbahn genannt. Die Strecke ist von Neu-Ulm bis Kellmünz in den Donau-Iller-Nahverkehrsverbund (DING) integriert. Im Kursbuch wird sie unter der Nummer 975 geführt, zwischen Neu-Ulm und Memmingen verläuft auf ihr außerdem die Kursbuchstrecke 756.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da durch den Bau von Wehren und Wasserkraftwerken während der Industrialisierung die Flößerei auf der Iller zum Erliegen kam und der Transport auf der Straße sich nicht lohnte, kam 1843 von einigen Kemptener Bürgern die Idee einer Bahnstrecke nach Ulm über Memmingen auf. Der Staat hatte jedoch an einem weiteren Bahnbau in diesem Gebiet kein Interesse.

Weil die Stadt Memmingen im bayerischen Bezirk Schwaben dann nicht in die Planung der ersten Eisenbahnen des Landes einbezogen wurde, ergriff die Stadt selbst die Initiative zum Bau der Illertalbahn. Sie erhielt am 13. September 1861 die Konzession für die ursprünglich 85 Kilometer lange Strecke, die bei Neu-Ulm von der Staatsbahn abzweigte und flussaufwärts bis nach Kempten führte. Sie nahm hierzu einen Kredit von etwa 3,5 Millionen Gulden auf und musste sich selbst um den Grunderwerb und die Bautätigkeiten kümmern. Der erste Abschnitt bis Memmingen konnte am 12. Oktober 1862 eröffnet werden, der zweite am 1. Juni 1863. Zur Finanzierung des Baus der Strecke nahm die Stadt Memmingen federführend gemeinsam mit Kempten unter einer Privatgesellschaft einen Kredit auf.[3]

Die Staatsbahn stellte die Fahrzeuge und führte den Betrieb auf der von ihr gepachteten Strecke. Wegen der mehr als lokalen Bedeutung der Bahn erwarb sie der bayerische Staat bereits zum 12. April 1876, damit wurde auch die Hypothek von der Privatgesellschaft abgelöst.

Seit der Fertigstellung von Neu-Ulm 21 im Jahr 2009 ist die Illertalbahn von der neuen Überleitstelle am Haltepunkt Finninger Straße bis zum Trogbahnhof Neu-Ulm zweigleisig. Auch die Weiterführung über die Donau wurde um zwei Gleise erweitert, so dass die Strecke unabhängig von der Bahnstrecke Augsburg–Ulm in den Ulmer Hauptbahnhof geführt wird.[4]

Ausbaupläne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bahn beabsichtigt, die Strecke für eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h zu ertüchtigen. Hierzu ist es notwendig, einige kleinere Bahnübergänge zu schließen sowie die verbliebenen Bahnübergänge anzupassen, wobei es noch zu Verzögerungen wegen Einsprüchen kommen könnte. [5][6]

Es ist geplant, den Abschnitt Ulm–Memmingen als S-Bahn-Linie der Regio-S-Bahn Donau-Iller einzubinden und im Zuge dessen die Haltepunkte Pleß, Fellheim, Heimertingen und Memmingen-Amendingen neu zu eröffnen.[7]

Mitte Mai 2015 wurde von den Vertretern der elf an der Strecke Neu-Ulm – Memmingen liegenden Kommunen, den beiden Landkreisen Neu-Ulm und Memmingen und des Regionalverbandes Donau-Iller die Interessengemeinschaft (IG) Illertalbahn gegründet. Sie will sich vor allem für den Bau eines zweiten Gleises, die Elektrifizierung und die Einrichtung weiterer Halte im südlichen Abschnitt einsetzen.[8]

Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regionalbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Illertissen
Regionalbahn (BR 650) südlich von Illertissen, Martinskirche und Vöhlinschloss im Hintergrund

Die Regionalbahnen verkehren im Stundentakt von Ulm Hauptbahnhof nach Memmingen sowie im Zweistundentakt weiter nach Aulendorf und halten in der Regel an allen Zwischenstationen außer dem Bahnhof Gerlenhofen, der nur von einzelnen Zügen bedient wird. Einzelne Züge fahren weiter nach Kempten (Allgäu) oder Oberstdorf, einmal am Tag mit Zugteil nach Wangen im Allgäu. Die Züge bestehen aus Dieseltriebwagen der Baureihen 628 oder 650. Einzelne Leistungen, vor allem in Tagesrandlage oder Berufsverkehrs-Verstärker, werden außerdem mit Wagenzügen aus n-Wagen bespannt mit Lokomotiven der Baureihe 218 sowie Dieseltriebwagen der Baureihen 612, 611 und 642 gefahren. Seit Dezember 2013 fahren außerdem stündlich Regionalbahnen von Ulm nach Weißenhorn, die die Bahnstrecke Neu-Ulm–Kempten zwischen Neu-Ulm und Senden nutzen.

Regional-Express[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es verkehren zweistündlich Regional-Express-Züge von Ulm mit einem Zugteil nach Oberstdorf und meistens einem nach Lindau oder Wangen im Allgäu. Dazu kommen zweistündlich verkehrende Verstärkerzüge, die nur bis Kempten (Allgäu) fahren.

Seit Dezember 2011 halten alle Regional-Express-Züge in Illertissen.

Die Züge bestanden aus Dieseltriebwagen der Baureihe 612 oder aus n-Wagen bespannt mit einer Lokomotive der Baureihe 218. Seit dem Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2013 fahren Dieseltriebwagen der Baureihe 612 alle Leistungen auf dieser Regional-Express-Linie. Das einzige noch verbliebene n-Wagen-Zugpaar ist der Schneeexpress an Sonntagen zwischen Stuttgart und Oberstdorf.

Intercity Allgäu[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Intercity-Zugpaar Allgäu fährt von Magdeburg über Ulm nach Oberstdorf und zurück. Der Zug verkehrt ab Ulm als Regionalexpress und kann mit Fahrkarten des Nahverkehrs benutzt werden. Er wird zwischen Stuttgart und Oberstdorf mit zwei Diesellokomotiven der Baureihe 218 bespannt. Der Gegenzug ist jedoch auf dem gesamten Laufweg ein Intercity und darf somit nicht mit Nahverkehrsfahrscheinen benutzt werden.

Unfall im Juli 2013[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 17. Juli 2013 ereignete sich kurz vor dem Bahnhof Kellmünz ein Verkehrsunfall mit Beteiligung eines Zuges. Ein mit etwa 50 Personen besetzter Triebwagen der Baureihe 612, der als Regionalbahn verkehrte, entgleiste, nachdem er an einem unbeschrankten Bahnübergang mit einem Kraftfahrzeug kollidierte. Ein Wagen des Zuges kippte dabei von den Schienen, drehte sich um 180 Grad und blieb seitlich neben den Schienen liegen. Bei dem Unfall wurden drei Menschen schwer verletzt, darunter die Autofahrerin und eine Person, die aus dem Zug geschleudert wurde.[9] Um weitere Unfälle an dieser Stelle zu vermeiden, wird dort 2016 ein beschrankter Bahnübergang eingerichtet.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Illertalbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eisenbahnatlas Deutschland. 9. Auflage. Schweers+Wall, Aachen 2014, ISBN 978-3-89494-145-1.
  2. Alexander Schatz: Streckenkunde KBS 975 Infos und Fahrzeiten etc. Strecken-Nr. 5402, 5362, 5400. In: Ulmer Eisenbahnen. 5. Dezember 2009, abgerufen am 7. Oktober 2013.
  3. Volker Dotterweich, Karl Filser u.a. (Hrsg.): Geschichte der Stadt Kempten. Dannheimer, Kempten 1989, ISBN 3-88881-011-6, S. 385.
  4. Neu-Ulm 21: Bahntieferlegung. In: neu-ulm.de. 2015, abgerufen am 13. Mai 2015.
  5. http://www.augsburger-allgemeine.de/Home/Lokales/Illertissen/Uebersicht/Artikel,-Auf-der-Illertal-Strecke-sollen-Bahn-Uebergaenge-schnelleren-Zuegen-weichen-_arid,1177720_regid,2_puid,2_pageid,4498.html Augsburger Allgemeine: Auf der Illertal-Strecke sollen Bahn-Übergänge schnelleren Zügen weichen
  6. http://www.suedwest-aktiv.de/region/illertalbote/senden_und_illertal/4088622/artikel.php
  7. SMA/Intraplan:Regio-S-Bahn Donau-Iller Ergebnisse der Hauptstudie (PDF; 2,4 MiB), 27. November 2012, abgerufen am 19. November 2013
  8. „Interessengemeinschaft Illertalbahn“: Ausbau der Bahnstrecke. Südwest Presse, 13. Mai 2015, abgerufen am 13. Mai 2015.
  9. Augsburger Allgemeine: Triebwagen stürzt in Gärten: "Ich wollte nur raus aus dem Zug", 17. Juli 2013