Dieser Artikel existiert auch als Audiodatei.

Belfort

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Belfort
Wappen von Belfort
Belfort (Frankreich)
Belfort
Staat Frankreich
Region Bourgogne-Franche-Comté
Département (Nr.) Territoire de Belfort (Präfektur) (90)
Arrondissement Belfort
Kanton Belfort-1, Belfort-2, Belfort-3
Gemeindeverband Grand Belfort
Koordinaten 47° 38′ N, 6° 51′ OKoordinaten: 47° 38′ N, 6° 51′ O
Höhe 354–650 m
Fläche 17,08 km²
Einwohner 46.954 (1. Januar 2018)
Bevölkerungsdichte 2.749 Einw./km²
Postleitzahl 90000
INSEE-Code
Website http://www.ville-belfort.fr
Belfort 1675
Ansicht von Belfort (Aquarell) aus dem Jahr 1818
Belfort mit der Kathedrale Saint-Christophe
Der Löwe, Wahrzeichen Belforts
Der Bahnhof von Belfort
Die Zitadelle
Kathedrale Saint-Christophe

Belfort (deutsch veraltet Beffert oder Beffort) ist eine Industrie- und Garnisonsstadt in Ostfrankreich etwa 50 Kilometer südwestlich von Mülhausen. Die Stadt ist Verwaltungssitz (chef-lieu) des Départements Territoire de Belfort und hat 46.954 Einwohner (1. Januar 2018).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belfort wurde 1226 im Friedensvertrag von Grandvillars (Granweiler/Granwiller) zum ersten Mal schriftlich erwähnt.

Bedingt durch ihre Lage in der Burgundischen Pforte hatte die Stadt früher eine große strategische Bedeutung. Bis zum Westfälischen Frieden 1648 gehörte das französischsprachige Belfort zum habsburgischen Sundgau und zum Heiligen Römischen Reich, danach zu Frankreich. Ab 1686 wurde die Zitadelle der Stadt von Vauban im Auftrag von Ludwig XIV. zur Festung ausgebaut, die Stadt ummauert und mit einer Vielzahl heute noch erhaltener wehrhafter Türme versehen. Vom Dezember 1813 bis April 1814 widerstand die Festung 113 Tage lang unter dem Kommandeur Legrand einer Belagerung der Koalitionsarmee von Österreichern, Bayern und der Russen. Im Juni/Juli 1815 leistete General Lecourbe mit 8.000 Mann erfolgreich Widerstand gegen eine Armee von 40.000 Österreichern.

Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 widerstanden die Truppen unter Oberst Pierre Marie Philippe Aristide Denfert-Rochereau 103 Tage lang einer Belagerung durch Preußen; erst auf ausdrücklichen Befehl der französischen Regierung wurden Festung und Stadt am 16. Februar 1871 den feindlichen Truppen übergeben, die die Festung teilweise schleiften.

Im Frieden von Frankfurt 1871 wurde das Territoire de Belfort, obwohl historisch zum Sundgau und damit zum Oberelsass gehörig, nicht wie das übrige Elsass und Teile Lothringens vom Deutschen Reich annektiert. Der aus dem Elsass stammende, vormalige französische Beamte Ferdinand Eckbrecht von Dürckheim-Montmartin gibt bezüglich der Nichtabtretung Belforts die ihm gegenüber nach 1871 gemachte Äußerung des preußischen Feldmarschalls Graf Moltke (1800–1891) wieder: „Auf die Festung haben wir verzichtet, weil der Sieger im Siege Mäßigkeit an den Tag legen muß.“[1]

Der Hauptgrund war jedoch weniger die Generosität der Sieger, sondern lag in primär außenpolitischen Gründen. Otto von Bismarck wollte im Gegensatz zu den preußischen Militärs eine Grenzziehung, die sich im Wesentlichen an der Sprachgrenze orientierte. Dieser Verlauf entlang der Sprachgrenze sollte die internationale Akzeptanz der neuen Grenzziehung erhöhen und französischen Revisionswünschen entgegenwirken. Im Falle von Belfort konnte sich Bismarck durchsetzen, im Gegenzug akzeptierte er die wehrgeographisch motivierte Forderung der preußischen Militärs nach der Annexion auch französischsprachiger Teile Nordlothringens (Gebiet um Metz).[2]

Der Verlauf der neuen deutsch-französische Staatsgrenze im südlichen Elsaß orientierte sich im Wesentlichen an der deutsch-französischen Sprachgrenze. Die einzige Abweichung der Sprach- von der Staatsgrenze stellten drei Ortschaften im Umfeld des Ortes Montreux-Vieux (dt. Altmünsterol) dar. Dieser Grenzvorsprung ergab sich aus dem Verlauf der Eisenbahnstrecke und der Lage des Grenzbahnhofes Altmünsterol. Das aus dem abgetrennten Südteil des Sundgaues entstandene neue französische Département erhielt die Bezeichnung Territoire de Belfort. Es umfasste ausschließlich französischsprachige Orte. Sein Verwaltungszentrum wurde die Stadt Belfort.

Wahrzeichen der Stadt ist der aus gehauenen Sandsteinquadern gebildete monumentale Löwe von Belfort des Bildhauers Frédéric-Auguste Bartholdi aus den Jahren 1875/80, der an die Belagerung von 1870/71 erinnert.

In der Folgezeit wuchs die bisher im Schatten der Festung gelegene Stadt durch Industrialisierung rasch an, es entstanden die Vorstädte (faubourgs) und die klassizistische Bebauung am Ufer der Savoureuse.

Am 10. Mai 1940 begann der Westfeldzug, in dem die Wehrmacht innerhalb weniger Wochen Paris und erhebliche Teile Frankreichs besetzte. An der schnellen Eroberung von Belfort – ab 18. Juni 1940 – war der spätere General Walther Wenck unter General Heinz Guderian beteiligt. Wenck wurde für besonderes taktisches Geschick dabei zum Oberstleutnant befördert.[3] Ende 1944 wurde Belfort von der 1. Französischen Armee befreit.

Heute gehört das Territoire de Belfort mit seiner Hauptstadt Belfort zur Region Bourgogne-Franche-Comté.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2017
Einwohner 48.070 53.214 54.615 51.206 50.125 50.417 50.863 47.656
Quellen: Cassini und INSEE

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weltliche Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Zitadelle (La Citadelle), ein 1687 begonnenes und 1703 vollendetes Festungswerk der Baumeister Gaspard de la Suze, Vauban und Général Haxo, verantwortlich für den Umbau ab 1817, mit 1872 von privater Seite gegründeten Kunst- und Stadthistorischem Museum in der Kaserne und Aussichtsplattform
  • Rathaus am Place d’Armes (1724 vom Ingenieur Mareschal als Stadtpalais für François Noblat erbaut; 1784 von der Bürgerschaft Belforts aufgekauft; 1789 umgebaut unter Jean-Baptiste Kléber nach Plänen von Pierre Valentin Boudhor, bemerkenswertes Treppenhaus, Ehrensaal (1810) von Kléber mit Gemälden zur Geschichte Belforts, Fassade ebenfalls von Kléber)
  • Place de la République mit dem Bartholdi-Denkmal des Trois Sièges von 1913 und einigen markanten Bauten
  • Markthalle (1905 eröffnet)
  • L’Étang des Forges (See mit Rundwanderweg) mit darüberliegendem La Tour de la Miotte, Turm eines Forts von 1830
  • Breisacher Tor (Porte de Brisach, 1687 von Vauban erbaut), nordöstlich der Altstadt gelegen, auf dem Frontgiebel das Emblem des Sonnenkönigs Ludwig XIV.
  • Fassadenmalerei in Fresko-Technik, 47 berühmte Personen auf einer Fläche von 403 Quadratmetern, dargestellt von Ernest Pignon-Ernest (* 1942)
  • Kunstmuseum Donation Maurice Jardot mit mehr als 100 Gemälden bedeutender Künstler, 1997 von Jardot der Stadt Belfort vermacht, gleichzeitig eine Hommage an Daniel-Henry Kahnweiler, einem bekannten Kunsthändler, dessen Mitarbeiter Jardot 20 Jahre lang war
  • Maison du Peuple (Volkshaus), aus Stahlbeton konstruiert, 1933 eingeweiht, mit Dekoration im Stil des art déco
  • Die ehemalige Maschinenhalle der Textilfabrik DMC. Sie wurde 1878 in Paris zur Weltausstellung gebaut vom Architekten Léopold Amédée Hardy und dem Ingenieur Henri de Dion, 1879 von DMC gekauft, abgebaut und in Belfort wieder aufgebaut. Sie steht am westlichen Rand des Étang Bull im Industriepark Techn’Hom.[4]

Sakralbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Löwe von Belfort (22 Meter lang, 11 Meter hoch) aus Vogesen-Sandstein ist ein Werk von Auguste Bartholdi (1834–1904).

Das Denkmal Quand Même (1884) von Antonin Mercié am Place d’Armes stellt eine Elsässerin während der Belagerung von 1870/71 dar, die einen sterbenden Soldaten in ihren Armen hält.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jeden ersten Sonntag von März bis Dezember stellen in der Altstadt von Belfort seit 1966 rund 200 Antiquitätenhändler aus.[5]

Seit 1983 findet jedes Jahr am Pfingstwochenende das Festival international de musique universitaire statt. Musikgruppen und Chöre aus Bildungseinrichtungen aus aller Welt treten auf zahlreichen Bühnen bei diesem für die Besucher kostenlosen Festival auf, das in der Altstadt von Belfort stattfindet.

Jährlich (November/Dezember) wird dort das internationale Filmfestival Entre Vue veranstaltet. Bei seiner Gründung 1969 hieß es noch Festival des jeunes auteurs de Belfort, bis zu seiner Neugründung 1986.[6]

Am Lac du Malsaucy, wenige Kilometer nordwestlich von Belfort, findet jährlich im Juli eines der größten Rockmusikfestivals in Frankreich statt, Les Eurockéennes de Belfort.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belfort besitzt einen Bahnhof an der Bahnstrecke Paris–Mulhouse, dieser ist auch Knotenpunkt der hier endenden Bahnstrecke Dole–Besançon–Belfort und der Bahnstrecke (Delémont–)Delle–Belfort. Seit Inbetriebnahme der LGV Rhin-Rhône ist Belfort mit dem neuen Bahnhof Belfort-Montbéliard TGV ans Hochgeschwindigkeitsnetz angeschlossen. Sieben km nördlich liegt der Flugplatz Belfort-Chaux.

Die Wirtschaft der Stadt ist geprägt durch die Herstellung von Kraftwerksanlagen, hauptsächlich durch die Firma Alstom, Teile der Produktion gehören zu General Electric. Neben der Elektro- und Elektronikindustrie ist die Textil- und Maschinenbauindustrie vertreten; so werden bei Alstom die TGV-Züge gebaut.

Infolge eines stark schrumpfenden europäischen Marktes für Kraftwerksanlagen und damit verbundener wirtschaftlicher Schwierigkeiten von Alstom nahm die Zahl der Beschäftigten auf dem Alstom-Gelände in den von ursprünglich 18.000 auf unter 6.000 ab. Dies hatte große wirtschaftliche Probleme in der Stadt und der Region zur Folge. Nach 138 Jahren kündigte Alstom im September 2016 an, sein Stammwerk in Belfort 2018 zu schließen. Der Niedergang des Werks wurde als symptomatisch für den industriellen Rückgang in Frankreich gesehen.[7] Aufgrund der symbolischen Bedeutung des Standorts und der wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Region intervenierte die französische Regierung. Am 4. Oktober 2016 verkündete Premierminister Manuel Valls, dass das Alstom-Werk durch einen staatlichen Auftrag gerettet werden könne: Der französische Staat bestellte 21 TGVs und 20 Diesellokomotiven.[8]

DMC (ursprünglich Dollfus Mieg et Cie) ist eine Textilfirma in Mülhausen, gegründet 1746 von der Familie Dollfus. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg eröffnete DMC 1874 eine neue Produktion in Belfort. 1959 wurde die Fabrik in Belfort geschlossen,[9] das Werk wurde 1960 an die Compagnie des Machines Bull (später Bull) verkauft. Bull baute in Belfort eine feinmechanische und elektronische Produktion auf. Es wurden Lochkartengeräte, Drucker, Magnetbandlaufwerke und Plattenspeicher hergestellt.[10] 1992 stellte Bull die Produktion in Belfort ein. Die Gebäude wurden Teil des Industrieparks Techn’Hom und beherbergen kleine und mittlere Firmen aus den Bereichen Technologie und Services.[11]

Die Textilfabrik DMC in Belfort um 1927

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Yvette Baradel u. a.: Histoire de Belfort. Horvath, Roanne / Le Coteau 1985.
  • Le Patrimoine des Communes du Territoire de Belfort. Flohic Editions, Paris 1999, ISBN 2-84234-037-X, S. 41–91.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Belfort – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eckbrecht Graf Dürckheim-Montmartin: Erinnerungen eines elsäßische Patrioten, Stuttgart 1922, S. 351
  2. Jean-Louis Masson: Provinces, départements, régions: l’organisation administrative de la France d’hier à demain. Paris: Lanore, 1984, S. 384–387. – ISBN 2-85157-003-X
  3. zur schnellen Eroberung von Belfort siehe auch hier (S. 132): Wenck erreichte gegen Mitternacht Montbéliard; Guderian erlaubte ihm das weitere Vorrücken, Belfort liegt etwa 20 km nördlich. Guderian traf am 18. Juni morgens in Belfort ein. Die Forts weigerten sich zu kapitulieren; sie wurden durch Angriffe am gleichen Tag zur Kapitulation veranlasst
  4. [1] Patrimoine en Bourgogne Franche-Comté. Abgerufen am 30. August 2021
  5. Flohmarktplaner Frankreich. Abgerufen am 20. Juni 2020
  6. http://next.liberation.fr/cinema/0101448584-janine-bazin-sa-vie-son-role, vorletzter Absatz
  7. Leo Klimm: Bonjour Tristesse., Tages-Anzeiger, 13. September 2016, S. 11
  8. Alstom - Valls : "Ce n'est pas du bidouillage, c'est de la stratégie". Abgerufen am 27. März 2017.
  9. [2] Musée virtuel TCB - Virtuelles Museum der Französischen Textilindustrie. Abgerufen am 14. April 2011
  10. [3] Patrimoine en Bourgogne-Franche-Comté - Das Erbe in der Region Burgund-Franche Comté. Abgerufen am 14. April 2021
  11. [4] Industriepark Techn'Hom. Abgerufen am 14. April 2021