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Polonia

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Polonia in Zahlen (Schätzwerte 2025)[1]
Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 10.000.000
Brasilien Brasilien 3.000.000
Deutschland Deutschland, siehe Polen in Deutschland 2.200.000
Ukraine Ukraine 1.300.000
Frankreich Frankreich 1.000.000
Kanada Kanada 1.000.000
Belarus Belarus 500.000
Niederlande Niederlande 480.000
Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich 440.000
Russland Russland 300.000
Australien Australien 220.000
Litauen Litauen, siehe Polen in Litauen 185.000
Schweden Schweden 160.000
Norwegen Norwegen 140.000
Irland Irland 125.000
Argentinien Argentinien 120.000
Belgien Belgien 120.000
Spanien Spanien 120.000
Italien Italien 100.000
Osterreich Österreich 100.000
Danemark Dänemark 70.000
Schweiz Schweiz (siehe Polen in der Schweiz) 60.000
Tschechien Tschechien 55.000
Israel Israel 50.000
Lettland Lettland 50.000
Island Island, siehe Polen in Island 31.000
Kasachstan Kasachstan 30.000
Griechenland Griechenland 15.000
Portugal Portugal 10.000
Slowakei Slowakei 10.000
Sudafrika Südafrika 10.000
Vereinigte Arabische Emirate Vereinigte Arabische Emirate 10.000
Polen im Ausland

Polonia ist die lateinische Bezeichnung für den Staat Polen und wird in der polnischen Sprache für die polnische Diaspora benutzt, die etwa 18–20 Mio. Menschen in der gesamten Welt umfasst.

Definitionsgemäß gehört zur Polonia jede außerhalb Polens lebende Person, die:

  • die polnische Staatsbürgerschaft besitzt (auch wenn diese Person nicht im Besitz eines gültigen Reisepasses oder Personalausweises ist) oder
  • die polnische und daneben noch eine weitere Staatsbürgerschaft besitzt oder
  • die polnische Staatsbürgerschaft nicht besitzt, jedoch polnischer Herkunft ist (wodurch die polnische Staatsbürgerschaft festgestellt werden kann).

Das wichtigste Kriterium ist die eigene Herkunft oder die Herkunft der Vorfahren. Die betreffende Person muss hierbei nicht in Polen geboren worden sein. In einigen Quellen werden die Polen in den ehemaligen polnischen Ostgebieten nicht zur Polonia gezählt, da diese nicht aus Polen ausgewandert sind, sondern sich auf Grund von Grenzverschiebungen nach dem Zweiten Weltkrieg außerhalb des polnischen Staates wiederfanden.[2]

Für die Existenz einer polnischen Volksgruppe außerhalb Polens gibt es unterschiedliche Gründe und Ursachen:

  • Erzwungene Emigration oder Verbannung – betraf vor allem die Vorfahren von in Russland lebenden Polen, die nach verlorenen Aufständen oder anderen Zeichen der Illoyalität dem Zarenreich gegenüber nach Sibirien verbannt wurden. Dies fand seit den Teilungen Polens statt,
  • Politische Emigration – begann Anfang des 19. Jahrhunderts und verlief wellenartig, wobei sie nach politischen Umwälzungen (Verlust der Unabhängigkeit, Aufstände, Systemwechsel, Kriege u. Ä.) immer stark zunahm,
  • Wirtschaftliche Emigration – hing mit der industriellen Revolution zusammen, begann Mitte des 19. Jahrhunderts und dauert bis heute an, wobei die Zielländer sehr variieren,
  • Deportation – fand nach dem deutsch-sowjetischen Überfall auf Polen 1939 statt, diese wurde von beiden Besatzern praktiziert. Einerseits wurden polnische Zwangsarbeiter von den Nationalsozialisten nach Deutschland deportiert, andererseits haben Sowjets die polnische Bevölkerung Ostpolens aus politischen oder nationalistischen Motiven gen Osten deportiert,
  • Territoriale Verschiebung – erfolgte nach dem Zweiten Weltkrieg und hatte eine Verschiebung der Grenzen Polens gen Westen zur Folge. Hiervon war die polnische Bevölkerung des ehemaligen Ostpolen betroffen; so entstanden polnische Minderheiten in Litauen, Belarus[3] und der Ukraine.

Auswanderungswellen

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Die Emigration der Polen hatte mehrere Etappen:

Die letztgenannte Etappe dauert bis heute an und hat sich seit der Erweiterung der Europäischen Union 2004 auf die Länder der Europäischen Union konzentriert. Als Beispiel ist hier Irland zu nennen, in welchem vor der Erweiterung kaum Ausländer lebten und welches mittlerweile einen Ausländeranteil von 4 % besitzt, wobei die Polen mit 120.000 Personen die mittlerweile größte Zuwanderergruppe in diesem Land darstellen.

Es gab – zu einem großen Teil aus politischen Flüchtlingen bestehende – polnische Kolonien in fast allen europäischen Hauptstädten sowie in Hamburg, Bremen, Düsseldorf, Köln, dem Ruhrgebiet (Ruhrpolen), Mannheim und Frankfurt am Main. Heutige Zentren sind außerdem Chicago, das östliche Ruhrgebiet sowie der Londoner Stadtteil Ealing.

Polen aus bestimmten Regionen Polens ließen sich häufig schwerpunktmäßig in bestimmten Städten Deutschlands nieder. So bildete Ahlen (Westfalen) beispielsweise einen Schwerpunkt für Polen aus dem Raum Posen (Poznań), Gelsenkirchen für Polen aus Masuren und Recklinghausen für Polen aus Schlesien. Diese Schwerpunkte haben teilweise bis heute Bestand. Um Gelsenkirchen herum bildeten sich so auch eigene Begriffe, wie Mottek für Hammer (poln. młotek).

Auswanderung nach dem Beitritt Polens zur EU

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Seit dem Beitritt Polens zur Europäischen Union am 1. Mai 2004 haben bis Ende 2006 ca. 1,12 Millionen (3 % der Bevölkerung) Polen ihr Land verlassen, um in der Europäischen Union Arbeit zu finden. Die meisten von ihnen waren laut einem Bericht des ECAS[4] zwischen 25 und 30 Jahren alt. Die meisten Polen[5] emigrierten in diesem Zeitraum nach Deutschland (534.990),[6] Großbritannien (264.000), Irland (120.000), Frankreich (90.000), Italien (72.229) und in die Niederlande (20.000).

Dieser Abfluss an häufig gut ausgebildeten und qualifizierten Arbeitskräften hat zu einem Arbeitskräftemangel auf dem polnischen Markt geführt. Gleichzeitig zeigt der Bericht des ECAS, dass die polnischen Migranten einen nicht unerheblichen Beitrag zum Wirtschaftswachstum ihrer Gastgeberländer beigetragen haben.

Polnisches Recht

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Nach polnischem Recht sind diejenigen, die zur Polonia gehören, ethnische Polen. Eine (Wieder-)Erlangung der polnischen Staatsbürgerschaft ist für diese Personen somit vereinfacht. Der Nachweis polnischer Vorfahren reicht meist aus.

Anhand dieser Gesetzgebung hat z. B. der israelische Fußballspieler Ben Sahar die polnische Staatsbürgerschaft erhalten und somit das Recht erlangt, als EU-Bürger in Großbritannien arbeiten und Fußball spielen zu können.

Medien für die Polonia

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Es gibt vier Fernsehkanäle, die aus Polen für die Polonia Informationen, Nachrichten, Dokumentationen, Serien und Filme ausstrahlen. Es handelt sich hierbei um den öffentlich-rechtlichen Kanal TV Polonia und die privaten Sender TVN International, Polsat 2 International sowie TV Polska. In Chicago existiert mit Polvision der größte polnischsprachige Sender außerhalb Polens, gegründet von Walter Kotaba, der auch mehrere Radiosender in Illinois, New York und Connecticut gegründet hat. Weitere Fernsehsender, die von der Polonia für die Polonia produziert werden, sind u. a. TV Polonia.US (ebenfalls Chicago), die Sender TV Foka aus Calgary und Panorama 10 aus Toronto (beide Kanada) sowie der Musiksender TV4U aus New York.

Daneben gibt es zahlreiche Radiosendungen sowie -stationen in Ländern wie z. B. den Vereinigten Staaten, Kanada, Australien, Österreich, Deutschland, den Niederlanden, Irland, Frankreich, Italien, der Ukraine, Russland, Litauen und Belarus.

Weltspiele der Auslandspolen

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Im Jahr 1934 wurden in Warschau erstmals für emigrierte Polen die Weltspiele der Auslandspolen veranstaltet, die nach darauffolgender 40-jähriger Pause seit 1974 wieder regelmäßig stattfinden. Im jährlichen Wechsel werden die nach Sommer- und Winterspielen aufgeteilten Sportwettkampfveranstaltungen an verschiedenen Orten Polens ausgetragen. So nahmen an den XV. Sommerspielen 2011 in Breslau 1682 Sportler aus 23 Ländern in 27 Sportarten teil.

Polonia in Deutschland

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Zu den wichtigsten auf Bundesebene tätigen Vereinen zählen der Bund der Polen in Deutschland mit Sitz in Bochum, der als Dachverband der polnischen Organisationen 1922 in Berlin gegründet wurde und der Polnische Kongress in Deutschland mit Sitz in Aachen. Dieser wurde am 15. Februar 1992 aus 16 polnischen Vereinen zum Zwecke der Interessenvertretung der polnischen Vereine gegenüber den Behörden gegründet.

Eine besondere Rolle kommt der Polnischen Katholischen Mission zu, die unter anderem Unterricht in polnischer Sprache für Kinder mit polnischem Migrationshintergrund anbietet.

Bekannte Auslandspolen

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Bekannte Auslandspolen und aus Polen stammende Personen[7]

  • Robert Acquafresca (* 1987) – italienischer Fußballspieler polnischer Abstammung
  • Guillaume Bieganski (1932–2016) – französischer Fußballspieler polnischer Abstammung
  • Thiago Rangel Cionek (* 1986) – polnischer Fußballnationalspieler brasilianisch-polnischer Herkunft
  • Thadée Cisowski (1927–2005) – französischer Fußballspieler polnischer Herkunft
  • Filipe Luís (* 1985) – brasilianischer Fußballspieler polnischer Abstammung
  • Léon Glovacki (1928–2009) – französischer Fußballspieler polnischer Abstammung
  • Phil Jagielka (* 1982) – englischer Fußballspieler polnischer Abstammung
  • Andy Johnson (* 1981) – englischer Fußballspieler polnischer Abstammung
  • Raymond Kopa (1931–2017) – französischer Fußballspieler polnischer Abstammung
  • Laurent Koscielny (* 1985) – französischer Fußballspieler polnischer Abstammung
  • Maor Melikson (* 1984) – israelischer Fußballspieler polnischer Abstammung
  • Ludovic Obraniak (* 1984) – polnischer Fußballnationalspieler
  • Damien Perquis (* 1984) – polnischer Fußballnationalspieler
  • Tomasz Radziński (* 1973) – kanadischer Fußballspieler polnischer Herkunft
  • César Ruminski (1924–2009) – französischer Fußballspieler polnischer Abstammung
  • Ben Sahar (* 1989) – israelisch-polnischer Fußballspieler
  • Peter Schmeichel (* 1963) – dänischer Fußballspieler polnischer Abstammung
  • Kasper Schmeichel (* 1986) – dänischer Fußballspieler polnischer Abstammung (Sohn von Peter Schmeichel)
  • Daniel Sikorski (* 1987) – polnisch-österreichischer Fußballspieler
  • Danny Szetela (* 1987) – US-amerikanischer Fußballspieler polnischer Abstammung
  • Gil Vermouth (* 1985) – israelischer Fußballspieler polnischer Abstammung
  • Michael Wojtanowicz (* 1985) – österreichischer Fußballspieler polnischer Abstammung
  • Patrik Wozniacki (* 1986) – dänischer Fußballspieler polnischer Abstammung (Bruder von Caroline Wozniacki)
Fußball (Deutschland)
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Andere Sportarten

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Commons: Polonia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Statistik: Personenanzahl der polnischen Diaspora. In: Polen–Analysen. Deutsches Polen-Institut Darmstadt, Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, 3. Februar 2026, S. 11–12, abgerufen am 5. Februar 2026 (Schätzwerte mit z. T. erheblich höheren Zahlen als die Ergebnisse in nationalen Volkszählungen. Quelle: Główny Urząd Statystyczny [Statistisches Hauptamt]; Ministerstwo Spraw Zagranicznych [Außenministerium]: Polacy za granicą [Polen im Ausland]. https:// dashboard-polonia.stat.gov.pl/polonia. Hier auch Zahlen zu allen anderen Staaten mit weniger als 10.000 Polen).
  2. Central Statistical Office (Memento des Originals vom 11. Juni 2007 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.stat.gov.pl
  3. siehe auch: Bund der Polen in Belarus
  4. European Citizen Action Service (Memento des Originals vom 8. Dezember 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ecas-citizens.eu
  5. in dem Bericht waren die baltischen Länder und Finnland nicht inbegriffen
  6. Saisonarbeiter sind in den Zahlen mitenthalten
  7. Einzelne Personen sind anderen nationalen Bekenntnisses