Ellesmere Island

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Ellesmere Island
Satellitenaufnahme
Satellitenaufnahme
Gewässer Arktischer Ozean
Inselgruppe Königin-Elisabeth-Inseln
Geographische Lage 79° N, 80° WKoordinaten: 79° N, 80° W
Lage von Ellesmere Island
Länge 820 km
Breite 440 km
Fläche 196.236 km²
Höchste Erhebung Barbeau Peak
2616 m
Einwohner 146 (2006)
<1 Einw./km²
Hauptort Grise Fiord
Die Arktische Kordillere auf Ellesmere
Die Arktische Kordillere auf Ellesmere

Ellesmere Island (deutsch Ellesmere-Insel; Inuktitut Umingmak Nuna, „Land der Moschusochsen“) ist die nördlichste und größte Insel der Königin-Elisabeth-Inseln Kanadas im Kanadisch-Arktischen Archipel und ist Teil des kanadischen Territoriums Nunavut. Mit einer Größe von 196.236 km²[1] ist sie die drittgrößte Insel Kanadas und die zehntgrößte Insel der Erde.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 820 km lange und 440 km breite Insel wird im Osten durch die Nares-Straße von Nordgrönland getrennt. Im Westen liegt die Axel-Heiberg-Insel, im Süden, getrennt durch den Jonessund, die Devon-Insel.

Die Oberfläche der Insel ist knapp zur Hälfte vergletschert und von mehreren Eiskappen bedeckt: im Süden das Manson Icefield (6.200 km²) und das Sydkap (3.700 km²), in der Mitte die Prince of Wales Mountains (20,700 km²) und die Agassiz-Eiskappe (21.000 km²) und im Norden das Northern Ellesmere Icefield (24.400 km²).

Der Küstenverlauf der Insel ist durch zahlreiche Fjorde gekennzeichnet. Über weite Teile der Insel ziehen sich Gebirge der Arktischen Kordillere. Der nördlichste Punkt der Insel, Kap Columbia auf 83° 6′ N, ist zugleich der nördlichste Punkt Kanadas und 769 km vom Nordpol entfernt. Insbesondere an der Nordküste reicht Schelfeis bis weit ins Nordpolarmeer hinein. Im Norden der Insel, dem so genannten Grant Land, ragen die Gipfel mehrerer aus Sedimentgestein bestehenden Gebirgsketten wie die Challenger Mountains oder das British Empire Range, aus der bis zu 900 m dicken Eisschicht. Dort befindet sich die Barbeau-Spitze, der mit 2.616 m höchste Berg der Insel und zugleich des Territoriums Nunavut.[1]

In Richtung Süden flacht die Landschaft mit dem Hazen Plateau zunächst etwas ab. Der dort befindlich Lake Hazen ist der größte See in der Arktis. Anschließend steigt das Gelände wieder bis auf 2.000 m an.

Das Schelfeis um Ellesmere Island hat in den letzten 50 Jahren um mehrere hundert Quadratkilometer abgenommen. Seit der ersten Erkundung der Insel 1906 hat sich das Schelfeis um etwa 90 % reduziert. Wissenschaftler gehen davon aus, dass dieser Prozess im Rahmen der globalen Klimaerwärmung weiter fortschreiten wird.[1]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Insel gibt es eine Siedlung, den Grise Fiord, dessen Bevölkerungszahl 2011 130 Personen betrug.[2] Daneben gibt es die Wetterstation Eureka, die nicht dauerhaft besetzt ist, sowie den Militärstützpunkt Alert der kanadischen Luftwaffe, dessen Besatzung mit etwa 55 Soldaten und 5 Zivilisten angegeben wird.[3]

Flora und Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ellesmere Island ist eine klassische Kältewüste mit nur 70 mm Jahresniederschlag an manchen Orten.[1] Insbesondere im Gebiet um den Lake Hazen konnte sich jedoch eine Tundra aus vorwiegend Flechten und Moosen, aber auch Gräsern und kleineren Sträuchern wie der Arktischen Weide, herausbilden. Zur Fauna gehören Moschusochsen, Karibus, Polarfüchse, Polarwölfe, Polarhasen, Lemminge und verschiedene Vogelarten wie Schneeeulen, Gerfalken und Kanadagänse. Dieser Teil der Insel steht seit 1988 als Quttinirpaaq-Nationalpark unter Naturschutz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Insel war schon vor mindestens 4000 Jahren von Vorfahren der Inuit besiedelt. Um das Jahr 1000 n. Chr. wurde sie möglicherweise von einer Wikingerexpedition unter Leif Eriksson besucht.

In der Neuzeit wurde die Insel 1616 von William Baffin und Robert Bylot entdeckt. Es ist nicht bekannt, ob Baffin dabei auf Ellesmere Island landete, oder auf den benachbarten Inseln Coburg Island oder Devon Island. 1818 wurde sie von John Ross gesichtet. Die erste gesicherte Landung wurde 1849 vom Walfänger John Gravill an der Südküste durchgeführt. 1852 wurde sie von Inglefields Expedition nach Francis Egerton, 1. Earl of Ellesmere, dem damaligen Präsidenten der Royal Geographical Society, benannt.[4]

1922 eröffnete die Royal Canadian Mounted Police einen Außenposten am Craig Harbour an der Südküste. 1956 zog man an den Grise Fiord um, wo mehrere Inuit-Familien angesiedelt wurden. Mit Beginn des Kalten Kriegs wurden im Rahmen der Operation Nanook zwei Wetterstationen auf der Insel eingerichtet: zunächst Eureka (1947) und anschließend Alert (1950), die später zu einem Militärstützpunkt erweitert wurde. Alert, an der Nordküste auf 82° 30′ N gelegen, ist die nördlichste dauerhaft bewohnte menschliche Ansiedlung.

Paläontologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Sedimentgestein der Ellesmere-Insel wurden 2006 die bis heute einzigen Fossilien des Tiktaalik gefunden, eines Fleischflossers, der ein Bindeglied zwischen Fischen und Landbewohnern darstellt. Bedeutend sind auch die Fossilreste der Margaret-Formation, die es ermöglichen, ein Biotop zu rekonstruieren, welches im Eozän vor rund 50 Millionen Jahren unter subtropischen Klimaverhältnissen bestanden hat.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nunavut Handbook, Iqaluit 2004, ISBN 0-9736754-0-3
  • Lyle Dick: Muskox Land: Ellesmere Island in the age of contact. University of Calgary Press, Calgary 2001.
  • Noel Humphreys, Edward Shackleton, A. W. Moore, R. Bentham, D. Haig-Thomas, A. J. Wilmott, Percy Cox, H. E., Colonel Vanier, H. R. Mill: Oxford University Ellesmere Land Expedition. In: Geogr. J. 87 (5), 1936. S. 385–443 (eingeschränkte Vorschau, englisch)
  • Edward Shackleton: Arctic Journeys – The Story of the Oxford University Ellesmere Land Expedition 1934–1935. Hodder and Stoughton Ltd., London 1937, und Farrar & Rinehart, New York 1938.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ellesmere Island – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Ellesmore Island. thecanadianencyclopedia.com, abgerufen am 18. September 2015 (englisch).
  2. Grise Fiord Census Profile. Statistics Canada, abgerufen am 18. September 2015 (englisch).
  3. Canadian Forces Station Alert. Royal Canadian Airforce, abgerufen am 18. September 2015 (englisch).
  4.  William James Mills: Exploring Polar Frontiers: A Historical Encyclopedia. Bd. 1, ABC-CLIO, 2003, ISBN 1-57607-422-6, S. 209f (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. Jaelyn J. Eberle und David R. Greenwood: Life at the top of the greenhouse Eocene world — A review of the Eocene flora and vertebrate fauna from Canada’s High Arctic. Geological Society of America Bulletin; January/February 124 (1/2), 2012, S. 3–23