Engelhartszell

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Marktgemeinde
Engelhartszell
Wappen Österreichkarte
Wappen von Engelhartszell
Engelhartszell (Österreich)
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Oberösterreich
Politischer Bezirk: Schärding
Kfz-Kennzeichen: SD
Fläche: 18,83 km²
Koordinaten: 48° 30′ N, 13° 44′ OKoordinaten: 48° 30′ 0″ N, 13° 44′ 0″ O
Höhe: 302 m ü. A.
Einwohner: 922 (1. Jän. 2022)
Bevölkerungsdichte: 49 Einw. pro km²
Postleitzahl: 4090
Vorwahl: 07717
Gemeindekennziffer: 4 14 07
Adresse der
Gemeinde­verwaltung:
Marktplatz 61
4090 Engelhartszell
Website: www.engelhartszell.at
Politik
Bürgermeister: Roland Pichler (ÖVP)
Gemeinderat: (Wahljahr: 2021)
(13 Mitglieder)
7
2
2
2
Insgesamt 13 Sitze
Lage von Engelhartszell im Bezirk Schärding
AltschwendtAndorfBrunnenthal (Oberösterreich)DiersbachDorf an der PramEggerdingEngelhartszellEnzenkirchenEsternbergFreinbergKopfing im InnkreisMayrhofMünzkirchenRaabRainbach im InnkreisRiedauSankt AegidiSt. Florian am InnSt. Marienkirchen bei SchärdingSt. RomanSt. WillibaldSchardenbergSchärdingSighartingSubenTaufkirchen an der PramVichtensteinWaldkirchen am WesenWernstein am InnZell an der PramOberösterreichLage der Gemeinde Engelhartszell im Bezirk Schärding (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Engelhartszell an der Donau
Engelhartszell an der Donau
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Engelhartszell ist eine Marktgemeinde mit 922 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2022) im Bezirk Schärding im österreichischen Innviertel in Oberösterreich.

Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Schärding und ist bekannt für das hier befindliche Trappistenkloster Engelszell.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Engelhartszell liegt im Oberen Donautal auf 302 m Höhe im Innviertel. Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 9,2 km, von West nach Ost 7,4 km. Die Gesamtfläche beträgt 18,83 km², 57,4 % der Fläche sind bewaldet, 28,2 % der Fläche sind landwirtschaftlich genutzt.

Der Hauptort der Gemeinde ist Engelhartszell.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst folgende acht Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 1. Jänner 2022[1]):

  • Engelhartszell (468)
  • Engelszell (134)
  • Kronschlag (16)
  • Maierhof (61) samt Fürling, Roning und Rotzenedt
  • Oberranna (16)
  • Ronthal (12)
  • Saag (16)
  • Stadl (199) samt Schöfberg und Stadl-Zerstreute Häuser

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Engelhartszell und Stadl.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Untergriesbach (Niederbayern, D) Neustift im Mühlkreis (Bezirk Rohrbach)
Vichtenstein

St. Roman
Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt
Kopfing im Innkreis Sankt Aegidi Hofkirchen im Mühlkreis (Bezirk Rohrbach)

Waldkirchen am Wesen

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemälde am Schifferhaus Engelhartszell (Warenverzollung um 1830)

Die Siedlungsspuren in der Region gehen bis auf die Römerzeit zurück. Im Itinerarium Antonini, einem römischen Straßenverzeichnis aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., wird der Ort als Station Stanacum angeführt.[2]

Im Jahre 1840 wurden im Ortsteil Oberranna vom Schlögener Grabungsverein beim ehemaligen Gasthaus Wagner römische Mauerreste entdeckt. Sie lagen direkt am römischen Limes (heute die Nibelungen Straße). Die Funktion als Grenzbefestigung ist seit den Grabungen von 2017 zweifelsfrei erwiesen. Es handelt sich dabei um einen spätantiken Burgus, der in einem seiner Türme eine Thermenanlage eingebaut hatte. Engelhartszell wurde erstmals im Jahr 1194 urkundlich erwähnt. Das in der Nähe des Ortes liegende Stift Engelszell mit seiner Rokokokirche wurde 1293 durch Bischof Bernhard (Wernhart) von Prambach, ursprünglich als Zisterzienserkloster, gegründet. 1786 wurde Engelszell durch Kaiser Joseph II. aufgehoben, seit 1925 ist es das einzige Trappistenkloster in Österreich. Seit 1958 besteht eine Freundschaft zwischen Engelhartszell und Sinzenich, die durch den Trappistenpater Ignatius Niederstein initiiert wurde und durch gegenseitige Besuche der örtlichen Musikkapellen zum Ausdruck kommt.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1991 hatte die Gemeinde laut Volkszählung 1.160 Einwohner, 2001 dann 1.169 Einwohner. Die Zunahme erfolgte trotz negativer Geburtenbilanz wegen der positiven Wanderungsbilanz. Von 2001 bis 2011 waren beide Bilanzen negativ, sodass die Bevölkerungszahl auf 964 Personen im Jahr 2011 abnahm.[3]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fassade der Stiftskirche
Kraftwerk Jochenstein
Das Schütz Art Museum
Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Engelhartszell
  • Stift Engelszell: Das Stift wurde 1293 als Zisterzienserkloster gegründet. Heute ist es das einzige Trappistenkloster in Österreich.
  • Pfarrkirche Engelhartszell: Spätgotische Kirche, Chor 1459, Langhaus 1503; Weihe 1509 durch Passauer Bischof Urban. Im 18. Jahrhundert barockisiert. An den Außenmauern sehenswerte alte Grabsteine.
  • Filialkirche Stadl-Kicking
  • Kaiserliches Mauthaus: Spätgotisches Gebäude mit einem Kellergewölbe aus dem 15. Jahrhundert. Das Gebäude befand sich damals an der Grenze des ehemaligen Kaiserreichs und diente der Grenzabfertigung der Donauschiffe. Heute: Nutzung als Kulturkeller für Ausstellungen und musikalische Darbietungen
  • Römercastell Stanacum: Reste eines Römercastells (Teil des römischen Limes) mit vier Rundtürmen im Ortsteil Oberranna.
  • Pestsäule: errichtet 1510
  • Kraftwerk Jochenstein: errichtet 1952 bis 1956 nach Plänen von Roderich Fick
  • Wassererlebnis Minidonau: Der Verlauf der Donau wird erlebbar gemacht, mit Großaquarium und Sinnesgarten[4]
  • Schütz Art Museum – Klassische Moderne: 2020 fand der Spatenstich für das Museum des Kunsthändlers Josef Schütz und seiner Frau Irene Schütz statt.[5] Es beherbergt weit über 600 Werke der klassischen Moderne, darunter Arbeiten von Künstlern wie Egon Schiele, Oskar Kokoschka und Gustav Klimt. Daneben gibt es ein Artist-in-Residence-Programm, für das drei Ateliers zur Verfügung stehen.[6] Am 14. November 2021 wurde das Schütz-Museum als weltweit erstes Nullenergie-Museum eröffnet.
  • Hufschmiede von 1494, als Museum[7]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußgängerfähre Donaunixe Isa

Engelhartszell liegt an der Nibelungen Straße B 130, die von Eferding nach Passau führt.

Fußgängerfähre Engelhartszell–Jochenstein: Bei Engelhartszell quert eine Fähre namens Donaunixe Isa die Donau nach Jochenstein in Bayern. Sie ist nur in der Sommersaison in Betrieb und befördert ausschließlich Fußgänger sowie Radfahrer. Letztere, die auf der nördlichen Donauradweg-Variante unterwegs sind, nutzen sie auch zum Besuch von Stift Engelszell.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1956 wurde im Gemeindegebiet, etwa einen Kilometer nordwestlich des Ortes, das Donaulaufkraftwerk Jochenstein errichtet. Eine Niederlassung des international tätigen Unternehmens Faber-Castell erzeugt hier Tinten und Textmarker.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Marktgemeinde betreibt die Pfarrcaritas einen Kindergarten. Es gibt eine Volksschule und eine Landesmusikschule.[8] Von 1906 bis 1978 wurde der Kindergarten von den Kreuzschwestern betreut, die während der NS-Zeit aus ihrem Haus ausquartiert wurden.

Pflege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Caritas Oberösterreich bietet alten Menschen das Seniorenwohnhaus St. Bernhard an.[9] Von 1939 bis 1997 ging dieser Einrichtung eine Fürsorgeanstalt voraus, die ab 1945 in der Trägerschaft der Trappisten von Barmherzigen Schwestern betreut wurde und über einen eigenen Friedhof verfügte.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1919–1922 Karl Mühlböck
  • 1922–1933 Josef Leithner
  • 1933–1938 Anton Luger
  • 1938–1945 Robert Bräuer-Mocker
  • 1945–1946 Anton Luger
  • 1946–1949 Josef Scherer
  • 1949–1967 Karl Frierß
  • 1967–1967 Josef Greiner
  • 1967–1979 Alois Beger
  • 1979–2002 Friedrich Bernhofer (ÖVP)
  • seit 2002 Roland Pichler (ÖVP)

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Rot eine goldene, eingebogene Spitze, mit dem schwarzen Antiqua-Versalbuchstaben E belegt; in den Oberwinkeln je ein silberner, sechsstrahliger Stern.“

Die Gemeindefarben Rot-Gelb-Rot wurden 1987 verliehen.[10]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1957: Benno Stumpf (1897–1966), Abt des Stiftes Engelszell 1953–1966

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen mit Bezug zur Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Engelhartszell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Engelhartszell – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistik Austria: Bevölkerung am 1.1.2022 nach Ortschaften (Gebietsstand 1.1.2022) (ODS)
  2. Gerhard Winkler: Der römische Meilenstein von Engelhartszell. CIL III 5755 = 11846. In: Oberösterreichische Heimatblätter. Linz 1971, S. 10–11 (gesamter Artikel S. 3–15, ooegeschichte.at [PDF]);
    Herbert Jandaurek: Der römische Meilenstein von Engelhartszell. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs. Linz 1959, S. 294–304 (ooegeschichte.at [PDF]).
  3. Statistik Austria, Ein Blick auf die Gemeinde Engelhartszell, Bevölkerungsentwicklung. Abgerufen am 16. April 2019.
  4. Wassererlebnis Minidonau
  5. In Engelhartszell entsteht das erste Null-Energie-Museum der Welt. Abgerufen am 7. Dezember 2020.
  6. Salzburger Nachrichten: "Schütz Museum Engelhartszell" vor Spatenstich. Abgerufen am 7. Dezember 2020.
  7. Hufschmiedemuseum. Website der Gemeinde Engelhartszell, abgerufen am 10. Dezember 2021.
  8. Gemeinde Engelhartszell, Unser Markt, Bildung. Abgerufen am 21. Juli 2019.
  9. Caritas Oberösterreich, Hilfe und Angebote, Seniorenwohnheim St. Bernhard. Abgerufen am 21. Juli 2019.
  10. Land Oberösterreich, Geschichte und Geografie, Wappen. Abgerufen am 16. April 2019.