Erwin Pröll

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Erwin Pröll 2015

Erwin Pröll (* 24. Dezember 1946 in Ziersdorf-Radlbrunn, Niederösterreich) ist ein österreichischer Politiker (ÖVP). Er ist seit 1992 Landeshauptmann von Niederösterreich.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prölls Eltern waren Weinbauern. Er besuchte die Volksschule in Radlbrunn und die Hauptschule in Ziersdorf. Nach der Matura in Tulln studierte er an der Universität für Bodenkultur Wien und schloss 1976 sein Studium als Agrarökonom mit dem akademischen Grad Dr. nat. tech. ab.[1][2] Noch vor seiner Promotion wurde er 1972 in den Österreichischen Bauernbund als wirtschaftspolitischer Referent geholt. Mit 33 Jahren wurde er in die niederösterreichische Landesregierung gewählt, seit Jänner 1981 als Landeshauptmann-Stellvertreter. Am 22. Oktober 1992 wurde Pröll Landeshauptmann von Niederösterreich. Er ist unter den in Österreich im Dienst stehenden Landeshauptleuten der am längsten amtierende.

Pröll ist mit der in Wien geborenen Elisabeth Pröll (* 1950 als Elisabeth Terebesy) verheiratet und hat mit ihr vier Kinder. Er ist der Onkel des ehemaligen österreichischen Bundesministers für Finanzen und Vizekanzlers Josef Pröll.

Er ist Ehrenmitglied der Ö.k.a.V. Rhaeto-Danubia Wien, der K.Ö.H.V. Franco-Bavaria Wien, der K.Ö.A.V. Floriana St. Pölten im Österreichischen Cartellverband (ÖCV) und bei der K.Ö.Agr.St.V. Bergland zu Wieselburg im Mittelschüler-Kartell-Verband (MKV). Außerdem ist er Mitglied der Rotarier.[3]

Politischer Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Landesrat vom 27. März 1980 bis zum 22. Jänner 1981
  • Landeshauptmann-Stellvertreter vom 22. Jänner 1981 bis zum 21. Oktober 1992
  • Landeshauptmann seit dem 22. Oktober 1992

Politisches Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seine Amtszeit fiel die Übersiedlung der niederösterreichischen Landesregierung mit dem Amt der NÖ Landesregierung und weiterer Institutionen von Wien in das Sankt Pöltner Landhausviertel.

Pröll gilt als Verfechter der sogenannten Großen Koalition aus ÖVP und SPÖ. Im Jahr 2000 war er noch Befürworter von Schwarz-Blau, zwei Jahre später sprach er sich gegen ein neuerliches Zusammengehen mit der FPÖ aus. Pröll pflegt auch ein gutes Verhältnis zum Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ). Pröll gilt in der ÖVP als einer der einflussreichsten Politiker,[4] der sich zugleich öffentlich gerne gegen die Bundes-ÖVP stellt.[5] So führte Pröll vor der Bundespolitik die Senkung der Schülerhöchstzahl auf 25 ein, präsentierte ein eigenständiges Pflegemodell oder auch ein Schulmodell für Niederösterreich.

Bereits als junges Mitglied der Landesregierung verfolgte Pröll Umweltthemen und forderte eine CO2–Abgabe.[6]

Seit 1992 ist er Nachfolger von Siegfried Ludwig, Landeshauptmann von Niederösterreich und Spitzenkandidat der niederösterreichischen ÖVP. Bei der ersten Landtagswahl mit Pröll als Spitzenkandidat 1993 verlor die ÖVP 3,37 % der abgegebenen Stimmen und konnte bei der darauf folgende Landtagswahl 1998 mit einem Plus von 0,64 % der abgegebenen Stimmen 44,87 Prozent erreichen.

Prölls in Niederösterreich geplante Handymastensteuer[7] sorgte für europaweite Aufregung. Diese Steuer wurde zunächst mit den Stimmen von ÖVP und SPÖ beschlossen, nach einer Einigung mit den Mobilfunkbetreibern über gemeinsam errichtete und benutzte Masten jedoch wieder abgeschafft, was von EU-Kommissarin Viviane Reding begrüßt wurde.[8]

2003 erreichte die ÖVP Niederösterreich bei den Landtagswahlen mit 53,3 Prozent erstmals seit 1983 wieder die absolute Mehrheit.[9] Projekte wie der Campus Krems, das Krebsforschungszentrum MedAustron in Wiener Neustadt, das Forschungszentrum Tulln, der Wirtschafts- und Gewerbepark Industriezentrum NÖ Süd, die erste Biospritanlage Österreichs im Tullnerfeld, die Elite-Uni in Klosterneuburg oder die Auszeichnung Niederösterreichs durch die EU-Kommission als innovativste Region Europas bilden die Bilanz von Pröll.[9]

Im ersten Halbjahr 2006 war er Gastgeber einer Subsidiaritätskonferenz von EU-Politikern.

Bei der niederösterreichischen Landtagswahl 2008 erreichte die ÖVP mit Spitzenkandidat Pröll erneut die absolute Mehrheit mit 54,39 Prozent der abgegebenen Stimmen und 1,1 Prozentpunkten mehr als 2003. Hauptmotive für die ÖVP-Wähler waren laut Umfragen der Spitzenkandidat Pröll und die gute Entwicklung Niederösterreichs.[10] Im Wahlkampf hatten sich prominente Persönlichkeiten für Pröll ausgesprochen, darunter „auch nicht allzu bürgerliche Künstler wie der Karikaturist Manfred Deix und die Schauspielerin Erika Pluhar[5], aber auch der österreichische Fußball-Teamchef Josef Hickersberger, der Festspielleiter Harald Serafin und der Schauspieler Felix Dvorak.[11] Während des Wahlkampfs hatte sich Pröll gegen den Bau von Minaretten in Niederösterreich ausgesprochen und diese als „artfremd“ bezeichnet, außerdem hatte er vorgeschlagen, die Strafregisterauszüge von Asylwerbern zu publizieren.[5]

Bei der niederösterreichischen Landtagswahl 2013 erreichte die ÖVP mit Spitzenkandidat Pröll knapp die absolute Mehrheit mit 50,79 Prozent der abgegebenen Stimmen und damit 3,6 Prozentpunkte weniger als bei der Landtagswahl 2008.

Pröll wurde innerhalb der ÖVP immer wieder als Anwärter für das Amt des Bundespräsidenten gehandelt, zuletzt bei der Bundespräsidentenwahl in Österreich 2016.[12][13] In mehreren Interviews gab er jedoch wiederholt bekannt, dass dieses Amt nicht in seiner „Lebensplanung“ vorgesehen sei.[14][15][16][17]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Hauptkritikpunkt an Prölls Umgang mit Kritik ist die angebliche Vereinnahmung der Medien, besonders des ORF Niederösterreich und der Niederösterreichischen Nachrichten; kritische Berichte würden mit Androhung des Anzeigenentzugs befreundeter Wirtschaftsunternehmen beantwortet.[18] Peter Rabl schrieb in der österreichischen Tageszeitung Kurier: „Pröll hat das Land mit starker, gelegentlich brutaler Hand, aber mit großer persönlicher Offenheit und Breite sehr erfolgreich geführt. Bezeichnenderweise fallen den Wahlkämpfern der anderen Parteien kaum sachliche Vorwürfe gegen die bisherige Landespolitik ein.“[4] Pröll wurde in der Wiener Zeitung als „traditioneller Machtpolitiker“[6] beschrieben, den „eine fast legendäre Jovialität“[6] umgebe, die „jedoch oft nur bis zur ersten kritischen Frage“[6] andauere, weswegen es Journalisten „nicht immer leicht mit Erwin Pröll“[6] hätten. Gerald John vom Standard fasste es so zusammen: „Wer, vom Pfarrer bis zum Journalisten, zur falschen Zeit aufmuckt, wird mitunter zusammengestaucht. Widerspruch ist in Prölls politischem Mikrokosmos nicht vorgesehen.“[19][20][21] Eric Frey vom Standard schreibt zu Pröll: „Pröll macht mir Angst. Er ist ein charismatischer, aber willkürlicher, autoritärer und nachtragender Machtmensch, der glaubt, dass sein Wille Gesetz ist. Eine echte Opposition hat er keine, kritische Landesmedien auch nicht.“[22]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prölls Behauptung, als einziges Buch Karl Mays Der Schatz im Silbersee fertig gelesen zu haben, gewann der damalige Landesparteisekretär Ernst Strasser Erfreuliches ab. „Das mögen die Leut' “, soll Strasser einen Skeptiker zurechtgewiesen haben, „damit wirkt der Landeshauptmann wenigstens net so obergscheit.“[23]

Auszeichnungen und Ehrenmitgliedschaften (Auszug)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. landtag-noe.at: Dr. Erwin Pröll. Abgerufen am 7. Januar 2016.
  2. parlament.gv.at: Dipl.-Ing. Dr. Erwin Pröll. Abgerufen am 7. Januar 2016.
  3. Netzwerke zum Erfolg: FORMAT zeigt, in welchen Zirkeln sich die Business-Elite trifft. In: Format. 3. März 2006, abgerufen am 7. Januar 2016.
  4. a b Peter Rabl: Heute geht es nicht nur um Erwin Pröll. In: Kurier, 8. März 2008 (Memento vom 9. März 2008 im Internet Archive)
  5. a b c Gerald John: Kopf des Tages: Triumphator mit vielen Gesichtern. In: Der Standard, 10. März 2008
  6. a b c d e Der Volkstribun mit dem Zug zur Macht aus Radlbrunn, Wiener Zeitung, 9. März 2008 (abgerufen am 7. November 2013)
  7. noe.orf.at: Kein Nachgeben bei der Handymastensteuer
  8. futurezone.orf.at: Niederösterreich verzichtet auf Mastensteuer
  9. a b Oliver Pink: Erwin Pröll – Der Putin von St. Pölten In: Die Presse, 9. März 2008
  10. Jeder dritte Arbeiter wählte rot In:derStandard.at, Artikel vom 27. März 2008. Abgerufen am 7. Mai 2015
  11. Homepage des Personenkomitees wir:pröll
  12. Pröll kandidiert nicht als Bundespräsident, Artikel der Presse vom 13. Oktober 2009
  13. Bundespräsident: VP-Fanklub für Erwin Pröll wächst
  14. Pröll sagt Kandidatur als Bundespräsident ab In: oe24.at. Artikel vom 4. September 2014. Abgerufen am 7. Mai 2015
  15. kurier.at - "Hofburg: Pröll will nicht bei Bundespräsidentenwahl kandidieren"
  16. DerStandard: Pröll: "Man muss wissen, wo man hingehört"
  17. Interview mit Erwin Pröll zu seiner Absage
  18. Christof Chorherr: Autoritär, brutal, vordemokratisch, Die Presse, 25. Februar 2008, abgerufen 11. März 2008
  19. Gerald John: Kopf des Tages: Triumphator mit vielen Gesichtern, derStandard.at, 10. März 2008
  20. Video: Das wahre Gesicht des Erwin Pröll - alt aber gut. In: YouTube. 22. Januar 2008, abgerufen am 7. Januar 2016.
  21. Video: Erwin "Doppelter Akademiker" Pröll ÖVP beschimpft Pfarrer. In: YouTube. 8. Januar 2012, abgerufen am 7. Januar 2016.
  22. Eric Frey, Erwin Pröll macht mir Angst, derStandard.at, 11. Mai 2014
  23. Gerald John und Nina Weissensteiner: „Hohe Stirn, flaches Land“ (Memento vom 17. Oktober 2010 im Internet Archive), Falter Nr. 35/02, 28. August 2002
  24. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)
  25. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)
  26. Bezirkshauptmannschaft St. Pölten: Amtsblatt. Ausgabe Nr. 18 vom 15. September 2010, Seite 2
  27. „Großkreuz“ an Pröll verliehen auf ORF vom 28. Februar 2012
  28. LH Pröll erhielt „Stern zum Leopoldskreuz in Gold“ durch Abtprimas Backovsky. OTS-Meldung Nr. 0165, 14. Sep. 2015
  29. Erwin Pröll: Die biografische Landkarte, Kurier (Tageszeitung) (Memento vom 9. November 2011 im Internet Archive)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Erwin Pröll – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien