Eugen Bolz

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Eugen Bolz auf einer deutschen Briefmarke von 2006 aus der Serie Aufrechte Demokraten

Eugen Anton Bolz (* 15. Dezember 1881 in Rottenburg am Neckar; † 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee) war ein deutscher Politiker der Zentrumspartei und Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eugen Bolz wurde als zwölftes Kind von Josef Bolz, Angehöriger eines alteingesessenen Kaufmannsgeschlechts, und dessen Ehefrau Maria Theresia geb. Huber in Rottenburg am Neckar geboren und drei Tage später am 27. Dezember 1881 in der ehemaligen Stiftskirche St. Moriz getauft.

Er war seit 1920 mit der Ulmerin Maria Hoeneß verheiratet, mit der er eine Tochter hatte. Eugen Bolz war über die Familie seiner Frau der Onkel des Kurienkardinals Paul Augustin Mayer (1911–2010).[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eugen Bolz vor dem Volksgerichtshof, 1944

Bolz legte 1900 am Karls-Gymnasium in Stuttgart die Reifeprüfung ab.[2] Er engagierte sich im „Windthorstbund“, der Jugendorganisation der Zentrumspartei. Ab 1900 studierte er Rechtswissenschaften an der Eberhard Karls Universität Tübingen sowie in Bonn (1901) und Berlin (1901/02). Er wurde Mitglied der katholischen Studentenverbindungen AV Guestfalia Tübingen, der KDStV Bavaria Bonn und der KAV Suevia Berlin, alle im CV. Bei der KAV Suevia Berlin lernte er den Zentrumspolitiker Felix Porsch kennen, der ihn veranlasste, nach dem Studienabschluss Politiker zu werden. 1902 setzte er sein Studium in Tübingen fort und schloss dieses 1905 mit dem ersten juristischen Staatsexamen ab. Anschließend absolvierte er das Referendariat in Rottenburg, Ravensburg und Stuttgart. Nachdem Bolz 1909 das zweite juristische Staatsexamen abgelegt hatte, war er zunächst als Hilfsarbeiter bei der Staatsanwaltschaft Ulm tätig. Von 1911 bis 1914 war er als Assessor bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart tätig.

Er trat der Zentrumspartei bei, für die er von 1912 bis 1918 dem Reichstag des Kaiserreichs angehörte. Er vertrat den Wahlkreis Württemberg 13 (Aalen, Gaildorf, Neresheim, Ellwangen).[3] Nach der Novemberrevolution beteiligte er sich 1919 bis 1920 in der Weimarer Nationalversammlung. Ab 1920 bis 1933 war er Mitglied im Reichstag der Weimarer Republik. Zudem gehörte er von 1912 bis 1918 der Zweiten Kammer der Württembergischen Landstände und von 1919 bis 1933 dem Landtag des freien Volksstaates Württemberg an.

1919 wurde er in Württemberg zum Justizminister, 1923 zum Innenminister ernannt. Bei der Machtergreifung der Nationalsozialisten war er – als erster Katholik im überwiegend protestantischen Württemberg – als Nachfolger von Wilhelm Bazille seit 1928 Staatspräsident und zugleich weiterhin Innenminister. Da er als Anhänger der katholischen Soziallehre die NSDAP offen ablehnte, galt er als einer der Hauptgegner der neuen Machthaber. Er wurde am 11. März 1933 von den Nationalsozialisten aus dem Amt gedrängt, als der Landtag seinen Nachfolger Wilhelm Murr wählte. Dem Fraktionszwang folgend, musste Bolz am 23. März 1933 im Reichstag dem Ermächtigungsgesetz trotz seines Gewissenskonfliktes zustimmen. Am 19. Juni 1933 wurde Eugen Bolz verhaftet und mehrere Wochen im Durchgangslager Festung Hohenasperg interniert.

Nach seiner Entlassung zog er sich nach Beuron zurück. Ende 1941/Anfang 1942 kam Eugen Bolz in Verbindung mit dem Widerstandskreis um Carl Friedrich Goerdeler. Eugen Bolz erklärte sich bereit, nach einem Umsturz ein Ministeramt in einer neuen Regierung zu übernehmen. In Goerdelers Ministerliste wurde er als Innenminister geführt. Nach dem missglückten Attentat vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler wurde er am 12. August 1944 verhaftet, am 21. Dezember vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 23. Januar 1945 in Plötzensee enthauptet.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafeln am Reichstag

Seit 1992 erinnert im Berliner Ortsteil Tiergarten an der Ecke Scheidemannstraße/Platz der Republik eine der 96 Gedenktafeln für von den Nationalsozialisten ermordete Reichstagsabgeordnete an Bolz.

Mahnmal in Stuttgart
  • An Bolz erinnert eine Bronzetafel an seinem Geburtshaus in der Königstraße 53 in seiner Geburtsstadt Rottenburg am Neckar, deren Ehrenbürger er ist.[4]
  • Im baden-württembergischen Landtag ist einer der Sitzungssäle nach ihm benannt.
  • In Stuttgart-Mitte steht in der Bolzstraße am Königsbau ein Mahnmal des österreichischen Künstlers Alfred Hrdlicka für Eugen Bolz. [5]
  • Im Jahre 2004 wurde eine neue Glocke seiner Taufkirche, St. Moriz in Rottenburg am Neckar, nach ihm benannt.
  • In Berlin-Rudow ist eine Straße nach ihm benannt, die Eugen-Bolz-Kehre.
  • An der Fassade des ehemaligen Wohnhauses von Eugen Bolz, in Stuttgart befindet sich ein 6 Meter hohes Portrait als Gedenken an ihn, das allerdings im Jahr 2016 abgerissen wird.[6]

Es gibt zahlreiche weitere Einrichtungen, Straßen und Plätze, die mit dem Namen Eugen Bolz verbunden sind. Die von Bolz besuchte Lateinschule in Rottenburg heißt heute Eugen-Bolz-Gymnasium. Auch Schulen in Bad Waldsee, Ellwangen, Kornwestheim, Meckenbeuren und Wolpertswende wurden nach Bolz benannt.

Am 9. November 2006 gab die deutsche Post eine 45-Cent-Sondermarke innerhalb der Serie „Aufrechte Demokraten“ heraus. Die katholische Kirche hat Eugen Bolz als Blutzeugen in das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts aufgenommen.

Studienstiftung Eugen Bolz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1994 wurde die Studienstiftung Eugen Bolz gegründet, die dem Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV) nahesteht und eine demokratische sowie staatsbürgerliche Bildung von Studenten fördert.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmal in Rottenburg
Denkmal in Oberkochen

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alois Dangelmaier: Staatspräsident Dr. Eugen Bolz als Mann u. Staatsmann. Schwabenverlag, Stuttgart 1948.
  • Deutscher Wirtschaftsverlag, AG (Hrsg.): Reichshandbuch der Deutschen Gesellschaft. Band 1, Berlin 1931.
  • Joachim Köhler: (Hrsg.): Christentum und Politik. Dokumente des Widerstands. Thorbecke-Verlag, Sigmaringen 1996, ISBN 3-7995-4083-0.
  • Joachim Köhler: Eugen Bolz. Württembergischer Minister und Staatspräsident. In: Michael Bosch, Wolfgang Niess (Hrsg.): Der Widerstand im deutschen Südwesten 1933–1945. Landeszentrale für Politische Bildung Baden-Württemberg, Stuttgart 1984, ISBN 3-17-008365-1.
  • Wilhelm Kohler: Leben und Martyrium unseres Staatspräsidenten Dr. Eugen Bolz. Ackermann, Schramberg 1947.
  • Max Miller: Eugen Bolz. Staatsmann und Bekenner. Schwabenverlag, Stuttgart 1951.
  • Max MillerBolz, Eugen Anton. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 437 (Digitalisat).
  • Helmut Moll, (Hrsg. im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz), Zeugen für Chritus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts, 6. erweiterte und neu strukturierte Auflage, Paderborn u.a. 2015, ISBN 978-3-506-78080-5, Band I, 659-663.
  • Rudolf Morsey: Eugen Bolz (1881–1945). In: Jürgen Aretz, Anton Rauscher (Hrsg.): Zeitgeschichte in Lebensbildern. Bd. 5. Grünwald, Mainz 1982, ISBN 3-7867-0408-2.
  • Frank Raberg: Eugen Bolz. Zwischen Pflicht und Widerstand. DRW-Verlag Weinbrenner, Leinfelden-Echterdingen 2009, ISBN 3-87181-716-3.
  • Frank Raberg: Biographisches Handbuch der württembergischen Landtagsabgeordneten 1815–1933. Im Auftrag der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Kohlhammer, Stuttgart 2001, ISBN 3-17-016604-2, S. 91.
  • Joachim Sailer: Eugen Bolz und die Krise des politischen Katholizismus in der Weimarer Republik. bibliotheca academica Verlag, Tübingen 1994, ISBN 3-928471-09-0.
  • Ekkart Sauser: Bolz, Eugen. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 19, Bautz, Nordhausen 2001, ISBN 3-88309-089-1, Sp. 76–78.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige, Band 102, A. Pustet, 1991
  2. Karls-Gymnasium Stuttgart (Hrsg.):125 Jahre Karls-Gymnasium Stuttgart, Stuttgart 2006
  3. Reibel, Carl-Wilhelm: Handbuch der Reichstagswahlen 1890–1918. Bündnisse, Ergebnisse, Kandidaten. Zweiter Halbband. Düsseldorf: Droste Verlag, 2007, S. 1245–1248 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Bd. 15)
  4. Erinnerungstafel an seinem Geburtshaus in Rottenburg
  5. Artikel in den Stuttgarter Nachrichten
  6. Jan Sellner: Villa Bolz - Gedenken in Großformat. In: Stuttgarter Nachrichten. 1. November 2015, abgerufen am 22. April 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Eugen Bolz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien