Flughafen Schwerin-Parchim

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Flughafen Schwerin-Parchim
Parchim Flughafen Schwerin-Parchim IMG 1430 10.jpg
Kenndaten
ICAO-Code EDOP
IATA-Code SZW
Koordinaten
53° 25′ 37″ N, 11° 47′ 0″ OKoordinaten: 53° 25′ 37″ N, 11° 47′ 0″ O
45 m (148 ft.) über MSL
Verkehrsanbindung
Straße A24B191B321
Basisdaten
Eröffnung 1992
Betreiber Baltic Airport Mecklenburg GmbH
Terminals 1
Passagiere 1560 (2010) [1]
Flug-
bewegungen
12.956 (2010) [1]
Start- und Landebahn
06/24 3000 m × 55 m Beton

Der Flughafen Schwerin-Parchim (auch englisch Schwerin-Parchim International Airport) ist ein Regionalflughafen in Parchim (Mecklenburg-Vorpommern). Er ist als Verkehrsflughafen klassifiziert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1934 wurden erste Flüge mit Gleitflugzeugen durchgeführt. Nach einem Ausbaubeschluss wurde der Flughafen im August 1937 eröffnet. Der Flughafen wurde Luftwaffenstützpunkt der Wehrmacht. Während des Zweiten Weltkriegs wurden auf dem Flughafengelände Luftlandeeinheiten und Lastensegler stationiert. Ab Ende 1942 wurden hier verschiedene Nachtjägereinheiten, hauptsächlich Teile des Nachtjagdgeschwader 5 und des Nachtjagdgeschwader 2 (ab Juli 1943) stationiert.[2] Gegen Ende des Krieges kamen Raketenjäger Me 163 Komet, Strahljäger Me 262 und Bomber He 111 mit Gleitbomben Hs 293 hinzu. Durch mehrere Bombenangriffe der US-Luftwaffe wurde der Flugplatz im April 1945 zerstört.

Bereits vier Jahre später wurde auf dem wiederaufgebauten Flughafen das sowjetische 20. Garde-Jagdfliegerregiment stationiert, das später zum Jagdbombenfliegerregiment umgebildet und 1970 von ersten Hubschraubereinheiten abgelöst wurde. Folgend wurde der Flugplatz ab 1973 durch das 172. selbstständige Kampfhubschrauberregiment genutzt, das bis 1992 blieb. Zusätzlich kam 1987 noch das 439. selbstständige Hubschrauberregiment hinzu.[3]

Zwei Jahre nach der Wende, am 13. November 1992, wurden die russischen Streitkräfte offiziell vom Flugplatz verabschiedet und bereits ab dem 1. Dezember 1992 wurde der Flugplatz privat genutzt. Dafür fand im gleichen Jahr die Gründung der FPM Flughafen Parchim Mecklenburg GmbH statt, unter Geschäftsbesorgung der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Parchim. Im Jahr 1994 wurde die Anflug-, Landebahnrand- und Rollbahnbefeuerung erneuert und im November des gleichen Jahres wurde das Land Mecklenburg-Vorpommern Hauptgesellschafter des Flughafens. Seit 1996 ist der Flughafen Schwerin-Parchim von der Landesluftfahrtbehörde in die ICAO-Kategorie 4 E eingestuft. Am 30. März 1998 wurde das neue Flughafenabfertigungsgebäude fertiggestellt. Damit begann der offizielle Tourismusflugverkehr.

Seit 2000 wird der Flughafen auch im internationalen Luftfrachtverkehr genutzt. Im März 2005 wurde der Landkreis Parchim neuer Betreiber des Flughafens und löste die vorher hier tätige britische Plane Station Group ab. Seitdem nennt sich der Flughafen Schwerin-Parchim Baltic Airport Schwerin-Parchim.

Der Landrat des Landkreises Parchim hat nach Empfehlung seines Beirats und externer Berater Mitte 2006 beschlossen, dass der Flughafen Schwerin-Parchim künftig als reiner Frachtflughafen betrieben werden soll. Durch die geografische Lage des Flughafens zwischen den Metropolen Hamburg und Berlin (deren Flughäfen jeweils Nachtflugbeschränkungen unterliegen) kann der Flughafen Schwerin-Parchim insbesondere auch während der Nachtstunden Luftfrachtflüge abwickeln. Seit Ende November 2006 nutzt die Bundeswehr den Flughafen für Charterflüge von Hilfsgütern nach Afghanistan. Eine Frachtumschlaghalle mit rund 3000 m² wurde ebenfalls 2006 eröffnet und wird von der Cargologic GmbH, einer Tochterfirma der Rhenus Logistics AG betrieben.

Seit 1994 flossen bereits mehr als 36 Millionen Euro an Landesfördermitteln in den Flughafen Schwerin-Parchim. In der Saison 2005 nutzten rund 4600 Passagiere den Flughafen.

Durch die Fluggesellschaft Hamburg International wurden Charterflüge zum Goldstrand (Flughafen Warna) und Sonnenstrand (Flughafen Burgas) in Bulgarien durchgeführt, die spanische Gesellschaft Futura International Airways flog im Sommer 2005 je zweimal wöchentlich Palma de Mallorca und Warna (Bulgarien) an.

Ab 1. Juli 2007 ging der Flugplatz für 30 Millionen Euro in den Besitz der in Peking beheimateten LinkGlobal Logistics Co. Ltd. über. Außerdem ist eine Bürgschaft von 15 Millionen Euro zur Sicherung des Flughafenbetriebs bis 2010 nachzuweisen. Die Gesellschaft führt Frachttransporte zwischen Schwerin-Parchim und Zhengzhou in China durch. Der Kreis Parchim rechnet mit zusätzlich 1000 Arbeitsplätzen durch die erhofften Investitionen.[4][5] Seit Mitte 2007 werden u.a. Frachtflüge nach China durchgeführt.[6] Allerdings ließ LinkGlobal immer wieder Zahlungstermine verstreichen und führte erforderliche bauliche Maßnahmen nicht aus. Das Mecklenburg-Vorpommersche Innenministerium prüft 2010 einen weitgehenden Forderungsverzicht.[7]

Im Mai 2015 wurde der provisorische Tower durch einen 36 Meter hohen Tower ersetzt.[8]

Der Schwerin-Parchimer Flughafen wird seit 2014 zu einem Logistik-Drehkreuz ausgebaut.[9]

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 2008 bis 2014 begleitete das Filmbüro-Süd den Investor Jonathan Pang. Daraus entstand der 2015 erstmals gezeigte Dokumentarfilm Parchim International, der unter anderem das Projekt der Neugestaltung des Flughafens zeigt.[10] Seit dem 17. Mai 2016 lief der Film in deutschen Kinos und war zudem auf einigen Dokumentarfilm-Festivals zu sehen.[11]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eberhart Schultze: Die Parchimer Flugplätze von 1937–2000: Das Leben mit Fliegern, Flugzeugen und Legenden. Band 1, 2., korr. Aufl., cw Verlagsgruppe, Schwerin 2001, ISBN 978-3-933781-18-5
  • Eberhart Schultze: Die Parchimer Flugplätze von 1937–2006 ihre Geschichte und Gegenwart: mit einer territorialgeschichtlichen Betrachtung der militärischen Abläufe in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges und den ersten Monaten des Friedens im Raum zwischen Ganzlin, Lübz, Parchim, Ludwigslust und Grabow. Band 2, cw Verlagsgruppe, Schwerin 2006, ISBN 3-933781-53-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Luftverkehr in Mecklenburg-Vorpommern. svz.de, 14. Juni 2013, abgerufen am 19. März 2015.
  2. Jürgen Zapf: Flugplätze der Luftwaffe 1934–1945 – und was davon übrig blieb. Band 5: Mecklenburg–Vorpommern. VDM, Zweibrücken 2006, ISBN 978-3-86619-011-5, S. 222 ff.
  3. Stefan Büttner: Rote Plätze - Russische Militärflugplätze Deutschland 1945–1994. AeroLit, Berlin 2007, ISBN 978-3-935525-11-4, S. 90.
  4. Andreas Frost: Chinese kauft Flughafen Parchim. In: Der Tagesspiegel. 25. Mai 2007, abgerufen am 28. Juni 2013.
  5. Peter Martens: Deutscher Flughafen wird chinesisch. In: Sueddeutsche Zeitung. 24. Mai 2007, abgerufen am 28. Juni 2013.
  6. Flughafengeschichte. Parchim International Airport, abgerufen am 28. Juni 2013.
  7. Ministerium prüft Millionenverzicht bei Flughafen. In: Schweriner Volkszeitung online. ZVS GmbH & Co. KG, 8. September 2010, abgerufen am 28. Juni 2013.
  8. NDR: Von Parchim in die Welt - Neuer Tower eröffnet. Abgerufen am 4. Mai 2017 (deutsch).
  9. Parchim International Airport
  10. Dokufilm zu chinesischem Flughafen-Investor kommt ins Kino
  11. Parchim International, Termine. Lemme Film GmbH, 17. Mai 2016, abgerufen am 23. Mai 2016.