Flughafen Friedrichshafen

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Flughafen Friedrichshafen
Flughafen Friedrichshafen logo.svg
Luftaufnahme des Flughafengeländes
Kenndaten
ICAO-Code EDNY
IATA-Code FDH
Koordinaten
47° 40′ 17″ N, 9° 30′ 41″ OKoordinaten: 47° 40′ 17″ N, 9° 30′ 41″ O
417 m ü. MSL
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 3 km nördlich von Friedrichshafen
Straße B30B31
Nahverkehr Südbahn, Bodensee-Oberschwaben-Bahn (BOB), Stadtverkehr Friedrichshafen, Buslinie 7586 FN-Stadtbahnhof – Tettnang (– Meckenbeuren Ravensburger Spieleland)
Basisdaten
Eröffnung 1913
Betreiber Flughafen Friedrichshafen GmbH
Fläche 150 ha
Terminals 1
Passagiere 596.108 [1] (2014)
Luftfracht 7 t[1] (2014)
Flug-
bewegungen
41.743[1] (2014)
Kapazität
(PAX pro Jahr)
1.500.000
Start- und Landebahn
06/24 2356 m × 45 m Asphalt



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Der Flughafen Friedrichshafen (IATA: FDH, ICAO: EDNY; auch Bodensee-Airport) ist ein regionaler Verkehrsflughafen in Friedrichshafen am Bodensee.

Der Bodensee-Airport ist der südlichste Verkehrsflughafen Deutschlands und gilt als Sprungbrett in die wirtschaftlich starke Vierländer-Region Deutschland, Österreich, Schweiz und Liechtenstein.

Betreiber ist die Flughafen Friedrichshafen GmbH, kurz FFG. Gesellschafter sind die Stadt Friedrichshafen sowie der Landkreis Bodenseekreis mit jeweils 39,38 %, das Land Baden-Württemberg mit 5,74 %, die ZF Friedrichshafen AG mit 4,32 %, die Technische Werke Friedrichshafen GmbH mit 4,11 %, die Luftschiffbau Zeppelin GmbH mit 3,54 %, die IHK Bodensee-Oberschwaben mit 1,57 %, die DADC Luft- und Raumfahrt Beteiligungs GmbH (Airbus/Dornier) sowie die MTU Friedrichshafen GmbH mit jeweils 0,98 %.

Derzeit (Stand: Januar 2016) bietet der Flughafen Direktflüge nach Istanbul und Frankfurt am Main, sowie einige saisonale Ferienflüge an. Des Weiteren dient der Bodensee-Airport als Heimatbasis für die Deutsche Zeppelin-Reederei und liegt direkt neben dem Gelände der Neuen Messe Friedrichshafen.

Der Standard der Flugbetriebsanlagen ist auf modernstem Niveau und entspricht höchsten internationalen Standards. Der Flugplatz verfügt in Hauptanflugrichtung über eine Allwetterflugbetriebsstufe nach CAT IIIb, zusätzlich sorgt der Anti-Skid-Belag für einen hohen technischen Sicherheitsstandard.

Darüber hinaus besitzt der Flughafen Friedrichshafen die notwendige Infrastruktur, um Wartungs- und Dienstleistungsarbeiten (C-Checks) für Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge der Hersteller Airbus und Boeing durchzuführen. Regionale Unternehmen profitieren zudem von der Möglichkeit des Luftfracht Versandservice, der in Kooperation mit der Firma Apron Airline Support Services am Bodensee-Airport angeboten wird.[2]

Lage und Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flughafen liegt am nordöstlichen Stadtrand von Friedrichshafen am Bodensee, jeweils etwa zur Hälfte auf dem Gebiet der Stadt Friedrichshafen und der Gemeinde Meckenbeuren.[3]

Er ist über die Bundesstraßen B 30 aus Richtung Ulm und B 31 aus Richtung Freiburg im Breisgau und der Autobahnausfahrt Lindau der Bundesautobahn 96 zu erreichen. Zudem verfügt er über einen eigenen Haltepunkt namens Friedrichshafen Flughafen an der Bahnstrecke Ulm–Friedrichshafen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansicht einer französischen Vampire
Der heutige Zeppelinhangar am Flughafen Friedrichshafen

Die Geschichte des Verkehrsflughafens geht bis ins Jahr 1913 zurück. Damals suchte das Deutsche Reich ein Gelände in der Nähe der Zeppelin-Werke, auf dem die Luftschiffbesatzungen ausgebildet werden konnten. 1915 wurde dort die erste Luftschiffhalle fertiggestellt, was als Geburtsstunde des Flughafens Friedrichshafen gilt. Im gleichen Jahr fand die Jungfernfahrt des ersten fertiggestellten Luftschiffes statt. 1928 wurde die Flughafen Friedrichshafen GmbH offiziell gegründet. 1929 begann die Deutsche Lufthansa in Friedrichshafen mit den ersten Linienflügen. 1934 errichtete die Dornier Metallbauten (DMB), die Vorgängergesellschaft der Dornier-Werke am Flughafen eine neue Werftanlage mit Versuchsabteilung und Flugbetrieb.

1945 besetzten die Französischen Streitkräfte den Flughafen, den die Alliierten als Airfield R.58 bezeichnet haben, und im November verlegten drei mit Spitfire XVI ausgerüstete Staffeln der Forces françaises libres, die bis dahin Teil der British Air Force of Occupation waren, von RAF Fassberg nach Friedrichshafen. Damit begann auch die Erweiterung der Landebahn und der Bau vieler Flughafengebäude. Die Franzosen bezeichneten ihre Basis fortan als Base aérienne Tactique 136 (BAT.136), hier lag in den ersten neun Monaten des Jahres 1950 die 4ème Escadre Chasse der Armée de l’air, zunächst mit amerikanischen P-47 Thunderbolt. Später flog diese Einheit Jets, zunächst britische Vampire Mk.1 und später die Dassault Ouragan aus dem eigenen Land. Im Jahr 1954 verlegten die französischen Luftstreitkräfte ihre Basis auf den neu erbauten Militärflugplatz bei Bremgarten. Von 1967 bis 1973 befanden sich Stellungen des Flugabwehrraketenbataillon 33 (MIM-23 HAWK) der Bundeswehr auf dem Gelände. Die Truppe war in der Luitpoldkaserne (Lindau) untergebracht. Ab September 1973, nutzten die französischen Heeresflieger den Platz. Hier lag zunächst die Fliegergruppe des 2. französischen Korps, Groupe d'aviation légère du 2ème corps d'armée (GALCA 2) und ab September 1978 das daraus entstandene 2e régiment d'hélicoptères de combat (2° RHC). Die hauptsächlich stationierten Hubschraubertypen waren SA319 Alouette III, SA330 Puma und SA341/342 Gazelle. Nach dem Fall der Berliner Mauer endete 1992 die Stationierung französischer Militärmaschinen.[4]

1994 bekam der Flughafen eine neue Piste und wurde technisch auf den neuesten Stand gebracht. Der bisher als Verkehrslandeplatz zugelassene Flughafen wurde damit auch neu eingestuft in einen Flughafen des allgemeinen Verkehrs. 1998 wurde der Flughafen von der Bundesrepublik Deutschland an die Flughafen Friedrichshafen GmbH verkauft.

Seit 1997 hat der Flughafen einen eigenen Haltepunkt an der benachbarten Bahnstrecke Ulm–Friedrichshafen.

Während der International Bodensee Airshow (IBAS) im Jahr 1998 auf dem Flughafen St. Gallen-Altenrhein auf der Schweizer Seite des Bodensees waren die beiden Kunstflugstaffeln Red Arrows und Frecce Tricolori in Friedrichshafen stationiert.

Im Winter 1999 sowie im Sommer 2000 flog Britannia Airways mit Zwischenstopp in Genf (Winter) bzw. München (Sommer) alle 14 Tage von Friedrichshafen nach Puerto Plata in der Dominikanischen Republik mit einer Boeing 767.

Im Frühjahr 2010 zog sich die Billigfluggesellschaft Ryanair, die bisher von Friedrichshafen nach London Stansted und Alicante geflogen war, vom Bodensee zurück und konzentriert ihre Operationen in der Region seither auf den Flughafen Memmingen.[5]

Da das Abfertigungsterminal nur für 500.000 Passagiere ausgelegt war, wurde der Flughafen auf eine Kapazität von 1,5 Millionen Passagieren mit einer Investitionssumme von über 30 Millionen Euro ausgebaut. Am 1. September 2010 wurde nach 20-monatiger Bauzeit das 5500 m² große neue Terminal eröffnet. Der Umsatz stieg 2010 um 14 Prozent auf 10,6 Millionen Euro, der operative Gewinn um 15 Prozent auf 1,5 Millionen Euro. Durch die Abschreibungen von jährlich rund 3 Millionen Euro plus Zinsen ergibt sich aber ein Verlust von 2,6 Millionen Euro.[6]

Seit dem 2. Mai 2013 fliegt Turkish Airlines den Flughafen direkt von Istanbul aus an und erlaubt damit der Gegend eine direkte internationale Verbindung. Sie bedient ebenfalls Direktflüge nach Ankara und Antalya.

Seit dem 14. Dezember 2014 fliegt British Airways saisonal im Linienbetrieb zweimal wöchentlich London (Gatwick) an.

Mit der Einstellung des Flugbetriebes von Intersky am 5. November 2015 verlor der Flughafen die wichtigste Regionalfluggesellschaft, die für 19 % des Passagieraufkommens (115.000 Passagiere, vor allem Geschäftsreisende) verantwortlich war. Dadurch sank die Passagierzahl unter die kritische Marke von 500.000. Dies ermöglicht keinen rentablen Betrieb des Flughafens mehr. Verschärft wird die Situation durch „erhebliche Kannibalisierungseffekte durch den Flughafen Memmingen“.[7][8]

Am 15. Februar 2016 eröffnete VLM Airlines eine neue Basis in Friedrichshafen und flog seitdem zweimal werktäglich nach Düsseldorf, Berlin-Tegel und Hamburg.[9] Am 22. Juni wurden jedoch alle Flüge wieder eingestellt, da VLM Airlines Insolvenz beantragte.

Flugziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sommerflugplan 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Ziele werden im Sommerflugplan 2016 angeboten:[10]

Fluggesellschaft Ziele
Air Berlin Palma de Mallorca
Corendon Antalya
Freebird Airlines Antalya
Germania Antalya, Fuerteventura, Gran Canaria, Heraklion, Kayseri, Kos, Palma de Mallorca, Reykjavik, Rhodos, Teneriffa, Varna
Lufthansa CityLine Frankfurt am Main
Sunexpress Antalya
Turkish Airlines Istanbul
Twin Jet Toulouse (ab 5. September)
Wizz Air Skopje

Winterflugplan 2016/2017[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Linienflüge werden im Winterflugplan 2016/2017 angeboten (vorläufig):

Fluggesellschaft Ziele
British Airways London-Gatwick
easyJet London-Gatwick
Germania Fuerteventura, Gran Canaria, Madeira, Palma de Mallorca, Hurghada, Teneriffa
Lufthansa CityLine Frankfurt am Main
Monarch Airlines London-Gatwick
Sunexpress Antalya
Turkish Airlines Istanbul
Twin Jet Toulouse
Wizz Air Skopje

Luftfahrtmesse AERO[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Flughafengelände und der angrenzenden Neuen Messe Friedrichshafen findet jährlich die internationale Fachmesse für allgemeine Luftfahrt AERO statt. Sie ist eine Fachmesse für Geschäftsreise- und Privatflugzeuge, ähnlich der weit größeren EBACE.

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den letzten Jahren erreichte der Flughafen Friedrichshafen folgende Fluggastzahlen:

Quelle[11]
Jahr Abfertigungen Veränderung
2005 596.089 +11,5 %
2006 657.749 +10,3 %
2007 658.104 +0,1 %
2008 649.646 -1,3 %
2009 578.478 -11,0 %
2010 590.648 +2,1 %
2011 571.709 -3,2 %
2012 545.121 -4,7 %
2013 536.030 -1,7 %
2014 596.108 +11,2 %
2015 559.985 -6,1 %


Geschäftszahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Gewinn/Verlust
2002 −334.000 €
2003 −1.420.000 €
2004 −803.000 €
2005 −65.000 €
2006 294.000 €
2007 −216.000 €
2008 −997.162 €
2009 −2.765.753 €
2010 −2.659.201 €
2011 −2.663.297 €
2012 −4.644.529 €
2013 −1.198.729 €
2014 −480.185 €

Quelle [12]

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansicht des Flughafens von Norden

Die einzige Start- und Landebahn ist in Hauptlanderichtung 24 mit einem Instrumentenlandesystem der Allwetterflugbetriebsstufe CAT IIIb zugelassen, in Nebenlanderichtung 06 nur bis CAT I.

Aufgrund der am Bodensee während des Winterhalbjahres häufig anzutreffenden Nebellagen wurde der technische Standard am Bodensee-Airport Friedrichshafen stetig erhöht. So wird ein planmäßiger Flugbetrieb auch bei schlechten Sichtverhältnissen ermöglicht.

Um das zu erreichen, wurde die bestehende Pisten- und Rollwegbefeuerung um eine Aufsetzzonen- und Rollwegmittellinienbefeuerung erweitert. Mit circa 600 Unterflurlampen sind nun insgesamt etwa 1.300 Lampen für die Markierung der Flugbetriebsflächen installiert. Die hohe Präzision des Instrumentenlandesystems (ILS) ermöglicht Starts und Landungen bei Pistensichtweiten bis zu 50 Metern (CAT IIIb). Voraussetzung ist eine entsprechende Ausrüstung des Flugzeugs und eine Lizenzierung der Besatzung.

Viel Wert wird außerdem auf den Schutz der Natur gelegt. Beispielsweise wird das Oberflächenwasser der gesamten befestigten Betriebsflächen inklusive Piste und Rollwegen gesammelt und getrennt weitergeleitet. Außerdem sind Flughäfen gern besuchte Erholungs- und Ruhezonen für durchreisende Zugvögel. Um eine mögliche Gefahr für den Luftverkehr trotzdem auszuschließen, wurden die Grünflächen intelligent angelegt: Unmittelbar an der Piste wird den Tieren ein nur wenig interessantes Terrain geboten. Ganz anders als in den Randzonen des Bodensee-Airport Friedrichshafen.

Die Piste des Flughafens wurde 1994 von Grund auf saniert und mit einem besonders griffigen Belag versehen (Anti-Skid). Dadurch reduziert sich sowohl der Bremsweg als auch der Verschleiß von Bremsen und Reifen auf ein Minimum.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Da die ersten planmäßigen Zeppelin-Linienfahrten schon vor 1908 von ebendiesem Platz in Friedrichshafen starteten, wird gelegentlich dieser Flughafen in Konkurrenz zum 1908 gegründeten August-Euler-Flugplatz in Griesheim als erster Flughafen in Deutschland bezeichnet.
  • Eine der größten Frachtmaschinen weltweit, die Antonow An-124, ist hin und wieder in Friedrichshafen zu Gast, um Satelliten der EADS-Töchter Cassidian / Astrium zu transportieren, die einen Standort in der Nähe unterhält.
  • Der südliche Teil der Kontrollzone des Flughafens Friedrichshafen reicht in den von der schweizerischen Flugsicherung Skyguide kontrollierten Luftraum am Bodensee hinein.[13]

Flugfunk-Frequenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tower: 120.075 und 134.300
  • Anflugkontrolle: 119.925
  • ATIS: 129.6
  • INFO: 122.50 (ungebräuchlich, nur zu besonderen Anlässen wie Messebetrieb (Aero Friedrichshafen))

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Flughafen Friedrichshafen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c ADV-Monatsstatistik. 12/2014. In: adv.aero. Flughafenverband ADV (Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen), 5. Februar 2015, S. 12, abgerufen am 7. August 2015 (pdf).
  2. Geschäftsbericht 2014. Flughafen Friedrichshafen GmbH, S. 10, abgerufen am 7. August 2015 (pdf).
  3. Auf den dort aufgestellten Verkehrszeichen 310 (Ortstafel Vorderseite) steht unter dem Ortsnamen „Flughafen“ teilweise Friedrichshafen und teilweise Meckenbeuren
  4. Geschichte der ALAT in Friedrichshafen in französischer Sprache
  5. airliners.de - Ryanair: Rückzug vom Bodensee Konzentration auf Memmingen 15. Februar 2010
  6. Flughafen steigert Passagierzahlen. In: Südkurier vom 3. Februar 2011
  7. Wolfgang H. Schulz und Judith Kurte: Gesamtwirtschaftliche Verluste der Bodenseeregion durch die Insolvenz der Fluggesellschaft Intersky - eine erste Einschätzung durch das Center for Mobility Studies an der Zeppelin Universität und KE-CONSULT Kurte & Esser GbR, 29. November 2015
  8. Mitteilung des Flughafens abgerufen am 22. November 2015
  9. Mitteilung des Flughafens abgerufen am 21. Februar 2016
  10. Sommerflugplan 2016 abgerufen am 10. Februar 2016
  11. Verkehrszahlen. Statistik IVF 2015. In: adv.aero. Flughafenverband ADV, abgerufen am 10. Februar 2016.
  12. Geschäftsberichte 2006 - 2014 in Publikationen der FFG. Abgerufen am 15. Juni 2015. Ergebnisse 2002 - 2006 in 2006 auf Seite 19
  13. Luftfahrtkarte (ICAO-Karte) der Schweiz