Geschichte Apuliens

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Die Geschichte Apuliens behandelt die historische Entwicklung der südostitalienischen Region Apulien, die in etwa den Stiefelabsatz der italienischen Halbinsel einnimmt.

Vor- und Frühgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Ipogeo "Le Trappite"

In apulischen Grotten und Höhlen, besonders des Gargano und Salento, fanden sich die Relikte ihrer steinzeitlichen Bewohner. Der nacheiszeitliche Meeresspiegelanstieg (um etwa 100 m angestiegen) versiegelte die ufernahen Höhlen und ihre Ritzungen. In der Grotte von Altamura und Gravina in Puglia fand man den 130.000 Jahre alten Mann von Altamura. Passo di Corvo, in der „Tavoliere delle Puglie“ ist eine der ältesten kreisgrabenartigen Anlagen Europas. Die etwa 80 bekannten Megalithanlagen des Bari-Taranto- und des Otranto-Typs entstanden während der Bronzezeit. Hinzu kommen mindestens eben so viele Menhire und Hypogäen wie das von Le Trappite. Die ältesten in antiken Quellen namentlich genannten Bewohner der Gegend waren die im 11. und 10. Jahrhundert v. Chr. möglicherweise aus Illyrien eingewanderten Daunier, verwandt mit den Messapiern und Peuketiern.

Bronzearbeiten aus Apulien (ca. 500 v. Chr.)
Dorf in Foggia.
Piazza von Sant Agata
Frühchristliche Basilika von St. Leuca in Canosa di Puglia

Griechen und Römer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der griechischen Kolonisation zwischen etwa 750 und 550 v. Chr., die den Küsten Süditaliens nicht allein griechische Siedler, sondern darüber hinaus tiefgreifende Kultureinflüsse brachte, entstanden im Umkreis Apuliens die Griechenstädte Taras (Tarentum, Tarent mit L’Amastuola), Kallipolis (Gallipoli) und Hydrus (Hydruntum, Otranto), die übrige dem Balkan gegenüber liegende Adriaküste Apuliens wurde von den Griechen jedoch nicht aufgesucht.

Die Ausbreitung der römischen Macht über Italien erreichte Apulien, das in der Auseinandersetzung mit den Samniten strategische Bedeutung hatte, gegen Ende des 4. Jahrhunderts. Die von Rom nach Capua verlaufende Via Appia, die erste römische Fernstraße, wurde bis Brundisium (Brindisi) verlängert, wo sich ein reger Ausgangshafen für den Schiffsverkehr nach Griechenland entwickelte. (Hier starb im Jahre 19 v. Chr. der Dichter Vergil, von einer Griechenlandreise mit dem Kaiser Augustus zurückkehrend.) Die Wichtigkeit dieser Straßenverbindung wird dadurch unterstrichen, dass ihr Kaiser Trajan um 100 n. Chr. einen nördlich verlaufenden Zweig angliederte, die Via Traiana, die südlich des Gargano die Adria erreichte und dann der Küste entlang über (das noch ganz unbedeutende) Bari ebenfalls nach Brundisium führte.

Im Rahmen des Römischen Reiches war die Bedeutung Apuliens (das von den Römern übrigens Calabria genannt wurde, während das heutige Kalabrien Bruttium hieß) gering. Dass hier im Jahre 216 v. Chr. die Römer gegen Hannibal bei Cannae die berühmte Niederlage erlitten, die fast das Ende ihres Staates brachte, hat mit der Landschaft selbst kaum etwas zu tun, und die Verwüstungen des Krieges trug Apulien nicht anders als andere italische Gegenden. Wie in fast allen Regionen Italiens ging die Bevölkerung zurück, die Landwirtschaft stagnierte, die wenigen Städte blieben provinziell, auch wenn die Pax Romana des Kaisers Augustus dem Reich eine fast ungestörte Friedenszeit für mehr als zwei Jahrhunderte schenkte.

Völkerwanderung und Frühmittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stürme der Völkerwanderung, die nach 375 n. Chr. das Reich überzogen, berührten Süditalien zunächst nicht, und auch nach dem Ende des Westreiches 476 änderte sich für Apulien als Teil der sich in Italien etablierenden Germanenherrschaften des Odoakar und der Ostgoten (Theoderich der Große) nicht viel.

Die Wende kam mit dem Rückeroberungsversuch des Kaisers Justinian I., der in einem zwanzigjährigen, überaus verwüstenden Krieg, der auch Apulien direkt betraf, das Ostgotenreich zerschlug und Italien für das Oströmische Restreich zurückgewann. Die byzantinische Herrschaft überdauerte den Kaiser aber nur wenige Jahre: Bereits 568 fielen die germanischen Langobarden unter ihrem König Alboin von Norden in Italien ein, setzten sich in der Poebene fest und dehnten ihre Herrschaft über große Teile Mittel- und Süditaliens aus. Allerdings gelang es ihnen nicht, die Byzantiner völlig zu vertreiben: Wie die Gebiete um Ravenna und Rom verblieb auch ein Großteil Süditaliens mit Apulien als Außenposten unter byzantinischer Verwaltung. Italien war nun geteilt und blieb es (bei unterschiedlichen Grenzziehungen) bis zum italienischen Risorgimento 1859-60.

In den folgenden vier Jahrhunderten war Apulien ein Teil der überaus wechselhaften Geschichte der Regionen Süditaliens. Während der Dauer des Langobardenreiches (bis 774) blieb Apulien im Wesentlichen unter byzantinischer Herrschaft, Brindisi allerdings verlor seinen Vorrang an Bari, das als befestigter Hafen Residenz des byzantinischen Statthalters wurde. Der ständige Druck der Langobarden engte den byzantinischen Besitz stark ein, und auch in Teilen Apuliens vermochten sie sich festzusetzen.

Mit dem Sturz des langobardischen Königtums durch das Eingreifen Karls des Großen fand zwar die unmittelbare langobardische Bedrohung ihr Ende, und seine Nachfolger waren nicht in der Lage, energische Politik in Süditalien zu betreiben, doch auch Byzanz konnte seine Position gegenüber den nach wie vor existierenden langobardischen Rest-Herzogtümern (Benevent, Capua, Salerno) nur mit Mühe aufrechterhalten. Von Byzantinern wurde die Provinz daraufhin Langobardia genannt, da sie sie den Langobarden entrissen hatten. Die die Region heimsuchenden Araber machten daraus al-Ankubardia.

  Islam in Italien 7.jpg

Muslime in Apulien: einstige Emirate bzw. Lucera und Otranto

In diese verworrene Situation traf im 9. Jahrhundert der Vorstoß der muslimischen Sarazenen. Von Tunis aus hatten sie den Byzantinern Sizilien entrissen und überfielen in raschen Raubzügen die tyrrhenischen Küstengebiete bis an die Rhonemündung, plünderten Rom und setzten sich in der zweiten Jahrhunderthälfte auf dem süditalienischen Festland fest, wo sie Bari, Brindisi und Tarent in ihre Hand brachten, Emirate gründeten und die Byzantiner aus fast allen ihren Besitzungen vertrieben. Für mehr als ein Jahrhundert blieb Unteritalien ständiger Kampfplatz zwischen Sarazenen, Langobarden und Byzantinern, wobei Apulien als Gegenküste des Balkans eine zentrale Rolle zukam und im 10. Jahrhundert wieder weitgehend, wenn auch nicht unbestritten, in byzantinischen Besitz gelangte: Bari, neuerlich Sitz des Statthalters, Brindisi und Otranto dienten als Verbindungshäfen nach Byzanz. Es ist bemerkenswert, dass die Sarazenen als Muslime keineswegs nur als Gegner schlechthin bekämpft wurden, sondern je nach Erfordernis auch als Verbündete willkommen waren.

Versuche von außen, die Verhältnisse Süditaliens zu steuern, blieben ergebnislos. Zunächst konnte zwar der Karolinger Ludwig II., dem bei den fränkischen Reichsteilungen 840 die Herrschaft über Italien zugefallen war, deutliche Erfolge erringen, scheiterte aber zuletzt an der Unzuverlässigkeit seiner langobardischen Verbündeten. Ein Jahrhundert später musste Kaiser Otto der Große, seit 951 König des karolingischen Teilreiches Italien, seine Pläne zur Beherrschung des Südens nach erfolgloser Belagerung der Byzantiner in Bari 968 aufgeben, und eine schwere Niederlage seines Sohnes, Ottos II., in der Schlacht am Kap Colonna bei Cotrone/Crotone gegen die Sarazenen 982 bedeutete das Ende der kaiserlichen Süditalienpolitik für mehr als zweihundert Jahre. In der Theorie allerdings hielten die deutschen Könige und Kaiser an einer nominellen Oberhoheit über das langobardische Unteritalien fest, woraus ernste Spannungen gegenüber den Ansprüchen der byzantinischen Kaiser resultierten. Noch 1002 wurde Bari erneut von Arabern erobert und von Byzantinern rasch zurückerobert. Gegen die Byzantiner aber erhob sich der Barenser Melus (Melo) 1009/10 und 1017/1018, als Ismahel (Ismail) ist er auf dem goldbestickten Sternenmantel verewigt, den der Herzog von Apulien dem deutschen Kaiser Heinrich II. geschenkt hatte.

Das normannische Reich in Unteritalien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine neuerliche, grundlegende Wende, die für die gesamte Geschichte Süditaliens bis ins 19. Jahrhundert richtungweisend war, kam mit dem Erscheinen der Normannen am Beginn des 11. Jahrhunderts. Zuerst handelte es sich nur um kleine Gruppen landloser Ritter aus der französischen Normandie, die in ihrer Heimat keine Zukunftsperspektive hatten und so als Abenteurer „in der Fremde ihr Glück machen“ wollten. In den ungeordneten, kriegerischen Verhältnissen Süditaliens ergriffen sie die Chance, im Sold der verschiedenen einheimischen Kriegsparteien aus ihrer Kampfkraft Ruhm, Beute und Landbesitz zu gewinnen. Ihre Erfolge zogen rasch weitere Gruppen von Landsleuten nach, die wachsende Zahl von normannischen Kriegern verstärkte ihren militärischen und politischen Einfluss, bald wurden ihre Anführer zu Vasallen heimischer Fürsten und gelangten in den Besitz eigener Lehen (unter ihnen trug eine Grafschaft an der Adriaküste südlich des Gargano erstmals den Namen „Apulien“).

Historische Bedeutung erlangten die süditalienischen Normannen um die Mitte des 11. Jahrhunderts unter der Führung mehrerer Brüder aus dem Hause Hauteville. Unter ihnen ragten Robert Guiscard und sein Bruder Roger I. hervor. Sie griffen die letzten byzantinischen und sarazenischen Besitzungen planmäßig an, und während sich Roger der Eroberung Siziliens widmete, brachte Robert Guiscard zuerst Kalabrien und dann ganz Apulien in seinen Besitz. Die Existenz eines selbständigen normannischen Machtbereichs wurde nach misslungener Gegenwehr (Schlacht von Civitate in Nordapulien 1053) von Kaiser Heinrich III. und dem von ihm protegierten Papst Leo IX. anerkannt, Robert Guiscard wurde als Herzog von Apulien und Kalabrien bestätigt. Als sich nach dem Tod des Kaisers 1056 die Reichsgewalt geschwächt zeigte und Konflikte zwischen Kaisertum und Papsttum sichtbar wurden, die bald darauf im Investiturstreit gipfeln sollten, ergriff Robert Guiscard die Partei des Papstes und ließ sich sein neues Reich als päpstliches Lehen übertragen (1059). Die neue normannisch-päpstliche Allianz bewährte sich erstmals 1084, als Kaiser Heinrich IV. Rom belagerte und die Stadt durch das Heer Robert Guiscards gerettet (allerdings auch geplündert) wurde. Die kaiserliche Partei in Süditalien war damit ausmanövriert, während der byzantinische Einfluss nach dem Fall von Bari 1071 ebenfalls praktisch erlosch. Noch weiter ausgreifende Pläne Robert Guiscards zur Eroberung von Griechenland und Byzanz kamen nur durch seinen plötzlichen Tod 1085 zum Stehen.

Andererseits wurde der Kontakt zur byzantinischen und muslimischen Welt des östlichen Mittelmeers um die Wende zum 12. Jahrhundert gerade von Apulien aus mächtig intensiviert, als in den beginnenden Kreuzzügen die apulischen Adriahäfen Barletta, Bari, Brindisi und Otranto, auch Tarent, den Kreuzfahrergruppen günstige Einschiffungs- und Landemöglichkeiten – zum Teil mit Hilfe der Venezianer – boten und ihrerseits wirtschaftliche und kulturelle Vorteile aus diesem Verkehr ziehen konnten. Zugunsten von Bari wirkte es sich auch aus, dass es gelang, die Gebeine des heiligen Nikolaus von Myra für die Stadt zu beschaffen und sie so zu einer der beliebtesten Pilgerstätten des Mittelalters zu machen.

Die anfangs unter den Mitgliedern des Hauses Hauteville aufgeteilten Fürstentümer und Grafschaften Süditaliens und Siziliens wurden unter Roger II. zu einem geschlossenen Staatsgebiet zusammengefasst und 1130 als Königreich Sizilien vom Papst bestätigt. Dieses normannische Reich mit der Hauptstadt Palermo stellte im 12. Jahrhundert den modernsten, am besten organisierten und kulturell blühendsten Teil Europas dar, an dessen Glanz die arabisch-muslimische Komponente in Sizilien ganz entscheidenden Anteil hatte.

Die Staufer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der Stauferburgen in Unteritalien

Gegen Ende des 12. Jahrhunderts trat Süditalien in ein neues historisches Stadium: Der deutsche Thronerbe Heinrich, Sohn des Stauferkaisers Friedrich Barbarossa, schloss 1186 die Ehe mit Konstanze, der um elf Jahre älteren Tochter Rogers II. und Erbin des Königreichs Sizilien. Die bevorstehende Personalunion des damals mächtigen und in Italien sehr aktiven deutschen Reiches mit dem bisher dem Papst zugewandten süditalienischen Königreich stellte eine akute Bedrohung aller Mächte dar, die die kaiserliche Gewalt in Italien einzudämmen trachteten, allen voran der Papst und die selbständigen lombardischen Städte Oberitaliens. Zwar starben sowohl Kaiser Heinrich VI. als auch Konstanze schon bald kurz nacheinander (1197 und 1198), das italienische Erbe verblieb aber dem minderjährigen Sohn beider, dem späteren Kaiser Friedrich II., dem 1215 auch die deutsche Krone zufiel.

In der Regierungszeit Friedrichs II. (1215–1250) rückte das italienische Festland mit Apulien vor Sizilien stärker in den Mittelpunkt des Geschehens. Der Kaiser hielt sich nur selten in Sizilien oder in Deutschland auf, sein Augenmerk galt in erster Linie den Auseinandersetzungen mit den lombardischen Städten und dem Papst in Oberitalien, trotzdem verdankt ihm sein apulisches Reich eine große Zahl zukunftsweisender Reformen auf gesetzgeberischem, verwaltungstechnischem und kulturellem Gebiet. Seine Residenz verlegte er nach Foggia und errichtete dort einen prachtvollen Palast (der im 18. Jahrhundert mit dem Großteil der Stadt einem Erdbeben zum Opfer fiel). Auch andernorts im Königreich zeigte sich rege Bautätigkeit, auffallend vornehmlich in noch heute existierenden Befestigungsanlagen in Häfen und Küstengebieten. Gegen Ende seines Lebens ließ Friedrich II. die Burg Castel del Monte bei Andria errichten, weltberühmt als „Krone Apuliens“. Bemerkenswert und schon von den Zeitgenossen als Sensation und mit Abscheu betrachtet ist die Tatsache, dass Friedrich II. sich mit muslimischen Gelehrten und Literaten umgab, eine sarazenische Leibwache hielt und die apulische Stadt Lucera mit unterworfenen Sarazenen besiedelte, in denen er seine treuesten Untertanen und Anhänger fand, ehe er schließlich in Castel Fiorentino in der Nähe von Lucera starb.

Der Tod Friedrichs II. leitete das Ende der Stauferzeit im Königreich Sizilien ein. Zwar konnte nach seiner Verfügung sein (unehelicher) Sohn Manfred zunächst die Herrschaft übernehmen und sich gegen päpstliche Truppen behaupten, Papst Urban IV. jedoch gewann Karl von Anjou, Bruder des französischen Königs, zum Verbündeten, und diesem wurde das Königreich Sizilien, aus dem er die Staufer vertreiben sollte, als päpstliches Lehen übertragen. In der Schlacht bei Benevent 1266 verlor Manfred gegen Karl von Anjou Krone und Leben, ein späterer Feldzug seines Neffen Konradin endete nach Anfangserfolgen 1268 bei Tagliacozzo in einer Katastrophe. Die sarazenische Kolonie in Lucera wurde anno 1300 vernichtet.

Apulien als Provinz des unteritalienischen Reiches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Ende der Stauferzeit endet die relative Eigenständigkeit Apuliens. Die Landschaft teilt seither die Geschicke Unteritaliens bzw. Siziliens und nimmt keine Sonderstellung ein, zumal mit dem Ende der Kreuzzüge und dem Aufstieg Venedigs zur beherrschenden Seemacht in Adria und Ostmittelmeer auch die wirtschaftliche Bedeutung der apulischen Adriahäfen zurückging.

Die Herrschaft des Hauses Anjou konnte sich zunächst fest etablieren und militärisch absichern, wurde aber von der Bevölkerung als hart und drückend empfunden, zugleich traten Erbansprüche des Königshauses Aragón auf den staufischen Besitz hervor. Ein von Aragón unterstützter Aufstand in Sizilien 1282, die sizilianische Vesper, riss die Insel vom Königreich los und brachte sie auf Dauer in aragonesischen Besitz, das Festland mit Apulien verblieb dem Haus Anjou als Königreich Neapel.

Nachfolgestreitigkeiten im weit verzweigten Haus Anjou gab den Aragonesen 1442 Gelegenheit, auch das Königreich Neapel zu übernehmen, infolgedessen waren die Reichsteile wieder vereint und standen ab nun - nach der Vereinigung der iberischen Reiche zum Königreich Spanien 1479 – unter der spanischen Krone, die kurz darauf dem Haus Habsburg zufiel.

Eine neue Bedrohung ergab sich infolge des Ausgreifens der osmanischen Türken auf dem Balkan und ihres ständigen Kampfes mit Venedig seit dem 14. Jahrhundert. Die Apulien gegenüberliegende Adriaküste Albaniens war bereits türkisch, und so erfolgte 1480 unter Sultan Mehmed II., dem Eroberer Konstantinopels, ein Angriff auf Otranto und die Zerstörung der Stadt. Die Türken errichteten an der engsten Stelle der Adria einen Brückenkopf in Italien. Ob damit der Anfang weiterer Eroberungen und die Bedrohung des Papstes in Rom, der zu den kompromisslosesten Gegner der Moslems gehörte, beabsichtigt war, bleibt offen: Nach dem Tod Mehmeds II. gaben die Türken schon im folgenden Jahr die Stadt wieder auf, die Spanier restaurierten ihre Herrschaft. Trotzdem blieben die Küsten Apuliens wie alle Küsten des westlichen Mittelmeeres im 15. und 16. Jahrhundert äußerst gefährdet durch die ständigen Überfälle türkischer und berberischer Seeräuber, wovon die zahlreichen Überreste von Befestigungen und Wachttürmen (häufig in Sichtweite voneinander, so dass die Weitergabe von Signalen möglich war) noch heute Zeugnis ablegen. Erst die militärischen Expeditionen Kaiser Karls V. in Nordafrika um 1530 konnten hier eine gewisse Entlastung bringen.

Beim Erlöschen der Spanischen Linie des Hauses Habsburg 1700 entschied der Spanische Erbfolgekrieg über die Aufteilung der Erbmasse: Unteritalien mit Apulien wurde (neben anderen Anteilen) der Österreichischen Linie zugestanden, kurz darauf auch Sizilien, während die Hauptmasse der Spanischen Krone in den Besitz des französischen Hauses Bourbon gelangte. Bereits 1748 brachte das Ergebnis des Österreichischen Erbfolgekrieges eine neuerliche Besitzverschiebung: Eine weitere Linie der spanischen 'Bourbonen übernahm die Herrschaft in Neapel und Sizilien, in der Folgezeit häufig als Königreich beider Sizilien bezeichnet´, und blieb im Besitz dieser Länder bis 1860 (mit einem Zwischenspiel in der Zeit Napoleons I.), als die Revolutionstruppen Giuseppe Garibaldis die bourbonische Dynastie stürzten und ihr Herrschaftsgebiet in das neu entstehende Königreich Italien eingliederten.

Exkurs: Aufstieg der Normannen 1000 bis 1050[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entzweiung zwischen den langobardischen Fürsten Waimar von Salerno und seinem Onkel (?) Pandulf von Capua dürfte um 1035 zu datieren sein. Ein Angriff Pandulfs auf Benevent misslang 1036. Nach diesem Angriff scharte Waimar nicht nur die mit Pandulf Unzufriedenen um sich, sondern rekrutierte auch ein Söldnerheer, in dem sich unter anderem die beiden Hauteville-Brüder Wilhelm (später »Eisenarm« genannt) und Drogo befanden.

Pandulfs Angriffe auf die reichsunmittelbare Benediktinerabtei Montecassino führten zum Eingreifen Konrads II. in Italien im Jahre 1038. Im Angesicht der kaiserlichen Truppen lenkte Pandulf zunächst ein, indem er sich zur Zahlung einer Bußsumme bereiterklärte und seine Kinder (u. a. des späteren Pandulf VI.) als Geiseln anbot. Dann verweigerte er jedoch eine vollständige Zahlung der Buße, und auch sein Sohn, so scheint es, war wohl mittlerweile wieder geflohen, so dass Konrad doch zu militärischen Mitteln griff: Im Mai trieb er den Fürsten auf dessen Burg St. Agathe oberhalb von Capua (bei Capua vetere) zurück, setzte ihn fest, enthob ihn aller Ämter und sprach die Verbannung aus.

Dann ging das Fürstentum an Wilhelm von Salerno, der auch noch mit dem Herzogtum Gaeta belehnt wurde und dazu die Grafschaft Aversa, auf die auch Neapel Ansprüche angemeldet hatte, zu Salerno geschlagen bekam. Bischof Hildebrand von Capua, ein Sohn Pandulfs, musste seinen Stuhl räumen. Für das Kloster Montecassino wurde der pandulfische Verwalter Todius seines Amtes entsetzt, ebenso wie der Byzanz verbundene Abt Basilius. Da nun die Mönche in ihren Reihen keinen geeigneten Nachfolger sahen, wurde Konrad um eine Empfehlung gebeten. Kaiserin Gisela schlug (den Altaicher) Richter, bis dahin Abt des Klosters Leno, vor, der dann auch gewählt wurde.

Die Ordnung des Kaisers blieb auch nach dessen Abgang bestehen. Paschalis ging nach kleineren Versuchen, wieder Fuß zu fassen, schließlich nach Konstantinopel. Aversa wurde nun zunehmend eine Art Sammelstätte für normannische Immigranten. Auch die Zusammenarbeit mit den Byzantinern, denen sich die Normannen bislang als Söldner verdingt hatten, war nach dem Sizilienfeldzug, auf dem sich erstmals Wilhelm auszeichnete und vor Syrakus den Beinamen Eisenarm verliehen bekam, beendet. Die Entzweiung begann wahrscheinlich mit einem Pferd: Als der Normannenführer Arduin dies Pferd erbeutet hatte und Anstalten machte, es auch nach der Sitte seines Volkes zu behalten, nahm es ihm der griechische Führer Maniacus nicht nur wieder ab, sondern ließ den Normannen nach der Sitte seines Volkes auch noch durchprügeln - womit die Zusammenarbeit beendet war. Der Feldzug selbst blieb ebenfalls ohne größeren Erfolg, lediglich Messina scheint 1038 in griechischen Besitz gekommen zu sein.

Waimar hatte sich bis September 1038 dann sein Lehen Capua erobert, bis April 1039 auch Amalfi. In der Stadt war vorher schon der Bundesgenosse der Griechen, Manso IV. vertrieben worden und der vorher von diesem amtsenthobene Johann II. zurückgekehrt, der nun aber Waimar den Platz räumte und nach Konstantinopel floh. Bis Juli 1039 war Sorrent dann mit Hilfe der aversanischen Normannen unter Rainulf erobert und Guido von Gonza zum Grafen von Sorrent erhoben worden. Als letzte Stadt wurde dann wohl Gaeta Waimars Lehen eingegliedert.

Die Griechen scheinen bis dahin vollkommen ausgelastet gewesen zu sein, Sizilien zurückzuerobern, und leisteten in Unteritalien keinen nennenswerten Widerstand. Dann aber gelang es Michael Doceanus, in Unteritalien wieder Fuß zu fassen und Ascoli zurückzuerobern. Weitere Versuche, die sich etablierende Herrschaft der Normannen zu brechen, wurden aber von Rainulf niedergeschlagen. Rainulf wiederum hatte sich nun mit Arduin, mittlerweile Stadtkommandant von Melfi, verbündet, um weitere Städte Apuliens zu erobern. Erst nun gerieten Griechen und Normannen hart aneinander. Doceanus zog offen gegen die Normannen zu Felde. Trotz beträchtlicher Übermacht unterlag der Grieche aber 1041 erst am Olivento (17. März), dann bei Monte Maggiore am Ofanto (4. April). Beim letzten Aufeinandertreffen sollen 18.000 Byzantiner gegen 3.000 Normannen gezogen sein. Die Niederlage rief sodann in Konstantinopel auch Unverständnis hervor, so dass Doceanus sein Mandat entzogen wurde.

Ende 1041 erschien Exaugustus als neuer Katepan, verlor aber die dritte und entscheidende Schlacht bei Montepeloso (3. September). Die Normannen hatten sich hierzu Atenulf von Benevent, einen Bruder von Pandulf III., zum Führer erwählt. Exaugustus geriet in die Hände der Normannen und kam nur gegen ein beträchtliches Lösegeld wieder frei. In der Schlacht selbst hatte sich Wilhelm Eisenarm erneut ausgezeichnet (nach anderen Berichten aber ein Walther, Sohn des Amicus). Trotz der Erfolge brachen aber immer wieder Zwistigkeiten innerhalb der Normannen(-gruppen) auf. Vielleicht überwarf Atenulf sich mit Waimar, weil er sich durch dessen Belehnung des Rainulf von Aversa mit Gaeta brüskiert sah. Bis Ende 1041 wurden dessen unbeschadet aber die Städte Matera, Bari, Monopoli und Giovinazzo erobert. Zuletzt schloss sich dann der einheimische (?) Agyros, Sohn des Melos, den Normannen an und wurde um den Mai 1042 zu deren Führer erhoben. Unter Agyros, der bis zu 7.000 Mann unter sich gehabt haben soll, dienten nun auch Wilhelm Eisenarm, Rainulf von Aversa und Rudolf Trincanocte.

Nun fanden einige Rangeleien mit Maniaces, dem neuen byzantinischen Feldherrn, statt, der die Eroberungen der Normannen zurückerkämpft hatte, derweil diese durch Aufstände in Giovinazzo gebunden waren. Als sich die Truppen dann vor Trani gegenüberstanden, ließ sich Agyros von den Byzantinern korrumpieren und verriet gegen hohe Geldsummen (und Ämter) seine Leute (im Juli). Durch Intrigen ging Maniaces dann aber bald am byzantinischen Hof seiner Posten wieder verlustig und versuchte nun, die Normannen, die misstrauisch geblieben zu sein scheinen, für sich zu gewinnen.

Arduin, dem Stadtkommandanten von Melfi, waren zuvor schon von Rainulf 300 Männer zur Sicherung der Stadt überlassen worden, die zu Kompanien von 25 Soldaten mit einem Anführer zusammengefasst waren. Unter den Kompanieführern fanden sich dann auch die Hauteville-Brüder Wilhelm Eisenarm und Drogo. Als Agyros nun als Verräter erkennbar wurde, erhoben die Normannen Wilhelm Eisenarm zu ihrem Führer (Ende 1042). Waimar versuchte, seinen Einfluss zu stabilisieren, indem er Wilhelm die Hand der Tochter seines Bruders, Guido von Sarrent, gab und Wilhelm als rector (Oberlehnsherr) in seine Lehnsoberhoheit band. Wilhelm war nun Graf von Apulien. 1043 wurde unter Waimars Führung das eroberte Gebiet, nachdem Rainulf von Aversa zuvor Siponto erhalten hatte, aufgeteilt: Wilhelm erhielt Ascoli, sein Bruder Drogo Venosa. An einen Arnolin ging Lavello, an Hugo Tutabovi Monopoli und an einen Rudolf (Trincanocte?) Cannae. Walther (Sohn des Amicus?) erhielt Civitate, Rudolf (Sohn des Bebena) bekam Santarcangelo und ein Tristan Montepeloso. Herveus sah sich nun im Besitz von Frigento, Asclittin (d. J.?) bekam Acerenza, und Raimfrido d'Altavilla fiel Minervino zu. Dem Arduin soll aber von allem die versprochene Hälfte ausgeliefert worden sein (wobei sich über die Modalitäten keine Angaben finden).

So war in der Mitte des 11. Jahrhunderts die Herrschaft der Normannen erstmals in Unteritalien etabliert, war das Fundament gelegt worden für zukünftige Ansprüche der bereits ansässigen wie auch neuer Abenteurer aus dem Norden Frankreichs.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Amann: Apulien - Gargano, Salento, Bielefeld 2008 (3. Auflage)
  • Pina Belli D’Elia: Romanisches Apulien, 1989.
  • Rolf Legler: Apulien, Köln 1987.