Benevento

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Dieser Artikel behandelt die Gemeinde in Italien. Für den US-amerikanischen Musiker (* 1977), siehe Marco Benevento.
Benevent
Wappen
Benevent (Italien)
Benevent
Staat: Italien
Region: Kampanien
Provinz: Benevento (BN)
Lokale Bezeichnung: Beneviento
Koordinaten: 41° 8′ N, 14° 47′ OKoordinaten: 41° 7′ 52″ N, 14° 46′ 41″ O
Höhe: 135 m s.l.m.
Fläche: 129 km²
Einwohner: 60.091 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 466 Einw./km²
Angrenzende Gemeinden Apollosa, Castelpoto, Foglianise, Fragneto Monforte, Paduli, Pesco Sannita, Pietrelcina, San Leucio del Sannio, San Nicola Manfredi, Sant’Angelo a Cupolo, Torrecuso
Postleitzahl: 82100
Vorwahl: 0824
ISTAT-Nummer: 062008
Volksbezeichnung: Beneventani
Schutzpatron: San Bartolomeo (24. August)
Website: Benevent
Trajansbogen
Trajansbogen

Benevento (lateinisch Beneventum, deutsch Benevent) ist die Hauptstadt der italienischen Provinz Benevento in der Region Kampanien mit 60.091 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2015). Die Stadt ist seit 969 Sitz des Erzbistums Benevent.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage von Benevento in der Provinz Benevento

Benevento liegt 239 km südöstlich von Rom, 66 km nordöstlich von Neapel und 94 km südwestlich von Foggia. Die Stadt liegt in der historischen Hügellandschaft Samnium (italienisch Sannio) am Fuße des kampanischen Apennin. Die Altstadt liegt auf dem Colle della Guardia, einer Anhöhe am Zusammenfluss der Flüsse Sabato und Calore Irpino. Die Kernstadt ist in sechs Rioni (Stadtteile) unterteilt: Centro Storico, Ferrovia, Libertà, Mellusi-Atlantici, Pacevecchia und Rufina. Dazu kommen zahlreiche ländliche Siedlungen im weitläufigen Gemeindegebiet. Das Gemeindegebiet erstreckt sich über eine Höhe von 83 bis 499 m.

Die Stadt liegt in der Erdbebenzone 1 (stark gefährdet).[2]

Die Nachbargemeinden sind Apollosa, Castelpoto, Foglianise, Fragneto Monforte, Paduli, Pesco Sannita, Pietrelcina, Ponte, San Leucio del Sannio, San Nicola Manfredi, Sant’Angelo a Cupolo und Torrecuso.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Benevento liegt an der Staatsstraße 7, die von Rom nach Brindisi an der Adriaküste führt. Sofort nach der Einnahme durch die Römer wurde die Via Appia von Capua nach Benevento verlängert und schließlich 190 v. Chr. bis Brundisium weitergebaut. Sie führte über den heutigen Ponte Leproso über den Sabato und durchzog die Stadt im Verlauf des heutigen Corso Garibaldi. Die moderne Via Appia führt als Umgehungsstraße mit getrennten Fahrspuren südlich an der Altstadt vorbei. 108 bis 110 ließ Trajan die kürzere Via Appia Traiana bauen, deren Beginn durch den Trajansbogen bezeichnet wird. Sie wird heute durch die Strada stadale SS 90 bis / 90 delle Puglie nach Foggia ersetzt. Die Strada stadale SS 88 dei Due Principati verbindet die Stadt mit Avellino und Salerno. Benevento ist über einen Autobahnzubringer, den Raccordo autostradale 9, mit der A16 Autostrada dei due Mari von Neapel an die Adria verbunden.

Der Hauptbahnhof Benevento Centrale ist ein wichtiger Knotenpunkt für Bahnverbindungen in Richtung Rom, Neapel, Campobasso, Salerno, Foggia und Bari. Er gehört zu den 103 Bahnhöfen, die wegen ihrer Bedeutung von einer eigenen Tochter der Ferrovie dello Stato, der CentoStazioni S. p. A., verwaltet und erhalten werden. Hier ereignete sich am 15. Februar 1953 ein schwerer Eisenbahnunfall: Der Diretto 816 von Lecce nach Neapel, gezogen von einer Elektrolokomotive der Baureihe E.428, fuhr mit 106 statt der zulässigen 30 km/h in den Bahnhof ein. Der gesamte Zug entgleiste, ausgenommen der letzte Wagen. 23 Menschen starben, 25 weitere wurden darüber hinaus schwer verletzt. Der Lokomotivführer behauptete Bremsversagen, es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass er eingeschlafen war.[3]

Rund fünf Kilometer nördlich von Benevento befindet sich bei der Ortschaft Olivola ein Flugplatz für die Allgemeine Luftfahrt.[4]

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ursprüngliche Name von Benevento stammte aus dem Oskischen und lautete möglicherweise Malies oder Malocis und entwickelte sich zu Maloenton weiter. Die Vorsilbe Mal- hatte dabei möglicherweise die Bedeutung „Stein“. Latinisiert wurde daraus Maleventum, was auf Lateinisch die Bedeutung „schlechtes Ereignis“ hat. Nach dem Sieg über Pyrrhus wurde die Stadt deshalb bei der Gründung der Kolonie 268 v. Chr. in Beneventum („gutes Ereignis“) umbenannt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altertum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Benevent war eine altsamnitische Stadt im Gebiet der Hirpiner. Sie wurde angeblich von Diomedes gegründet. Um 300 v. Chr. wurde sie von den Römern erobert. 275 v. Chr. fand bei Benevent die dritte Schlacht zwischen König Pyrrhus von Epirus und den Römern unter Konsul M. Curius Dentatus statt. Die Schlacht endete mit einem für die römische Expansion in Süditalien entscheidenden Sieg. Wegen der günstigen Lage der Stadt wurde sie 268 zu einer römischen Militärkolonie umgewandelt. Der Ostgotenkönig Totila zerstörte 545 die Mauern von Benevent.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Ausbreitung der Langobarden wurde Benevent Sitz langobardischer Herzöge (siehe Herzogtum Benevent), geriet aber wiederholt in Abhängigkeit von den Franken und den deutschen Kaisern. Im Zusammenhang mit der arabischen Eroberung Süditaliens 840 wurde Benevent für einige Jahre von den Muslimen besetzt und das Herzogtum in zwei, 850 in drei besondere Territorien (Benevent, Salerno und Capua) geteilt. 1047 fiel es in die Hände normannischer Fürsten mit Ausnahme der Stadt, die Kaiser Heinrich III. 1053 Leo IX. zum Ausgleich einiger abgetretener Lehnsrechte auf Bamberg überließ.

Im 11. und 12. Jahrhundert wurden in Benevent vier Konzile abgehalten. Am 26. Februar 1266 wurde in der Schlacht bei Benevent auf dem sog. Rosenfeld vor den Toren der Stadt der Hohenstaufer Manfred von Karl von Anjou geschlagen, worauf sich letzterer Apuliens, Siziliens und Tusciens bemächtigte. 1418 kam Benevent an Neapel, aber Ferdinand II. gab es an Papst Alexander VI. zurück, der es seinem ältesten Sohn, Juan Borgia, als Herzogtum gab. Aber Juan wurde bald ermordet.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen der Fürsten von Benevent, 1808

Als 1668 Benevent durch ein Erdbeben fast völlig zerstört worden war, ließ der damalige Erzbischof Orsini (der spätere Papst Benedikt XIII.) einen großen Teil der Stadt aus seinem Privatvermögen wieder aufbauen. Die Härte des Papstes Clemens XIII. gegen den Infanten Philipp von Parma veranlasste die Neapolitaner 1761 zur Besetzung Benevents, das aber 1774 an Clemens XIV. zurückgegeben wurde. Die Franzosen eroberten Benevent 1798 und verkauften es an Neapel. Der Kardinal Ruffo zerstreute 1799 in einer Schlacht bei Benevent die republikanischen Truppen. Im Jahre 1806 schenkte Napoleon I. Benevent als Fürstentum seinem Minister Talleyrand, der den Titel eines Fürsten von Benevent annahm. Im Jahre 1815 wurde es nach der Niederlage des von Napoleon eingesetzten und wieder zurückgekehrten Königs Joachim Murat von Neapel an den Papst zurückgegeben. Der König von Neapel behielt sich nur einige Hoheitsrechte vor, wie die Regalien des Tabak- und Salzverkaufs und des Post- und Zollwesens. Seit der Annexion Neapels 1860 gehörte Benevent zum neu entstandenen Königreich Italien.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dom von Benevent mit wiederhergestellter Fassade und modernem Kirchenschiff

Im Zweiten Weltkrieg erlitt Benevent erste Luftangriffe am 21. August 1943. Sie konzentrierten sich auf den Bahnhof an der wichtigen Bahnstrecke von Rom in den Süden und Südosten des Landes.

Nach der Übergabe Italiens an die Alliierten im Waffenstillstand von Cassibile am 8. September 1943 wurde Benevent von der deutschen Wehrmacht besetzt gehalten, um den Ponte Vanvitelli im Stadtzentrum und die Eisenbahnbrücke über den Fluss Calore Irpino zu kontrollieren und den Vormarsch alliierter Truppen hier aufzuhalten. Um die deutsche Besatzung zu vertreiben, wurde die Umgebung der Brücke am 11., 12. und vor allem 15. September bombardiert und dabei das mittelalterliche Stadtzentrum völlig zerstört. Die Zahl der getöteten Zivilisten wird mit 2000 angegeben. Am 2. Oktober 1943 verließen die deutschen Truppen die Stadt.[5][6]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fassade des Doms
Innenraum des Doms
  • Der Trajansbogen, erbaut 114 n. Chr., war unter dem Namen "Goldenes Tor" (porta aurea) ein Stadttor von Benevento. Er gilt als eines der schönsten Baudenkmäler Süditaliens.
  • Der Kirchenkomplex Santa Sofia gehört seit Juni 2011 zu einer Gruppe von Gebäudeensembles, die unter dem Titel Die Langobarden in Italien, Orte der Macht (568 bis 774 n. Chr.) in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen wurde.
  • Am Dom von Benevent ist nur der angebaute Glockenturm noch überwiegend alt. Die Westfassade war nach dem Bombardement on 1943 so instabil, dass man sie nach dem alten Vorbild neu errichtete. Die Bronzeflügel des Hauptportals sind Originale aus dem 13. Jahrhundert. Das Schiff bekam beim Wiederaufbau zwar wieder die Form einer Basilika, aber in moderner Schlichtheit.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1861 1881 1901 1921 1936 1951 1971 1991 2001
Einwohner 19.222 21.359 24.137 26.790 37.865 47.604 59.009 62.561 61.791

Quelle: ISTAT

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fausto Pepe (PD) wurde im Mai 2011 zum zweiten Mal zum Bürgermeister gewählt. Sein Mitte-links-Bündnis stellt auch mit 19 von 32 Sitzen die Mehrheit im Gemeinderat.[7] Er gewann die Wahl 2006 gegen seinen Vorgänger Sandro Nicola D'Alessandro (Mitte-rechts-Bündnis) (2001 – 2006).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rot-Silber geviertelter Schild mit goldenem Kopf. Darin ein schwarzer Eber mit roter Binde. Der Eber ist ein Symbol für den legendären Stadtgründer Diomedes, da dieser seine Heimatstadt Kalydon von den Verwüstungen eines Ebers befreit hat.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Palastina AutonomiegebietePalästinensische Autonomiegebiete Bethlehem, Palästinensische Autonomiegebiete, seit 1950
  • ItalienItalien Neapel, Italien, seit 1966
  • ItalienItalien Torre Annunziata, Italien, seit 1966
  • ItalienItalien Pozzuoli, Italien, seit 1970
  • KroatienKroatien Pula, Kroatien, seit 1977
  • MaltaMalta Gozo, Malta, seit 1987
  • KroatienKroatien Split, Kroatien, seit 1997
  • SpanienSpanien Palma de Mallorca, Spanien, seit 2001
  • SchweizSchweiz Bern, Schweiz, seit 2002
  • ItalienItalien Campobasso, Italien, seit 2002
  • AlbanienAlbanien Vlora, Albanien, seit 2007

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Benevento – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2015.
  2. Italienischer Zivilschutz
  3. Ascanio Schneider u. Armin Masé: Katastrophen auf Schienen. Eisenbahnunfälle, ihre Ursachen und Folgen. Zürich 1968, S. 114-116.
  4. Lage: ; Offizielle Webseiten des örtlichen Aeroclubs
  5. La Repubblica vom 13. September 2009: Benevento' 43
  6. Dokumentation der Gazzetta di Benevento zum 70. Jahrestag der Zerstörung
  7. Information des Innenministeriums