Geschichte Bozens

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Die Geschichte der Stadt Bozen beginnt mit der Gründung einer planmäßigen Straßenmarktsiedlung um 1170/1180 – in der Spätzeit der Herrschaft Kaiser Friedrichs I. Barbarossa – durch die Bischöfe von Trient:[1] Die zeittypische Anlage wurde mit zentralem Getreidemarkt (dem Kornplatz) und (abgegangener) Stadtburg errichtet. Die Bischöfe suchten damit einen von ihnen kontrollierten Handelsplatz im Bozner Talkessel zu schaffen, dessen Kontrolle sie allerdings rasch mit den Grafen von Tirol teilen mussten. Bozen war von Anfang an als überregionaler Handelsplatz konzipiert, dessen Märkte im Jahr 1202 zwischen den Bischöfen von Brixen und jenen von Trient vertragsrechtlich geregelt wurden.[2] Durch seine günstige Verkehrslage konnte sich Bozen gegen Trient, Meran, Gries und Innsbruck durchsetzen und entwickelte sich zum bedeutendsten Handelszentrum Tirols. Die Errichtung des Merkantilmagistrats durch die Tiroler Landesfürstin Erzherzogin Claudia von Medici im Jahr 1635 wirkte sich positiv auf das Fortbestehen des Fernhandels aus. Ab 1800 verlor Bozen seine internationale Bedeutung zusehends. Angesichts dieses Dahinwelkens wurde der Merkantilmagistrat 1851 in eine Handelskammer umgewandelt. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte die Stadt einen neuen Aufschwung und in der Ära Perathoner eine regelrechte Gründerzeit. Nach der Machtergreifung durch den Faschismus wurde Bozen im Zuge eines Italianisierungsprogramms baulich stark verändert und erweitert. 1927 wurde Bozen Hauptstadt Südtirols, 1964 Bischofssitz der neu gegründeten Diözese Bozen-Brixen.

Antike und frühes Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Älteste Bozner Stadtansicht von 1541, angefertigt von Bürgermeister Leonhard Hörtmair zur Dokumentation von Überschwemmungsschäden

Der Talkessel von Bozen war im frühen Mittelalter wegen seiner Sümpfe und häufigen Überschwemmungen unbewohnbar. Es gab jedoch schon zu Römerzeiten neben einer Straßenstation namens Pons Drusi (benannt nach Drusus, der auf seinem Germanienfeldzug vermutlich hier vorbeigekommen ist) eine Siedlung in der Umgebung des heutigen Domes, wo man Reste einer frühchristlichen Kirche und einiger Gebäude aus dieser Zeit gefunden hat. Diese Siedlung hieß wahrscheinlich Bauzanum, wohl nach einem der ersten Bewohner, der Baudius oder ähnlich geheißen hat. Die Militärstation lag wahrscheinlich an der Brücke über den Eisack, in der Nähe der heutigen Ortschaft Kardaun, von dort ging die Straße über Rentsch auf den Ritten. Die Siedlungen im Tal wurden während der Völkerwanderung zugunsten befestigter Anlagen an erhöhter Stelle aufgegeben. In jener Zeit hat es vermutlich auf dem Virgl eine Burg namens Bozen gegeben. Für diese Burg („castrum Bauzanum“) ist ab dem 7. Jahrhundert (679) ein bairischer Graf von Bozen („comes Baioariorum quem illi gravionem dicunt“) in der Langobardengeschichte von Paulus Diaconus bezeugt.[3] Davor war die Gegend von romanisierten Rätern bewohnt und stand zeitweise unter dem Einfluss der Langobarden. Im Jahr 769 hat hier Herzog Tassilo III. – „in Bauzono rediente de Italia“ (also zu Bozen auf der Rückkehr aus Italien, d. h. bereits im bayerischen Gebiet) – die Gründung des Klosters Innichen beschlossen.[4] Zeugnis davon gibt freilich nur mehr die Vigiliuskirche am Virgl, die aus jener Zeit stammt und somit die älteste bestehende Kirche im Raum Bozen ist. Ihr Name weist darauf hin, dass die Kirche von Romanen oder Langobarden errichtet wurde, da der Heilige Vigilius ein Bischof von Trient war.

Das Bozner Becken fasziniert mit seinem einzigartigen Burgenreichtum.[5] Rund 40 Burganlagen auf engstem Raum bilden die größte Burgendichte Europas.[6] Seit dem 12. Jahrhundert wurden im Bozner Becken von adeliger Hand Burgen errichtet, meist an exponierten Punkten, um Prestige, Reichtum und weltliche Macht dieser Familien sichtbar zu machen. Anlagen wie Greifenstein, Rafenstein oder Weineck wurden an strategisch günstig gelegenen Stellen erbaut und verbanden den Anspruch politischer Macht mit Funktionen der Rechtsprechung und Steuereinhebung. Abgaben wurden großteils in Naturalien geleistet, weshalb im Burgbereich auch Ställe und Lager für Getreide und Wein vorhanden waren.

Die Bischöfe von Trient gaben die Grafschaft im 12. Jahrhundert bis ca. 1170 an die Vögte des Bistums Brixen (die "Arnoldinger") zu Lehen: Arnold, Vogt von Brixen (ca. 1077 bis ca. 1107), wird Graf von Bozen. Er war ein Sohn des Arnolf, der ca. 1050–1070 Vogt des Bischofs Altwin von Brixen gewesen war. (Arnolf soll ein Sohn von Arnold, Graf im Ober-Isartal – ca. 974 bis nach 1027 – und dieser wiederum ein illegitimer Sohn Herzog Heinrichs II. von Bayern aus dem Hause der Liudolfinger gewesen sein.) Auf ihn folgten Graf Arnold II. (gest. 1125), verheiratet mit Irmgard von Eppan, und sodann deren Sohn Arnold III. (gest. 1173), der auch Graf von Greifenstein und Morit war.[7] Dieser war kinderlos und die Vogtei der Kirche von Brixen ging auf die Grafen von Tirol über, die als fürstbischöfliche Vögte auch die Herrschaft über Bozen ausübten. Die Vogteigewalt wurde so für die Grafen von Tirol zur Voraussetzung, um spätestens bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts auch die politische Herrschaft in dieser und in anderen Grafschaften der Fürstbischöfe von Trient bzw. von Brixen erfolgreich zu usurpieren und dauerhaft in Besitz zu nehmen. Die letzte Nennung der Grafschaft Bozen datiert von 1242, in der Folge wurde daraus das landesfürstliche Landgericht Gries (urkundlich 1272) mit dem Stadtgericht Bozen.

Im Spätmittelalter verlagerte sich die politisch-ökonomische Macht in die Städte Bozen, Meran und Brixen und an den landesfürstlichen Hof nach Schloss Tirol (ab circa 1420 nach Innsbruck). Gleichzeitig etablierten sich die Märkte und setzte sich die Geldwirtschaft definitiv durch. Das 14. und 15. Jahrhundert bedeutete somit einen Funktionswandel für die Burgen im Bozner Raum. Viele von ihnen wurden dem Verfall preisgegeben. Dieses Schicksal traf beispielsweise die Burg am Johanneskofel und Walbenstein. Andere Burgen, wie Schloss Runkelstein, Haselburg oder Schloss Maretsch wurden im Stil der Gotik und Renaissance zu Schlössern umgebaut.

Die wohlhabenden Bürger jener Zeit haben sich selbst auch einige Denkmäler gesetzt, so finden in der Pfarrkirche (seit 1964 Conkathedrale) mehr Menschen Platz als in jeder anderen Kirche zwischen Verona und München. Die Kaufmannsfamilie Vintler hat 1388 mit dem Ankauf von Schloss Runkelstein versucht, eine dem Adelsrang gleichrangige Stellung zu erlangen.

Gründung und Stadtwerdung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die frühere Grafschaft Bozen („comitatus Bauzanum“ – entsprach in etwa den heutigen Gemeinden Bozen, Leifers, Terlan, Mölten, Jenesien, Sarntal, Teilen von Karneid und Deutschnofen)[8] wurde um 1027 im Zuge der ottonisch-salischen Reichskirchenpolitik von Kaiser Konrad II. dem Hochstift Trient unterstellt.[9] Die Bischöfe bzw. ihre Vögte waren nun für die Sicherung der Brennerroute zuständig, da ihnen bzw. den Brixner Kirchenfürsten zeitgleich auch die Grafschaften Brixen und Trient übertragen worden waren.

Zu dieser Zeit bestanden im Bozner Raum die Dorfsiedlung Bozen, die von der Ausdehnung ungefähr der heutigen Katastralgemeinde Zwölfmalgreien entsprach,[10] sowie präkommunale Siedlungspunkte, insbesondere in der Nähe von Marienpfarrkirche und Eisackübergang, an denen auch Markttätigkeit nachweisbar ist.[9]

Die städtische Marktsiedlung Bozen hingegen wurde nach Erkenntnissen der neueren Stadtgeschichtsforschung um 1170/80 gegründet, und bestand ursprünglich nur aus einer Straße (der heutigen Laubengasse) und einem Platz (dem nördlichen Teil des heutigen Kornplatzes).[11] Um 1200 entstand die bischöfliche Neustadt mit der Anlage weiterer Gassen (heute Silbergasse, Dr.-Streiter-Gasse, Obstmarkt). Um 1210 gründeten die Herren von Wangen im Osten und Norden des bischöflichen Marktes eine eigene Vorstadt (heute Weintraubengasse, Bindergasse und Vintlerstraße).[8]

„Botzen“, Kupferstich von Matthäus Merian, 1649

Bozen ist seit seiner Gründung und Erhebung zur Stadt[12] vor mehr als 800 Jahren eine Handelsstadt, die günstig zwischen den ehemals bedeutenden Handelsdrehkreuzen Venedig und Augsburg liegt. Die großen Märkte, zu denen Handelsleute aus Nord und Süd nach Bozen kamen, sind 1202 erstmals urkundlich erwähnt.[13]

Die verkehrsmäßig günstige Lage Bozens wurde durch den Bau des Kunterswegs (1314[14]) noch vorteilhafter und bedeutete für Meran eine große Handelseinbuße, weil die Wege über Reschenpass und Jaufenpass dadurch zweitrangig geworden waren.[15] 1357 wurde der von Graf Otto von Tirol in Gries als Konkurrenz errichtete Andreasmarkt nach Bozen verlegt[16], so dass es dort nun drei große Märkte gab.

1381 erhielt Bozen von Herzog Leopold III. von Österreich zusammen mit einem Ratsprivileg sein Stadtwappen: Es zeigt den umgekehrten österreichischen Bindenschild als Zeichen der landesfürstlichen Zugehörigkeit der Stadt, wobei der rote Balken mit einem sechszackigen goldenen Stern belegt ist, vermutlich als Hinweis auf die Gottesmutter Maria (stella maris), die Hauptpatronin der Stadtpfarrkirche.[17]

Stadtansicht Bozens von Ludwig Pfendter aus dem Jahr 1607, überliefert in Matthias Burgklechners Tirolischem Adler

Ein förmliches Bozner Stadtrecht ist erst aus dem Jahr 1437, wenngleich nur in abschriftlicher Form, überliefert; es umfasst 104 Artikel und regelt vor allem marktwirtschaftliche, gewerbepolizeiliche und sicherheitsrechtliche Materien.[18]

Erzherzog Sigmund der Münzreiche verlegte 1487 aus Anlass seines Krieges mit der Republik Venedig die Bozener Märkte nach Mittenwald. Wohl zum Ausgleich wurde trotz heftiger Proteste der Meraner deren Fronleichnamsmarkt im Jahr 1501 in das von den Fernhändlern bevorzugte Bozen transferiert.[19]

Merkantilmuseum: einziges Renaissancegebäude der Stadt und Sitz des ehemaligen Merkantilmagistrates

1635 errichtete Erzherzogin Claudia von Medici den Merkantilmagistrat, ein bilateral deutsch-italienisch besetztes Sondergericht in Handelssachen. Auf diese Weise kam sie den italienischen Marktbesuchern entgegen, da diese Fälle somit der Zuständigkeit des Stadtgerichtes entzogen wurden, dessen alleinige Amtssprache Deutsch war. Damit machte die Tiroler Landesfürstin den Versuch Venedigs zunichte, durch die Schaffung einer ähnlichen Einrichtung in Verona (1630) die Bozner Märkte auszustechen. [20] Im Jahr 1679 wurden die Mittenwalder Märkte nach Bozen zurück verlegt.

1805 fiel die Stadt im Zuge der Napoleonischen Umgestaltungen Europas an Baiern (Landgericht Bozen). In den Jahren 1810–1814 gehörte Bozen vorübergehend zum napoleonischen Königreich Italien. Danach kam es wieder zu Österreich.

Anfang des 19. Jahrhunderts waren die berühmten Bozner Messen zu Provinzmärkten herabgesunken, wie die Händlerliste vom Jahr 1817 erkennen lässt. 1849 waren schließlich nicht mehr große Fernhändler, sondern nur mehr kleine Landkrämer tätig, die um Pferdepeitschen, Sägeblätter, Nägel und Taschenmesser feilschten. Infolge dieses kaufmännischen Dahinwelkens kam es am 10. März 1851 zur Umbildung des Merkantilmagistrats in eine Handels- und Gewerbekammer. Die Jurisdiktionsbefugnisse gingen an den neu errichteten Gerichtsbezirk Bozen über.[21]

2. Hälfte des 19. Jahrhunderts und bis zum Ersten Weltkrieg – die Bozner Gründerzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtplan von Bozen aus Geuters Reiseführer von 1914

Nach der Revolution von 1848/49 und dem Beginn der Umgestaltung des Staates im liberalen Sinn brach für Bozen eine neue Zeit an. An ihrem Beginn steht die fast zehnjährige Amtsperiode des Bürgermeisters Dr. Joseph Streiter. An die Stelle des internationalen Handels trat nun immer stärker der Tourismus, der auch zum Bau von Hotels und zur Errichtung von Nahverkehrsverbindungen nach Kohlern, auf den Ritten und auf die Mendel anregte.

Einen großen Aufschwung nahm das Vereinswesen, in dem sich die vorwiegend nationalliberale Bürgerschaft organisierte, wie die Sektion Bozen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, der Männergesangverein Bozen, der Museumsverein und der Turnverein Bozen 1862.

1874 wurde in Bozen ein Komitee gegründet, das sich für die Errichtung eines Walther von der Vogelweide gewidmeten Denkmals einsetzte. Mitglieder dieses Komitees waren insbesondere Vertreter des deutschgesinnten Bürgertums.[22] Der nach Süden blickende Walther sollte das Grenzgebiet des deutschen zum italienischen Sprach- und Kulturraum markieren und verteidigen. Am 14. und 15. September 1889 wurde das Walther-Denkmal eingeweiht.[23]

1895 wurde Dr. Julius Perathoner, einer der wichtigsten Exponenten der Deutschfreiheitlichen Partei in Tirol, zum Bürgermeister gewählt. In seine Amtszeit fallen die Errichtung des Stadtmuseums (1905), des Theaters (1913–1918), der Straßenbahn nach Gries (1909) und Leifers, der Landesschützen- bzw. Kaiserjägerkaserne (1898), der Talferbrücke (1900), der Promenaden zu beiden Seiten der Talfer (1901–1905), der Volksschulen für Knaben (1911) und Mädchen (1908, heute Goetheschule), der Etschwerke (1898) und des neuen Rathauses (1907) sowie die Eingemeindung von Zwölfmalgreien (1911).[24]

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebäude aus den 1930er-Jahren

Nach dem Sieg Italiens über Österreich-Ungarn im Ersten Weltkrieg wurde Südtirol und damit auch Bozen 1918 von Italien zunächst besetzt und später annektiert. 1922 organisierten die Faschisten den Marsch auf Bozen, der gegen die deutsche Volksgruppe gerichtet war. In der Zeit des Faschismus wurden viele Italiener aus südlichen Regionen nach Bozen umgesiedelt, während zahlreiche deutschsprachige Bozner – wie in Südtirol allgemein – zwischen Auswanderung und rücksichtsloser Assimilierung wählen mussten (siehe dazu: Option in Südtirol). In der bis dahin überwiegend deutschsprachigen Stadt entstand eine italienischsprachige Bevölkerungsmehrheit.

Um die Italianisierung Südtirols voranzutreiben und den Italienern Arbeit zu geben, wurde in Bozen ab 1935/36 ein bedeutendes Industriegebiet mit stahlerzeugenden Betrieben errichtet; ihr hoher Energieverbrauch wurde durch den systematischen Ausbau der erheblichen Wasserkraftressourcen gedeckt.[25] Die Einwohnerzahl wuchs sprunghaft an. Für die italienischen Einwanderer wurden auch Siedlungen im ländlichen Stil errichtet, die häufig über einen Garten verfügten. Diese Majorisierungspolitik wurde auch von der Republik Italien nach dem Krieg bis zur Gewährung einer weitreichenden Autonomie Südtirols fortgesetzt, so dass heute über 70 % der etwa 100.000 Einwohner italienischer Muttersprache sind. Als deutlich sichtbares Zeichen der Italianisierung und des Sieges im Ersten Weltkrieg über Österreich-Ungarn errichtete die italienische faschistische Regierung 1928 mitten in der Stadt ein Siegesdenkmal in Form eines Triumphbogens sowie den Gerichtsplatz mit der Casa Littoria (heutiges Finanzamt). Zugleich wurden Denkmale und Gebäude, die als zu deutsch erschienen, entfernt oder umgebaut. So wurden das Walther-Denkmal vom Bozener Hauptplatz entfernt und in einen peripheren Park verlegt, der Turm des Stadtmuseums abgebrochen, der Bahnhof umgebaut und das Kaiserjägerdenkmal zugunsten des neuen Siegesdenkmals abgebrochen. Auf dem Gebiet der 1925 eingemeindeten ehemaligen Marktgemeinde Gries entstand ab der Mitte der 1930er-Jahre nach dem Generalbebauungsplan von Marcello Piacentini ein neues „Groß-Bozen“ im Stil des italienischen Rationalismus mit Magistralen und neuen Plätzen.[26]

Im Zweiten Weltkrieg prägte die deutsche Besatzung Bozen, das Hauptquartier der Operationszone Alpenvorland war. Hier errichteten die Nationalsozialisten das KZ Durchgangslager Bozen, Ausgangspunkt von mindestens 13 Deportations-Zügen mit italienischen Juden und Widerstandskämpfern.[27]

1964 wurden die Grenzen der Diözese Brixen so abgeändert, dass sie für ganz Südtirol zuständig ist. Bozen wurde dadurch Bischofssitz der Diözese Bozen-Brixen.

21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siegesplatz (früher Friedensplatz)

Das Leben zwischen den Sprach- bzw. Volksgruppen verläuft auch heute noch nicht immer problemlos und ist manchmal spannungsgeladen. Eine der jüngeren Auseinandersetzungen ist die Benennung des sogenannten Siegesplatzes. Er wurde von der Bozner Gemeindeverwaltung zunächst in Friedensplatz umbenannt, um damit einen Stein des Anstoßes zu beseitigen. Daraufhin initiierten einige italienische Parteien, mit an vorderster Front die postfaschistische Alleanza Nazionale, eine Volksbefragung – mit dem Ergebnis, dass aufgrund des Abstimmungsverhaltens der italienischen Mehrheitsbevölkerung der Friedensplatz 2003 wieder in Siegesplatz zurückbenannt werden musste.[28]

Im November 2005 musste die Wahl des Bürgermeisters und Gemeinderats wiederholt werden, nachdem der im Mai (mit 50,1 %) gewählte Bürgermeister Giovanni Benussi, der einer Rechtskoalition vorstand, keine Mehrheit im Gemeinderat aufbringen konnte. Daraufhin kam es zum Wahlsieg einer Mittelinkskoalition unter Bürgermeister Luigi Spagnolli. Diese regierte bis 2015 und wurde 2016 von einer neuen Koalition von Mitte-Links und SVP unter Bürgermeister Renzo Caramaschi abgelöst.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andrä Johann Bergmeister: Physisch-medizinisch-statistische Topographie der Stadt Bozen mit den drei Landgemeinden zwölf Malgreien, Gries und Leifers, oder des ehemaligen Magistratbezirkes Bozen. Bozen: Selbstverlag 1854.
  • Franz Huter: Beiträge zur Bevölkerungsgeschichte Bozens im 16.–18. Jahrhundert (Bozner Jahrbuch für Geschichte, Kultur und Kunst 8). Bozen: Athesia 1948.
  • Bozner Bürgerbuch 1551–1806. Hrsg. vom Heimatpflegeverband Bozen, 2 Bände, Innsbruck: Wagner 1956.
  • Karl Theodor Hoeniger: Altbozner Bilderbuch. 100 Abbildungen und 40 Aufsätze zur Stadtgeschichte. 3., erweiterte Aufl., Bozen: Ferrar-Auer 1968.
  • Stadt im Umbruch – Beiträge über Bozen seit 1900. Hrsg. vom Südtiroler Kulturinstitut, Bozen: Athesia 1970.
  • Bruno Klammer (Hrsg.): P. J. Ladurner’s Chronik von Bozen 1844. Bozen: Athesia 1982.
  • Rolf Petri: Storia di Bolzano. Padova: Il Poligrafo 1989. ISBN 88-7115-007-4 (mit Literaturverz. S. 265ff).
  • Bozen von den Anfängen bis zur Schleifung der Stadtmauern / Bolzano dalle Origini alla Distruzione della Mura. Bozen: Athesia 1991. ISBN 88-7014-559-X.
  • Bozen von den Grafen von Tirol bis zu den Habsburgern / Bolzano fra i Tirolo e gli Asburgo. Bozen: Stadtgemeinde Bozen 1999. ISBN 88-7014-986-2.
  • Hans Heiss: Gelungene Pazifizierung? Die Stadt Bozen/Bolzano im Spannungsfeld nationaler und kultureller Auseinandersetzungen 1919–1999. In: Roland Marti (Hrsg.): Grenzkultur – Mischkultur?. Saarbrücken 2000, S. 209–241.
  • Siglinde Clementi, Martha Verdorfer: Frauen – Stadt – Geschichte(n): Bozen/Bolzano vom Mittelalter bis heute. Wien/Bozen: Folio 2000. ISBN 3-85256-134-5.
  • Gabriele Rath u. a. (Hrsg.): Bozen – Innsbruck: zeitgeschichtliche Stadtrundgänge. Wien/Bozen: Folio 2000. ISBN 3-85256-125-6.
  • Bruno Mahlknecht: Bozen durch die Jahrhunderte. 4 Bände, Bozen: Athesia 2005–2007. ISBN 88-6011-020-3.
  • Hannes Obermair: Bozen Süd – Bolzano Nord. Schriftlichkeit und urkundliche Überlieferung der Stadt Bozen bis 1500. 2 Bände, Bozen: Stadtgemeinde Bozen 2005–2008, ISBN 88-901870-0-X[29] und ISBN 978-88-901870-1-8[30].
  • Renate Brenn-Rammlmair: Stadtbaumeister Gustav Nolte. Der Heimatstil in Bozen 1908–1924. Bozen: Athesia 2007. ISBN 978-88-8266-361-2.
  • Hannes Obermair: Bozen/Bolzano 1850–1950 (Reihe Archivbilder). 2. Aufl., Erfurt: Sutton 2010. ISBN 978-3-86680-489-0.
  • Museumsverein Bozen (Hrsg.): Zeitgeist 1790–1830: Ideologie, Politik, Krieg in Bozen und Tirol. Bozen: Edition Raetia 2011. ISBN 978-88-7283-393-3.
  • Hans Heiss, Hannes Obermair: Erinnerungskulturen im Widerstreit. Das Beispiel der Stadt Bozen/Bolzano 2000–2010. In: Patrick Ostermann, Claudia Müller, Karl-Siegbert Rehberg (Hrsg.): Der Grenzraum als Erinnerungsort. Über den Wandel zu einer postnationalen Erinnerungskultur in Europa (Histoire 34). Bielefeld: transcript 2012, ISBN 978-3-8376-2066-5, S. 63–79.
  • Hannes Obermair: „Stadt im Umbruch“ – das Bozner Beispiel „revisited“. In: Razionalismi. Percorsi dell'abitare – Zweckmäßig wohnen, Bolzano/Bozen 1930–40. Bozen: La Fabbrica del Tempo/Die Zeitfabrik 2015, S. 35–40.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Hannes Obermair: Kirche und Stadtentstehung (PDF; 2,6 MB). In: Der Schlern, Bozen 1995, bes. S. 459ff.
  2. Hans Heiss: 800 Jahre Messe und Märkte in Bozen
  3. Vgl. Paulus Diaconus: Historia Langobardorum V 36 (hrsg. Georg Waitz, MGH SS rerum Langobardicarum), Hannover 1878, S. 12–187, Bezug S. 35f.
  4. Theodor Bitterauf: Die Traditionen des Hochstifts Freising. München: Beck 1905, S. 61f. Nr. 34.
  5. Josef Weingartner: Bozner Burgen. Mit 35 Grundrissen. 3. Aufl. Innsbruck/Wien/München 1959.
  6. Oswald Trapp: Tiroler Burgenbuch. Bd. 8: Raum Bozen. Bozen: Athesia 1989. ISBN 88-7014-495-X
  7. Siehe: Familie der Grafen von Bozen
  8. a b Bruno Mahlknecht: Bozen durch die Jahrhunderte. Band 1. Athesia Spectrum, Bozen 2005, ISBN 88-6011-020-3, Vom bischöflichen Markt zum Stadtmagistrat, S. 40–48.
  9. a b Hannes Obermair: Kirche und Stadtentstehung. Die Pfarrkirche Bozen im Hochmittelalter (11.–13. Jahrhundert). In: Der Schlern. 1995, S. 457.
  10. Franz-Heinz Hye: Die Anfänge und die territoriale Entwicklung der Stadt Bozen. In: Der Schlern 52, 1978, S. 67
  11. Hannes Obermair: Kirche und Stadtentstehung. Die Pfarrkirche Bozen im Hochmittelalter (11.–13. Jahrhundert). In: Der Schlern. 69. Jahrgang, Heft 8/9, 1995, S. 449–474, bes. 459–463 (bozen.it [PDF]).
  12. Heinrich Gottfried Philipp Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter. Erlangen 1863, S. 263 ff..
  13. Josef Riedmann: Geschichte Tirols. Verlag für Geschichte und Politik, Oldenburg 2001, S. 43.
  14. Norbert Mumelter: Der Kuntersweg. Gemeinde Karneid, Bozen 1986, S. 15
  15. Helmut Rizzolli: Bozen: die Stadt der Märkte, in: Merkantilmuseum Bozen. Katalog, Bozen 1998, S. 10
  16. Bruno Mahlknecht: Bozen durch die Jahrhunderte. Band 2, Athesia Spectrum, Bozen 2006, Um 1300 wäre Gries beinahe eine Stadt geworden, S. 36
  17. Stadtarchiv Bozen: Bozens Wappen im Jahr 1471 (mit Erläuterungen)
  18. Hannes Obermair: Bozen Süd – Bolzano Nord. Schriftlichkeit und urkundliche Überlieferung der Stadt Bozen bis 1500. Bd. 2: 1401–1500. Bozen: Stadtgemeinde 2008, ISBN 978-88-901870-1-8, S. 79–83 Nr. 996.
  19. Helmut Rizzolli: Bozen: die Stadt der Märkte, in: Merkantilmuseum Bozen. Katalog, Bozen 1998, S. 17
  20. Franz Huter: Die Quellen des Meßgerichtsprivilegs der Erzherzogin Claudia für die Boznermärkte (1635), in: Bozner Jahrbuch für Geschichte, Kultur und Kunst, Verlagsanstalt Vogelweider, Bozen 1927, S. 43
  21. Helmut Rizzolli: Bozen: die Stadt der Märkte, in: Merkantilmuseum Bozen. Katalog, Bozen 1998, S. 39
  22. Hans Heiss: Dichterfürst und Bürgertum – Walthers Beitrag zur Konstituierung und Selbstrepräsentation des bürgerlichen Lagers in Südtirol. In: Oswald Egger, Hermann Gummerer (Hrsg.): Walther, Dichter und Denkmal, Wien/Lana: edition per procura 1990, S. 45
  23. Bruno Mahlknecht: Bozen durch die Jahrhunderte. Band 4. Athesia Spectrum, Bozen 2007, Das Walther-Denkmal in Bozen, S. 84.
  24. Bruno Mahlknecht, Gedenkblatt für Julius Perathoner, Dolomiten, 23. August 2001
  25. Andrea Bonoldi: Energia, industria e politica nazionale: l’economia dell’Alto Adige tra le due guerre. In: Ders., Hannes Obermair (Hrsg.): Tra Roma e Bolzano: Nazione e Provincia nel Ventennio fascista – Zwischen Rom und Bozen: Staat und Provinz im italienischen Faschismus. Bozen 2006, ISBN 88-901870-9-3, S. 41–54.
  26. Hannes Obermair: „Stadt im Umbruch“ – das Bozner Beispiel „revisited“. In: Razionalismi. Percorsi dell'abitare – Zweckmäßig wohnen, Bolzano/Bozen 1930–40. Bozen: La Fabbrica del Tempo/Die Zeitfabrik 2015, S. 35–40.
  27. Juliane Wetzel: Deutsches Polizeihaft- und Durchgangslager Bozen/Bolzano-Gries. In: Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.): Der Ort des Terrors: Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 9, München: C. H. Beck 2009, ISBN 978-3-406-57238-8
  28. Vgl. Hans Heiss, Hannes Obermair: Erinnerungskulturen im Widerstreit (op. cit.), S. 69–70.
  29. Download Bozen Süd – Bolzano Nord, Bd. 1. PDF 5,9 MB
  30. Download Bozen Süd – Bolzano Nord, Bd. 2. PDF 10,1 MB