Gewöhnlicher Natternkopf

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Gewöhnlicher Natternkopf
Gewöhnlicher Natternkopf (Echium vulgare)

Gewöhnlicher Natternkopf (Echium vulgare)

Systematik
Kerneudikotyledonen
Asteriden
Euasteriden I
Familie: Raublattgewächse (Boraginaceae)
Gattung: Natternköpfe (Echium)
Art: Gewöhnlicher Natternkopf
Wissenschaftlicher Name
Echium vulgare
L.

Der Gewöhnliche Natternkopf oder Blaue Natternkopf (Echium vulgare) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Natternköpfe (Echium) innerhalb der Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae). Im Volksmund wird er „Blauer Heinrich“[1], in Österreich auch „Himmelbrand“, „Starrer Hansl“ oder „Stolzer Heinrich“ genannt.

Beschreibung[Bearbeiten]

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Der Gewöhnliche Natternkopf ist eine zweijährige oder mehrjährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 25 bis 100 Zentimetern. Der Gewöhnliche Natternkopf besitzt steife „Borsten“ an Stängeln und Blättern.

Generative Merkmale[Bearbeiten]

Die Blütezeit reicht von Mai bis Oktober. Seine Blüten stehen in Thyrsen mit einfachen Wickeln. Die Blüten sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle und im Gegensatz zu den Blüten der meisten anderen Boraginaceen schwach zygomorph. Die Kronblätter sind 15 bis 22 Millimeter lang, zuerst rosafarben bis violett, später färben sie sich blau bis himmelblau. Charakteristisch ist die trichterförmige Kronröhre mit ungleichen Zipfeln. Die Staubblätter sind ungleich lang und ragen aus der Blüte heraus. Der Fruchtknoten ist tief vierspaltig. Der Griffel ist zweispaltig und zwischen den Klausen grundständig.

Die Früchte sind in vier Klausen zerfallene Spaltfrüchte.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 32.[2]

Ein Mauerfuchs am Gewöhnlichen Natternkopf

Ökologie[Bearbeiten]

Der Gewöhnliche Natternkopf ist Trockenpflanze und überdauert den Winter als Hemikryptophyt mit Hilfe ihrer Pfahlwurzel.

Die blütenökologisch handelt es sich um vormännliche „Rachenblumen“, die herausragenden Griffel und Staubblätter dienen als Landeplatz für die Bestäuber. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten, vor allem Bienen, Schwebfliegen und Falter, letztere besuchen die Blüten sehr gerne. Es wurden über 40 Schmetterlingsarten als Besucher festgestellt. Der Hauptbesuch der Insekten erfolgt gegen 15 Uhr. Die Blüten vollziehen einen Farbwechsel von rot nach blau. Bienen lernen, dass nur die rosa Blüten reich an Nektar sind. Der graublaue Pollen ist mit 0,01 mm sehr klein. Die Blüten sind zuerst männlich, dann weiblich (vormännlich).

Die Spaltfrüchte zerfallen in vier kleine, glatte Teilfrüchte, sogenannte Klausen. Die Ausbreitung der Samen erfolgt durch Kleb- und Klettwirkung, vom Wind und durch den Menschen.

Krankheiten[Bearbeiten]

Der Natternkopf wird vom Rostpilz Puccinia recondita mit Spermogonien und Aecidien befallen.[3]

Giftigkeit[Bearbeiten]

Die Pflanze ist für Tiere durch den Gehalt an Allantoin und durch Pyrrolizidinalkaloide, z. B. Heliosupin, giftig. Beim Menschen besteht kaum Vergiftungsgefahr.

Vorkommen[Bearbeiten]

Vorkommen auf einer Wiese im Berliner Stadtzentrum

Der Gewöhnliche Natternkopf ist in Europa und Westasien, beispielsweis ganz Deutschland verbreitet. Er gedeiht an trockenen bis halbtrockenen Ruderalstellen, auf steinigen Fluren, an sandigen Plätzen und auf Silikattrockenrasen. Er und ist typisch für Pflanzengesellschaften der Sedo-Scleranthetea in der nördlich temperierten Breiten. Er ist eine Charakterart des Echio-Melilotetum.[2] In den Allgäuer Alpen steigt er im Tiroler Teil am Häselgehrberg in Höhenlagen bis zu 1600 Metern auf.[4]

Nutzung[Bearbeiten]

Der Natternkopf ist eine sehr gute Bienenweide. In der Imkerei ist er aufgrund des hohen Zuckergehalts seines Nektars (25 %) und seines sehr hohen Zuckerwerts (1,64 mg Zucker/Tag je Blüte) eine geschätzte Nebentracht.[5] Auf einer mit ihm bestandenen Fläche von einem Hektar sind Honigerträge bis zu 429 kg pro Blühsaison möglich.[6] Die Art wird auch als Zierpflanze angeboten und ist für Wildpflanzengärten zu empfehlen.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.
  • Dankwart Seidel: Blumen. München 2001, ISBN 3-405-15766-8.
  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. 7. Auflage, Quelle & Meyer, 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Echium. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 5, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/ Wien 1885–1892, S. 291.
  2. a b  Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe, Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5.
  3. Peter Zwetko: Die Rostpilze Österreichs. Supplement und Wirt-Parasit-Verzeichnis zur 2. Auflage des Catalogus Florae Austriae, III. Teil, Heft 1, Uredinales. (PDF; 1,8 MB).
  4. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2. IHW-Verlag, Eching bei München, 2004. ISBN 3-930167-61-1
  5. Helmut Horn, Cord Lüllmann: Das große Honigbuch, Kosmos, Stuttgart 3. Aufl. 2006, S. 30, ISBN 3-440-10838-4
  6. Josef Lipp et al.: Handbuch der Bienenkunde: Der Honig. 3., neubearb. Aufl., Ulmer, Stuttgart 1994, S. 38, ISBN 3-8001-7417-0

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gewöhnlicher Natternkopf (Echium vulgare) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien