Großwallstadt

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Wappen Deutschlandkarte
Großwallstadt
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Großwallstadt hervorgehoben

Koordinaten: 49° 53′ N, 9° 9′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Miltenberg
Höhe: 121 m ü. NHN
Fläche: 14,02 km2
Einwohner: 4080 (31. Dez. 2021)[1]
Bevölkerungsdichte: 291 Einwohner je km2
Postleitzahl: 63868
Vorwahl: 06022
Kfz-Kennzeichen: MIL, OBB
Gemeindeschlüssel: 09 6 76 126
Gemeindegliederung: 1 Gemeindeteil
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 23
63868 Großwallstadt
Website: www.grosswallstadt.de
Erster Bürgermeister: Roland Eppig (FW)
Lage der Gemeinde Großwallstadt im Landkreis Miltenberg
AschaffenburgLandkreis AschaffenburgLandkreis Main-SpessartHohe Wart (gemeindefreies Gebiet)Gemeindefreies Gebiet ForstwaldGemeindefreies Gebiet Hohe BergCollenbergDorfprozeltenAltenbuchWörth am MainWeilbach (Bayern)Sulzbach am MainStadtprozeltenSchneeberg (Unterfranken)RüdenauRöllbachObernburg am MainNiedernbergNeunkirchen (Unterfranken)MönchbergMömlingenMiltenbergLeidersbachLaudenbach (Unterfranken)Klingenberg am MainKleinwallstadtKleinheubachKirchzellHausen (bei Aschaffenburg)GroßwallstadtGroßheubachFaulbachEschau (Unterfranken)Erlenbach am MainElsenfeldEichenbühlBürgstadtAmorbachAmorbachHessenBaden-WürttembergKarte
Über dieses Bild
Luftbild mit Blick über die Stadt (2008)
Runder Turm – Teil der alten Ortsbefestigung

Großwallstadt ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Miltenberg.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großwallstadt liegt in der Region Bayerischer Untermain direkt am linken Mainufer und ist knapp 20 km südlich von Aschaffenburg entfernt. Der topographisch höchste Punkt der Gemeindegemarkung befindet sich mit 288 m ü. NHN am Nordosthang der Altmauerhöhe, der niedrigste liegt im Main auf 112,5 m ü. NHN.[2]

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt nur einen Gemeindeteil und eine Gemarkung.[3][4]

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinde
Niedernberg
Markt
Sulzbach am Main
Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Markt
Kleinwallstadt
Gemeinde
Mömlingen
Stadt
Obernburg am Main
Markt
Elsenfeld

Ausdehnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet dehnt sich mit dem geplanten Baugebiet "Am Wellenhäuschen" nach Süden aus, da es im Norden von der Seenplatte, im Osten vom Main und im Westen durch die B469 begrenzt wird. Die letzte größere Ausdehnung fand durch das Baugebiet "Paradiesäcker" an der Grenze der Seenplatte statt.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Großwallstadt setzt sich aus den althochdeutschen Wörtern Walah für Romane und stat für Wohnstätte zusammen. Als Erklärung ergibt sich daraus Wohnstätte der Romanen. Die zeitweise verwendeten Namenszusätze Groß und Königs sowie die latinisierten Differenzierungen maior bzw. major (der größere), regis (des Königs), trans Morgum (über dem Main) und ex ista parte Mogi (von diesem Mainteil) sollten es von Kleinwallstadt unterscheiden. Der Zusatz Königs bezieht sich auf die Grundherrschaft des Königs.[5]

Frühere Schreibweisen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden:[5]

  • 1000 Ualohostat
  • 1131 Walenstat
  • 1181 Walhestat
  • 1219 Walhestad maiori
  • 1248 Walinstatt
  • 1261 Walhenstat
  • 1272 Walestad
  • 1276 Walhestat
  • 1282 Walhestad trans morgum
  • 1297 Walinstat ex ista parte Mogi
  • 1298 Walhestad major
  • 1306 Kunigiswalstad
  • 1312 Walhestad maiori
  • 1341 Walherstad maior
  • 1344 grozzen Walstat
  • 1345 Großen Walstad
  • 1383 Großinwalstad
  • 1403 Walstad Regis
  • 1504 Walstat Regis
  • 1532 Groß Walstat
  • 1740 Großwallstatt
  • 1805 Großwallstadt

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Teil des oberen Erzstiftes Mainz fiel Großwallstadt bei der Säkularisation 1803 an das neu gebildete Fürstentum Aschaffenburg, mit welchem es 1814 (jetzt ein Departement des Großherzogtums Frankfurt) an Bayern fiel.

Im Jahr 1862 wurde das Bezirksamt Obernburg gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Großwallstadt lag. Wie überall im Deutschen Reich wurde 1939 die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Großwallstadt war nun eine der 35 Gemeinden im Landkreis Obernburg am Main. Mit der Auflösung des Landkreises Obernburg kam Großwallstadt am 1. Juli 1972 in den neu gebildeten Landkreis Miltenberg.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1900: 1078 Einwohner
  • 1925: 1425 Einwohner
  • 1950: 2284 Einwohner
  • 1961: 2466 Einwohner
  • 1970: 3011 Einwohner
  • 1980: 3345 Einwohner
  • 1990: 3438 Einwohner
  • 1995: 3897 Einwohner
  • 2000: 3994 Einwohner
  • 2005: 4063 Einwohner
  • 2010: 4131 Einwohner
  • 2015: 4118 Einwohner
  • 2020: 4090 Einwohner

Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 3347 auf 4088 um 741 Einwohner bzw. um 22,1 %. (Quelle: BayLfStat)

Nationalitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verteilung ausländischer Einwohner nach Staatsangehörigkeit

In Großwallstadt lebten im Jahr 2017 insgesamt 304 Nichtdeutsche aus 42 verschiedenen Staaten. Dies entspricht etwa 7,32 % der Gesamtbevölkerung in Großwallstadt.[6] Die meisten ausländischen Einwohner kommen aus der Türkei (133 Personen).

Kurioses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Großwallstädter und die Kleinwallstädter beschimpften sich über den Main hinüber und herüber als „Pollacken“.[7] Das Wort hat eine positive wie negative Bedeutung; wurden doch die Studenten der königl. Forstlichen Hochschule Aschaffenburg nach ihrer Couleur „Forstpollacken“ genannt. In ihrer feschen Wichs bereicherten sie das Stadtbild Aschaffenburgs und Umgebung.

Zu heißen und ganzen („haas und gans“) Kartoffeln wurde Käs-Matte (Quark) gegessen. Hierauf ist der Ortsneckname „Matteköpp“ zurückzuführen.

Beim Umstechen des Nutzgartens mit dem Spaten gibt es immer noch einen kleinen Schlag auf die Erdscholle, um sie zu zerkleinern. Das konnten die Großwallstädter am besten, deshalb wurden sie auch die „Schollekläpperer“ genannt.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Bürgermeister- und Gemeinderatswahl am 2. März 2008 wurde Roland Eppig (Freie Wähler) zum Ersten Bürgermeister gewählt.[8] Bei der Wahl am 16. März 2014 wurde er in seinem Amt bestätigt. In der Wahl am 15. März 2020 wurde er für weitere sechs Jahre zum Bürgermeister gewählt.

Vorgänger:

  • 2002–2008: Reinhold Köhler (CSU)
  • 1990–2002: Erich Hein (CSU)
  • 1969–1990: Walter Vogel (CSU)
  • 1966–1969: Linus Geis (CSU)
  • 1956–1966: Bruno Köhler (SPD)
  • 1945–1956: Konrad Markert (CSU)

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 16-köpfige Gemeinderat setzt sich seit der Bürgermeister- und Gemeinderatswahl vom 15. März 2020 aus sechs Mitgliedern der Freien Wähler (FW), vier Mitgliedern der Christlich-Sozialen Union in Bayern (CSU), vier Mitgliedern der BfG (Bürger für Großwallstadt) und zwei Mitgliedern der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) zusammen.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Großwallstadt
Blasonierung: „In Rot eine goldene Krone mit zwei perlen-besetzten Bügeln und einem goldenen Kreuz, den silbernen Großbuchstaben W einschließend.“[9]
Wappenbegründung: Das Wappen ist von einem Ortszeichen aus dem Jahr 1755 abgeleitet, das auf der Fassade der Pfarrkirche abgebildet ist. Die Krone und der Großbuchstabe "W" weisen auf den früheren Ortsnamen "Walstad regis" hin. Großwallstadt liegt an der Stelle eines römischen Gutshofes und führt seit karolingischer Zeit den Ortsnamen "Walstadt regis". Die Farben Silber und Rot verweisen auf die einstige Landesherrschaft des Kurstaates Mainz.

Dieses Wappen wird seit 1957 geführt.

Haushalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gesamthaushalt der Gemeinde betrug im Jahr 2017 17.550 Millionen Euro und 2019 schon 25.074 Millionen Euro.

Die Pro-Kopf-Verschuldung konnte von 2007 bis 2012 von 333 auf 10 Euro gesenkt werden; der Landesdurchschnitt in Unterfranken erhöhte sich im selben Zeitraum von 656 € auf 706 €. Seit 2013 ist die Pro-Kopf-Verschuldung Null und die Gemeinde schuldenfrei.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fränkischer Rotweinwanderweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Fränkische Rotwein Wanderweg hat eine Gesamtlänge von ca. 70 km und startet in Großwallstadt. Der Weg wurde in 6 Etappen eingeteilt, wobei die längste Etappe 15,3 km beträgt.

Heimatmuseum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Heimschneiderei in Großwallstadt begann etwa um 1880. Es ist eine der vielen Handarbeiten, die in diesen Jahren typisch für die deutsche Wirtschaft waren. Im Museum sind neben dem Nachbau einer Heimarbeiterwerkstatt auch landwirtschaftliche Geräte und eine historische Küche mit Waschkessel zu sehen.

Ausstellungsgegenstände:

  • Heimschneiderwerkstatt um 1910
  • Heimschneiderwerkstatt um 1935
  • Kartoffelabteilung und landwirtschaftliche Geräte
  • Weinbaugeräte
  • Korbflechter
  • historische Küche mit Waschkessel
  • Sammlung alter Musikinstrumente

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der TV 1888 Großwallstadt war bis 2013 der einzige, ständige bayerische Vertreter in der Handball-Bundesliga der Herren. Der Verein war 1978 bis 1981, 1984 und 1990 sechsmal Deutscher Meister. Zurzeit (Stand: Saison 2018/19) spielt der Verein nach einem zwischenzeitlichen Abstieg in die Drittklassigkeit in der 2. Handball-Bundesliga.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Größter Arbeitgeber am Ort mit ca. 1000 Mitarbeitern ist die Ciba Vision/Alcon, die sich mit der Forschung, Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Kontaktlinsen und Kontaktlinsenpflegemitteln beschäftigt.

Großwallstadt ist eine der am Main liegenden Ortschaften, die sich zum Zweck einer gemeinsamen Wirtschafts- und Tourismusförderung unter dem Namen „Churfranken“ in einem 2007 gegründeten Verein zusammengeschlossen haben.[10] In Großwallstadt befinden sich mehrere Weinbaubetriebe, die bekanntesten örtlichen Weinbaulagen sind das Lützeltal und das Pitztal. Der Weinbauverein Großwallstadt zählt 70 Mitglieder und wurde im Jahr 1922 gegründet.

Es gab 2020 nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft 13, im produzierenden Gewerbe 1956 und im Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe 528 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Dienstleistungsbereichen waren am Arbeitsort 1262 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 1838. Im verarbeitenden Gewerbe gab es sieben Betriebe mit im Allgemeinen 20 oder mehr Beschäftigten, im Bauhauptgewerbe fünf Betriebe. (Quelle: BayLfStat, Statistik kommunal 2021 - Großwallstadt)

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zwei Kindergärten (mit Hort und Krippe)
  • Kardinal-Döpfner-Schule (Grund- und Mittelschule mit Ganztagsschule)
  • katholische öffentliche Bücherei
  • Volkshalle
  • Sporthalle

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großwallstadt ist über die B 469 an die Autobahnen A 3 und A 45 angebunden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hiltrudis Schnabel (1900–1984), Ordensschwester, Generaloberin der Kongregation der Schwestern des Erlösers
  • Gregor (Ludwig) Giegerich (* 29. April 1913 in Großwallstadt; † 4. Oktober 1950 im Gefängnis von Pjöngjang, Nordkorea), Missionsbenediktiner, Märtyrer von Tokwon[11]
  • Norbert Geis (* 1939), Politiker (CSU)
  • Josef Karrer (* 1939), Handballspieler, Weltmeister 1966
  • Manfred Hofmann (* 1948), ehemaliger deutscher Handballtorwart der Weltklasse
  • Siegfried Roch (* 1959), ehemaliger deutscher Handballtorwart, Deutscher Meister, Europameister und Olympia-Silbermedaillengewinner Los Angeles 1984
  • Isabell Roch (* 1990), BL-Handballtorhüterin, Deutsche Meisterin, Deutsche Nationaltorhüterin

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Großwallstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Genesis Online-Datenbank des Bayerischen Landesamtes für Statistik Tabelle 12411-003r Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Gemeinden, Stichtag (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. BayernAtlas (Layer: Verwaltungsgrenzen - Gemeinden, Verwaltungsgemeinschaften, gemeindefreie Gebiete)., Gemeindegrenze dünn violett, Hrsg.: Bayerische Vermessungsverwaltung; abgerufen am 31. März 2021.
  3. Gemeinde Großwallstadt in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 1. April 2020.
  4. Gemeinde Großwallstadt, Liste der amtlichen Gemeindeteile/Ortsteile im BayernPortal des Bayerischen Staatsministerium für Digitales, abgerufen am 6. Dezember 2021.
  5. a b Wolf-Armin von Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. Oberfranken, Mittelfranken, Unterfranken. C. H. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-59131-0, S. 90 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  6. Einwohnerstatistik der Gemeinde Großwallstadt, Stand: 31. Dezember 2017
  7. Werner Trost: Stampes, Worzelköpp und Staffelbrunzer, Lkr. Miltenberg 2003.
  8. Rathaus. Gemeinde Großwallstadt, abgerufen am 7. August 2020.
  9. Eintrag zum Wappen von Großwallstadt in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
  10. Gemeinde Großwallstadt. churfranken.de; abgerufen am 24. Mai 2022.
  11. Die Märtyrer von Tokwon, Bruder Gregor (Ludwig) Giegerich (Memento des Originals vom 24. Dezember 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.seligsprechung.ottilien.de – (Missionsbenediktiner)