Leidersbach

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Leidersbach (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Leidersbach
Leidersbach
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Leidersbach hervorgehoben
Koordinaten: 49° 54′ N, 9° 13′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Miltenberg
Höhe: 196 m ü. NHN
Fläche: 19,85 km2
Einwohner: 4788 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 241 Einwohner je km2
Postleitzahl: 63849
Vorwahlen: 06028, 06092
Kfz-Kennzeichen: MIL
Gemeindeschlüssel: 09 6 76 136
Gemeindegliederung: 4 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 123
63849 Leidersbach
Webpräsenz: www.leidersbach.de
Bürgermeister: Matthias Wolf, 2. Bürgermeister (CSU)
Lage der Gemeinde Leidersbach im Landkreis Miltenberg
Aschaffenburg Landkreis Aschaffenburg Landkreis Main-Spessart Hohe Wart (Spessart) Gemeindefreies Gebiet Forstwald Gemeindefreies Gebiet Hohe Berg Collenberg Dorfprozelten Altenbuch Wörth am Main Weilbach (Bayern) Sulzbach am Main Stadtprozelten Schneeberg (Unterfranken) Rüdenau Röllbach Obernburg am Main Niedernberg Neunkirchen (Unterfranken) Mönchberg Mömlingen Miltenberg Leidersbach Laudenbach (Unterfranken) Klingenberg am Main Kleinwallstadt Kleinheubach Kirchzell Hausen (bei Aschaffenburg) Großwallstadt Großheubach Faulbach Eschau (Unterfranken) Erlenbach am Main Elsenfeld Eichenbühl Bürgstadt Amorbach Amorbach Hessen Baden-WürttembergKarte
Über dieses Bild

Leidersbach ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Miltenberg.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet liegt im Spessart, circa 10 Kilometer südöstlich von Aschaffenburg. Das gesamte Gemeindegebiet liegt im Naturpark Spessart. Der topographisch höchste Punkt der Gemeinde befindet sich nordöstlich von Volkersbrunn mit 419 m ü. NN (Lage), der niedrigste liegt am Leidersbach unterhalb von Ebersbach auf 144 m ü. NN (Lage).

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Leidersbach hat vier Ortsteile[2]:

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Markt
Sulzbach am Main
Forst Hohe Wart
(Gemeindefreies Gebiet)
Gemeinde
Mespelbrunn
Nachbargemeinden Gemeinde
Heimbuchenthal
Markt
Kleinwallstadt
Gemeinde
Hausen

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seinen Namen hat Leidersbach vom gleichnamigen, den Ort durchfließenden Leidersbach[3], dem linken Quellbach des Sulzbaches. Der wechselnde Anfangsbuchstabe von B auf L kann daher kommen, dass man im 14. Jahrhundert von einer Agglutination des Präpositionsauslautes ausging.[3] Man dachte Bliderspach = B(ei) liderspach.

Frühere Schreibweisen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden:[3]

  • 1248 Bliderspach
  • 1312 Lyderspach
  • 1324 Lydersbach
  • 1349 Lydirsbach
  • 1403 Lydersbach
  • 1510 Lyderspach
  • 1532 Leydersbach
  • 1624 Leidersbach

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Gründung der Vorläufergemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der zu Ebersbach und dem Sulzbacher Ortsteil Soden gehörende „Schlossbuckel“ war schon vor der Zeitenwende besiedelt, wie dortige Funde beweisen. Erstmalige systematische archäologische Ausgrabungen von 2008 und 2009, durchgeführt das Archäologische Spessartprojekt gemeinsam mit der Gemeinde Leidersbach, dem Markt Sulzbach und den dortigen Geschichtsvereinen belegen durch Funde und Grabungsnachweise eine mindestens dreiphasige Nutzung der Altenburg. Kleinfunde stützen eine Nutzung zur Zeit der Michelsberger Kultur, ein datiertes Wall-Grabensystem spricht für eine Nutzung zu keltischer Zeit und ein überbauter zweiter Wall (der heute noch sichtbar ist) wird über indirekte Schlußfolgerungen in die Zeit vor das 12. Jahrhundert gelegt. Durch Steinbrüche und andere Nutzungen im 19. und 20. Jahrhundert wurden wesentliche Teile zerstört bzw. überformt. Die Anlage ist heute als Bodendenkmal ausgewiesen.[4]

Die Entstehung der Orte selbst lief im Mittelalter ab: Aufgrund von Vergleichen mit anderen Orten mit gleicher Herkunft der Ortsnamen kann gefolgert werden, dass die mit bach endenden Gemeinden Ebersbach, Leidersbach und Roßbach vermutlich in der karolingischen Zeit Ende des 8. Jahrhunderts entstanden sind. Die erste urkundliche Erwähnung von Ebersbach findet man aus dem Jahr 1183, von Leidersbach und Roßbach aus dem Jahr 1200 und von Volkersbrunn aus dem Jahr 1248.

Schon zu dieser Zeit gehörten die Dörfer dem Erzstift Mainz an. Bei der Auflösung des Erzstifts durch den Reichsdeputationshauptschluss 1803 fielen die Dörfer an das neu gebildete Fürstentum Aschaffenburg, mit welchem sie 1814 an Bayern angegliedert wurden. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstanden mit dem Gemeindeedikt von 1818 die Vorläufergemeinden des heutigen Leidersbach.

Verwaltungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1862 wurde das Bezirksamt Obernburg gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Leidersbach lag. Wie überall im Deutschen Reich wurde 1939 die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Leidersbach war dann eine der 35 Gemeinden im Landkreis Obernburg am Main. Mit der Auflösung des Landkreises Obernburg kam Leidersbach am 1. Juli 1972 in den neu gebildeten Landkreis Miltenberg.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Leidersbach ist überwiegend römisch-katholisch. Jeder Ortsteil besitzt eine eigene katholische Kirche.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Januar 1972 wurden die bis dahin selbstständigen Gemeinden Leidersbach, Ebersbach, Roßbach und Volkersbrunn zur neuen Einheitsgemeinde Leidersbach zusammengeschlossen.[5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung in Leidersbach seit 1840

Einwohner (alle Ortsteile zusammen):[6]

  • 1840: 1.756 Einwohner
  • 1871: 1.744 Einwohner
  • 1900: 1.818 Einwohner
  • 1925: 2.317 Einwohner
  • 1939: 2.639 Einwohner
  • 1950: 3.218 Einwohner
  • 1961: 3.342 Einwohner
  • 1970: 3.799 Einwohner
  • 1987: 4.304 Einwohner
  • 1991: 4.564 Einwohner
  • 1995: 4.706 Einwohner
  • 2000: 4.803 Einwohner
  • 2001: 4.866 Einwohner
  • 2002: 4.931 Einwohner
  • 2003: 4.964 Einwohner
  • 2004: 4.974 Einwohner
  • 2005: 4.995 Einwohner
  • 2006: 4.972 Einwohner
  • 2007: 4.960 Einwohner
  • 2008: 4.892 Einwohner
  • 2009: 4.858 Einwohner
  • 2010: 4.851 Einwohner
  • 2011: 4.828 Einwohner
  • 2012: 4.770 Einwohner
  • 2013: 4.742 Einwohner
  • 2014: 4.722 Einwohner
  • 2015: 4.788 Einwohner

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat besteht aus 16 Mitgliedern, die sich wie folgt aufteilen:

  • CSU: - 10 Sitze
  • CWG: - 6 Sitze

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fritz (Friedrich) Wörl (CSU) war vom 1. Mai 2014 bis zu seinem Tod am 9. Mai 2017 Bürgermeister der Gemeinde. Seither leitet 2. Bürgermeister Matthias Wolf die Kommune. Als Termin für die Neuwahl schlug der Gemeinderat am 24. Mai den 24. September 2017 (zusammen mit der Bundestagswahl) vor.

Am 24. September wurde Michael Schüßler zum neuen 1. Bürgermeister der Gemeinde Leidersbach gewählt.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oben: geöffnete Schneiderschere auf grün-weiß gestreiftem Grund (Bedeutung des Schneiderhandwerks und der Kleiderfabriken für die Ortsentwicklung im 19. und 20. Jahrhundert.)

Unten: Mainzer Rad (Zugehörigkeit zum Erzbistum Mainz bis 1803)

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ringwall der Altenburg auf dem Schlossbuckel bei Ebersbach
  • Marienaltar der Ebersbacher St.-Barbara-Kirche
  • St.-Jakobus-Kirche in Leidersbach, 1821 nach einem Entwurf von Bernhard Morell aus Rotsandstein errichtet
  • Jugendbildungszentrum im ehemaligen Kloster auf dem Ebersbacher Klosterberg

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der BRK Leidersbach ist ein Ortsverein des Bayerischen Rotes Kreuzes im Kreisverband Miltenberg-Obernburg. Er wurde am 16. März 1955 gegründet. Die RK-Gemeinschaft ist im Rot-Kreuz-Haus in der Kolpingstraße 2 untergebracht und unterhält die Bereiche Jugendrotkreuz, Bereitschaft, SEG-Nord Katastrophenschutz und einen Helfer vor Ort (HvO / HGD (Hintergrunddienst) mit eigenem, spendenfinanzierten und ehrenamtlichen Rettungswagen seit 1. März 1984 mit Standort im Feuerwehrhaus Leidersbach).

Seit 1984 besteht die Laienschauspielgruppe Hutzelgrund Theater Leidersbach. In unregelmäßigen Zeiträumen greift die Theatergruppe in ihren Aufführungen örtliche Gegebenheiten auf.[7][8]

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Handball

Mit den Rhein-Main Bienen war die Gemeinde in der ersten Handball-Bundesliga der Frauen vertreten. Der Verein schaffte 2003/04 die Meisterschaft mit dem verbundenen Aufstieg in die Oberliga Hessen. In der darauf folgenden Saison wurde die Mannschaft Hessenmeister und gewann die anschließende Relegation ausschließlich mit Siegen. In der Regionalliga Südwest gelang der Mannschaft von Trainer Peter David in der Saison 2005/06 die ungeschlagene Meisterschaft und der Aufstieg in die 2. Bundesliga. Als Meister der 2. Bundesliga schloss die HSG die Saison ab und ihr gelang durch den Playoff-Sieg gegen den TuS Weibern der Aufstieg in die Erstklassigkeit. Zudem schaffte es die Damenmannschaft, die Sparkassen-Arena in Elsenfeld mit 3.500 Zuschauern bei einem Pokalspiel gegen den Deutschen Meister 1. FC Nürnberg zu füllen. 2009 erfolgte aus finanziellen Gründen der Zwangsabstieg in die Oberliga Hessen. In der Saison 2009/10 wurde die Mannschaft Meister und konnte sich für die neu gegründete 3. Liga qualifizieren.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2007 gab es folgende Einrichtungen:

  • Kindergärten: in den Ortsteilen Leidersbach, Ebersbach und Roßbach
  • Grund- u. Hauptschule: Volksschule Leidersbach für Schüler aus allen vier Ortsteilen

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort lebten und arbeiteten früher neben Bauern auch vor allem kleine Betriebe des Schneiderhandwerks. Während die Landwirtschaft seit Mitte des 20. Jahrhunderts stetig an Bedeutung verliert, ist Leidersbach geprägt von Betrieben der Bekleidungsindustrie, die sich aus diesen Handwerksbetrieben zu teilweise überregionalen Unternehmen entwickelt haben. Daraus hat sich in der Umgebung der Ortsneckname Sacco Valley in Anspielung an das weltbekannte Silicon Valley entwickelt.

Darüber hinaus gibt es Unternehmen der Softwareentwicklung und Marketingunternehmen sowie ein analytisches Labor.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Albin Eser (* 1935), deutscher Strafrechtswissenschaftler

Kurioses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lange bevor die Heimschneiderei in den „Grund“ (Sacco Valley) kam, versuchten es die Leidersbacher mit Besenbinden. In den langen Wintermonaten, wenn die Feldarbeit ruhte, wurden Besen gebunden und Körbe geflochten, die dann in den umliegenden Orten und Städten verkauft wurden. Im Tal, in dem sehr viele Obstbäume standen, wurde die Ernte (Apfel, Birne, Zwetschge) entkernt, geschnitten, an Schnüren aufgefädelt und zum Trocknen unter dem Dachvorsprung aufgehängt. Im Herbst duftete es im ganzen Tal nach frischem Apfelmost, denn in fast jedem Keller reifte der Most in Fässern zu Apfelwein. Das gedörrte Obst „Hutzel“ wurde zu Kartoffeln- und Mehlspeisen gegessen, aber auch bis in den Frankfurter Raum verkauft. So kam es zum Ortsnecknamen Hutzelgründer und Besenbinder.[9]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Leidersbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111123/193319&attr=OBJ&val=1697
  3. a b c Wolf-Armin von Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. Oberfranken, Mittelfranken, Unterfranken. C. H. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-59131-0, S. 129–130 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Die Altenburg – ein wenig erforschter Ringwall im Spessart, Webseite des Archäologischen Spessartprojektes; abgerufen am 19. September 2017
  5. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 544.
  6. GENESIS-Online Bayern: Ergebnis - 12411-001. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung. Abgerufen am 7. Januar 2014.
  7. Hutzelgrund-Theater Leidersbach: Zahlen und Fakten. www.main-netz.de. Abgerufen am 13. November 2012.
  8. Hutzelgrund Theater Leidersbach. 17. November 2009. Abgerufen am 13. November 2012.
  9. Werner Trost: Stampes, Worzelköpp und Staffelbrunzer. Ortsnecknamen im Landkreis Miltenberg. 2003.