Hamme (Bochum)

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Wappen von Bochum
Hamme
Stadtteil von Bochum
Lage von Hamme im Mitte
Koordinaten 51° 29′ 27″ N, 7° 12′ 1″ OKoordinaten: 51° 29′ 27″ N, 7° 12′ 1″ O
Höhe 79 m ü. NN
Fläche 5,96 km²
Einwohner 14.971 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 2512 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Apr. 1904
Postleitzahl 44793, 44809
Gliederung
Bezirk Mitte
Gemarkungen

Dahlhauser Heide, Goldhamme, Hamme

Quelle: [1][2]
Gedenktafel für einen der ersten erfolgreichen Tiefbauschächte des Ruhrgebietes in Hamme
Hamme(Bochum) 1823 nach Geometer Zabel und aktuell (2011)
Bahnhof Bochum-Hamme

Hamme ist ein mittelgroßer Stadtteil in Bochum-Mitte, der im Nordwesten unmittelbar an die Innenstadt angrenzt. Innerhalb von Hamme liegt die sogenannte Speckschweiz, ein Altbauviertel zwischen dem Bergbaumuseum und dem Bahnhof Hamme. Das Viertel zieht zunehmend Studenten, Kreative und junge Familien an. Durch die Nähe zum Kortländerkiez und die zentrale Lage erfährt dieser Teil von Hamme seit einigen Jahren eine geringe Aufwertung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort, an dem das spätere Hamme entstand, war in germanischer Zeit Siedlungsgebiet des Stammes der Brukterer. Diese verloren es im Laufe des 7. Jahrhunderts an die von Norden einfallenden Sachsen. Nach langwierigen Kämpfen konnten die Franken unter Karl dem Großen die Sachsen - auch die des alten Brukterer-Gaus - unterwerfen und befrieden. Die Christianisierung begann im Jahre 802 mit der Gründung des Klosters Werden.

Wie im gesamten Land üblich, war auch in Hamme bis weit in das 18. Jahrhundert hinein der örtliche Galgen im Gebrauch. Der Galgenplatz lag an der Maarbrücke: „...im vorüberfließenden Maarbach wurden die Kindesmörderinnen in einem Sacke, den die armen Opfer erst selbst nähen mußten, ertränkt“ [3].

Im Jahre 1798 ergab eine Personenstandsaufnahme im Oberamt Bochum für die Landgemeinde Hamme

  1. in der Bauerschaft: 45 Häuser und 46 Familien mit 47 Männern, 52 Frauen, 51 Söhnen, 44 Töchtern, 28 Dienstleuten = 222 Personen,
  2. im adeligen Haus Overdiek: 1 Haus und 1 Familie mit 1 Mann, 1 Frau, 5 Söhnen, 1 Tochter, 8 Mägden, 8 Knechten = 24 Personen,
  3. im adeligen Eigentum: 10 Häuser und 9 Familien mit 10 Männern, 10 Frauen, 6 Söhnen, 5 Töchtern, keinen Dienstleuten = 31 Personen.

Somit ergab sich für die Gemeinde Hamme im Jahre 1798 eine Personenzahl von 277.[4]

Im Gebiet von Hamme waren bis weit in das 19. Jahrhundert hinein die Namen Hundhamme und Goldhamme gebräuchlich und in amtlichen Urkunden und auf amtlichen Karten nachweisbar. Das alte Grundbuch - die Landesaufnahme von 1670-1688 im Amte Bochum - nennt Gold- und Hundhamme. Noch die Karte des Parcellar-Katasters der Gemeinde Hamme des Jahres 1823 und die Urmesstischblätter 1839-1842 zeigen diese Zweiteilung.

Gold- und Hundhamme waren auch räumlich voneinander getrennt. Das westlich gelegene Goldhamme hatte seinen Kern am Oval, das die heutigen Straßen Balkehof und Kabeisemannsweg an der Anbindung Centrumstraße bilden. Die Besiedlung des größeren Hundhamme erfolgte im Wesentlichen westlich der heutigen Gahlenschen Straße im Bereich zwischen Overdyker Straße und Prinzenstraße.

Einige Spuren dieser alten Zeit sind im Straßenbild deutlich wahrnehmbar. In Höhe des Hauses Gahlensche Straße Nr. 188 ist ein Architekturensemble erhalten geblieben. Im Bereich der Von-der Recke-Straße Nr. 25 finden sich in zweiter Reihe Häuser der alten Zeit, als der Straßenverlauf noch ein anderer war. Eine Hofraumausbildung westlich der Gahlenschen Straße gegenüber der Einmündung Reichsstraße verdeutlicht noch die alten Ortsstrukturen.

Westlich des Siedlungsschwerpunktes von Hundhamme, westlich des Marbachs und westlich der heutigen Straße Am Hangenden, Höhe Overdyker Straße lag der Adelsitz Haus Overdyck.

Der Ausbau der 1847 abgeteuften Zeche Carolinenglück besetzte die Freifläche zwischen Gold- und Hundhamme und verband letztlich beide zu „Hamme“. Goldhamme hat mit den Jahren seinen Schwerpunkt nach Südosten verlegt und findet sich auch als Straßenname wieder. Hundhamme ist längst nicht mehr in Gebrauch und selbst der eingeborenen Bevölkerung seit vielen Jahren kein Begriff mehr.[5][6][7]

In Hamme, genauer in der Zeche Präsident (Betrieb von 1844 bis 1943, zerstört durch Luftangriff), wurde erstmals das Deckgebirge des Mergels über den Steinkohle führenden Flözen mit einem Tiefbauschacht überwunden. Eine Gedenktafel erinnert heute noch daran. Auf dem Gelände der Schachtanlage wurde der Hammer Park angelegt.

Am 1. April 1904 wurde Hamme nach Bochum eingemeindet.[8]

Nach dem Ende der Steinkohlenära war der Bochumer Schlachthof einer der wichtigsten in Hamme ansässigen Wirtschaftsbetriebe. Architekt war Walter Frese.[9]

1977 inszenierte der damalige Bochumer Theaterintendant Peter Zadek in Hamme in einer ehemaligen Fabrikhalle das Stück Hamlet in Hamme in voller Länge (6 Stunden) unter anderen mit Ulrich Wildgruber, Ilse Ritter, Eva Mattes, Hermann Lause, Rosel Zech und Magdalena Montezuma. Diese Fabrikhalle wurde später vom Schauspielhaus Bochum als Malersaal und Lager verwendet. Sie brannte in den 1990er Jahren völlig aus. Seine Hamlet-Version war übersetzt von ihm und Gottfried Greiffenhagen nach August Wilhelm Schlegel und Johann Joachim Eschenburg. Damit wurde der Name dieses Stadtteils auch literarisch bekannt.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Stadtteil führt die Dorstener Straße (B 226), eine der neun Hauptausfallstraßen Bochums. Ihr Name stammt aus der Zeit der frühen Industrialisierung. Sie bildete die Verlängerung der Gahlensche Kohlenstraße und diente dem Transport der an der Ruhr geförderten Steinkohle in Richtung Norden. Die Dorstener Straße war eine der ersten befestigten Straßen des mittleren Ruhrgebietes. Sie führte ab Bochum durch das damals schwach besiedelte Gebiet des Emscherbruches und traf erst bei Dorsten wieder auf eine größere Ansiedlung. Mit dem Abteufen neuer Zechen südlich von Bochum zum Ende des 19. Jahrhunderts sind die unbedeutenden Dörfer Wanne und Eickel im Bereich der Emscher stark gewachsen und die Dörfer sind 1926 als kreisfreie Stadt Wanne-Eickel zusammengelegt worden. 1975 wurde Wanne-Eickel nach Herne eingemeindet. Diese Stadtteile kann man über die Dorstener Straße erreichen. Im Norden von Hamme verläuft quer zur Dorstener Straße die Bundesautobahn 40 (Dortmund – Venlo), die als Ruhrschnellweg die wichtigste Ost-West-Verbindung der Region darstellt. Hamme ist hier mit einer Anschlussstelle an die A 40 angebunden.

Auf der Dorstener Straße verkehren die Straßenbahnlinie 306 der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG und die Omnibuslinie 368. Beide Linien verbinden die Bochumer Innenstadt mit dem Hauptbahnhof Wanne-Eickels.

Bochum-Hamme lautet auch der Name eines am östlichen Rand des Stadtteils liegenden Haltepunktes der Glückauf-Bahn (Regionalbahn 46). Er liegt am östlichen Rand des Bochumer Stadtteils Hamme an der Bahnstrecke Bochum–Gelsenkirchen und gehört als Durchgangsbahnhof zur Bahnhofskategorie 5. Die Regionalbahn 46 verbindet Gelsenkirchen, Wanne-Eickel und Bochum miteinander. Kurz vor Hamme wird die Strecke für die Personenbeförderung eingleisig, die beiden anderen Gleise werden nur für den Güterverkehr genutzt.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Kirchen zählt die Herz-Jesu-Kirche.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bochum-Hamme – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Jahrbuch der Stadt Bochum 2006 (pdf)
  2. Die Einwohnerzahlen sind nach statistischen Bezirken und nicht nach den Gemarkungen angegeben, die Zahlen hierfür sind im Artikel Einwohnerentwicklung von Bochum
  3. Stadt Bochum: Bochumer Zeitpunkte online, 2. Heimatbuch 1927, Beiträge zur Geschichte..., Dr. Höfken
  4. Stadt Bochum: Bochumer Zeitpunkte online, 5. Heimatbuch 1951, Personenstandsaufnahme..., Albert Lassek
  5. Stadt Bochum: Bochumer Zeitpunkte online, 7. Heimatbuch 1958, Landesaufnahme von 1670–1688 im Amte Bochum, Autor: Heinrich Friemann.
  6. Stadt Bochum, Amt für Geoinformationen, Liegenschaften und Kataster: Gemeindekarte Hamme 1823-1824.
  7. Stadt Bochum, Amt für Geoinformationen, Liegenschaften und Kataster: Urmesstischblätter 1839-1842.
  8. Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817 – 1967. Aschendorff, Münster (Westfalen) 1977, ISBN 3-402-05875-8.
  9. Ruhr-Bauten