Harald Grill

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Der Schriftsteller Harald Grill unterwegs

Harald Grill (* 20. Juli 1951 in Hengersberg) ist ein deutscher Schriftsteller. Sein Werk umfasst bairische und schriftdeutsche Gedichte, Erzählungen, Theaterstücke, Hörspiele und Radio-Features.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1956 kam Harald Grill mit seinen Eltern nach Regensburg. Von 1973 bis 1988 arbeitete er als Pädagogischer Assistent, seither ist er freier Schriftsteller. Er lebt seit 1978 mit seiner Familie in der Gemeinde Wald (Oberpfalz). In den 1980er Jahren wurde er mit kritischen Texten zu Themen wie Heimat, Krieg und Umweltzerstörung bekannt; sein Stück Jorinde und Joringel im Wackersdorfer Wald (UA 1988 im Theater Regensburg) bezieht sich auf die Kontroverse um die geplante Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf. 1989/90 war Harald Grill Stipendiat in der Drehbuchwerkstatt der Hochschule für Fernsehen und Film München. Überregionale Aufmerksamkeit fand 2000/01 sein Projekt „Zweimal heimgehen“: zwei Spaziergänge, einmal vom Nordkap und danach von Syrakus zu Fuß nach Regensburg.

Im Zentrum des Schaffens von Harald Grill steht zwischen 1989 und 2014 eine Romantrilogie des Gehens. 1995 erschien der Roman „Hochzeit im Dunklen“. Harald Grill erzählt darin die Liebesgeschichte seiner Eltern, von der Heimkehr eines beinamputierten Bauernsohnes und dessen Liebe zu einem schlesischen Flüchtlingsmädchen. Hinter dem Markt Steinberg im Roman, verbirgt sich der niederbayerische Markt Hengersberg.
2010 folgte „Gehen lernen, ein Roman in Geschichten“, in dem Harald Grill eine Kindheit in den 1950er und 1960er Jahren beschreibt. Eine wichtige Rolle spielt hier auch das Gehenlernen in der Sprache, ob es nun um die Schriftsprache handelt, um den unterdrückten bairischen Dialekt, das unverständliche Latein der Ministranten oder das geheimnisvolle Englisch der Ami-Soldaten.
Bereits seit 2002 arbeitet der Autor an einem Doppelroman-Projekt. Auch in diesen beiden bisher noch nicht erschienenen Reiseromanen steht das Gehen im Mittelpunkt, das Gehen, das Tragen und das Sammeln, ob es nun konkret um den Rucksack geht oder um Erinnerungen und Materialsammlungen. Wie kann man das Loslassen lernen, wenn man zu seiner Geschichte stehen will. Als Folge seines Projektes „Zweimal heimgehen“( 2000/2001) „erging“ er sich mit zwei Spaziergängen den Kontinent Europa als Raum der Erinnerung, in den sich das eigene Leben und die Biografien von Freunden und Bekannten, auch von Leuten, die er unterwegs getroffen hat, ebenso einordnen lassen wie die geschichtliche und geografische Gegebenheiten. Die Gedichte des Bandes „auf freier strecke“ kann man als Wegemarkierungen verstehen, die den Weg von der Liebesgeschichte der Eltern über die Kindheit in Regensburg, die mit dem Tod des Vaters endet, bis zu den „Spaziergängen durch Europa“ abstecken.

Harald Grill ist Mitglied der Neuen Gesellschaft für Literatur, Erlangen (NGL), des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS) und des PEN-Zentrums Deutschland.

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2011 15. Landshuter Literaturtage: Harald Grill und der bairische Dialekt, mit zahlreichen Veranstaltungen und einer Ausstellung zum 60. Geburtstag des Schriftstellers

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lyrik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • eigfrorne gmiatlichkeit. bairische gedichte und epigramme. Passau (Passavia) 1980. 3. Aufl. 1992. ISBN 3-87616-169-X
  • die fünfzehnte kreuzwegstation. gedichte. Hauzenberg (Edition Toni Pongratz) 1984
  • wegzehrung. gedichte. Hauzenberg (Pongratz) 1988
  • findling unterm herz. bairische gedichte. München (Süddeutscher Verlag) 1988
  • wenn du fort bist. gedichte. Hauzenberg (Pongratz) 1991. – Neufassung 2003. ISBN 3-923313-70-5
  • einfach leben. bairische gedichte. Regensburg (MZ-Buchverlag) 1994. ISBN 3-927529-10-9
  • hinüber. gedichte. Viechtach (Edition Lichtung) 1996. 2. Aufl. 2003. ISBN 3-929517-13-2
  • nur gestürzte engel haben geduld. gedichte. Hauzenberg (Pongratz) 1998. ISBN 3-923313-94-2
  • nachricht vom lachenden engel. gedichte. Hauzenberg (Edition Pongratz) 2001
  • bairische gedichte. Viechtach (Lichtung) 2003. ISBN 3-929517-61-2
  • auf freier strecke. gedichte. München (Sankt Michaelsbund) 2008. ISBN 978-3939905271

Prosa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gute Luft - auch wenn's stinkt. Geschichten vom Land. Reinbek (Rowohlt) 1983 (= rororo rotfuchs 20332). ISBN 3-499-20332-4
    • Russische Ausgabe: 1990
  • Da kräht kein Hahn nach dir. Bernd zieht in die Stadt. Erzählung. Reinbek (Rowohlt) 1990 (= rororo rotfuchs 20548). ISBN 3-499-20548-3
  • Hochzeit im Dunkeln. Erzählung. Regensburg (MZ-Buchverlag) 1995. 2. Aufl. 1996. ISBN 3-927529-67-2. Neuausgabe: München (Sankt Michaelsbund) 2008. ISBN 978-3939905103
    • Zweisprachige Ausgabe, italienisch und deutsch: Matrimonio al Buio. Übersetzung: Giuseppe Causa, Vincenzo de Lucia. S. Felice a Cancello (Edizioni Melagrana Onlus) 2004
  • Hans im Glück – hin und zurück. Geschichten vom Land. Reinbek (Rowohlt) 1996 (= rororo rotfuchs 820). 2. Auflage 2000. ISBN 3-499-20820-2
  • Zu Fuß auf der Goldenen Straße. Eine literarische Wanderung von Pilsen nach Amberg, zusammen mit Friedrich Brandl und Bernhard Setzwein, München (Sankt Michaelsbund) 2009.
  • gehen lernen. Roman in Geschichten, München (Buchverlag St. Michaelsbund) 2010

Foto-Text-Bände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stilles Land an der Grenze. Fotos: Günter Moser. Amberg (Buch- und Kunstverlag Oberpfalz) 1996. ISBN 3-924350-48-5
  • Waldbuckelwelten. Fotos: Günter Moser, Konrad Jäger. Amberg (Buch- und Kunstverlag Oberpfalz) 1997. ISBN 3-924350-64-7
  • Gesichter eines Dorfes. Menschen und Dorf im Wandel der Zeit. Fotos Stefan Winkelhöfer. Amberg (Buch- und Kunstverlag Oberpfalz) 2009
  • Via Crucis. Augenblicke zwischen Licht und Dunkel. Fotos Stefan Winkelhöfer. München (Buchverlag St. Michaelsbund) 2011

Theaterstücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dem Hans sei Ganshaut oder wo die Liebe hinfällt. Frankfurt (Verlag Autorenagentur) 1985. UA 5. Oktober 1985 Regensburg (Städtische Bühnen, Theater am Haidplatz; Regie: Volkmar Kamm)
  • Jorinde und Joringel im Wackersdorfer Wald. Szenen einer Himmelsbeerdigung. Frankfurt (Verlag Autorenagentur) 1987. UA 6. November 1987 Regensburg (Städtische Bühnen, Theater am Haidplatz; Regie: Janina Pikowna)
  • Vater unser. 1997. UA: Regensburg (Städtische Bühnen)
    • Hörspielfassung: Koproduktion NDR, BR; Erstsendungen: 7. Juli 1996 (N4), 8. Juli 1996 (B2). Mit Dorothee Hartinger

Übersetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arbeiten fürs Radio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wenn ich meine Kinderschuh find. Zum 70. Geburtstag der Dichterin Margret Hölle. Feature. BR 1997
  • Madeline grüßt Regensburg. Der amerikanische Schriftsteller und Zeichner Ludwig Bemelmans und die Stadt seiner Kindheit. Essay. BR 1998
  • Aus dem Rottal in die weite Welt und wieder zurück. Das abenteuerliche Leben der Schriftstellerin Senta Dinglreiter (1893–1969). Essay. BR 2000
  • Aus der Welt der Waldeinsamkeiten. Der deutsch-tschechische Schriftsteller Karl/Karel Klostermann. Essay. BR 2000
  • Jäger auf dem Hoffnungsstrich. Franz Joachim Behnisch, ein Berliner Schriftsteller aus Weiden in der Oberpfalz. Essay. BR 2003
  • Jenseits der Leitplanken. Entlang der Goldenen Straße von Nürnberg nach Prag. BR 2006; Erstsendung 25. Dezember 2006 (B2)
  • Traumprotokolle eines Grenzbewohners. Besuch in Alfred Kubins Schlössl in Zwickledt. BR 2006; Erstsendung 31. Dezember 2006 (B2)
  • Grenze ist nur der Sternenhimmel. Neujahrsspaziergang mit der Schriftstellerin Barbara von Wulffen. BR 2006; Erstsendung 1. Januar 2007 (B2)
  • Jenseits der Kunst. Eine Reise zu vier bayerischen Künstlern, BR 2008
  • Ein Leben im Labyrinth. Der Schriftsteller Hans Baumann und die Last seiner Vergangenheit. BR 2008
  • Geschichten aus dem Stegreif. Der bairische Erzähler Wilhelm Diess. BR 2008; Erstsendung 4. Mai 2008
  • Ich bin eine deutsche Tschechin. Das Lebensbild der Dora Müller (* 1920). BR 2008; Erstsendung 4. Oktober 2008
  • Rambo Rimbaud. Ein Dichter als Waffenhändler. BR 2012; Erstsendung 22. April 2012
  • Das Schtetl im Kopf oder: Der kurze Weg von Kiew nach München. Der Geschichtenerzähler Alexander Kostinskij. BR 2014; Erstsendung 7. Juni 2014
  • „Komm in den totgesagten Park und schau…“. Natur und Landschaft zwischen Kunstwerk und Wildnis. BR 2014; Erstsendung 12. Juli 2014
  • „So viele Ränder“ Eine Balkanreise in drei Teilen. BR 2015; Erstsendung 25./26./27. Dezember 2015 (Online)

Hörbuch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • hinüber. Sprecher: Harald Grill; Musik: Duo De Clarinettes-Basses (Mike Reisinger, Norbert Vollath). Viechtach (Lichtung) 2003. ISBN 3-929517-43-4
  • Zu Fuß auf der Goldenen Straße. Drei Autoren unterwegs, begleitet vom Duo De Clarinettes-Basses. München (Sankt Michaelsbund) 2009.

Vertonungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Wenk (* 1970): kleines triptychon – drei gedichte von harald grill für zwei stimmen (2007/08). UA 3. Juni 2008 Regensburg (Festsaal des Bezirks Oberpfalz; Duo Parkdeck: Klaus Wenk [Tenor], Alois Späth [Bariton])
1. kreuzblume („stengel die / quader pfeiler und streben…“; aus nachricht vom lachenden engel) – 2. im paradies („du reichst mir einen apfel…“; aus wenn du fort bist) – 3. schlussstein („staub bist du gewesen…“; aus nachricht vom lachenden engel)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]