Pegnitz (Fluss)

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Pegnitz
Die Pegnitz als südliche und östliche Begrenzung der Fränkischen Schweiz

Die Pegnitz als südliche und östliche Begrenzung der Fränkischen Schweiz

Daten
Gewässerkennzahl DE: 2422
Lage Bayern
Flusssystem Rhein
Abfluss über Regnitz → Main → Rhein → Nordsee
Quelle bei Pegnitz aus der Pegnitzquelle
49° 45′ 29″ N, 11° 32′ 16″ O
Quellhöhe 426 m ü. NN[1]
Quellschüttung MQ
5 l/s
Zusammenfluss nordwestlich der Altstadt von Fürth mit der Rednitz zur RegnitzKoordinaten: 49° 29′ 12″ N, 10° 59′ 12″ O
49° 29′ 12″ N, 10° 59′ 12″ O
Mündungshöhe 282 m ü. NN[1]
Höhenunterschied 144 m
Länge ca. 112,8 km[2] 
ca. 127,3 km[3] mit Fichtenohe
Einzugsgebiet 1230,32 km²[3]
Abfluss am Pegel Nürnberg Lederersteg[4]
AEo: 1197,58 km²
Lage: 6,47 km oberhalb der Mündung
NNQ (-)
MNQ 1911/2012
MQ 1911/2012
Mq 1911/2012
MHQ 1911/2012
HHQ (1909)
3,48 m³/s
6,76 m³/s
11,5 m³/s
9,6 l/(s km²)
59,4 m³/s
370 m³/s
Linke Nebenflüsse Fichtenohe, Flembach, Hirschbach, Högenbach, Happurger Bach, Hammerbach, Sandbach, Röthenbach, Goldbach
Rechte Nebenflüsse Sittenbach, Schnaittach, Röttenbach, Bitterbach, Tiefgraben
Durchflossene Stauseen Wöhrder See
Großstädte Nürnberg, Fürth
Mittelstädte Lauf an der Pegnitz
Kleinstädte Pegnitz, Hersbruck, Röthenbach an der Pegnitz
Während die Pegnitz etwa 15 Minuten für das „Umfließen“ des Wasserberges braucht, dauert der unterirdische Durchfluss circa 180 Minuten

Während die Pegnitz etwa 15 Minuten für das „Umfließen“ des Wasserberges braucht, dauert der unterirdische Durchfluss circa 180 Minuten

Die Pegnitz ist ein Fluss in Franken, der sich nach einem fast 113 km langen, insgesamt südwestlichen Lauf in Fürth mit der linken Rednitz zur Regnitz vereint. Auf dem Fließweg mit seinem längeren und auch wasserreicheren Oberlauf Fichtenohe ist er sogar über 127 km lang.

Namensdeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flussname Pegnitz geht zurück auf den Namen „Paginza“ von 889 und wird als Ableitung mit einem -nt-Suffix zu indogermanisch bhog- = fließendes Wasser gesehen. 1119 bei der ersten urkundlichen Erwähnung der Stadt Pegnitz ist sie als „Begenze“ und 1196 als „Begnitz“ zu finden, bevor der heutige Name 1329 erwähnt wurde. In Franken wird sie auch oft „Bengertz“ genannt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle und Oberlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Pegnitzquelle

Die Quelle der Pegnitz befindet sich in der Stadt Pegnitz am Osthang des Schloßbergs (543 m ü. NN): Aus einer an diesem Berg in 425 m Höhe gelegenen Karstquelle fließt das Wasser der Pegnitz durch das Pegnitzer Stadtgebiet. Der Großteil des dortigen Pegnitzwassers kommt jedoch nicht von dieser Quelle, sondern entspringt im Lindenhardter Forst als Fichtenohe, die in Richtung Pegnitz fließt und im Stadtgebiet in den kurzen Bach aus der Pegnitzquelle mündet.

Fichtenohe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Fichtenohe
Die längere und deutlich wasserreichere Fichtenohe (hinten rechts) mündet in die Pegnitz (kleiner Wasserfall links) aus der Pegnitzquelle

Die Fichtenohe ist ein ca. 14,7 km[2] langer linker Zufluss der am Zusammenfluss erst etwa hundert Meter langen Pegnitz. Manche rechnen die Fichtenohe auch zur Pegnitz und sehen in diesem Namen nur als Nebennamen für den Oberlauf der Pegnitz. Sie entspringt im Lindenhardter Forst nördlich von Lindenhardt nahe der A 9. Von dort fließt sie recht beständig nach Süden und teilt sich in Pegnitz in zwei Arme. Obwohl der in die nur wenige Meter lange Pegnitz einmündende rechte Arm der Fichtenohe bereits in Pegnitz recht stattlich auftritt und diese in der Wasserführung übertrifft, heißt der Bach ab dort Pegnitz (49° 45′ 26″ N, 11° 32′ 18″ O).

Craimoosweiher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Craimoosweiher

Der Craimoosweiher ist ein fast 15 Hektar großer Teich, der sich auf der Wasserscheide von Main und Pegnitz befindet. Das Wasser aus dem unter Naturschutz stehenden Craimoosweiher fließt sowohl nach Norden in den Roten Main als auch nach Süden über den Weihergraben in Richtung Pegnitz ab. Damit ist der Teich nicht nur eine hydrografische Besonderheit, sondern auch der Ursprung eines Kreises, der sich letztlich durch die Einmündung der Regnitz in den Main wieder schließt – eine in Europa recht seltene Gewässerbifurkation.

Bachkreuzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine weitere Besonderheit ist eine sogenannte Bachkreuzung in einem kleinen Park in Pegnitz, dem Wiesweiher. Dort unterquert der aus der Teilung hervorgegangene linke Arm der Fichtenohe, der Mühlbach, die geradeaus fließende Pegnitz (also seinen früheren rechten Arm) mit Hilfe eines Dükers von Nord nach Süd und fließt weiter zum Wasserberg.[5]

Unterirdischer Durchfluss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wiederaustritt der Fichtenohe aus dem Wasserberg
(49° 44′ 56″ N, 11° 33′ 3″ O)

Am Naturdenkmal „Unterirdischer Durchfluss“ umfließt die Pegnitz den Wasserberg in weitem Bogen, während die Fichtenohe an der Röschmühle im Berg verschwindet. Nach 320 Meter Luftlinie tritt das Flüsschen am Südhang des Berges wieder aus und wendet sich endgültig der Pegnitz zu. Wie die Fichtenohe innerhalb des Berges fließt, ist unbekannt. Versuche mit angefärbtem Wasser ergaben jedoch, dass sie auf ihren verschlungenen Wegen durch das unterirdische Felsgeklüft etwa viermal so viel Zeit benötigt wie die oberirdische Pegnitz. Die Schüttung am Wiederaustritt hat inzwischen erheblich nachgelassen, um die Jahrhundertwende sprudelte das Wasser am Südhang des Wasserberges noch kraftvoller aus dem Kalkstein. Außer dieser Hauptaustrittsstelle sind noch vier bis sechs weitere kleine Pseudoquellen bekannt, die besonders bei Hochwasser nach Gewittern zu beobachten sind.

Flusslauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pegnitz fließt in südlichen Richtungen über Neuhaus und Velden durch den Naturpark Fränkische Schweiz-Veldensteiner Forst und dann durch die Hersbrucker Schweiz über Hersbruck. Danach verläuft sie in westlicher Richtung über Lauf und Nürnberg nach Fürth. Nördlich der Fürther Innenstadt vereinigt sie sich auf 283 Meter Höhe mit der Rednitz zur Regnitz.

Zuflüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tabelle mit größeren Zuflüssen, vom Ursprung zur Mündung. Fließgewässerkennziffer GKZ zur besseren Lesbarkeit mit Trenner nach dem gemeinsamen Präfix 2422, der GKZ der Pegnitz selbst. Länge jeweils mitsamt der Hauptstrang-Oberlauffolge.[6]

Name
 
GKZ
 
Länge
[km]
von
 
Mündungsort
 
Bemerkung
 
Fichtenohe 2422-0000 14,70 links Pegnitz [7] Ortsüblicher Name Fichtenohe, Hauptname Pegnitz.
Flembach 2422-2000 18,58 links Auerbach in der Oberpfalz, Stadtteil Michelfeld Nur kurzer Namensunterlauf Flembach nach Zusammenfluss von Fenkenwaldbach und Goldbrunnenbach.
Hirschbach (Wildbach) 2422-3200 13,64 links Pommelsbrunn, Ortsteil Eschenbach.
Högenbach 2422-4000 20,55 links Pommelsbrunn
Happurger Bach 2422-5200 17,08 links Happurg
Sittenbach 2422-5400 12,07 rechts Hersbruck, Stadtteil Altensittenbach
Hammerbach 2422-5600 13,64 links Henfenfeld
Sandbach 2422-5800 06,14 links Reichenschwand
Schnaittach 2422-6000 17,40 rechts Grenze Ottensoos/Neunkirchen am Sand
Nessenbach 2422-7200 06,05 links Neunkirchen am Sand, ggü.
Röttenbach 2422-7400 12,93 rechts Neunkirchen am Sand
Himmelbach 2422-7600 03,52 links Lauf an der Pegnitz
Bitterbach 2422-7800 06,91 rechts Lauf an der Pegnitz
Röthenbach 2422-8000 20,99 links Röthenbach an der Pegnitz
Schneidersbach 2422-9200 08,18 links Nürnberg-Laufamholz
Langwassergraben 2422-9320 07,98 rechts Nürnberg-Erlenstegen
Tiefgraben 2422-9400 03,43 rechts Nürnberg-Erlenstegen
Goldbach 2422-9600 10,35 links Nürnberg-Wöhrd

Städte an der Pegnitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Pflegerschloss am Pegnitzufer in Velden
Ein Arm der Pegnitz in der Nürnberger Altstadt
Weinstadel und Wasserturm an der Pegnitz in Nürnberg
Wasserschöpfrad an der Pegnitz in Nürnberg in Betrieb

Von der Quelle bis zur Mündung:

  • Pegnitz
  • Velden an der Pegnitz
  • Hersbruck
  • Lauf an der Pegnitz
  • Röthenbach an der Pegnitz
  • Nürnberg: Im Stadtgebiet (ca. 14 km) bildet der Fluss Nebenarme aus. Im östlichen Stadtgebiet ist der Fluss zum Wöhrder See aufgestaut. Zahlreiche Brücken und Stege überqueren das Gewässer; u. a. die eiserne Hängebrücke (Kettensteg) aus dem Jahre 1824. Westlich der Maxbrücke gibt es ein Wehr. Im westlichen Stadtbereich wurde der Fluss in mehreren Abschnitten von 1998 bis 2001 renaturiert; dabei orientierte man sich an dem historischen Flussbett. Dort wurde auch ein Schöpfrad nach historischem Vorbild neu errichtet.
  • Fürth: Zahlreiche Brücken und Stege sind vorhanden. Im Rahmen des Projektes Uferstadt Fürth (Umgestaltung des ehemaligen Grundig-Firmensitzes zu einem Businesspark) wurde der Fluss 2003 im östlichen Stadtgebiet in ein naturnahes Bett gelegt; auf einer Länge von einem Kilometer sind zwei neue Schleifen und abgeflachte Ufer entstanden. Ein Teil des ehemaligen Flussbettes wurde als Altwasser beibehalten. Diese Maßnahme wurde von der Europäischen Union kofinanziert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenigstens seit dem Mittelalter ist die Pegnitz eine bedeutende Wirtschaftsader für die Region. Der Fischreichtum diente der Nahrungsversorgung und die Wasserkraft nutzte man für den Antrieb der Mühlen. 1390 baute Ulmann Stromer die Gleißmühle an Pegnitz zur ersten Papiermühle nördlich der Alpen um, der Hadermühle (Hadern = Lumpen).

Nach dem großen Hochwasser im Februar 1909 (mit einem Abfluss von 370 m³/s) wurde der Fluss durch Begradigungen im Nürnberger Stadtgebiet um etwa vier Kilometer verkürzt.

Seit 1996 sind Planungen und Maßnahmen im Gange, den Lauf des Flusses zwischen Nürnberg und Fürth durch Schleifen wieder zu verlängern und somit naturnah zu gestalten.

Bildung und Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Östlich der Nürnberger Kernstadt zwischen Mögeldorf und Hammer bei Laufamholz hat das Wasserwirtschaftsamt Nürnberg den Naturerlebnispfad Pegnitztal-Ost mit über 20 Stationen eingerichtet. Der Weg ist einsehbar in OpenStreetMap unter [8]

Die Pegnitz weist wenige Stromschnellen und Staustufen auf und kann in einigen Abschnitten mit Kanu- und Kajak befahren werden. Seit 2012 darf die Pegnitz im westlichen Stadtgebiet von Nürnberg ab Höhe Lederersteg wieder mit kleinen Wasserfahrzeugen ohne Antrieb befahren werden. [9] Das Befahrungsverbot in der Innenstadt ist aus Sicherheitsgründen (z. B. unbefahrbare Wehre ohne Umtragemöglichkeit, hohe Ufermauern) weiterhin gültig.

Auf einer Strecke des oberen und mittleren Pegnitztales von etwa 30 km verläuft ab Hersbruck bzw. ab Hohenstadt der Pegnitztalradweg.

Listen und verwandte Themen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz X. Bogner: Die Pegnitz aus der Luft. Ellwanger, Bayreuth, ISBN 978-3-925361-74-6.
  • Herbert Liedel; Helmut Dollhopf: Die Pegnitz. Augenblicke eines Flusses. Mit Beiträgen von: Kurt Endres, Jürgen Franzke, Walter Gallasch, Klaus Schamberger – Würzburg: Stürtz, 1982, 120 S., ISBN 3-8003-0190-3
  • Max Schäfer: Die schönsten Wanderungen rechts und links der Pegnitz [Bleistiftzeichnungen: Oskar Koller. Fotos und Wanderskizzen: Max Schäfer]. – Lauf a.d. Pegnitz: Fahner, 1984, 96 S.
  • BAIER, A., ROOSTAI, A. & SCHWOPE, J. (1994): Karsthydrogeologische Untersuchungen am "Wasserberg" bei Pegnitz (Oberfranken).- Geol. Bl. NO-Bayern 44, 1/2: 15-102, 26 Abb., 6 Tab., 2 Taf., Erlangen 1994.
  • Max Schäfer: Highlights rechts und links der Pegnitz. Mit dem VGN-Ticket in der Rucksacktasche. Lauf: Fahner, 2001, 72 S., ISBN 3-924158-58-4
  • 10 Jahre Fischerei-Hegegemeinschaft Pegnitz 1981–1991. Lauf: Fischerei-Hegegemeinschaft Pegnitz, 1991, 46 S.
  • Dieter Piwernetz: Die Pegnitz. Ein Nachschlagewerk für Fischer und Naturfreunde und Festschrift anläßlich des 20-jährigen Bestehens der „Fischerei – Hegegemeinschaft Pegnitz“. Redaktionelle Mitarbeit: Jürgen Balk … – Nürnberg: Korn und Berg, 2002, 272 S., ISBN 3-87432-210-6
  • Ewald Glückert: Stadt und Fluss – Lauf und die Pegnitz. Unter Mitarbeit von Ursula Maget … – Oschersleben: Ziethen, 2003, 117 S., ISBN 3-935358-64-4 (ZeitenLauf; Bd. 3)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Höhe abgefragt auf: BayernAtlas der Bayerischen Staatsregierung (Hinweise) (mit Rechtsklick)
  2. a b Nach Verzeichnis der Bach- und Flussgebiete in Bayern – Flussgebiet Main, Seite 41 des Bayerischen Landesamtes für Umwelt, Stand 2012 (PDF; 3,3 MB) und Längenmessung des Gewässerabschnitts ab dem Zufluss des Erlbachs in die Fichtenohe bis zum Zusammenlauf mit dem Abfluss der Pegnitzquelle sowie von dessen eigener Länge, beides auf: BayernAtlas der Bayerischen Staatsregierung (Hinweise)
  3. a b Verzeichnis der Bach- und Flussgebiete in Bayern – Flussgebiet Main, Seite 41 des Bayerischen Landesamtes für Umwelt, Stand 2012 (PDF; 3,3 MB)
  4. Hochwassernachrichtendienst des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (Hinweise) (Stand: 27. Oktober 2015)
  5. Foto der Bachkreuzung bei panoramio.com
  6. Verzeichnis der Bach- und Flussgebiete in Bayern – Flussgebiet Main, Seite 41 des Bayerischen Landesamtes für Umwelt, Stand 2012 (PDF; 3,3 MB) (bis Seite 46)
  7. Länge bis zum Zufluss des früher mündenden rechten Arms in die Pegnitz. Der weiter abwärts mündende linke kürzt auf offenem Laufabschnitt eine rechte Talschlinge ab und ist deshalb nur etwa 400–500 Meter länger, hinzu kommt die unterirdische Strecke durch den Wasserberg von mindestens noch einmal knapp 400 Metern.
  8. Openstreetmap: Naturerlebnispfad Pegnitztal-Ost
  9. Presseamt Nürnberg: Bootfahren auf der Pegnitz künftig erlaubt

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pegnitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien