Harlem Globetrotters

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Eugene Edgerson von den Harlem Globetrotters

Die Harlem Globetrotters sind das vermutlich bekannteste Basketball-Team der Welt. Sie kombinieren ihr kunstfertiges Basketballspiel gegen den seit den 60er Jahren immer gleichen Gegner mit Showelementen und Slapstick-Einlagen. Ihr Humor war in der Anfangszeit ethnischer Natur und schien Minstrel-Stereotypen zu verkörpern,[1] stellte tatsächlich aber den Archetypus des Tricksters in Form einer sogenannten verborgenen Überlieferung dar.

Neben dem Team als Ganzem sind zahlreiche Mitglieder der Globetrotters als Einzelpersonen in die Naismith Memorial Basketball Hall of Fame aufgenommen worden. Das Team hat mittlerweile in 122 Ländern weit mehr als 22.000 Spiele absolviert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Legende zufolge reichen die Anfänge des Teams zurück bis ins Jahr 1926, als Abe Saperstein als Coach und Besitzer die Basketball-Mannschaft des Savoy Ballrooms in Chicago übernahm, die „Savoy Big Five“. Obwohl weder Saperstein noch einer seiner Spieler aus New York stammten, soll er die Mannschaft in „Harlem Globe Trotters“ umbenannt haben. Zum einen sollte „Harlem“ auf die durchweg afrikanisch-amerikanische Zusammensetzung der Mannschaft hinweisen, zum anderen sollte mit „Globe Trotters“ eine Weitgereistheit der tingelnden Truppe symbolisiert werden.

Tatsächlich liegen die Anfänge der Harlem Globetrotters jedoch im Dunkeln und selbst die „offizielle“ Geschichtsschreibung musste mehrmals neu geschrieben werden.[2]

So ist beispielsweise der ursprüngliche Name des Teams ungeklärt. Es steht nicht fest, ob tatsächlich die Savoy Big Five wie behauptet die ursprünglichen Harlem Globetrotters waren oder doch eher Tommy Brookins's Globe Trotters. Verschiedene Szenarien sind denkbar: Ein Konkurrenzteam, ein abgeworbenes Spielerensemble unter neuem Namen oder ein Ersatz für ein überbuchtes Team. Tatsache ist, dass der Savoy Ballroom erst im November 1927 eröffnet wurde, die noch namenlosen Savoy Big Five dort erst im Dezember spielten und dies keineswegs erfolglos, wie kolportiert wurde. Der Name Harlem Globe Trotters bzw. die ab den 40er Jahren und ab der Mitte der 50er Jahre ausschließlich verwendete Schreibweise Harlem Globetrotters existiert jedenfalls erst seit 1929.

Sapersteins Rolle ist völlig dubios. Die Autoren Nelson George und Ben Green stimmen darin überein, dass Saperstein im Gegensatz zu Dick Hudson und später Al Monroe nicht als Coach, sondern als weißer Strohmann angestellt wurde und damit als Booking Agent. Er war seinen Geschäftspartnern ein gleichberechtigter Partner, erhielt aber aus den Einnahmen an der Tür einen doppelten Anteil, um für die Ausgaben aufzukommen. Erst mit dem graduellen Rückzug der ursprünglichen Spieler Mitte der 30er Jahre übernahm er als dienstältestes Mitglied die Organisation, teilte die Einnahmen nicht länger auf, sondern zahlte den angestellten Spielern stattdessen eine Pauschale von $  7,50 pro Spiel.

Es ist überliefert, dass die Globetrotters — sobald sie sich eine komfortable Führung erspielt hatten — diverse Tricks und Showeinlagen zeigten. Auf diese Weise entwickelte sich das Team in Richtung einer Show-Truppe, was heute zum Hauptstandbein für die weltweit tourenden Globetrotters geworden ist. Slapstick und Trick-Spiel der Globetrotters nahmen ihren Anfang in den 30er Jahren, weil Saperstein annahm, dass Humor die Feindseligkeit unterschwelliger rassischer Konkurrenz im Wettkampf entschärfen könnte. Dabei interpretierte Saperstein den Humor jedoch in der rassistischen Manier der in den Nordstaaten entwickelten Minstrel-Tradition, deren Elemente er zu betonen versuchte.

Der offiziellen Geschichtsschreibung des Buches Around The World with the Harlem Globetrotters von 1953 zufolge, das Dave Zinkoff, General Manager der Europatournee von 1952 mit Edgar Williams geschrieben hatte, begann das Trick-Spiel 1939 in Woodfibre, British Columbia in einer angespannten Situation. Point Guard Al „Runt“ Pullins soll verfügt haben, durch überlegenes Spiel rassistische Zwischenrufe sanktionieren zu wollen.

An dieser Version ist einiges bemerkenswert. Rassistische Übergriffe sind zwar auch in Kanada nicht ausgeschlossen, mit dieser Version findet aber gleichzeitig eine Neuschreibung der Geschichte statt, denn Kanada war immerhin das historische Ziel der Underground Railroad. Bemerkenswert ist auch, dass keine Presseberichte über diesen Vorfall existieren, sehr wohl aber erstens über ein bedeutend früheres Auftreten des Trick-Spiels und zweitens über mehrere körperliche Auseinandersetzungen auf amerikanischem Boden in der Vergangenheit, die aber sämtlich von den Globetrotters selbst ausgegangen sein sollen (was angesichts des allgemeinen gesellschaftlichen Drucks auf afrikanische Amerikaner nicht viel zu heißen hat). Diese immer wiederkehrenden Auseinandersetzungen wurden mit Ausnahme des Woodfibre-Vorfalls jedoch vollständig aus der Geschichte der Globetrotters getilgt.

Beim ersten World Professional Basketball Tournament kamen die Globetrotters 1939 bis ins Halbfinale, unterlagen dort aber dem späteren Turniersieger, der New York Renaissance. Ein Jahr später besiegten sie im Finale des Turniers die Chicago Bruins und schafften damit ihren Durchbruch. Im März 1944 kam es bei der Austragung des gleichen Turniers vor über 11.000 Zuschauern zu einem Eklat in einem legendären Spiel gegen die Oshkosh All-Stars. Die All-Stars verließen beim Stand von 31—41 sechs Minuten vor Schluss das Parkett. Die Spielweise der Oshkosh All-Stars war schon immer körperbetont rustikal gewesen oder wenigstens immun gegen die Modernisierung und Verfeinerung des Spiels in den 30er Jahren, doch in diesem Spiel wurden sogar Fäuste und Ellbögen eingesetzt und zwei weiße Zuschauer verhaftet, weil sie das Spielfeld stürmten. Es wird vermutet, dass das Team aus Chicago, als sein Vorsprung dies zuließ, seinen berühmten Stil des Trick-Basketballs einsetzte, was die All-Stars zutiefst frustriert haben muss.

Der Clown-Prince[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wurzeln des Clownings liegen im Baseball. Im schwarzen Baseball der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts war es üblich, dass jeder Spieler wenigstens einen Trick-Spielzug vorführte, vorzugsweise zu Beginn der zweiten Spielhälfte im sechsten Inning. Neben ihren Spielen in den Negro Leagues spielten viele afrikanisch-amerikanische Baseballteams in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts auch Challenge Games gegen weiße Kleinstadt-Mannschaften, um ihr Einkommen aufzustocken. Dabei wurde diese Tradition wieder aufgegriffen. Der Grund liegt auf der Hand: Der Spielstand sollte bewusst niedrig gehalten werden, um im nächsten Jahr erneut eingeladen zu werden, gleichzeitig wollte aber auch das Publikum unterhalten sein.

Da Abe Saperstein neben Basketball auch Baseball-Spiele buchte, war er mit dem Erfolg der Cincinnati Ethiopian Clowns (auch: Indianapolis/Cincinnati Clowns und Indianapolis Clowns), die vor bis zu 40.000 Zuschauern spielten, nur zu gut vertraut. Ihr Humor war überwiegend rassischer Natur. Im Mittelpunkt stand der First Baseman, der die First Base aufreizend spät und lässig anschlug, um den Schlagmann zu „verbrennen“. Er war auch der Führungsclown, der von seiner Position aus Publikum, Gegner und Werfer adressieren sollte.

Dieser Clown Prince war Reece „Goose“ Tatum, den Saperstein im Herbst 1942 rekrutierte. Wie zuvor und auch danach in erster Linie auf Grund dessen körperlicher Eigenschaften (Tatum konnte, ohne sich zu bücken, seine Knie berühren) — Eigenschaften, die den physischen Karikaturen afrikanischer Amerikaner in den Minstrel-Shows entsprachen. Doch Tatum war ein Naturtalent, das erst nach seinem zwanzigsten Geburtstag das Basketballspiel erlernte und dennoch perfektionierte.[3]

Nach einer Saison wurde er jedoch zunächst zu den Heeresfliegern in Lincoln, Nebraska eingezogen und kam als blutiger Basketballanfänger bis Kriegsende unter die Top Ten der punktbesten Dienstbasketball-Spieler der gesamten Nation. 1946 kehrte der ehemalige First Baseman der Black Colonels und der Zulu Cannibal Giants zurück zu den Cincy Clowns, für die er sogar an einem All-Star-Game teilnahm, und gleichzeitig zu den Harlem Globetrotters.

Showelemente und Trick-Spiel gab es bei den Globetrotters bereits vorher, wie beispielsweise Sonny Boswells Field Goal 1941 in Football-Manier,[4] doch Tatum führte das Vollzeitentertainment ein. Dazu brachte er nicht nur seine Persona als Clown Prince mit, sondern auch die Wiederbelebung nach einer Ohnmacht durch das Riechen am eigenen Schuh und die Pepperball/Shadowball-Routine, die bei den Globetrotters jedoch Magic Circle heißen sollte. Dabei wird der Baseball immer schneller von Baseman zu Baseman geworfen, bis er irgendwann fallen gelassen wird, während das Tempo der Wurfbewegungen aber weiter zunimmt.

Ein deutlicher Verweis auf die Minstrel-Tradition mit ihren Jim Crow- und Zip Coon-Figuren und ihrer karikierenden Darstellung afrikanischer Amerikaner war die Verwendung der Globetrotters-Hymne „Sweet Georgia Brown“ in der Version des Minstrel-Künstlers Brother Bones während jenes Magic Circle. Diese dem (deutschen) Karneval in ihrem bewussten Dilettantismus ähnlichen Varieté-Shows mit zur Hälfte kostümiertem, zur Hälfte uniformiertem Orchester, exzentrischen Tänzen, Slapstick-Humor und einem Stump Speech (eine politische Büttenrede durch einen weißen Darsteller in Blackface-Maskierung) stellten Schwarze als zu groß geratene Kinder dar mit einem Hang zum Aberglauben, zur Naivität, Faulheit, Disziplinlosigkeit, Ignoranz, Verantwortungslosigkeit hin zu drohender Selbstverstümmelung, zur Verschlagenheit, zur Musik und dem Sinnlichen.

Die Affenlaute der Globetrotters, ihre „Yassuh, Yassuh!“-Rufe und grimassenschneidender Gummi-Galopp über das Parkett entsprachen natürlich dieser Karikatur des afrikanischen Amerikaners, doch Tatum bediente sich in diesem Mainstream-Kosmos, in dem die weiße Angst vor der Rache der ehemaligen Sklaven durch Minstrel-Stereotypen gedämpft wird, des hidden transcripts, der verborgenen Überlieferung, die Subversion suggeriert anstatt explizit ausspricht. Dieses hidden transcript, das auf eine Theorie von James C. Scott zurückgeht, ist für afrikanische Amerikaner erkennbar und wird in den in ihren Kreisen äußerst beliebten Trickster-Erzählungen verwendet und gelehrt. Die afrikanisch-amerikanischen Trickster-Erzählungen sind dabei unzweifelhaft durch den transatlantischen Sklavenhandel beeinflusst und gelten als Handlungs- und Rollenmodelle in suppressiven Gesellschaften, in denen die Notwendigkeit „amoralischer“ Handlungen zum Zwecke des Überlebens betont wird.

Paul Laurence Dunbars Gedicht „We wear the mask“ gibt Aufschluss über die den Spitznamen der meisten Basketballspieler zu Grunde liegende zwiegespaltene Persönlichkeit, nämlich der eigenen, sowie jener dem weißen Unterdrücker gegenüber gezeigten. Und Tatums Spitzname „Goose“, also „Gans“, unzweifelhaft ein Beutetier, steht selbstverständlich in einem historischen Kontrast zu etwa Kobe Bryants „Black Mamba“ und verkörpert jene Maskierung des Tricksters.

Goose Tatum schlich sich häufig in übertriebener Pantomime davon, entweder in den Huddle der gegnerischen Spieler hinein, um ihre Taktik zu erfahren oder aus der eigenen Feldverteidigung heraus — augenscheinlich aus Faulheit, aus Verantwortungslosigkeit oder schlicht weil andere Ablenkungen seine Aufmerksamkeit fesselten. Sobald die Globetrotters den Ball unter dem eigenen Korb erkämpft hatten, kehrte er auf das Spielfeld unter den gegnerischen Korb zurück und fing einen von einem Mitspieler aus der eigenen Zone über das gesamte Spielfeld geworfenen Ball. Dann drehte er sich um und warf den Ball über die Schulter in den Korb. So versöhnte er sich mit dem weißen Publikum, indem er einen ergaunerten leichten Ball künstlich erschwerte.

Tatums Klage 1955 gegen Pan Am zeigt, dass er ein Rassenbewusstsein besaß. Und er fühlte sich offensichtlich nicht angemessen entlohnt. Die Tatsache, dass die Globetrotters in Buch, Film und Fernsehen waren, bewies ihren medialen Wert, doch Werbeerlöse aus Coca-Cola-Kampagnen mit den Konterfeis Tatums oder anderer Globetrotters, wie des Backcourt-Spielers und Dribble-Künstlers Marques Haynes, flossen in erster Linie Saperstein zu.

Es wurden darüber hinaus wiederholt rassistische Äußerungen Sapersteins, der sich gern als „jüdischer Abraham Lincoln“ gerierte, gegenüber (weißen) Journalisten überliefert. Das Verhältnis der Spieler zu Abe Saperstein war auch deshalb zwiespältig. Der 2017 verstorbene Connie Hawkins, der die Globetrotters-Show als „Uncle Tom-Performance“ bezeichnete,[5] empfand ihn als paternalistisch: „Er war gut zu dir, solange du die Rolle des dankbaren Jungen spieltest.“[Anm. 1][6] Auch Meadowlark Lemon empfand eine Hass-Liebe zu ihm, weil man um Urlaub zu betteln hatte. Globetrotters wurden zwar besser bezahlt als die meisten afrikanischen Amerikaner, jedoch weitaus geringer als ihre Gegner in der World Series of Basketball oder NBA-Spieler. Während letztere aber 60 Spiele zu bestreiten hatten, mussten Globetrotters mit lediglich zwei Reservespielern über 200 oder sogar 300 Spiele machen, allein in den Südstaaten zwei am Tag, wegen der Rassentrennung nämlich sowohl für ein weißes als auch ein schwarzes Publikum.

Marques Haynes verließ deswegen die Globetrotters, um 1954 die Harlem Magicians zu gründen, denen sich Tatum 1955 anschloss. Es gab in der Folge noch weitere Konkurrenzorganisationen der Globetrotters, wie z.B. Tatums eigene Harlem Roadkings, die Saperstein aus Rachsucht für ihre Abtrünnigkeit gern mit Prozessen überzog. Haynes lehnte später ein Angebot der Philadelphia Warriors ab, das ihn zum zweitbestbezahlten NBA-Spieler gemacht hätte, weil er herausgefunden hatte, dass Saperstein Teilhaber von Eddie Gottliebs Franchise war. Als Saperstein 1966 starb, erschien Haynes dennoch bei seiner Beerdigung, um sich, wie er später behauptete, zu vergewissern, dass er auch wirklich tot sei.[7]

Die Harlem Globetrotters im Kalten Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu einer Minderheit unter den afrikanischen Amerikanern, wie dem Schauspieler Paul Robeson, wollten die wenigsten Schwarzen in Opposition zu den USA treten, sondern eine schrittweise Verbesserung hin zu einer Integration und schließlich zu einer Gleichberechtigung herstellen. Voraussetzung dafür war der Glaube an ein kapitalistisches Amerika unter der Überzeugung, dass Rassismus kein ökonomisches, sondern ein moralisches Problem war, sich also auch mit moralischen Mitteln lösen ließ. Auf den Punkt gebracht wird dies in dem bei Schwarzen wie Weißen populären Slogan „wer für demokratische Prinzipien sterben kann, verdient auch das Recht, diese zu genießen“, der zu Trumans Präsidialerlass Executive Order 9981 führte. Angesichts der von Truman postulierten Roten Bedrohung, mit und auf Grund derer die Allianz mit der Sowjetunion gekündigt wurde, mussten sich afrikanische Amerikaner somit zwangsläufig in den Dienst der Truman-Doktrin stellen, was sich erst in den 60er Jahren mit dem angedrohten Olympiaboykott schwarzer Athleten und zunehmender Solidarität mit schwarzafrikanischen Anti-Kolonialismus-Bewegungen ändern sollte. Größtes Handicap für die außenpolitischen Beziehungen der USA und damit die Ausweitung ihrer Einflusssphäre in Konkurrenz zur UdSSR war aber eben gerade die internationale Rezeption der US-amerikanischen Rassenpolitik.

Das universellste und beliebteste Schlachtfeld des Kalten Krieges war auf Grund von Symbolik und emotionaler Bindung international zweifellos der Sport. Er steht in allen ideologischen Systemen stellvertretend für persönlichen und sozialen Fortschritt und die Überlegenheit des repräsentierten politischen Gesellschaftssystems, das den Sportler hervorgebracht und ausgebildet hat. Auf Grund dieser universell verständlichen Symbolik gewähren Menschen eher sportlichen Wettbewerbern Vertrauen als Entwicklungshelfern sämtlicher anderer Lebensbereiche wie Bildung, Musik, Kultur oder dem Friedenscorps, das handwerkliches Know-how zur Verfügung stellt.

1950 wurden die Harlem Globetrotters erstmals ihrem Namen gerecht, indem sie aufbrachen, den Atlantik zu überfliegen, um mit den American All-Stars zusammen in 73 Spielen auf Europa- und Nordafrikatournee durch Marokko, Algerien, Portugal, Italien, Schweiz, Frankreich, Belgien, England und Deutschland zu gehen. Beide Teams hielten auf dieser Tour Basketball-Kliniken ab, spielten gegen lokale Teams — die All-Stars schlugen bspw. den portugiesischen Meister mit 79—9 — und traten abends schließlich gegeneinander an. Die Tournee war privatwirtschaftlich organisiert. Nach einem Spiel in Frankfurt am Main wurde Saperstein jedoch vom Hohen Kommissar John Jay McCloy gebeten, einen Auftritt in Berlin (West) zu geben.

Anlass war ein bolschewistisches „Dritte Welt-Festival der Jugend“ unter dem Motto „Für Frieden und Freundschaft — gegen Atomwaffen“ im August 1951 im sowjetischen Sektor, zu dem über zwei Millionen Teilnehmer aus über fünfzig Ländern erwartet wurden. Das Festprogramm wurde dabei in erster Linie von Musikern, Tänzern und Athleten des Ostblocks bestritten. Die amerikanischen Besatzungsbehörden sponsorten deswegen den Auftritt der Harlem Globetrotters, um mit diesem Spiel im Rahmen eines alternativen Festivals den Teilnehmern einen Gegenentwurf der USA zu präsentieren, da die Demarkationslinie zu diesem Zeitpunkt noch überschritten werden konnte.

Das Spiel gegen die Boston Whirlwinds fand am 22. August 1951 vor konservativ geschätzten 75.000 Zuschauern — einer der größten Kulissen, die es je bei einem Basketballspiel gab — im Berliner Olympiastadion statt. Einer der Höhepunkte war die Landung eines Hubschraubers der Air Force in der Halbzeitpause, der Jesse Owens in Sportkleidung entließ. Der vierfache Olympiasieger der Spiele der XI. Olympiade von 1936 wurde von stehenden Ovationen empfangen. Nach minutenlangem donnernden Applaus lief Owens eine Ehrenrunde durch das Stadion. Owens arbeitete in den 40er und 50er Jahren häufig für Saperstein und Farmteams der Globetrotters als Botschafter und Kommentator. Gelegentlich musste er auch für Halbzeitshows zur Verfügung stehen, wie einem Hürdenlauf um den Basketball-Court herum oder einem Rennen gegen einen Joe Lewis in ähnlich finanziell angespannter Situation, bei dem Lewis rückwärts lief und Owens auf allen Vieren kroch. Sein Empfang an der Stätte seines größten Triumphes war von einer solchen Demütigung jedoch weit entfernt.

Wie weit die Subvention der Harlem Globetrotters durch staatliche Stellen über das Spiel im Olympiastadion hinaus ging, ist unbekannt. Das Außenministerium leugnete Zahlungen, sicherte in Rundschreiben jedoch umfassende Unterstützung der Globetrotters zu wegen „unbegrenzter Möglichkeiten rassischen Verständnisses und guten Willens“ wie Außenminister Dean Acheson in einem Brief erklärte, in dem er ferner eine Prüfung ankündigte, ob die Globetrotters ermutigt werden sollten, Südostasien ab 1953 in ihren Tourkalender aufzunehmen.[8]

Mit ihrem mehrdeutigen ethnischen Humor stellten die Globetrotters afrikanische Amerikaner als (bislang) ungeeignet für vollständige Integration dar, zeichneten aber gleichzeitig ein hoffnungsvolles Bild sozialer Durchlässigkeit von der talentierte oder „ungewöhnlich“ disziplinierte afrikanische Amerikaner profitieren könnten und federten damit internationale Kritik an der US-amerikanischen Rassenpolitik ab. Laut dem Autor Damion Thomas unterstützte das Außenministerium den weltweiten Verleih des Films The Harlem Globetrotters.[9][10] Rookie Browns Charakter spielt darin einen All-American, dessen Professor ihn zu einer akademischen Karriere überreden möchte angesichts der Versprechungen des schnellen Geldes im professionellen Basketball. Die United States Information Agency begrüßte dies als Zeichen, dass afrikanische Amerikaner im akademischen Leben der 50er Jahre willkommen gewesen seien. Interessant ist in diesem Zusammenhang jedoch die Tatsache, dass Rookie Brown wie die Mehrzahl der Harlem Globetrotters ein Historisch afroamerikanisches College besucht hatte.[11]

Sportliche Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz des starken afroamerikanischen Einflusses verpflichteten die Globetrotters auch weiße Spieler wie Bob Karstens, der von 1943 bis 1954 General Manager des Teams war. Saperstein, der an der Westküste ein asiatisch-amerikanisches Basketball-Team mit chinesisch-stämmigen Spielern, die Hong Wah Kues,[12] unterhielt, hätte auch gerne Wat Misaka, der nach drei Spielen und sieben Punkten von den New York Knickerbockers entlassen worden war, für die Globetrotters verpflichtet. Dem japanisch-stämmigen Misaka, immerhin NCAA-Meister und NIT-Gewinner, war nicht klar gewesen, dass er sich gegenüber Coach Joe Lapchick zu bewähren hatte, weil professioneller Basketball 1947/48 noch den Ruch des „Prekären“ hatte, während College-Basketball gemeinhin als Gipfel des Sports angesehen wurde, eine irrige Auffassung, der bereits George Mikan in einem Spiel gegen die Oshkosh All-Stars aufgesessen war. [13]

Die Harlem Globetrotters hatten 1940 das World Professional Basketball Tournament gewonnen und machten mit der fortschreitenden Betonung des Entertainment-Faktors Anfang der 50er Jahre zwischen zwei und drei Millionen Dollar brutto. Die Globetrotters wollten aber immer ein ernstzunehmendes Basketball-Team bleiben und sich auch sportlich messen. Zwei Siegen gegen die Minneapolis Lakers 1948 und 1949 folgten zwischen 1950 und 1953 fünf Niederlagen.

Der Historiker Ron Thomas hatte vermutet, dass Saperstein dafür verantwortlich war, dass die National Basketball Association (NBA) im Gegensatz zur National Basketball League (NBL) erst spät integriert wurde, um die Globetrotters, die häufig Doubleheader mit NBA-Teams spielten und so die Liga am Leben hielten, nicht zu verärgern. Während College-Spiele 10.000 und Globetrotters-Spiele über 20.000 Zuschauer anzogen, zogen etwa die Boston Celtics zeitweise nämlich nur 2.000.

Das Wettrennen um College-Talente wie z.B. Walter Dukes zwischen NBA und Saperstein scheint für diese Theorie zu sprechen. Doch die heutige seit 2007 bestehende „Globetrotters-Draft“, zeitlich kurz vor der jährlichen NBA-Draft abgehalten, hat ihren Ursprung in der Tatsache, dass Ned Irish Abe Saperstein einst 25.000  $ für die Rechte an Nathaniel „Sweetwater“ Clifton zahlte. Im selben Jahr wurden außerdem Harold Hunter, Earl Lloyd und Chuck Cooper von der NBA gedraftet, die alle bereits einmal für die Globetrotters gespielt hatten. Gegen Thomas’ Theorie spricht hingegen, dass Clifton in jeder Saisonpause zu den Globetrotters zurückkehrte und All-American Charles Cooper an der World Series of Basketball teilnahm.[14]

Die World Series of Basketball war eine von den Globetrotters initiierte Tournee-Spiel-Serie gegen die College All-Stars. Das waren ausgewählte herausragende College-Spieler, soeben graduiert und häufig All-Americans, die zunächst ein sogenanntes College All-Star-Game im Madison Square Garden spielten und deren beste All-Stars dann einen Monat mit den Globetrotters auf Tournee gingen.[15] Diese World Series war sehr beliebt, da die NBA erst Mitte der 50er Jahre einen TV-Vertrag abschließen konnte und — mit zwei einmaligen Ausnahmen im Jahre 1949 — erst 1960 und 1962 mit den Lakers und den Warriors den Mississippi überqueren sollte. Diese Tourneen waren für viele Fans die einzige Möglichkeit, hochklassigen Basketball zu sehen. Bob Cousy und Paul Arizin waren unter den Spielern der College All-Stars, Clair Bee und Hank Iba unter ihren Coaches. Das Trick-Spiel geriet im Rahmen dieser Serie zwischen 1950 und 1962 in den Hintergrund, denn die Spiele gingen allesamt sehr knapp aus. Die Globetrotters gewannen 144—66 Spiele. Vereinzelt vermissten Fans aber auch jene Unterhaltung, die sie von einem Globetrotters-Spiel erwarteten. Als durch Terminverlegungen wegen der Panamerikanischen und der Olympischen Spiele 1959 und 1960 das Interesse an der Serie spürbar abnahm, verlegte sich die Organisation nach ihrem Ende auf das reine Entertainment.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jumpin' Joe live in der SAP Arena im März 2017

Den Harlem Globetrotters wurde eine eigene Zeichentrickserie gewidmet. Die ersten Ausstrahlungen liefen von 1970 bis 1972 immer sonnabendmorgens bei CBS. Damit war die Serie der erste Cartoon zur für das Kinderfernsehen besten Sendezeit, in dem Afroamerikaner die Hauptrolle spielten. Im Jahr 1979 brachte die Firma Bally einen Flipper mit dem Motiv der Harlem Globetrotters auf den Markt. Die Harlem Globetrotters hatten auch einige Gastauftritte in der TV-Serie Futurama.

Bei einem Besuch im Vatikan im Jahr 2000 wurde Papst Johannes Paul II. zum siebten Ehrenmitglied der Globetrotters ernannt. Die anderen Ehrenmitglieder sind Henry Kissinger (1976), Bob Hope (1977), Kareem Abdul-Jabbar (1989), Whoopi Goldberg (1990), Nelson Mandela (1996), Jackie Joyner-Kersee (1999) sowie Jesse Jackson (2001). Bill Cosby (1972) und Magic Johnson (2003) haben mit einem Dollar dotierte lebenslange Verträge unterzeichnet. 2008 wurde US-Fußball-Nationaltorhüter Tim Howard gedraftet und wurde damit zum Botschafter des Teams. Auch sonst draftet das Team ab und an basketballfremde Personen, im Jahr 2011 z. B. den Fußballer Lionel Messi.

Anlässlich einer Papstaudienz zum bevorstehenden 90. Geburtstag der Globetrotters wurde Papst Franziskus im Mai 2015 zum neunten Ehrenmitglied ernannt.[16] Zu Beginn der weltumspannenden Geburtstags-Tournee kam Anfang Oktober 2015 die Sportreporterin Robin Roberts als zehntes Ehrenmitglied hinzu.[17]

Bekannte Globetrotters[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hall of Famers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Mitglieder der Naismith Memorial Basketball Hall of Fame waren Mitglieder der Globetrotters, die seit 2002 als Team selbst Mitglied der Hall of Fame sind.[18]

Spieler:

Schiedsrichter:

Funktionäre:

  • Abe Saperstein mit der Klasse von 1971 als Förderer (Contributor).
  • J. Walter Kennedy, in den 50ern auf Tour mit den Globetrotters, mit der Klasse von 1981 als Förderer (Contributor).
  • Mannie Jackson, ehemaliger Spieler, Hall of Fame-Vorstand und zeitweiliger Besitzer und Erneuerer der Globetrotters in den 90ern mit der Klasse von 2017 als Förderer.

Nancy Lieberman, zeitweises Mitglied der Washington Generals, wurde 1996 als Spielerin in die Hall of Fame aufgenommen.

Eddie Gottlieb wurde mit der Klasse von 1972 als Förderer (Contributor) aufgenommen. Gottlieb gehörten neben den Warriors die Philadelphia SPHAs, die noch vor dem Ende der ursprünglichen American Basketball League (ABL) mit den Globetrotters auf Tour gingen und aus denen nach dem Verkauf 1950 an SPHA-Spieler Red Klotz ab 1952 die Washington Generals in sämtlichen Inkarnationen hervorgehen sollten.

Pensionierte Rückennummern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilt Chamberlain (13)
  • Marques Haynes (20)
  • Meadowlark Lemon (36)
  • Goose Tatum (50)

Weitere bemerkenswerte Globetrotters[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Harlem Globetrotters – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Harlem Globetrotters Auf: Harlem Globetrotters—Website; Peachtree Corners, GA, 2017. Abgerufen am 1. November 2017 (in Englisch).

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Junge“ (Boy im Original) kann in diesem Zusammenhang als rassistische Bezeichnung interpretiert werden.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Todd Boyd: Young, Black, Rich, and Famous. The Rise of the NBA, the Hip Hop Invasion, and the Transformation of American Culture. With a new introduction by the author. Lincoln/London 2008: University of Nebraska Press. ISBN 978-0-8032-1675-4 (Seite 27, in Englisch.)
  2. Daniel Friedrich: Harlem Globetrotters. Seit 80 Jahren um die Welt. Auf: Spiegel-Online—Website; Hamburg, 20. März 2007. Abgerufen am 1. November 2017.
  3. Cy Kritzer: Globetrotters Have Center Who Can Reach 87 Inches. Aus: Buffalo Evening News; Buffalo, 3. März 1943 (Seite 38, in Englisch).
  4. N.N.: Trotters Display Their Court Magic Here Tuesday Night. Aus: Buffalo Evening News; Buffalo, 15. April 1950 (Seite 5, in Englisch).
  5. David Wolf: Foul! The Connie Hawkins Story. New York 1972: Holt, Rinehart, and Winston (Seite 125, in Englisch), zitiert nach: Christoph Ribbat: Basketball. Eine Kulturgeschichte. München, 2013: Wilhelm Fink-Verlag. ISBN 978-3-7705-5599-4 (S. 61)
  6. David Wolf: Foul! The Connie Hawkins Story. New York 1972: Holt, Rinehart, and Winston (Seite 125, in Englisch), zitiert nach: Damion L. Thomas: Globetrotting. African American Athletes and Cold War Politics. Champaign, 2012: University of Illinois Press. ISBN 978-0-252-03717-7 (S. 72, in Englisch).
  7. Peter Vecsey: Hall of Famer Haynes talks family, life in hoops. Auf: New York Post—Website; New York City, 19. Juni 2011. Abgerufen am 4. Oktober 2017 (in Englisch).
  8. Dean Acheson in einem Brief an die Amerikanische Gesandtschaft Damaskus vom 28. Juli 1952 (Nationales Archiv, 811.453/7-2852); zitiert nach: Damion L. Thomas: Globetrotting. African American Athletes and Cold War Politics. Champaign, 2012: University of Illinois Press. ISBN 978-0-252-03717-7 (S. 47f., in Englisch).
  9. N.N.: The Harlem Globetrotters (1951). Auf: International Movie Data Base—Website; Seattle, WA, 1990—2017. Abgerufen am 30. Oktober 2017 (in Englisch).
  10. Damion L. Thomas: Globetrotting. African American Athletes and Cold War Politics. Champaign, 2012: University of Illinois Press. ISBN 978-0-252-03717-7 (S. 70, in Englisch).
  11. N.N.: Korbball. Zeitunglesen erlaubt. Aus: Der Spiegel 07/1951, zitiert nach der Spiegel-Online—Website; Hamburg, 14. Februar 1951. Abgerufen am 10. Dezember 2017.
  12. Christoph Ribbat: Basketball. Eine Kulturgeschichte. München, 2013: Wilhelm Fink-Verlag. ISBN 978-3-7705-5599-4 (S. 49 ff.)
  13. Douglas Stark: Wartime Basketball. The Emergence of a National Sport during World War II. Lincoln/London 2016: University of Nebraska Press. ISBN 9780803245280 (Seite 159, in Englisch).
  14. N.N.: Chuck Cooper Is Added To Strengthen Trotters. Aus: Buffalo Evening News; Buffalo, NY, 31. März 1951. (Seite 5, in Englisch).
  15. N.N.: All-Americans Ready for Tour. Seven Collegiate Stars Play Garden Game Tonight, Then Start on Series With Trotters. Aus: Buffalo Evening News; Buffalo, NY, 31. März 1951. (Seite 5, in Englisch).
  16. N.N.: Harlem Globetrotters Have An Audience With Pope Francis, Name Him Ninth Honorary Harlem Globetrotter In Team History. In: Harlem Globetrotters—Website; Peachtree Corners, GA, 6. Mai 2015 (in Englisch). Abgerufen am 1. November 2017.
  17. N.N.: Robin Roberts Named Honorary Harlem Globetrotter; Team Announces The Great Assist Initiative And 90-Year Celebration. In: Harlem Globetrotters—Website; Peachtree Corners, GA, 6. Mai 2015 (in Englisch). Abgerufen am 1. November 2017.
  18. N.N.: Die Harlem Globetrotters in der Naismith Memorial Basketball Hall of Fame Auf: Hoophall—Website; Springfield, MA, 2017. Abgerufen am 1. November 2017 (in Englisch).