Jens Söring

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Jens Söring (* 1. August 1966 in Bangkok, Thailand) ist ein deutscher Staatsangehöriger, der im US-Bundesstaat Virginia wegen Doppelmordes zu zwei lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt wurde. Er selbst bestreitet seit dem Prozess die Tat. Am 17. Dezember 2019 kam er nach 33 Jahren Haft auf Bewährung frei und wurde nach Deutschland abgeschoben.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jens Söring wurde als Sohn eines deutschen Diplomaten in Thailand geboren und kam im Alter von 11 Jahren mit seinen Eltern in die Vereinigten Staaten. 1984 begann er an der Universität von Virginia zu studieren und verliebte sich in die zwei Jahre ältere kanadische Studentin Elizabeth Haysom. Am 30. März 1985 wurden deren Eltern, Derek und Nancy Haysom, in ihrem Haus ermordet. Eine Nachbarin fand die Toten einige Tage später. Nancy Haysom lag in der Küche, ihr Mann Derek zwischen Ess- und Wohnzimmer. Beiden war beinahe der Kopf vom Rumpf getrennt worden. Sie hatten mit ihrem Mörder zuvor offenbar gegessen und getrunken.[2]

Als die Polizei ihre Ermittlungen auf Söring ausdehnte, flüchtete er im Oktober mit Haysom aus den USA. Am 30. April 1986 wurde das Paar in London wegen Scheckbetrugs festgenommen. Beide gestanden den Doppelmord zunächst, Söring zog sein Geständnis jedoch später wieder zurück.[3]

Nach ihrer Auslieferung an den US-Bundesstaat Virginia beschuldigte Elizabeth Haysom in ihrem Prozess 1987 Jens Söring des Mordes und bekannte sich selbst der Anstiftung zum Mord für schuldig; dafür wurde sie in Virginia zu 90 Jahren Haft verurteilt. Jens Söring, der ab dem Prozess in Virginia seine Unschuld beteuerte, wurde 1990 nach einer Grundsatzentscheidung[4][5][6] des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte unter der Voraussetzung, nicht zum Tode verurteilt zu werden, von Großbritannien nach Virginia (USA) ausgeliefert und dort zu zweimal lebenslanger Haft verurteilt.[3]

Der Prozess[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor Gericht sagte Jens Söring aus, er habe seine Freundin, welche die Morde begangen habe, mit seinem Geständnis vor der Todesstrafe bewahren wollen. Er habe geglaubt, dass er wie sein Vater diplomatische Immunität genieße und schlimmstenfalls nach einer Auslieferung in Deutschland nach dem Jugendstrafrecht verurteilt werden würde und (nur) fünf Jahre Haft verbüßen müsste.[7] Für die Staatsanwaltschaft kam auf Grundlage einer langen Indizienkette und dem offenbarten Täterwissen aus Sörings Polizeiverhören nur Söring als Täter in Frage. Sörings Erklärung, er habe das Täterwissen auf der langen Flucht von seiner Freundin erfahren, wurde nicht geglaubt. Seine Freundin Elizabeth Haysom sei allenfalls Anstifterin. Mit dieser Version überzeugte die Staatsanwaltschaft am Ende eines emotional aufgeladenen und im Fernsehen live übertragenen Prozesses die Jury.

Kontroverse um Verurteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiker sehen die Beweislage, die zur Verurteilung Sörings führte, als zweifelhaft an. Nach öffentlicher Aussage eines Mitglieds der Jury, einige Tage nach dem Urteil, war das ausschlaggebende Indiz ein am Tatort gefundener Sockenabdruck, der den ermittelnden Beamten nach von Söring stammte. Vor der Präsentation dieses Indizes war laut seiner Aussage die Abstimmung 6 zu 6. Für eine Verurteilung ist Einstimmigkeit erforderlich.[8]

Der Richter im Prozess erklärte Söring bereits vor Prozessbeginn in einem Interview für schuldig[9] und war zudem mit der Familie der Opfer persönlich bekannt.[10] Das Verhalten des Richters war nach Auffassung eines übergeordneten Gerichtes aber rechtskonform (Urteil vom 9. Oktober 1991, The Court of Appeals of Virginia).

Richard Neaton, einer von zwei Verteidigern von Jens Söring, verlor einige Zeit nach dem Prozess aus Gründen, die nichts mit Sörings Fall zu tun haben, seine Anwaltszulassung.[11] Außerdem gab er zu, ein Drogenproblem gehabt zu haben, als er Jens Söring vertrat.

Nach Angaben einiger Personen, die mit dem Fall vertraut sind, war zu Beginn der Ermittlungen der FBI-Profiler Ed Sulzbach zu Rate gezogen worden. Er kam in seinem Gutachten zu dem Schluss, dass die Morde von einer Frau begangen worden seien, die den Opfern nahestand, und darum Elizabeth Haysom am ehesten als Täterin in Frage komme. Der Chefermittler Gardner bestreitet, dass ein derartiges Täterprofil von Ed Sulzbach erstellt worden sei.[12][13] Während des Prozesses wurde kein solches Täterprofil vorgelegt.[14] FBI-Täterprofile sind in den USA nicht als Beweismittel zulässig.

Während des Prozesses wurde ein FBI-Gutachter als Experte für die Analyse von Fußabdrücken von der Staatsanwaltschaft beantragt. Dieser Antrag wurde von den Richtern abgelehnt, da der FBI-Gutachter nicht auf die Analyse von Fußabdrücken spezialisiert war. Aus diesem Grund durfte der Gutachter lediglich behaupten, der Abdruck wäre mit Sörings Fuß vergleichbar (consistent).[15] Die Staatsanwaltschaft stellte im Schlussplädoyer fest, der Sockenabdruck sei vergleichbar mit Sörings Fuß.

Der amerikanische Strafverteidiger Andrew Hammel kritisierte in der FAZ die Berichterstattung über Söring in den deutschen Medien wegen suggestiver Methoden und des Fehlens jeden Ansatzes von Neutralität.[6] Hammel kam nach dem Studium der Verfahrensakten zu dem Schluss, dass Söring eindeutig schuldig sei.[16][17] So enthielten Briefe zwischen Söring und Elizabeth Haysom vor der Tat als Schwerpunkt Gewaltfantasien und einen starken Hass gegen die ermordeten Eltern. Auf der Beerdigung der Haysoms habe Söring sichtbare Verletzungen gehabt. Vor seiner Flucht habe er zudem seine Fingerabdrücke in seiner Wohnung und seinem Auto vernichtet. In einem Reisetagebuch auf der Flucht notierte Haysom: „Der Fall wird bald gelöst. Vielleicht haben die Fingerabdrücke, die Jens auf einem Kaffeebecher [bei der Polizei] hinterlassen hat, ihn verraten…“ Außerdem soll Söring 1986 dem deutschen Mithäftling Mathias Schroeder die Tat ebenfalls gestanden haben. Zudem enthalte sein Geständnis bei der Polizei Täterwissen. Der inzwischen pensionierte Polizeibeamte Terry Wright, der 1986 bei der Metropolitan Police in London für die Ermittlungen zuständig war und Söring seinerzeit mehrmals vernommen hatte, legte 2019 in einem ausführlichen Bericht dar, dass Söring seit 1990 umfassend gelogen, das heißt falsche oder irreführende Angaben gemacht habe: Weder sei Söring jemals der Zugang zu einem Rechtsanwalt oder zur deutschen Botschaft verweigert worden, noch enthielten die detaillierten Geständnisse, die er damals abgelegt hatte, die Fehler, auf die er sich nun beruft. Das mittlerweile eingeholte DNA-Gutachten beweise entgegen der Darstellung von Söring keineswegs, dass zwei unbekannte Männer am Tatort gewesen seien.[18]

Mehrere andere Anwälte und Polizeibeamte haben sich ebenso mit dem Fall Söring befasst und kamen zu einem anderen Ergebnis:

  • Die ehemalige Stellvertretende Generalstaatsanwältin Virginias Gail Starling Marshall war maßgeblich an der Rehabilitierung des Justizopfers Earl Washington Jr. beteiligt. Sie betonte, in ihrer gesamten Karriere sei sie nur zwei Fällen begegnet, in denen sie von der Unschuld der Verurteilten überzeugt war: Washington und Söring.[19]
  • Der Anwalt Irwin Cotler konzentrierte sich während seiner Amtszeit als Justizminister Kanadas auch auf die Aufklärung von Justizirrtümern. Nachdem er Sörings Prozessprotokolle gelesen hatte, befand er: „Es ist ein klassischer Fall eines Fehlurteils.“[20] 2019 übernahm Cotler das Mandat für Söring.[21]
  • Chuck Reid war der führende Ermittler im Haysom-Mordfall von April 1985 bis April 1986. Erst danach übernahm Ricky Gardner die Ermittlung und verhörte Söring im Juni 1986, wobei ihm der britische Polizist Terry Wright assistierte. Reid sagte der Zeitung The Washington Post, er sei von Sörings Unschuld überzeugt, und besuchte Söring sogar im Gefängnis.[22]
  • Ex-FBI Special Agent Stanley J. Lapekas war Spezialist für Verhörmethoden, Wirtschaftskriminalität und Betrug. Er ist überzeugt, dass Söring die Morde nicht begangen hat, denn: „Die Ermittler haben gelogen. Mit diesem Fall stimmt etwas grundlegend nicht.“[23]

Der in Virginia lebende Bestsellerautor und ehemalige Strafverteidiger John Grisham wurde im Jahr 2017 auf den Fall aufmerksam. Als Kenner des örtlichen Justizsystems und Experte für Fehlurteile kam er nach seiner Recherche zu dem Schluss, dass es sich bei der Verurteilung Sörings um einen ungeheuren Justizirrtum handele.[24] Grisham sieht zwischen dem Geständnis und dem Tatort eklatante Unterschiede und verweist darauf, dass es außer diesem, seiner Meinung nach eindeutig falschen Geständnis keinerlei belastbare Beweise gebe.[25] Seither setzte er sich öffentlich für die Freilassung und Rehabilitierung des Deutschen ein.[26]

Inhaftierung und weitere Entwicklungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom 30. April 1986 bis 26. November 2019 saß Jens Söring in Haft. Er war zuletzt im „Buckingham Correctional Center“ in Dillwyn, Virginia inhaftiert.[27] Im Jahr 2001 lehnte der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten seine Revision endgültig ab. Söring überwarf sich mit seinem Vater, der ihn bis dahin unterstützt hatte,[28] und trat zeitweise zum katholischen Glauben über.

Am 24. September 2009 gab das gerichtsmedizinische Institut Virginias das Testergebnis (Certificate of Analysis) bekannt, demzufolge 42 Blutspuren in Sörings Fall gefunden und getestet wurden. Von diesen konnten ihm oder Elizabeth Haysom jedoch keine zugeordnet werden.[29]

Anfang August 2010 lehnte die Bewährungskommission von Virginia zum sechsten Mal ein Bewährungsgesuch von Söring ab.[30]

Am 12. Januar 2010, vier Tage bevor seine Amtszeit endete, sandte Gouverneur Timothy M. Kaine einen Brief an den Generalstaatsanwalt (United States Attorney General) Eric Holder, in dem er um die Haftüberstellung von Jens Söring nach Deutschland bat. Söring würde in Deutschland noch zwei Jahre in einem Gefängnis verbringen müssen, bevor er auf Bewährung freikommen könne – nach dann 26 Jahren in Haft. Deutschland hatte zuvor eine entsprechende Zusicherung abgegeben.[31] Allerdings sandte der neue Gouverneur Robert F. McDonnell am 19. Januar 2010 ebenfalls einen Brief an Generalstaatsanwalt Holder, in dem er die Bitte auf Haftüberstellung zurückzog. In den folgenden sechs Monaten kam es zu einem Tauziehen um den Fortgang des Verfahrens, in dessen Verlauf sich das Parlament von Virginia in einem einstimmigen Beschluss gegen die Haftüberstellung aussprach und Holder vor dem US-Kongress angehört wurde.[32][33]

Am 7. Juli 2010 gab Holder bekannt, dass das Justizministerium die Überstellung nicht weiterverfolgen werde, solange sich nicht ein amtierender Gouverneur dafür ausspreche oder ein Gericht festlege, dass die Entscheidung für eine Haftüberstellung durch Ex-Gouverneur Kaine für seine Nachfolger bindend sei.[34]

Am 18. Januar 2011 reichte Sörings neuer Anwalt Steven D. Rosenfield eine Klage ein, deren Ziel die Überstellung nach Deutschland war;[35] am 19. Januar 2011 sandte Sörings Anwältin Gail A. Ball ein Gnadengesuch an Gouverneur McDonnell, welches sich auf DNA-Ergebnisse beruft.[36][37]

Im Februar 2011 besuchte Markus Löning, Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe,[38] Jens Söring.

Ende Juli 2011 wurde sein Bewährungsgesuch, das auf nach Meinung seiner Anwälte entlastenden DNA-Tests und einer Zeugenaussage beruhte, abgelehnt.[39]

Anfang 2012 schrieb der damalige Präsident des Europäischen Parlamentes, Jerzy Buzek, an den Gouverneur von Virginia und bat um die Auslieferung von Söring in die Bundesrepublik.[40] Ende Juni 2012 lehnte ein US-Gericht Sörings Haftüberstellungsklage ab.[41][40]

Im Juni 2012 wandten sich 54 Abgeordnete des Deutschen Bundestages auf Initiative des Sprechers für Menschenrechte der SPD-Bundestagsfraktion, Christoph Strässer, an den Gouverneur von Virginia, Robert McDonnell, mit der Bitte, Söring in deutsche Haft zu überführen. Eine Antwort erhielten sie von McDonnell nicht. Von der US-Botschaft in Berlin, die eine Kopie erhalten hatte, erging keine Empfangsbestätigung.[42]

Am 31. August 2012, elf Tage bevor die Bewährungskommission tagte, um zum achten Mal über eine Bewährung Sörings zu entscheiden, erhielt Strässer von dem Vorsitzenden dieser Kommission, William Muse, eine Absage auf die vorgetragene Bitte, der Bewährung und Auslieferung Sörings zuzustimmen.[43] Am 3. Oktober 2012 lehnte die Bewährungskommission Sörings das Gesuch ab.[44]

Im Sommer 2014 wandten sich erneut über 160 Abgeordnete des Deutschen Bundestages in einem Brief an den amtierenden Gouverneur von Virginia, Terry McAuliffe, und sprachen sich für Sörings Überstellung nach Deutschland aus.[45]

Im August 2016 startete Söring einen weiteren Versuch.[46][47] Sörings zwölfter Antrag auf Bewährung wurde im Dezember 2016 durch die zuständige Kommission abgelehnt.[48] Am 22. August 2016 reichte Söring einen Antrag auf ein „absolute pardon“ beim Gouverneur des Bundesstaates Virginia, Terry McAuliffe, ein.[49]

Andrew Griffiths, laut Sörings Anwalt Rosenfield ein Experte für polizeiliche Verhörmethoden und Geständnisse, analysierte vier Monate lang Tonbänder und Protokolle und kam zu dem Schluss, dass britische und amerikanische Ermittler eine Vielzahl britischer Gesetze gebrochen hätten, unter anderem weil Söring in Isolationshaft gehalten und ihm der Kontakt zu seinem Anwalt untersagt worden sei.[50]

Am 3. Mai 2017 rief J. E. „Chip“ Harding, der amtierende republikanische Sheriff von Albemarle County, Gouverneur McAuliffe in einem öffentlichen, 19-seitigen Brief dazu auf, Söring umgehend freizulassen. Harding hatte nach eigenen Angaben über 200 Stunden damit verbracht, den Fall nachzuprüfen und kam zu dem Schluss, dass Söring unschuldig sei.[51][52][53] Am 27. September 2017 hielt Harding eine Pressekonferenz im Fall Söring, welche live im Internet zu sehen war. In dieser Pressekonferenz präsentierte Harding weitere Ergebnisse seiner laufenden Ermittlungen. In seinem zweiten öffentlichen Brief an den Gouverneur stellte er fest, dass er überzeugt davon sei, dass „Herr Söring Derek und Nancy Haysom nicht ermordet hat und sich zum Zeitpunkt der Morde nicht am Tatort befand“. Detective Sergeant (a. D.) Richard L. Hudson, Jr., der Sheriff Harding in seinen Ermittlungen unterstützte, präsentierte auf der Pressekonferenz seine eigenen Ermittlungsergebnisse. In seinem Brief an den Gouverneur schrieb Hudson, dass „die Beweise zu der Schlussfolgerung führen, dass Herr Söring unschuldig an den Morden der Haysoms ist“. J. Thomas McClintock, einer der in den USA als Top 15 anerkannten Experten für Serologie und DNA, hatte sämtliche forensischen Daten und Akten überprüft. Er war bei der Pressekonferenz anwesend und teilte die Ergebnisse seiner Nachforschungen mit. Diese stimmen mit den Ergebnissen überein, zu denen Moses Schanfield, ein Professor der Forensik und Gerichtsexperte, der ebenfalls die forensischen Daten und Akten überprüft hatte, bereits im Mai 2017 gekommen war. Schanfield hatte mit Gutachten vom Mai 2017 festgestellt, dass „Söring als Träger der nicht identifizierten Blutspuren, die am Tatort gefunden worden waren, ausgeschlossen werden muss“ und dass „die DNA anzeigt, dass zwei unbekannte Männer ihr Blut am Tatort hinterlassen haben“. Schanfield schrieb einen Nachtrag zu diesem Gutachten, welcher auf der Pressekonferenz präsentiert wurde. Seiner Aussage nach beinhaltet dieser Nachtrag zusätzliche Beobachtungen, welche seine vorherigen Forschungsergebnisse erheblich bestärken.[54][55][56][57][58]

Am 10. Oktober 2017 fand Sörings 13. Anhörung vor dem Bewährungsausschuss statt. Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff und der deutsche Botschafter Peter Wittig reisten nach Virginia, um sich dabei für die Entlassung Sörings einzusetzen. Direkt nach der Anhörung teilte Wittig der versammelten Presse mit: „Wir sind fest von der Unschuld Jens Sörings überzeugt. Wir möchten, dass er nach Deutschland rückgeführt wird, und wir übernehmen die volle Verantwortung für seine Zukunft“.[59][60]

Am 30. Januar 2019 wurde Sörings 14. Begnadigungsgesuch abgelehnt.[61]

Abschiebung nach Deutschland im Dezember 2019[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 25. November 2019 wurden Sörings Freilassung auf Bewährung und seine Überstellung nach Deutschland angekündigt. Einen Tag später wurde er aus der regulären Haft entlassen und in der Stadt Farmville in Abschiebehaft genommen.[62] Zugleich wurde ein Wiedereinreiseverbot in die USA verhängt. Eine umfassende Begnadigung Sörings ist abgelehnt worden.[63] Seit dem 17. Dezember 2019 befindet er sich in Deutschland. Elizabeth Haysom wurde zeitgleich auf Bewährung aus der Justizvollzugsanstalt Fluvanna Correctional Center for Women in Troy, Virginia entlassen.[64] Sie wurde am 22. Januar 2020 in ihr Heimatland Kanada abgeschoben.[65]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buchveröffentlichungen

Söring veröffentlichte Bücher und Artikel zu Themen wie Meditation, Centering Prayer, Rechtsprechung und Haftbedingungen in den USA. Sein Buch The Convict Christ (dt. Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet) erhielt im Jahr 2007 den ersten Preis der katholischen Pressevereinigung Nordamerikas in der Kategorie „Social Concerns“.[66]

  • The Way of the Prisoner. Breaking the Chains of Self Through Centering Prayer and Centering Practice. Lantern Books, New York 2003, ISBN 1-59056-055-8.
    • Deutsche Übersetzung: Wiederhole schweigend ein Wort. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2009, ISBN 978-3-579-06999-9.
  • An Expensive Way to Make Bad People Worse. An Essay on Prison Reform from an Insider's Perspective. Lantern Books, New York 2004, ISBN 1-59056-076-0.
  • The Convict Christ. What the Gospel Says about Criminal Justice. Orbis Books, Maryknoll, N.Y. 2006, ISBN 1-57075-648-1.
    • Deutsche Übersetzung: Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. Echter Verlag, Würzburg 2008, ISBN 978-3-429-03024-7.
  • The Church of the Second Chance. A Faith-Based Approach to Prison Reform. Lantern Books, New York 2008, ISBN 1-59056-112-0.
  • Ein Tag im Leben des 179212. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2008, ISBN 978-3-579-06997-5.
  • Nicht schuldig! – Wie ich zum Opfer der US-Justiz wurde. Droemer, März 2012, ISBN 978-3-426-27579-5.
    • Taschenbuchausgabe: Zweimal lebenslänglich – Wie ich seit drei Jahrzehnten für meine Freiheit kämpfe. Knaur, Oktober 2016, ISBN 978-3-426-78543-0.
    • Nicht schuldig! – 33 Jahre US-Haft für ein Verbrechen, das ich nicht begangen habe. Knaur, aktualisierte Ausgabe Dezember 2019, mit einem Jens Söring-Vorwort von Ende 2019, ISBN 978-3-426-78543-0.
    • Englische Übersetzung: A Far, Far Better Thing. Lantern Books, New York, Februar 2017, ISBN 978-1-59056-564-3, (mit Vorworten von Bill Sizemore und Martin Sheen).[67]
  • Son of the Promise, ISBN 978-3-7394-7552-3. (Der erste Roman von Jens Söring, am 18. November 2019 als eBook veröffentlicht.)

Medien

  • Im deutschen Nachrichten-Magazin Der Spiegel, Ausgabe Nr. 10 vom 29. Februar 2020, Jens Söring im Spiegel-Gespräch in einer 9-Seiten-Reportage.
  • Am 14. Mai 2020 waren Jens Söring sowie der Jurist und Kriminologe Bernd Maelicke in der ZDF-Talksendung Markus Lanz zu Gast.[68]
  • Am 4. August 2020 strahlte ZDFinfo die Dokumentation Killing for Love – Der Fall Jens Söring aus.[69]

Podcasts

Im Zusammenhang mit Jens Sörings Fall wurden mehrere z. T. ausführliche Podcasts veröffentlicht.

Dokumentarfilm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 27. Oktober 2016 kam der Dokumentarfilm Das Versprechen in die deutschen Kinos.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Katrin Brand: Jens Söring: Zurückgekehrt nach mehr als 30 Jahren Haft. In: tagesschau.de. 17. Dezember 2019, abgerufen am 24. Mai 2020.
  2. Nina Schick: Der Irrtum seines Lebens – Jens Söring. In: Focus. 27. Januar 2001, archiviert vom Original am 24. März 2015; abgerufen am 24. März 2015.
  3. a b Christiane Heil: „Haysom-Morde“: Das „German Monster“ will die Freiheit. In: faz.net. 23. Juni 2012, abgerufen am 24. März 2015.
  4. EGMR: Case of Soering v. The United Kingdom – Judgement. In: hudoc.echr.coe.int. Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, 7. Juli 1989, archiviert vom Original am 9. Juli 2012; abgerufen am 24. März 2015 (englisch).
  5. EGMR: Soering gegen Vereinigtes Königreich – Urteil. (PDF 177 kB) In: eugrz.info. Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, 7. Juli 1989, archiviert vom Original am 24. März 2015; abgerufen am 24. März 2015.
  6. a b Andrew Hammel: Der Fall Jens Söring: Eine paradoxe Mischung aus Zynismus und Blauäugigkeit. In: faz.net. 26. November 2019, abgerufen am 28. November 2019.
  7. Dieter Brockschnieder: Antrag abgelehnt: Häftling aus Bonn bleibt im US-Gefängnis. In: Kölnische Rundschau. 30. Juli 2011, abgerufen am 24. März 2015.
  8. 37 Grad: Lebend begraben – ein Deutscher und die US-Justiz (Minute 17:39 ff.). (Video; 28:41 Minuten) In: YouTube. icecube, 2. Januar 2013, archiviert vom Original am 24. März 2015; abgerufen am 24. März 2015.
  9. Dirk Hautkapp: Besuch für einen, der seit 26 Jahren im Gefängnis sitzt. In: Der Westen. Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 10. Juni 2012, archiviert vom Original am 14. Juni 2012; abgerufen am 24. März 2015.
  10. 37 Grad: Lebend begraben – ein Deutscher und die US-Justiz (Minute 8:57 ff.). (Video; 28:41 Minuten) In: YouTube. icecube, 2. Januar 2013, archiviert vom Original am 24. März 2015; abgerufen am 24. März 2015.
  11. FINRA Bar of Rep Who Failed To Disclose Disbarment As Attorney Upheld. Abgerufen am 20. November 2019.
  12. Retired FBI Agent Says Soering Should Be Freed. Abgerufen am 20. November 2019.
  13. Northam Puts Soering Pardon In Parole Board’s Hands. Abgerufen am 20. November 2019.
  14. In 1985, a gruesome double murder rocked the US. What if the wrong man was convicted? Abgerufen am 20. November 2019.
  15. Sandy Hausman: Jens Soering: Doubts, Politics & Possible Parole. Abgerufen am 26. November 2019 (englisch).
  16. Fabricated Innocence: The Self-Exoneration and Re-Incrimination of Jens Soering. In: quillette.com. 8. März 2020, abgerufen am 15. Mai 2020 (australisches Englisch).
  17. 10 Gebote für bessere Berichte über amerikanische Strafprozesse. In: Übermedien. 23. Januar 2020, abgerufen am 24. Mai 2020.
  18. Terry Wright: A True Report on the Facts of the Investigation of the Murders of Derek and Nancy Haysom. (wordpress.com [PDF]).
  19. Nina Schick: Der Doppelmörder, der keine Spuren hinterließ. In: Focus. 27. Januar 2011, abgerufen am 12. Mai 2020.
  20. Lisa Provence: 'Blot' on justice: Nelson Mandela counsel believes Jens Soering's innocence. In: C-ville. 19. März 2019, abgerufen am 12. Mai 2020 (englisch).
  21. https://www.wvtf.org/post/human-rights-advocate-fight-soering#stream/0
  22. Laura Vozzella: In 1985, a gruesome double murder rocked Virginia. Was the wrong man convicted? In: The Washington Post. 9. März 2017, abgerufen am 12. Mai 2020 (englisch).
  23. Janina Beck: Ex-FBI-Agent zum Fall Jens Söring: "Die Ermittler haben gelogen". In: RTL-Plus. 4. Dezember 2019, abgerufen am 12. Mai 2020.
  24. Wrongfulconviction-Podcast with Jason Flom featuring John Grisham. 4. Februar 2019, abgerufen am 12. Mai 2020.
  25. Iris Klingelhöfer: Bonner 33 Jahre im US-Knast / Jens Söring schrieb Freund: Jetzt ist endlich alles vorbei. In: Bonner Express. 27. November 2019, abgerufen am 29. April 2020.
  26. Laura Vozzella: For a convicted double murderer long on famous supporters, basic detective werk could be key. In: The Washington Post. 22. April 2019, abgerufen am 29. April 2020 (englisch).
  27. Nina Schick: Deutscher in US-Haft: Der Doppelmörder, der keine Spuren hinterließ – Jens Söring. In: Focus. 27. Januar 2001, archiviert vom Original am 24. März 2015; abgerufen am 24. März 2015.
  28. „Ich habe 2008 meinen Glauben verloren“. In: tagesspiegel.de, 27. November 2019.
  29. Department of Forensic Science: Forensic Report. (PDF; 988 kB) In: q.b5z.net. 24. September 2009, archiviert vom Original am 24. März 2015; abgerufen am 24. März 2015 (englisch).
  30. Rex Bowman: Murderer Jens Soering’s parole spurned again by Virginia. In: The Roanoke Times. 18. August 2010, archiviert vom Original am 2. April 2015; abgerufen am 24. März 2015 (englisch).
  31. Michael Sluss, Laurence Hammack: Kaine requests Jens Soering's prison transfer. In: The Roanoke Times. 15. Januar 2010, archiviert vom Original am 24. März 2015; abgerufen am 24. März 2015 (englisch).
  32. Michael Sluss: Lawmakers join McDonnell in asking Dept. of Justice to reject Soering transfer. In: The Roanoke Times. 21. Januar 2010, archiviert vom Original am 24. März 2015; abgerufen am 24. März 2015 (englisch).
  33. Deutscher Doppelmörder: US-Gouverneur will Überstellung stoppen. In: Focus. 22. Januar 2010, archiviert vom Original am 24. März 2015; abgerufen am 24. März 2015.
  34. Valerie Garner: Jens Soering’s canceled transfer gets no argument from DOJ. In: Roanoke Free Press. 12. Juli 2010, archiviert vom Original am 2. April 2015; abgerufen am 24. März 2015 (englisch).
  35. Lisa Provence: Executive order: Soering sues McDonnell for overstepping authority. In: The Hook. 25. Januar 2011, archiviert vom Original am 11. März 2011; abgerufen am 24. März 2015 (englisch).
  36. Gail A. Ball: Letter from Gail Ball to Gouverneur McDonnell. (PDF; 20 kB) In: j.b5z.net. 19. Januar 2011, archiviert vom Original am 24. März 2015; abgerufen am 24. März 2015 (englisch).
  37. Gail A. Ball: Brief von Gail Ball an Gouverneur McDonnell. (PDF;27 kB) In: q.b5z.net. 19. Januar 2011, archiviert vom Original am 24. März 2015; abgerufen am 24. März 2015.
  38. Berlin will deutschen Häftling in USA freibekommen. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung. 23. Februar 2011, abgerufen am 24. März 2015.
  39. Karlheinz Niess: Keine Gnade für Nr. 1161655. In: fnp.de. 3. August 2011, archiviert vom Original am 2. April 2015; abgerufen am 24. März 2015.
  40. a b Deutscher Diplomatensohn Söring bleibt wegen Doppelmords in US-Haft. In: Der Westen. Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 13. Juli 2012, archiviert vom Original am 4. April 2015; abgerufen am 24. März 2015.
  41. „hut“: Jens Söring muss Strafe weiter in den USA absitzen. In: Spiegel Online. 13. Juli 2012, abgerufen am 24. März 2015.
  42. Matthias Meisner, Ulrike Scheffer: Deutscher seit mehr als 20 Jahren in US-Haft: Politiker kämpfen für die Haftüberstellung von Jens Söring. In: Der Tagesspiegel. 24. März 2012, archiviert vom Original am 19. Juli 2012; abgerufen am 24. März 2015.
  43. Karin Steinberger: Verurteilter Deutscher Jens Söring – Post aus Amerika. In: Süddeutsche Zeitung. 29. Oktober 2012, archiviert vom Original am 1. November 2012; abgerufen am 24. März 2015.
  44. Rachel Ryan: Jens Soering Denied Parole for 8th Time. In: Newsplex. 15. Oktober 2012, archiviert vom Original am 19. Dezember 2012; abgerufen am 24. März 2015 (englisch).
  45. Thomas Gambke: Newsletter 09-2014. (PDF; 720 kB) In: t-gambke.de. Thomas Gambke, 8. Oktober 2014, S. 2, archiviert vom Original am 24. März 2015; abgerufen am 24. März 2015.
  46. Laura Vozzella: Jens Soering says new blood analysis proves his innocence in 31-year-old case. The Washington Post. 24. August 2016, abgerufen am 27. August 2016.
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  69. Killing for Love – Der Fall Jens Söring auf der Website des ZDF.