Kerstin Grether

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Kerstin Grether (* 1975) ist eine deutsche Journalistin, Autorin und Sängerin.

Kerstin Grether

Journalismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kerstin Grether schrieb schon während ihrer Schulzeit in den 1990er Jahren Artikel über Indie-Pop für die Spex. Sie war damals beeinflusst von der britischen Star-Kolumnistin und Punk-Ikone Julie Burchill. Burchill habe schon in jungen Jahren bahnbrechende Polemiken über Madonna, John Lennon, die Arbeiterklasse, Postfeminismus und Teen-Idole geschrieben. Nach dem Abitur erhielt Grether eine Stelle als Kultur-Redakteurin bei der Spex. Dort wurde sie von Clara Drechsler und Diedrich Diederichsen in die Kunst des Schreibens über Pop und Politik eingeweiht.

Kerstin Grether studierte nebenbei Philosophie und Anglistik. Sie war Kultur-Redakteurin während der Cultural-Studies-Phase bei der Spex und leitete dort den Kulturteil Verstärker, der für eine Zusammenführung von Kunst, Pop, Politik und Theorie stand. Außerdem machte sie sich für die US-amerikanische Riot-Grrrl-Bewegung stark. Sie informierte in ihren Artikeln über die vielfältigen Netzwerke und Diskurse, die dadurch für junge Frauen plötzlich in Europa und Nordamerika entstanden seien.[1] Sie schrieb auch Artikel für die Kunst-Zeitschrift Texte zur Kunst.

Schon ihre Texte aus dieser Früh-Phase waren stilprägend für den Pop-Journalismus hierzulande und für einen von Kerstin Grether mitdefinierten Pop-Feminismus. Dies wird in Artikeln und Rezensionen zu Kerstin Grethers Werk oft hervorgehoben. Auch der Kulturwissenschaftlerin Katja Kauer[2] dient Grether als eine der tonangebenden Protagonistinnen hierzulande. Das popfeministische Missy Magazine hebt in seiner Jubiläumsausgabe zum fünfjährigen Bestehen vom November 2013 Kerstin Grethers frühe journalistische Rolle im Import dekonstruktivistischer, feministischer Theorien hervor.[3]

In den nuller Jahren arbeitete Kerstin Grether als freie Mitarbeiterin u. a. bei den Zeitschriften Intro und Frieze, schrieb pop-kulturelle Leitartikel für die Frankfurter Rundschau und Moderationstexte für den Fernsehsender MTV. Außerdem schrieb sie sporadisch für die Die Zeit, den Berliner Tagesspiegel, Badische Zeitung und weitere Publikationen.

Kerstin Grether veröffentlichte seit ihren ersten Erfolgen als Schriftstellerin ab Mitte der nuller Jahre nur noch selten journalistische Texte. Seit 2012 schreibt sie aber den (Band-)Blog Freundinnen der Nacht, sowie seit 2013 wieder regelmäßige Artikel über Musik und Literatur für die Spex.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2004 veröffentlichte Kerstin Grether den Roman Zuckerbabys im Ventil Verlag. 2006 erschien der Roman als Taschenbuch bei Suhrkamp und entwickelte sich zum Longseller. Zuckerbabys verankert die Geschichte einer Magersucht sowohl im Individuellen als auch im Gesellschaftlichen. Der Roman klärt über das Tabu der Magersucht als „Lifestylemode“ auf.[4]

2007 folgte bei Suhrkamp Grethers Musikgeschichten-Sammlung Zungenkuß, du nennst es Kosmetik, ich nenn es Rock`n Roll. Zungenkuß, ursprünglich der Titel ihrer gleichnamigen Kolumne in der Zeitschrift Intro, enthält die Texte diese Kolumne, sowie überarbeitete Versionen ihrer Essays, Reportagen, Interviews, Kurzgeschichten, Rezensionen, die ursprünglich in den Feuilletons überregionaler Zeitungen und Anthologien veröffentlicht wurden.

2008 erschien die Anthologie Madonna und Wir, Bekenntnisse, die sie gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Sandra Grether herausgab. Die Herausgeberinnen gaben bei der Kuratorin Caroline Nathusius eine „Kunstausstellung“ zum Thema Madonna und ihre Epoche in Auftrag. Das Buch erschien schließlich, nebst vielen Texten über Madonna, mit Zeichnungen und Collagen von zwölf zeitgenössischen Künstlern und Künstlerinnen, u. a. Josephine Pryde, Andrew Gilbert und Maria Tokyo. Die Buch-Release-Party war gleichzeitig auch Ausstellungs-Eröffnung und fand im August 2008 in der Galerie Nagel in Berlin statt. Kerstin Grether war in diesen Jahren auf vielen Lese-Reisen im In und Ausland unterwegs, entwickelte immer neue Mischformen aus Text, Bild und Musik.

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2008 ist Kerstin Grether Sängerin, Songschreiberin und Keyboarderin bei der elektronischen Chanson-Rockband Doctorella, für die sie gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester, der ehemaligen Parole-Trixi-Sängerin und Gitarristin Sandra Grether, das Songwriting-Team bildet. Weitere Mitglieder sind Mesut Molna und Jakob Groothoff.

Aufgrund des ersten Demotapes erhielt die Band 2010 einen Labelvertrag mit Warner, der es ihr ermöglichte, mit dem Produzenten Tobias Siebert das erste Album Drogen und Psychologen aufzunehmen.[5][6] Zur Ur-Besetzung von Doctorella gehörten u. a. der Sänger Jens Friebe und Ja-Panik-Mastermind Andreas Spechtl. Die Band wurde von den Spex-Lesern in die Newcomer-Top-10 des Jahres 2012 gewählt.

Im Mai 2014 ist beim Ventil Verlag ein neuer Roman von Kerstin Grether mit dem Titel An einem Tag für rote Schuhe erschienen. In diesem Zusammenhang wurde auch eine neue Doctorella-Single mit dem Titel Ich brauche ein Genie veröffentlicht.[7]

Im Juli 2015 haben Kerstin Grether und ihre Zwillingsschwester Sandra Grether mit ihrer Band Doctorella den Song Testosteron, Get It On! samt Video veröffentlicht. Sie haben sich damit für die gleichgeschlechtliche Ehe und gegen Homophobie positioniert. Das lesbische Paar, das im Video auftritt, sind die Aktivistinnen Theresa Lehmann und Mercedes Reichstein von Hinter den Brüsten. Regie hat die Aktivistin Josephine Witt geführt und die Musik stammt von Andreas Spechtl.[8][9]

Politisches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kerstin Grether gehört zu den Erstunterzeichnern des von Juli Zeh u. a. initiierten (internationalen) Aufruf Schriftsteller gegen Überwachung und des Offenen Brief an Angela Merkel zu den Ausspäh-Aktionen der NSA. Sie beteiligte sich außerdem an dem Marsch der Schriftsteller auf das Kanzleramt.[10]

Sie engagierte sich außerdem für die Slutwalk-Bewegung[11] und für die Organisation Pink Stinks.[12] Sie engagierte sich auch für die Freilassung der Bandmitglieder von Pussy Riot.[13] Im Mai 2013 gestaltete sie den Protest gegen das Barbies Dreamhouse in Berlin mit.[14]

Kerstin Grether lebt in Berlin.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herausgabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lass uns Märchenwesen sein von Doctorella, Kunst-Edition von Cosima von Bonin, Edition Fieber, 2010
  • Ich hol dich aus dem Irrenhaus von Doctorella, Single, Haute Areal, 2011
  • Drogen und Psychologen von Doctorella, Album, ZickZack, 2012
  • Ich will alles von dir wissen von Doctorella, Album, Bohemian Strawberry, 2016

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Katja Peglow (Hrsg.), Jonas Engelmann (Hrsg.): Riot Grrrl Revisited!: Die Geschichte einer feministischen Bewegung. Ventil Verlag, Mainz, 2011, ISBN 978-3931555474
  2. Katja Kauer: Popfeminismus! Fragezeichen!: Eine Einführung. Frank & Timme, 2009, ISBN 978-3865962454
  3. Sonja Eismann in Missy Magazine, November/Dezember 2013
  4. Zuckerbabys. Kerstin Grether im Interview. (Juni 2007) bei satt.org, abgerufen am 28. Februar 2014
  5. My dream is to be the female Strokes! bei exberliner.com, abgerufen am 28. Februar 2014
  6. Hab’ dich gesucht, Kung-Fu, plötzlich war alles gut bei faz.net, abgerufen am 28. Februar 2014
  7. Doctorella - Ich brauche ein Genie (Memento des Originals vom 22. Juli 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.spex.de bei spex.de, abgerufen am 22. Juli 2015
  8. Gegen Homophobie: Seht hier Doctorellas neuen Clip „Testosteron, Get It On!“ bei musikexpress.de, abgerufen am 22. Juli 2015
  9. Testosteron, Get It On! bei doctorella.de, abgerufen am 22. Juli 2015
  10. Demokratie im digitalen Zeitalter: Der Aufruf der Schriftsteller bei faz.net, abgerufen am 28. Februar 2014
  11. Es ist der Beginn einer neuen Bewegung bei jungle-world.com, abgerufen am 28. Februar 2014
  12. Kerstin und Sandra Grether bei pinkstinks.de, abgerufen am 28. Februar 2014
  13. Doctorella: Im Gespräch mit Kerstin, Sandra und Mesut bei roteraupe.de, abgerufen am 28. Februar 2014
  14. Demonstration gegen Barbie Dreamhouse in Berlin (Memento des Originals vom 28. Februar 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/lora924.de bei lora924.de, abgerufen am 28. Februar 2014