Kirche Rerik

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Kirche in Rerik

Die St.-Johannes-Kirche in Rerik ist eine Kirche der Verbundenen Kirchgemeinde Rerik-Biendorf im Landkreis Rostock. Die Gemeinde gehört zur Propstei Wismar, Kirchenkreis Mecklenburg der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits von 1245 bis 1300 sind die Namen der drei Pastoren, Dietrich, Johann und Berthold, im damaligen Gaarz in den Urkunden verzeichnet. Das Dorf selbst gehörte zum Besitz des Klosters Sonnenkamp im heutigen Neukloster, später teilweise zum Kloster Doberan. Am Anfang des 14. Jahrhunderts gab es eine St. Annen-Bruderschaft in Gaarz. Das Patronat lag bis 1668 beim Herzog von Mecklenburg, ab dann übernahm es der Besitzer des Gutes Wustrow.

Baubeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

verzierte Logenempore, Blick zum Altar

Die Kirche ist eines der besten Beispiele im mecklenburgischen Küstengebiet als frühgotischer Backsteinbau auf einem Feldsteinsockel. Sie wurde nach 1250 errichtet. Die zweijochige Hallenkirche ist der Stadtkirche von Neubukow sehr ähnlich. Der einschiffige quadratische Chor besitzt ein Kreuzgratgewölbe, das dreischiffige Kirchenschiff sechs Kreuzrippengewölbe auf kreuzförmigen Pfeilern. Das mittlere Schiff hat die Breite des Chores, die seitlichen sind schmaler. Die farbenprächtige Ausmalung der Kirche stammt aus dem Jahr der Renovierung 1668. Sie wurde durch einen Hinrich Greve aus Wismar durchgeführt. Bei Renovierungsarbeiten im Jahr 1975 wurden Teile der Originalbemalung entdeckt, die um 1300 entstanden sind.

Inneneinrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Inneneinrichtung ist gut erhalten und stammt aus der Barockzeit. Der Altar mit Gemälden des Abendmahls, der Kreuzigung und Himmelfahrt ist von 1754/55 und die Kanzel von 1751/52 mit prunkvollen Ornamentschnitzereien und einer Kanzeluhr.[2] 1780 entstand der Orgelprospekt und die Empore mit geschwungener Brüstung, mit Zopfornamenten verziert. Reich mit Schnitzereien verziert sind die Brüstungen der vier Logenemporen. An der Südwand gibt es einen spätgotischen Schnitzaltar mit Kreuzigungsgruppe, darüber das ehemalige Triumphkreuz. Hinter dem Altar befindet sich eine Grabplatte der Oertzen (Adelsgeschlecht) (gestorben 1465) mit fast lebensgroßen Figuren der Verstorbenen.

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich gab es vier Glocken in Kirche. Die Johannesglocke von 1460 wurde 1942 auf den Hamburger Glockenfriedhof gebracht und dort bei einem Luftangriff zerstört. Eine Glocke von 1480 wurde durch einen Riss unbrauchbar und das Metall wurde zusammen mit dem einer kleineren Glocke 1892 für den Guss der Friedrich Franz III.-Glocke genutzt. Diese Glocke wurde im Ersten Weltkrieg zerstört. Die Catherinenglocke wurde 1519 gefertigt und während des Dreißigjährigen Krieges versteckt und blieb etwa 100 Jahre verschollen. Erst 1740 wurde sie vor dem Kirchturm ausgegraben, hergerichtet und wieder aufgehängt.

2012 ließ Günther Uecker zugunsten der Kirche von Rerik seine genagelte Spirale (Für Rerik) vom Auktionshaus Villa Grisebach in Berlin versteigern. Der Erlös (340.000 Euro) sollte ursprünglich für den Nachguss einer kriegszerstörten Glocke verwendet werden.[3] Tatsächlich wurden zu Ostern 2013 zwei neue Glocken geweiht. Beide Glocken wurden von Günther Uecker künstlerisch gestaltet. Auf der kleineren Glocke nahm Uecker Bezug zu seinen bekannten Nagelbildern – im unteren Drittel der Glocke ist ein umlaufendes Relief aus Nägeln dargestellt.[4] Nunmehr hängen drei Glocken in der Reriker Kirche.

Glocken-Ritzzeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1460 gegossene Johannesglocke hatte seltene, kunsthistorisch bedeutsame Glocken-Ritzzeichnungen, die in einem Werk der Kunsthistorikerin Ingrid Schulze gewürdigt werden.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

in der Reihenfolge des Erscheinens

  • Friedrich Schlie: Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin. Band 3: Die Amtsgerichtsbezirke Hagenow, Wittenburg, Boizenburg, Lübtheen, Dömitz, Grabow, Ludwigslust, Neustadt, Crivitz, Brüel, Warin, Neubukow, Kröpelin und Doberan. Schwerin 1896, S. 507–513. (noch zum alten Ortsnamen Alt-Gaarz)
  • Gerd Baier, Horst Ende, Brigitte Oltmans, Heinrich Trost: Die Bau- und Kunstdenkmale in der mecklenburgischen Küstenregion mit den Städten Rostock und Wismar. Henschel Verlag, Berlin 1990, ISBN 3-362-00523-3.
  • Ernst Bahr, Bernhart Jähning, Klaus Conrad, Antjekathrin Großmann, Ralf Köhler, Sabine Kühne-Kaiser, Roderich Schmidt u. a.: Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Band 12: Mecklenburg/Pommern. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1996, ISBN 3-520-31501-7.
  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Mecklenburg Vorpommern, bearbeitet von Hans-Christian Feldmann, Gerd Baier, Dietlinde Brugmann, Antje Heling, Barbara Rimpel. Deutscher Kunstverlag, Berlin 2000, ISBN 3-422-03081-6.
  • Dörte Bluhm: Kirchen in Mecklenburg. Hinstorff, Rostock 2013. ISBN 978-335-60159-8-0. Darin S. 164–166: Rerik (Halbinsel Wustrow), St. Johannes.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kirche Rerik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Informationen zur Gemeinde
  2. Dorfkirchen in Mecklenburg-Vorpommern: Dorfkirche Rerik (ehem. Alt-Gaarz), St. Johannes, abgerufen am 3. März 2015.
  3. Auktion in Berlin: Man muss das mögen. In: FAZ. 4. Juni 2012, abgerufen am 8. Juni 2012.
  4. Ueckers Kirchenglocken werden am Ostersonntag geweiht. Auf: nordkirche.de. 27. März 2013, abgerufen am 9. August 2013.
  5. Ingrid Schulze: Ritzzeichnungen von Laienhand – Zeichnungen mittelalterlicher Bildhauer und Maler? Figürliche Glockenritz-Zeichnungen vom späten 13.Jahrhundert bis zur Zeit um 1500 in Mittel- und Norddeutschland. Leipzig 2006, ISBN 978-3-939404-95-8

Koordinaten: 54° 6′ 20″ N, 11° 36′ 42″ O