Ma Rainey’s Black Bottom (Film)

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Film
Deutscher TitelMa Rainey’s Black Bottom
OriginaltitelMa Rainey’s Black Bottom
ProduktionslandUSA
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr2020
Länge93 Minuten
Stab
RegieGeorge C. Wolfe
DrehbuchRuben Santiago-Hudson
ProduktionTodd Black,
Denzel Washington
MusikBranford Marsalis
KameraTobias A. Schliessler
SchnittAndrew Mondshein
Besetzung

Ma Rainey’s Black Bottom ist ein Musikfilm von George C. Wolfe, der am 18. Dezember 2020 in das Programm von Netflix aufgenommen werden soll. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Stück von August Wilson und erzählt von der afroamerikanischen Musikerin Ma Rainey, gespielt von Oscarpreisträgerin Viola Davis, die als „Königin des Blues“ in den späten 1920er Jahren ihre Erfolge feiert und mit ihren Bandkollegen in Chicago eine Platte aufnehmen will.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wir schreiben das Jahr 1927. Ma Rainey, die „Königin des Blues“, soll auf Drängen ihres Managers Irvin in einem Studio auf der South Side von Chicago für den Plattenmanager Sturdyvant einige ihrer bekanntesten Songs aufnehmen. Doch sie lässt die beiden weißen Männer und auch ihre schwarzen Bandkollegen auf sich warten. Zu ihrer handverlesenen „Georgia Band“ gehören der Posaunist Cutler, der Pianist Toledo, der Bassist Slow Drag und der Trompeter Levee. Letzterer hat ganz ohne Mas Erlaubnis eine neue Version von Black Bottom vorbereitet, die allerdings ihren langsamen, bluesigen Gesang in den Hintergrund drängen und den Jungs in der Band eine schnellere Orchestrierung abverlangen würde. Es kommt daher zwischen den Afroamerikanern der Band und Studio-Chef Sturdyvant und Manager Irvin zu Spannungen. Aber auch untereinander gibt es Reibereien.

Sie müssen aber noch eine Weile auf die Diva warten, und wissen nicht, ob sie überhaupt erscheinen wird. Doch sie kommt, auch wenn es ein wenig länger gedauert hat, mit den schicken Schuhen die Treppe in ihrem Hotel hinabzusteigen. Im Studio angekommen darf sie ihre schmerzenden Füße aber in ein Paar bequeme Hausschuhe stecken. Levee hingegen hat gerade einen Wochenlohn für ein Paar teure Lackschuhe ausgegeben, in denen er wie ein kleines Kind herumtänzelt. Ma Rainey will erst mit dem Singen beginnen, wenn Irvin die ihr versprochene eiskalte Flasche Coca-Cola bringen lässt. Als er ihr auch diesen Wunsch erfüllt, kann die Aufnahme endlich beginnen.[1][2][3]

Vorlage und Biografisches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film basiert auf dem Theaterstück Ma Rainey’s Black Bottom von August Wilson aus dem Jahr 1982, das zwei Jahre später mit Theresa Merritt in der Titelrolle am Broadway’s Cort Theatre uraufgeführt wurde.[4] Darin haben sich die Bandmitglieder Cutler, Toledo, Slow Drag und Levee in Chicago zusammengefunden, um gemeinsam mit Ma Rainey eine neue Platte aufzunehmen. Während sie auf ihre Ankunft warten, erzählen sie Geschichten, scherzen, philosophieren und streiten sich. Insbesondere zwischen dem jungen hitzköpfigen Trompeter Levee, der davon träumt, eine eigene Band zu haben, und den Veteranen Cutler und Toledo kommt es zu Spannungen. Als sie im Studio ankommen, ist die Aufnahme bereits weit hinter dem Zeitplan zurück, was die weißen Produzenten Sturdyvant und Irvin wütend macht. Mas Beharren darauf, dass ihr stotternder Neffe Sylvester die Einleitung des Titelsongs spricht, sorgt für weiteres Chaos. Während die Band darauf wartet, dass verschiedene technische Probleme gelöst werden, kommt es zwischen Levee und Cutler zu einer Schlägerei. Levee wird von Ma gefeuert, doch in seiner Wut ersticht er Toledo.

Eine Aufführung von Ma Rainey’s Black Bottom im Jahr 2009

Es handelt sich bei Ma Rainey’s Black Bottom um eines der zehn Stücke aus Wilsons Pittsburgh Cycle / Pittsburgh-Zyklus, in dem er sich mit den Erfahrungen von Afroamerikanern im 20. Jahrhundert beschäftigt. Das Stück, das in den 1920er Jahren in Chicago spielt, ist das einzige Stück aus dem Zyklus, das nicht in Pittsburgh spielt. Ma Rainey’s Black Bottom beschäftigt sich neben der Frage der Rasse insbesondere mit der Ausbeutung schwarzer Künstler durch weiße Produzenten. Der Titel des Stücks bezieht sich auf ein gleichnamiges Lied von Ma Rainey, das sich auf den Black Bottom, den „schwarzen Hintern“ bezieht. Dieser US-amerikanische Gesellschaftstanz der 1920er Jahre entwickelte sich aus dem Charleston und erfreute sich insbesondere in der afroamerikanischen Bevölkerung der USA großer Beliebtheit. Der US-Dramatiker August Wilson, der zu den bedeutendsten afroamerikanischen Autoren zählt, hatte für sein Stück Fences 1987 den Pulitzer-Preis und den Tony Award erhalten.[5] Ein zentrales Anliegen des Dramatikers war, die Ungerechtigkeit gegenüber schwarzen Menschen zu thematisieren, sie aber nicht in ihrer Opferrolle verharren zu lassen.[6]

Ma Rainey nahm in ihrer Karriere rund 100 Songs auf
Im Film wird Ma Rainey von Viola Davis gespielt

Egal ob das Publikum von Ma Raineys Ruf als „Mutter des Blues“ gehört habe oder nicht, stelle August Wilson sicher, dass diese im Stück als eine überlebensgroße Figur eingeführt wird, noch bevor sie die Bühne betritt, so Peter Debruge von Variety.[3] Nach einem Plattenvertrag bei Paramount Records hatte Rainey, die als Gertrude Pridgett in den Südstaaten der USA geboren wurde, rund 100 Songs aufgenommen, bei denen sie von vielen namhaften Jazzmusikern wie Louis Armstrong, Thomas A. Dorsey oder Coleman Hawkins begleitet wurde.[7] Die erste Aufnahme mit Lovie Austin und ihren Blue Serenaders war der Bo-Weevil Blues. Der Pianist Thomas A. Dorsey baute später die Wild Cats Jazz Band auf, mit der sie auf Tournee ging. Nach dem Ausscheiden Dorseys aus der Band nahm sie mit ihrer Georgia Jazz Band auf. Ihr einziger Top-30-Hit gelang Rainey im Januar 1925 mit dem See See Rider Blues, bei dem sie von Louis Armstrong, Buster Bailey und Charlie Dixon begleitet wurde.

Rainey war mehrere Male verheiratet, so mit dem Tänzer, Comedian und Sänger William „Pa“ Rainey, galt jedoch als bisexuell, wie die Sängerin Bessie Smith, deren Mentorin sie zeitweise war. In ihrem Repertoire finden sich auch fünf Songs, in denen lesbisches beziehungsweise bisexuelles Begehren thematisiert werden, darunter Prove It On Me Blues. Angeblich entstand dieser, nachdem Ma Rainey von der Polizei festgenommen worden war, weil sie eine Orgie veranstaltet haben soll, an der auch Frauen beteiligt gewesen waren. Im Text nimmt sie darauf Bezug: „Ich bin letzte Nacht mit meinen Freunden ausgegangen. Es müssen Frauen gewesen sein, denn ich mag keine Männer.“[7]

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stab und Besetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regie führte George C. Wolfe. Wilsons Stück wurde von Ruben Santiago-Hudson für den Film adaptiert.

Die Oscarpreisträgerin Viola Davis übernahm die Titelrolle der Musikerin Ma Rainey. Sie hatten bereits eine Hauptrolle in der Wilson-Verfilmung Fences aus dem Jahr 2016.[4] Chadwick Boseman spielt das Bandmitglied Levee. Es handelt sich um die letzte Filmrolle des im August 2020 mit 43 Jahren verstorbenen Schauspielers.[8] Glynn Turman übernahm die Rolle von Toledo, Colman Domingo spielt Cutler und Michael Potts das Bandmitglied Slow Drag. Jonny Coyne und Jeremy Shamos sind in den Rollen des Produzenten Sturdyvant und des Managers Irvin zu sehen. Taylour Paige spielt Ma Raineys Freundin Dussie Mae, Dusan Brown ihren Neffen Sylvester.[2]

Dreharbeiten und Filmmusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dreharbeiten wurden am 8. Juli 2019 in Pittsburgh begonnen, das dem Chicago des Jahres 1927 als Kulisse diente.[9][10] Bis auf wenige Szenen, die vor dem Studio spielen, findet die Handlung in dem Proberaum statt.[11] Als Kameramann fungierte Tobias A. Schliessler.

Die Filmmusik komponierte der Saxofonist und Grammy-Gewinner Branford Marsalis. Das Soundtrack-Album mit insgesamt 24 Musikstücken soll im Dezember 2020 von Milan Records veröffentlicht werden.[12] Vorab wurde im November 2020 das Stück El Train veröffentlicht.[13][14]

Hauptdarstellerin Davis singt außer bei Those Dogs of Mine im Film nicht selbst.[15] Die anderen Rainey-Songs wurden von der US-amerikanischen Soul-Sängerin und Songwriterin Maxayn Lewis unter ihrem Geburtsnamen Paulette Parker beigesteuert.[16]

Marketing und Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es handelt sich bei Ma Rainey’s Black Bottom um eine Eigenproduktion von Netflix.[4] Im Oktober 2020 wurde ein erster Trailer vorgestellt.[17] Der Film soll am 18. Dezember 2020 in das Programm des Streamingdienstes aufgenommen werden.[18] Die erste Vorstellung erfolgte bereits am 14. November 2020 im Rahmen einer virtuellen Premiere in Zusammenarbeit mit dem American Film Institute.[19]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film konnte bislang 98 Prozent aller Kritiker bei Rotten Tomatoes überzeugen und erhielt hierbei eine durchschnittliche Bewertung von 8,2 der möglichen 10 Punkte.[20]

Für Chadwick Boseman handelte es sich um seine letzte Filmrolle

Eric Kohn von IndieWire schreibt, Viola Davis habe in ihrer Rolle die faszinierendste und inspirierteste Transformation ihrer Karriere durchlebt, mit ihren schwarz geschminkten Augen und dem schweißgebadeten Körper. Wenn sie schließlich zu singen beginnt und den Titelsong interpretiert, sei die Schauspielerin so in Kontakt mit Ma Raineys Talent, als besitze sie Fähigkeit, mit den Toten zu kommunizieren. Auch wenn Ma Rainey nicht die ganze Zeit im Film zu sehen ist, werde die nur ihr eigene Fähigkeit herausgearbeitet, sich gegen weiße Autoritäten zu behaupten, die von ihrer Stimme profitieren möchten, so Kohn und zitiert die Diva: „Sie werden mich so behandeln, wie ich behandelt werden möchte, egal wie sehr ihnen das weh tut.“ Auch wenn sie dennoch von den fraglichen Männern ausgebeutet wird, bleibe sie die mächtigste Stimme im Raum, und dies mit Nachhall. Über Chadwick Boseman in seiner posthumen Rolle von Levee sagt Kohn, sein Spiel habe mehr mit seinem lebhaften James Brown in Get on Up gemein, als mit dem zurückhaltenden Auftritt in Black Panther, der ihn zu einer Ikone machte, wodurch das Publikum möglicherweise schockiert sein könne, wenn der Schauspieler die „Lautstärke aufdreht“. Als zentraler Unruhestifter des Films sei Boseman ein Naturtalent und ein Quell der Unterhaltung.[2]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gotham Awards 2021

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Bradshaw: Ma Rainey's Black Bottom review – Chadwick Boseman glorious in his final film role. In: The Guardian, 20. November 2020.
  2. a b c Eric Kohn: 'Ma Rainey’s Black Bottom' Review: Boseman and Davis Energize a Faithful August Wilson Adaptation. In: indiewire.com, 20. November 2020.
  3. a b Peter Debruge: 'Ma Rainey’s Black Bottom' Review: Chadwick Boseman Goes Out on Top With Timely August Wilson Drama. In: Variety, 20. November 2020.
  4. a b c Dave McNary: Viola Davis, Chadwick Boseman Starring in 'Ma Rainey’s Black Bottom' for Netflix. In: Variety, 19. Juni 2019.
  5. Fences Stars Viola Davis & Denzel Washington Win 2010 Tony Awards In: broadway.com, 13. Juni 2016.
  6. Marietta Steinhart: 'Fences'. Im Gefängnis der eigenen Enttäuschung In: Zeit Online, 14. Februar 2017.
  7. a b Übersehene LGBTI*-Ikonen: Diese Menschen sollten wir kennen. In: siegessaeule.de, 29. Januar 2020.
  8. First Look: Viola Davis and Chadwick Boseman in 'Ma Rainey’s Black Bottom'. In: The New York Times, 30. September 2020.
  9. Maria Sciullo: August Wilson's 'Ma Rainey's Black Bottom' prepping exteriors on Pittsburgh's North Side. In: Pittsburgh Post-Gazette, 1. Juli 2019.
  10. Sharon Eberson: 'Ma Rainey' filming takes over North Side streets. In: Pittsburgh Post-Gazette, 9. Juli 2019.
  11. https://www.hollywoodreporter.com/news/ma-raineys-black-bottom-film-review
  12. 'Ma Rainey’s Black Bottom' Soundtrack Album Details. In: filmmusicreporter.com, 17. November 2020.
  13. Evan Minsker: Branford Marsalis Details Ma Rainey’s Black Bottom Soundtrack. In: pitchfork.com, 20. November 2020.
  14. Branford Marsalis - El Train. Ma Rainey's Black Bottom (Music from the Netflix Film). In: youtube.com. Abgerufen am 22. November 2020. (Audio)
  15. Brian Truitt: Review: Chadwick Boseman's final performance gives Netflix's 'Ma Rainey's Black Bottom' a wondrous soul. In: USA Today, 20. November 2020.
  16. Justin Chang: Review: In 'Ma Rainey’s Black Bottom', Chadwick Boseman gives his final and finest performance. In: Los Angeles Times, 20. November 2020.
  17. Ryan Lattanzio: 'Ma Rainey’s Black Bottom' Trailer. In: indiewire.com, 19. Oktober 2020.
  18. https://www.netflix.com/title/81100780
  19. Ryan Lattanzio: 'Ma Rainey’s Black Bottom' First Reactions: Viola Davis and Chadwick Boseman Bring Down the House. In: indiewire.com; 14. November 2020.
  20. Ma Rainey’s Black Bottom. In: Rotten Tomatoes. Abgerufen am 27. November 2020.
  21. Dade Hayes: ‘First Cow’ Leads Field In Gotham Awards Nominations In: Deadline.com am 12. November 2020, abgerufen am 12. November 2020.