Manfred Rommel

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Manfred Rommel (2004)

Manfred Rommel, CBE (* 24. Dezember 1928 in Stuttgart; † 7. November 2013 ebenda[1]) war ein deutscher Politiker (CDU). Er war von 1974 bis 1996 Oberbürgermeister von Stuttgart.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindheit, Jugend und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Manfred Rommel wurde 1928 in Stuttgart als Sohn des Berufssoldaten und späteren Generalfeldmarschalls Erwin Rommel und dessen Frau Lucie geboren. Bereits mit 14 Jahren wurde er – wie viele Jungen damals in seinem Alter – als Luftwaffenhelfer eingesetzt. Er war im elterlichen Hause anwesend, als sein Vater, dem eine Mitwirkung bei der Verschwörung des 20. Juli 1944 vorgeworfen wurde, abgeführt und zum Suizid gezwungen wurde, was die NS-Führung öffentlich als Tod infolge einer Kriegsverletzung darstellte.[2] Im Februar 1945 wurde er aus dem Luftwaffenhelferdienst entlassen und im März zum Reichsarbeitsdienst einberufen. Ende April desertierte er in Riedlingen unmittelbar vor dem Einmarsch der Ersten französischen Armee. Als Kriegsgefangener machte er die Wahrheit über den Tod seines Vaters bekannt und wurde unter anderem von General Jean de Lattre de Tassigny verhört.[3]

Er machte 1947 sein Abitur in Biberach an der Riß und studierte anschließend in Tübingen Rechts- und Staatswissenschaften. Im Jahr 1956 erhielt er seine erste Anstellung in der Landesverwaltung, wurde dort 1959 Regierungsrat und dann persönlicher Referent des damaligen Innenministers Hans Filbinger. 1971 wechselte er als Ministerialdirektor in das Finanzministerium und wurde dort später Staatssekretär.

Oberbürgermeister von Stuttgart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Dezember 1974 wurde Rommel als Nachfolger des verstorbenen Arnulf Klett zum Oberbürgermeister der Stadt Stuttgart gewählt. Er erhielt im zweiten Wahlgang 58,9 % der Stimmen und besiegte damit den SPD-Mitbewerber Peter Conradi. 1978 bemühte er sich im Zuge der Filbinger-Affäre um das Amt des Ministerpräsidenten, unterlag jedoch Lothar Späth.

Seine Entscheidung, die Terroristen Gudrun Ensslin, Andreas Baader und Jan-Carl Raspe, die 1977 in der JVA Stammheim Suizid begangen hatten, auf dem Dornhaldenfriedhof in Stuttgart gemeinsam beerdigen zu lassen, führte zu Kontroversen. Über Widerstände auch innerhalb der CDU setzte er sich mit der Begründung hinweg: „Irgendwo muß jede Feindschaft enden; und für mich endet sie in diesem Fall beim Tod“.[4]

Seine Wiederwahl zum Stuttgarter OB sicherte er sich am 7. November 1982 mit 69,8 % und am 4. November 1990 mit 71,7 % im jeweils ersten Wahlgang. 1996 wurde sein ehemaliger persönlicher Referent Wolfgang Schuster (CDU) im 2. Wahlgang zu seinem Nachfolger gewählt. Von April 1975 bis zum Ende seiner Amtszeit 1996 war er Mitglied im Präsidium des Deutschen Städtetags, Vorsitzender des Städtetags Baden-Württemberg war er 1983 bis 1989. Dem Deutschen Städtetag stand er als Präsident von Mai 1977 bis Mai 1979, von November 1980 bis Mai 1983 und von Mai 1989 bis Juni 1991 und als Präsident des ersten gesamtdeutschen Städtetags bis Mai 1993 vor, Vizepräsident war er von Mai 1979 bis November 1980, von Juni 1983 bis Mai 1985, von Juni 1987 bis Juni 1989 und von Mai 1993 bis Mai 1995. Zudem war er von Juni 1979 bis 1996 Präsident des Verbandes kommunaler Unternehmen. Präsident der „Freiherr-vom-Stein-Gesellschaft“ war er von 1984 bis 1990.

Die Politik Manfred Rommels wird als tolerant und liberal beschrieben.[5] Diese Haltung war auch Grundlage seiner Ausländerpolitik. 1978 legte Rommel erstmals Leitlinien der künftigen Ausländerpolitik fest. „Ausländische Einwohner sind im Interesse der Erhaltung der Wirtschafts- und Lebenskraft der Stadt Stuttgart und aus sozialpolitischen Gründen als dauerhafter Bestandteil der Stuttgarter Bevölkerung anzusehen. Es entspricht dem kommunalen Selbstverständnis und der gesetzlichen Aufgabenstellung der Stadt, die Ausländer und ihre Familienangehörigen in gleicher Weise wie die Deutschen in ihre Sorge um das wirtschaftliche, soziale und kulturelle Wohl ihrer Einwohner einzubeziehen. In ihren ausländischen Einwohnern sieht die Landeshauptstadt einen voll zu integrierenden Teil ihrer Wohnbevölkerung.“ Nach diesen Gesichtspunkten gelang Stuttgart in den folgenden Jahren und Jahrzehnten eine beispielhafte Integrationspolitik.

„Gegen Adam Riese, also gegen die Logik des Rechnens, kann man nicht Politik machen, ohne mit erheblichen Misserfolgen rechnen zu müssen“, war seine Maxime. Bereits zu Beginn seiner Amtszeit, in den Jahren 1975 bis 1978, fasste der Gemeinderat mehrere Beschlüsse, um die Ausgaben zu drosseln. 1993 leitete Rommel eine radikale Haushaltskonsolidierung ein und schuf damit die Grundlage dafür, dass Stuttgart seither stetig Schulden abbauen konnte.

In seine Amtszeit fielen zahlreiche öffentliche Bauten, die Verringerung des Durchgangsverkehrs, die Erneuerung der Infrastruktur und die Umgestaltung des öffentlichen Personennahverkehrs. Dies betrifft u. a. die Gründung des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart 1978 mit der Inbetriebnahme der ersten S-Bahn-Strecken sowie die Entscheidung des Gemeinderates, die alte Straßenbahn durch ein Stadtbahnnetz zu ersetzen.

Rommel gilt zusammen mit dem ehemaligen Bahnchef Heinz Dürr als einer der Erfinder von Stuttgart 21. 2010 schrieb er einen offenen Brief an alle Stuttgarter, um für Zustimmung zum Bahnprojekt zu werben.[6]

Manfred Rommel setzte einen weiteren Schwerpunkt auf das Verhältnis zwischen der Stadt Stuttgart und den umliegenden Gemeinden. Stuttgart, das bei der Verwaltungsreform Mitte der 1970er Jahre im Gegensatz zu allen anderen baden-württembergischen Großstädten keine Zuwächse durch Eingemeindungen erhielt, setzte auf eine regionale Zusammenarbeit. Dies führte schließlich zur Gründung des Verbands Region Stuttgart mit dem 1994 erstmals gewählten Regionalparlament, dem Manfred Rommel während der ersten Legislaturperiode bis 1999 angehörte.

Ruhestand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der CDU-Politiker war seit seiner Verabschiedung als Oberbürgermeister 1996 Ehrenbürger von Stuttgart. Von 1970 bis 2009 war Manfred Rommel ununterbrochen Mitglied im Landesvorstand der CDU Baden-Württemberg. Von 1995 bis 1999 war Manfred Rommel im Auftrag der Bundesregierung Koordinator für die deutsch-französische Zusammenarbeit.

Einen Namen machte sich Rommel als Verfasser zahlreicher Bücher. Auch im Ruhestand war er noch immer ein gefragter Redner und Autor. Alle 14 Tage schrieb er eine Kolumne für die Stuttgarter Zeitung. Auch war er bekannt für seine meist launigen Aphorismen und Gedichte, die 1988 erstmals veröffentlicht wurden.

Manfred Rommel war Gründungsmitglied und langjähriger Kuratoriumsvorsitzender des Deutsch-Türkischen Forums Stuttgart, seit 2008 war er Ehrenvorsitzender des Vereins. Zur Würdigung seiner Verdienste um eine liberale Ausländerpolitik trägt der von dem Verein verliehene Bürgerpreis, der Manfred-Rommel-Preis, seinen Namen.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Manfred Rommel war seit 1954 mit Liselotte Rommel verheiratet; das Ehepaar hat eine Tochter.[7] 1996 wurde bei ihm die Parkinson-Krankheit diagnostiziert.[8] Rommel starb am 7. November 2013 im Alter von 84 Jahren.[9] Er wurde in einem Ehrengrab auf dem Ostfilderfriedhof in Stuttgart-Sillenbuch beigesetzt.[10][11]

Filmische Darstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In folgenden Filmen über seinen Vater bzw. den Zweiten Weltkrieg wurde Manfred Rommel von folgenden Schauspielern dargestellt:

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrendoktorwürden

Am 22. Oktober 2014 wurde der Landesflughafen Stuttgart offiziell in „Manfred-Rommel-Flughafen“ umbenannt.[13] Der IATA-Code wird aber weiterhin STR sein.

Manfred Rommel hat über seine Ehrungen ein Gedicht geschrieben: „Die Zahl der Titel will nicht enden. Am Grabstein stehet: bitte wenden!“[14]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Abschied vom Schlaraffenland. Gedanken über Politik und Kultur. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart, München 1987, ISBN 3-421-06081-9.
  • Manfred Rommels gesammelte Sprüche, Gefunden und herausgegeben von Ulrich Frank-Planitz, Engelhorn Verlag, Stuttgart 1988, ISBN 3-87203-050-7
  • Wir verwirrten Deutschen. Ullstein, Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-548-34614-6.
  • Manfred Rommels gesammelte Gedichte. Engelhorn-Verlag, Stuttgart 1993
  • Die Grenzen des Möglichen. Ansichten und Einsichten. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart, München 1995, ISBN 3-421-05001-5.
  • Trotz allem heiter. Erinnerungen. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart, München 1998, ISBN 3-421-05151-8.
  • Neue Sprüche und Gedichte. Gesammelt und herausgegeben von Ulrich Frank-Planitz, Hohenheim-Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 978-3-89850-002-9
  • Manfred Rommels gesammelte Sprüche, dva, Stuttgart 2001, ISBN 978-3-421-05573-6.
  • Holzwege zur Wirklichkeit. Hohenheim-Verlag, Stuttgart 2001, ISBN 3-89850-026-8.
  • Soll und Haben. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart, München 2001, ISBN 3-421-05579-3.
  • Das Land und die Welt. Hohenheim-Verlag, Stuttgart 2003, ISBN 3-89850-099-3.
  • Ganz neue Sprüche & Gedichte und andere Einfälle. Hohenheim-Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-89850-123-X
  • Vom Schlaraffenland ins Jammertal?. Hohenheim-Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-89850-137-X.
  • Gedichte und Parodien. Hohenheim-Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-89850-151-5.
  • Manfred Rommels schwäbisches Allerlei. Eine bunte Sammlung pfiffiger Sprüche, witziger Gedichte und zumeist amüsanter Geschichten. Hohenheim-Verlag, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-89850-170-5.
  • Auf der Suche nach der Zukunft. Zeitzeichen unter dem Motto: Ohne Nein kein Ja. Hohenheim-Verlag, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-89850-173-6.
  • 1944 – das Jahr der Entscheidung. Erwin Rommel in Frankreich, Hohenheim-Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-89850-196-5.
  • Die amüsantesten Texte. Hohenheim-Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-89850-203-0.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sibylle Krause-Burger. Über Manfred Rommel. Stuttgart: Verlag Bonn Aktuell. 1982. ISBN 3-87959 -172 -5
  • Widmar Puhl: Manfred Rommel. Der Oberbürgermeister. Orell Füssli, Zürich, 1990, ISBN 3-280-01997-4.
  • Horst Rudel, Thomas Borgmann: Manfred Rommel. Bilder einer Ära. DRW, Leinfelden-Echterdingen 2000, ISBN 3-87181-456-3.
  • Josef Schunder: Manfred Rommel. Die Biographie. Theiss, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8062-2588-4.
  • Manfred Rommel, in: Internationales Biographisches Archiv 36/2013 vom 3. September 2013, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Manfred Rommel – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. FAZ: Zum Tode Manfred Rommels: Der weltläufig-liberale Schwabe, abgerufen am 7. November 2013
  2. Death of the Desert Fox: Rommel's son's account of his father's last moments after Hitler ordered him to take a cyanide pill or be arrested (englisch), Daily Mail vom 30. Dezember 2012
  3. Manfred Rommel: Trotz allem heiter. Stuttgart 1998, 3. Auflage, S. 77–85
  4. Tage des Zorns, Tage der Trauer. Die Zeit. 16. Oktober 1987. Abgerufen am 7. November 2013.
  5. Manfred Rommel: Freundlich, ehrlich, demokratisch DER TAGESSPIEGEL, vom 23. Dezember 2008
  6. Manfred Rommel ist tot – Bescheidener Humanist mit Rückgrat Artikel vom 7. November 2013
  7. Nicht nur schwarz-schwarz Stuttgarter-Zeitung.de, 1. Juni 2012, abgerufen am 9. November 2013.
  8. Parkinson-Telegramm, März, 2003
  9. STZ: Ex-OB von Stuttgart Manfred Rommel ist tot, abgerufen am 7. November 2013
  10. focus.de: Trauerfeier für Manfred Rommel Artikel vom 14. November 2013
  11. knerger.de: Das Grab von Manfred Rommel
  12. Bekanntgabe von Verleihungen des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. In: Bundesanzeiger. Jg. 25, Nr. 103, 5. Juni 1973.
  13. Manfred-Rommel-Flughafen – Hinweistafel in Stuttgart enthüllt Stuttgarter Zeitung online, aufgerufen am 22. Oktober 2014
  14. WAS MACHT EIGENTLICH …: Manfred Rommel stern.de