Martin Kröncke

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Martin Kröncke (auch Marten Kröncke; getauft am 6. Juli 1705 in Neuenkirchen, Land Hadeln; † 26. April 1774 in Berlin) war ein deutscher Pädagoge, Freimaurer, Münzmeister und etwas mehr als sechs Jahre lang Generalmünzdirektor des Königreiches Preußen.

Aus bescheidenen dörflichen Verhältnissen stammend, erarbeitete sich Kröncke seine Kenntnisse zur Numismatik weitgehend autodidaktisch und stieg während der Regentschaft König Friedrichs II. zum einflussreichsten Finanzbeamten auf. Nach dem wirtschaftlich verheerenden Siebenjährigen Krieg gelang es ihm, die finanzielle Situation Preußens zu stabilisieren.

Bereits zu Krönckes Lebzeiten war kaum etwas über seine Biographie bekannt, wozu er durch das konsequente Schweigen bezüglich seines Privatlebens entscheidend beitrug. Die Angaben zu seiner Person stützen sich auf nur wenige Quellen. In seiner Heimatstadt ist der Marten-Kröncke-Weg nach ihm benannt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wirkungsstätten von Martin Kröncke im Laufe seines Lebens.

Herkunft, familiäres Umfeld und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Martin Kröncke kam als Sohn der Pastorentochter Anna[1] und des Bauern Dierk Kröncke[2] in Neuenkirchen – entweder im Ortsteil Katthusen[2] oder dem unmittelbar benachbarten Ortsteil Dörringworth[3] – auf einem Bauernhof im Windweg zur Welt. Lutherisch getauft wurde er von Pastor Hector Mithobius auf den Namen seines Großvaters († 1699) väterlicherseits, der aus Hüll stammte.

Gut ein Jahr nach der Geburt starb Martins Vater am 12. Oktober 1706 im Alter von 26[3] oder 27[2] Jahren. Die verwitwete Mutter heiratete 1707 den Witwer Paul Hottendorf, der mehrere Kinder in die Ehe mitbrachte. 1713 verstarb allerdings auch er – zusammen mit dreien seiner Kinder erlag er der Pest. Anna war zu diesem Zeitpunkt mit Martins Halbbruder Johann schwanger, der 1714 geboren wurde und später den elterlichen Hof übernahm sowie (Deich-)Schultheiß in Neuenkirchen wurde. Im selben Jahr heiratete sie Carsten Niebuhr.

Martin Kröncke verlebte seine Jugendjahre im Land Hadeln in den Elbmarschen, das damals mit weitgehender Selbstverwaltung unter direkter kaiserlicher Landeshoheit stand. Er besuchte die Dorfschule Neuenkirchen und galt als sehr begabter Schüler. Die Neuenkirchener Kantoren Michael von Spreckelsen und Dietrich Hincke, letzterer war auch Schulleiter, erkannten seine Talente und förderten ihn. Im Alter von 15 Jahren verließ er die Schule.

Berufliche Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänge an der Elbe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem er die Schule verlassen hatte, arbeitete Kröncke ab dem Alter von 15 Jahren zunächst – „der Sitte der Zeit entsprechend“[3] – als Hauslehrer auf unterschiedlichen Höfen. Darüber hinaus stellte Hincke ihn als seinen Adjunkt an. Anschließend gründete er im Haus des Schmiedes Carsten Junge in Osterende-Altenbruch eine eigene „Heubodenschule“,[3] deren Leitung er übernahm und an der er mehrere Jahre lang unterrichtete. 1727 zog er ohne jegliche finanzielle Mittel nach Hamburg und fand in der Hansestadt Anstellung als Privat- und Hauslehrer bei wohlhabenden Bürgerfamilien. Sein dabei verdientes Einkommen investierte er größtenteils in die eigene Weiterbildung, insbesondere auf dem Gebiet der Mathematik, sodass er oftmals in prekäre finanzielle Lagen geriet und Hunger litt. Von Zeit zu Zeit schickte ihm Dietrich Hincke aus der Heimat Zuwendungen in Form von Lebensmittelpaketen oder Kleidung.

Er begann, sich aus privatem Interesse mit Numismatik zu befassen, für die er rasch eine Leidenschaft entwickelte. Eine handschriftliche Notiz von Wilhelm Jesse gibt an, dass Kröncke bei der Hamburgischen Münze lernte. Ob es sich dabei um eine vollwertige Ausbildung handelte und ob dies nach oder parallel zur Lehrtätigkeit geschah, ist unklar. Jesse liefert keine Quellenangabe für diese Behauptung und nahezu alle schriftlichen Unterlagen der Hamburger Münzprägeanstalt wurden während des Stadtbrandes von 1842 vernichtet.[3] Schließlich veröffentlichte Kröncke eine Broschüre über das Münzwesen, in der er die Schaffung einer von dem damals maßgebenden Leipziger Fuß unabhängigen Währung diskutierte.[4] Das Werk fand in Hamburg einige Beachtung.[3]

Über Braunschweig nach Breslau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Laufe der Jahre gelang es ihm, Bekanntschaften zu einigen einflussreichen Persönlichkeiten zu knüpfen. Ein befreundeter Hamburger Kaufmann – dessen Kinder Kröncke unterrichtet hatte – nahm mehrere Exemplare der Schrift mit zur Braunschweiger Messe, wo sie das Interesse von Herzog Karl I. sowie dessen Münz-Kommissar Johann Philipp Graumann erregte. Letzterem sagten Krönckes Ausführungen derart zu, dass er diesen zwischen Januar und März 1742 als Buchhalter oder Wardein nach Braunschweig berief.[A 1] Später stieg Kröncke dort zum Münzfaktor auf. Als solcher war er für das fiskalische Funktionieren der Münzanstalt und die Metallbeschaffung zuständig. Zusammen mit Graumann, der ihn explizit für seine Ehrlichkeit lobte,[5] veröffentlichte er Mitte August 1748 die „bahnbrechend wirkende“[6] Schrift Die Teutsche und anderer Völker Münzverfassung, die eine Rechnung nach dem Leipziger Fuß nicht mehr zuließ, und das Augenmerk des preußischen Königs Friedrich II. auf die Braunschweiger Münzbeamten lenkte.

Nachdem Graumann im Jahr 1750 als Geschäftsführer aller Münzstätten und Generalmünzdirektor nach Berlin gewechselt war, empfahl er dem König eine Anstellung Krönckes und Johann Georg Eimbkes (1714–1793) in der staatlichen Münzverwaltung. Beide erhielten noch im gleichen Jahr Positionen in Breslau: Eimbke als Münzdirektor und Kröncke als zweiter Münz-Wardein und Münzfaktor. Eimbke verlor jedoch schnell das Vertrauen seiner Berliner Vorgesetzten, da er zu wenig Autorität ausstrahlte und zudem wegen mangelhafter Aufsicht ein Fehlbetrag von 1739 Reichstalern in der Münzkasse entstand. Man enthob ihn seines Amtes und versetzte ihn nach Königsberg[6] oder Kleve.[7] Am 5. Januar 1751 wurde Kröncke zum Breslauer Münzdirektor ernannt. Derweil hatte Graumann – maßgeblich angeregt durch Krönckes Überlegungen – preußenweit den Graumann’schen Münzfuß (auch 14-Taler-Münzfuß genannt) eingeführt. Scharfer Widerstand aus den Reihen der Kaufleute und Regierungsbeamten führte allerdings dazu, dass Friedrich II. ihn 1754 zwar nicht entließ, wohl aber entmachtete.

Die von Eimbke verschuldeten Nachlässigkeiten konnten erst nach vier Jahren vollständig aufgeklärt werden. Kröncke führte darüber mit ihm einen zeitweise sehr erbosten Briefwechsel und schrieb ihm, dass er Gott bitten würde, ihn [Kröncke] nirgends Direktor werden zu lassen, wo zuvor Eimbke es gewesen sei.[8] Ein zweiter Finanzskandal ereignete sich etwas mehr als ein halbes Jahr nachdem Kröncke die Leitung übernommen hatte. Der seit 1743 als Münzmeister in Breslau tätige Adam Heinrich von Ehrenberg war den Ansprüchen, die die verzehnfachte Produktion an die Mitarbeiter stellte, nicht gewachsen und häufte beim Silber einen Weißsiedeabgang[9][A 2] in Höhe von 15.881 Talern an. Er wurde daher im Herbst 1751 entlassen, verhaftet und man machte ihm den Prozess. Es stellte sich heraus, dass er nicht in böser Absicht, sondern nur nachlässig und unklug gehandelt hatte. Graumann forderte eine Ersetzung des Verlustes und auch der König sprach sich angesichts der Verantwortung der Münzbeamten und des in sie gesetzten Vertrauens für eine Verurteilung aus. Letztlich wurde der betagte von Ehrenberg im Juni 1753 unter Auflagen aus der Haft entlassen.[10] Als neuen Münzmeister stellte Kröncke Georg Heinrich Singer (* 1724) an.

Sein Amt führte Kröncke durchaus erfolgreich, aber teils eigenwillig. Sämtliche anderen preußischen Münzstätten beispielsweise kündigten dem zuständigen Minister die Seigniorage an und informierten ihn über die Arbeitsplanungen und die vorgesehenen Prägungen des laufenden Jahres. Einzig aus Breslau kamen keine derartigen Berichterstattungen. Dennoch lobte Ludwig Wilhelm Graf von Münchow (1709–1753), seines Zeichens erster schlesischer Provinzialminister, die Arbeit des Münzdirektors vor dem König.[6] Auf seinem neuen Posten hatte Kröncke finanziell ausgesorgt. Die schlesische Münze in Breslau besaß eine herausragende Stellung innerhalb des preußischen Münzsystems. Dies ist schon allein daran ersichtlich, dass Kröncke 1755 mit 2000 Talern jährlich wesentlich mehr verdiente als seine Kollegen in vergleichbaren Positionen in anderen Städten (Berlin: 600, Königsberg: 500).[6] Nachdem die russischen Armeen 1762 aus der Provinz Ostpreußen abgezogen waren, ordnete Friedrich II. an, das Kröncke eine Bestandsaufnahme der dort umlaufenden geringwertigen Münzen – zu denen auch die russischen Exemplare gezählt wurden – durchführen solle. Kröncke bestimmte, dass diese noch ein Jahr umlaufen dürften und alle Staatskassen die schlechten Münzen anzunehmen und an die Prägeanstalten weiterzuleiten hätten.

Generalmünzdirektor in Berlin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gotthold Ephraim Lessing (hier um 1767 / 1768) beriet einen Freund 1765 darin, wie dieser Krönckes Gunst gewinnen könnte.

Im Oktober 1763 beorderte der König daher Martin Kröncke zu einer Besprechung nach Berlin. Thematisiert wurden dabei vor allem Fragen, die sich aus dem Ende Februar 1764 anstehenden Ablauf von Ephraims und Itzigs Pachtzeit der preußischen Münzstätten ergaben (siehe nächstes Kapitel).

Krönckes Vorschläge fanden Anklang und Friedrich II. übertrug ihm mit Wirkung zum 1. Dezember 1763 das Amt des Direktors der Berliner Münze und damit des preußischen Generalmünzdirektors, womit erneut ein Jahresgehalt von 2000 Reichstalern einherging.[11] Der entmachtete Graumann war bereits im April 1762 gestorben und übergangsweise hatte Finanzrat Friedrich Gotthold Köppen das Amt geführt. Um die finanzielle Situation Preußens zu stabilisieren, erarbeitete Kröncke innerhalb weniger Monate zusammen mit Maximilian von Fürst und Kupferberg und Ernst Wilhelm von Schlabrendorf – den Etat-Ministern des Reiches beziehungsweise der Provinz Schlesien – ein neues Münzedikt. Dieses sah als Hauptbestandteil die Wiedereinführung des 14-Taler-Fußes für Kurantmünzen sowie des 18-Taler-Fußes für Scheidemünzen vor. Friedrich II. unterzeichnete die Regelung am 29. März 1764, die am 1. Juni in Kraft trat.

Aus dem Juli 1765 ist ein Briefwechsel Martin Krönckes mit dem Breslauer Rendanten Carl August Lang(n)er überliefert. Dieser trat mit der Bitte an den Generalmünzdirektor heran, ihn beim König zur Beförderung und möglichen Versetzung an die Münze Berlin vorzuschlagen. Kröncke lehnte das Ansinnen am 20. Juli schroff ab.[12] Zuvor hatte Langer seinen Bekannten Gotthold Ephraim Lessing konsultiert und von ihm Ratschläge bezüglich des Vorgehens erhalten.[13] Nach Krönckes Absage wandte er sich abermals an Lessing und erläuterte ihm schriftlich die Lage, wobei er Kröncke despektierlich als „Der Alte“ bezeichnete.[14] Langer erwähnte, sich noch mal an Kröncke wenden zu wollen. Das Ergebnis dieser neuerlichen Anfrage ist nicht bekannt. Zwar äußerte sich der König einmal mit den Worten „Er ist ein guter Münzdirektor – aber er ist auch ein Dickschädel.“[15] über Kröncke, dies änderte jedoch nichts daran, dass er ihm mit viel Respekt begegnete. Zwischen dem Generalmünzdirektor und dem aufgeklärt-absoluten Herrscher entwickelte sich ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis und es ist bekannt, dass Friedrich II. Kröncke des Öfteren in dessen privaten Wohnräumen besuchte.

Münzgeschichtliches und geldpolitisches Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Breslau vor dem Siebenjährigen Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Angaben zur Leistung der schlesischen Münzanstalt in Breslau während des ersten Jahres unter Krönckes Direktion sind widersprüchlich. Einerseits geht aus den Quellen hervor, dass es Kröncke zunächst nicht gelang, vierteljährlich 300.000 Reichstaler in Silber zu münzen, wie Graumann es in Berlin dem König versprochen hatte. Stattdessen brachte man es wöchentlich lediglich auf 20.000 Reichstaler in Gold und ebenso viele in Silber.[8] Der König zeigte sich in dieser Situation allerdings geduldig. Andererseits ist zu lesen, dass die Prägung unter Kröncke „gut voran ging“: Die Seigniorage betrug demnach im Quartal Februar, März und April 1751 47.578 Reichstaler, womit der König sehr zufrieden war.[10] Gesichert ist, dass sich die Kaufleute erfreut über die neuen Taler zeigten. Sie konnten der Münze auf einen Monat im Voraus 20.000 bis 30.000 Taler zinsfrei in Form von Louis d’or vorschießen, um dafür Taler zu erhalten.

Ein anfängliches Problem stellte die Ungleichheit der Goldgewichte dar. Nachdem die Kaufmannschaft Beschwerden eingereicht hatte, überprüfte die Obersteuerkasse 75 Friedrich d’or und befand, das einer um ein halbes, drei um ein viertel und acht um ein drittel As zu leicht waren. Man wies den Direktor an, diese Unstimmigkeiten zu beheben, erkannte aber zugleich auch an, dass die Kassen solch geringe Differenzen durchaus überstehen könnten. Kröncke verteidigte die Justierung und äußerte, dass um ein halbes As zu leichte Friedrich d’or nur sehr selten vorkommen würden. Zudem äußerte er die Vermutung, dass die älteren Goldgewichte eventuell differierten. Die Kassen müssten im Wiegen vorsichtiger sein. Seiner Meinung nach – niedergeschrieben in einem Gutachten Mitte April 1751 – schadete es zu sehr dem Ruf des Friedrich d’or, wenn bezüglich eines halben As „mehr Geschrei gemacht“ würde, als bezüglich zweier oder dreier As bei den Louis d’or.[16] Auch das Korn des Breslauer Friedrich d’or entsprach zunächst nicht dem Standard. Bei Qualitätsprüfungen von Proben aus den ersten vier Monaten 1751 ergab sich, dass sie nicht 21 Karat und neun Gran, wie es der Münzfuß vorschrieb, sondern nur 21 Karat und acht Gran enthielten. Dies wurde offenbar stillschweigend verbessert, da keine entsprechende Meldung an den König ging. Die Silbermünzen hingegen waren fast alle etwas zu fein. Krönckes Wardein Viedebantt entschuldigte dies mit damit, dass es unmöglich sei, Stück für Stück exakt nach dem Münzfuß zu finieren.

Genauso wie preußenweit nahm auch in Breslau in dieser Zeit die Prägung der Kurant- und Goldmünzen gegenüber jener der Scheidemünzen ab. Im ersten Münzjahr unter der Direktion Martin Krönckes wurden in Breslau für eine Million Reichstaler Gold- und für über eineinhalb Millionen Taler Silberkurant geprägt. Diese Summen sanken für den Zeitraum von Dezember 1753 bis Dezember 1754 auf 114.000 beziehungsweise 260.000 Taler. Dagegen stieg im selben Zeitraum der Scheidemünzschlag von 40.000 auf 311.000 Taler an. Kröncke selbst erwähnte rühmend, dass die Prägung der Scheidemünzen nicht mal ein Fünftel der Gold- und Silberkurantproduktion erreichte. Der erhoffte positive Effekt blieb aber zunächst aus, weil in Schlesien zahlreiche Groschen und Sechser der anderen Münzstätten im Umlauf waren.

Die Prägestatistik für die Breslauer Münzanstalt ist nur bis zum 30. November 1754 überliefert. Dennoch liefert sich einen Einblick in die münzpolitischen Entscheidungen Krönckes. In Schlesien herrschte ein Mangel an Kleingeld, weshalb man die Bayreuther und bayerischen 3-Kreuzer und Kreuzer nicht entbehren konnte. Man setzte sie allerdings auf einen und drei Gröschel[A 3] hinab, sodass sie ohne Verlust umgeprägt werden konnten. Dies diente dem Ziel, die seit zwei Jahren viel zu geringe Scheidemünzprägung nachzuholen. Im März, April und Mai 1754 ließ Kröncke ausschließlich Kreuzer und Gröschel prägen – wöchentlich für 2000 beziehungsweise 1200 Taler. In den folgenden Wochen wurde offenbar, dass im schlesischen Geldkreislauf zu wenige Friedrich d’or in Umlauf waren, was besonders die Domänenpächter schädigte, die ihre Pacht zu einem Sechstel mit Dukaten und zu fünf Sechsteln mit Kurantmünzen und Friedrich d’or zahlen sollten. Graumann instruierte Kröncke daraufhin, in Breslau wieder Dukaten zu prägen. Es wurden jedoch nur 895 geschlagen, da mit ihnen ein Handel in den Ländern des Erzherzogtums Österreich, die sich gegen preußische Münzen wehrten, nahezu unmöglich war.[17]

Martin Kröncke veranlasste in Breslau die Prägung von Szostaken (6-Gröscher) und sächsischen Tympfen (18-Gröscher), um den Handel mit den Nachbarstaaten – namentlich dem Kurfürstentum Sachsen sowie Polen-Litauen – zu stärken. Diese Maßnahme wurde zunächst im August 1754 beendet. Die Verbreitung fremdgeprägter Tympfe, vor allem aus Leipzig, hingegen wollte man in Schlesien reduzieren, weshalb sie an den Grenzen konfisziert oder zurückgeschickt wurden. Da zwischen Preußen und dem Kurfürstentum Sachsen aber Frieden herrschte, war dies keine dauerhaft praktikable Lösung. Ab Mai 1755 wurden daher in Schlesien sehr moderate Zölle auf sächsische Münzen erhoben.[A 4] Wenig später setzte Kröncke die Prägung der Tympfe fort. König Friedrich II. hatte bereits zuvor zugestanden, dass in Breslau von polnischen Personen gegebene Tympfe als als Bezahlung angenommen werden dürften. Es war jedoch verboten, sie weitergehend in Schlesien ausgegeben, da sich die schlesischen Kaufleute sonst zu „Kommissionären der Leipziger Münzstätte“ gemacht hätten.[18] Die polnischen Viehhändler bezahlte man in Breslau während der Jahre 1755 und 1756 mit eigens nachgemünzten Tympfen und Szostaken Leipziger Typs. Später imitierte man sogar die Umschrift der Münzen. Die Tympfe dienten allerdings nicht – wie im restlichen Preußen – als Kurant- oder Wechselgeld, da die schlesischen Kaufleute sie als solches ablehnten, weil sie zu ungleich gemünzt waren.

Die münzpolitischen Entscheidungen Martin Krönckes erwiesen sich als äußerst erfolgreich. Als 1756 der Siebenjährige Krieg ausbrach, war Schlesien die wirtschaftlich am besten aufgestellte Provinz Preußens und verfügte über den größten Handelsumsatz im Reich.[19]

In Breslau unter dem Eindruck des Siebenjährigen Krieges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als der Geldbedarf des Königs zu Beginn des Siebenjährigen Krieges 1756 stark angestiegen war, hatte man den Graumann’schen Münzfuß verlassen. Veitel Heine Ephraim und Daniel Itzig erhielten die Pachtrechte für alle preußischen Münzprägeanstalten. Mit königlicher Duldung[20] führten sie Münzverschlechterungen durch, erhöhten so die Seigniorage und prägten Millionen minderwertiger Münzen – die sogenannten Ephraimiten. Die Aufdeckung dieser dubiosen Methoden brachte das preußische Münzwesen in schweren Misskredit bei der Bevölkerung. 1762 kam Friedrich II. zu der Einsicht, dass die Versuche, neue Scheidemünzen einzuführen, gescheitert waren.

Ernst Wilhelm von Schlabrendorf (zweiter von links) bezeichnete Kröncke während des schlesischen Münzkonfliktes 1763 als „eigensinnigen Mann“, erarbeitete aber wenige Monate später mit ihm zusammen das neue preußische Münzedikt.

Es wurde reichsweit nicht ausreichend Geld geprägt und in Schlesien, wo dieser Geldmangel am eklatantesten war, entbrannte im Sommer 1763 ein intensiver Streit bezüglich der Verantwortung für die Missstände. Ernst Wilhelm von Schlabrendorf, Etatminister und Präsident der schlesischen Kriegs- und Domänenkammer, warf den Unternehmern im Juni vor, seine vielfachen Ermahnungen, rechtzeitig Silber zur Kurantprägung zu beschaffen, seien von ihnen nicht beachtet worden. Darüber hinaus hätten sie anstatt Drittel zu prägen aus dem ohnehin knappen Kriegsgeld kleinere Sorten geschlagen. Er bemerkte, dass in Berlin im Jahresverlauf knapp sieben Millionen Taler eingewechselt worden seien – in Breslau hingegen kaum eine Million. Dabei hätte Schlesien wegen seines umfangreichen Handelsumschlages wesentlich mehr Geld nötig als die preußische Hauptstadt. Auch Finanzrat Friedrich Gotthold Köppen – der interimsweise als Generalmünzdirektor in Berlin amtierte – schob die Schuld auf die Unternehmer. Diese wehrten sich gegen die Vorwürfe und beklagten ihrerseits eine nachlässige Ausmünzung durch Martin Kröncke. Darüber hinaus hätten sie infolge der erhöhten Silberpreise, der Eröffnung zahlreicher Wechselstuben sowie der sie schädigenden Umwechslung der schlechten in gute Münzsorten hohe Verluste erlitten.[21] Kröncke seinerseits verteidigte sich ebenfalls gegen die aus seiner Sicht ungerechtfertigten Anschuldigungen. Er gab an, nicht schneller prägen zu können, da man zwar 60.000 Mark geringwertigen Silbers, allerdings trotz aller nachdrücklicher Erinnerungen nur 8000 Mark Piaster erhalten habe. Weiter führte er aus, im ersten Halbjahr problemlos Münzen im Wert von fünf Millionen statt bis dahin lediglich eineinhalb Millionen Taler hätte schlagen zu können, wenn ihm mehr Feinsilber zur Verfügung gestellt worden wäre.[22] Diese Äußerung veranlasste von Schlabrendorf, den Breslauer Münzdirektor vorwurfsvoll als „eigensinnigen Mann“[22] zu bezeichnen, da Kröncke seiner Meinung nach aus dem Silber dennoch Sechstel und Zwölftel hätte prägen können. Schließlich riet Köppen, sächsische Drittel zu verwenden, was auch geschah. Daraufhin ließen in der zweiten Jahreshälfte 1763 die Klagen hinsichtlich Geldknappheit in Schlesien signifikant nach.

Die Münzverschlechterung, der Mangel an Kurantgeld und eine Fülle an Wechselbriefen hatten aber noch mehrere Monate stark negative Auswirkungen an den Handelsplätzen in Amsterdam, Hamburg, Berlin und Leipzig.

Freimaurerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noch während seines Berufslebens, aber vor allem später im Ruhestand wirkte Kröncke als einer der bedeutendsten Freimaurer seiner Zeit. Er war knapp 26 Jahre in unterschiedlichen Logen aktiv und beteiligte sich wie viele seiner Zeitgenossen am freimaurerischen Systemkampf des 18. Jahrhunderts.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1717 galt die Erste Großloge von England in London mit ihrer Satzung, den Alten Pflichten, als oberste Instanz der europäischen Freimaurerei. Eine Anerkennung seitens der Engländer galt als Existenz-Legitimation für neue Logen. 1751 formte Karl Gotthelf von Hund und Altengrotkau im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation das Hochgradsystem der Strikten Observanz. Die am Templerorden orientierte, streng hierarchisch aufgebaute Lehre besaß einen okkulten Charakter, wirkte aber auf viele Freimaurer sehr attraktiv, sodass bis Anfang der 1770er Jahre zahlreiche Logen zu ihr übertraten. Parallel dazu entwickelte sich ab 1756 – und seit 1769 im Deutschen Reich in direkter Konkurrenz zu von Hunds Ritus – das ebenfalls explizit christlich ausgerichtete Schwedische Lehrsystem. Ab etwa 1782 wurde die Strikte Observanz zunehmend bedeutungslos und zerfiel schließlich.

Traditioneller Beginn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum ersten Mal im maurerischen Kontext erwähnt wird Krönckes Name am 6. Juni 1748 bei der Aufnahme in die Braunschweiger Johannisloge „Jonathan“.[23] Im Protokollbuch ist er mit der Matrikelnummer 109 gelistet. Bereits weniger als zwei Wochen später, am 18. Juni, wurde er in den dritten Grad (Meister) initiiert.[23] Es war in jenen Zeiten durchaus üblich, Mitglieder an einem Tag oder in kurzen Zeitabständen in mehrere Grade einzuführen. Zudem gab es noch einen sehr pragmatischen Grund für diesen raschen Aufstieg: Viele Logenbrüder leisteten während des Österreichischen Erbfolgekrieges Wehrdienst und waren abwesend. Der Meister vom Stuhl, du Roy, hielt es daher für unbedingt notwendig, dass die neuen Mitglieder noch vor dem Johannistag (24. Juni) – dem traditionellen Beginn des maurerischen Jahres – zur Meisterschaft zugelassen würden, damit bei den jährlichen Neuwahlen alle Ämter besetzt werden konnten.[24] Weitere namhafte Mitglieder der Loge „Jonathan“ waren unter anderen der bereits 1745 verstorbene Albrecht von Braunschweig-Wolfenbüttel sowie Krönckes Vorgesetzter Johann Philipp Graumann. In Breslau wird Kröncke erstmals im Protokoll der Johannisloge „Zu den drei Totengerippen“ – die als Tochterloge der Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ fungierte – vom 24. Juni 1751 erwähnt. Er war ein engagiertes Mitglied und fehlte bei fast keiner Tempelarbeit. 1754 wurde er als Erster Aufseher (frz.: aîné surveillant) genannt und vom 22. Juni 1755 bis zum 4. Dezember 1760 – sowie bereits kurzzeitig 1753 – hatte er das Amt des Logen-Schatzmeisters inne. In dieser Loge lernte er auch Johann Wilhelm Kellner von Zinnendorf kennen, mit dem ihn bis zum Lebensende eine enge Freundschaft verbinden sollte.

Wechsel der Systeme und Wahl zum Großmeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach ihrem nahezu zeitgleichen Umzug nach Berlin wollte von Zinnendorf Kröncke noch 1763 zum Großmeister einer zu gründenden dortigen Loge ernennen;[25] die Erste Großloge von England versagte allerdings das zur Errichtung erforderliche Konstitutionspatent. Daraufhin kam es zum Bruch der beiden Freunde mit dem damals noch dominanten Englischen Lehrsystem. Stattdessen wandten sie sich dem neuen Hochgradsystem der Strikten Observanz zu und Kröncke wurde am 30. August 1766 bei der Johannisloge „Zur Eintracht“ affiliiert, die dieser Lehre bereits folgte, sie aber erst ein halbes Jahr später zeitgleich mit der Großen National-Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ offiziell annahm. Es ist davon auszugehen, dass sich Kröncke – ebenso wie auch von Zinnendorf es tat – schon wenig später wieder von der Strikten Observanz lossagte. Am 10. August 1769 war er dann Gründungsmitglied der Johannisloge „Zu den drei goldenen Schlüsseln“, die von Zinnendorf in Berlin aufgrund eines früheren Patentes nach dem Schwedischen Lehrsystem neu gegründet hatte. Im Oktober 1770 schlug Kröncke dort seinen beruflichen Nachfolger Georg Heinrich Singer als Kandidaten zur Aufnahme in die Loge vor, was bewilligt wurde.

Maßgeblich auf Initiative von Zinnendorfs entstand 1770 in Berlin die Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland mit anfangs acht untergeordneten Logen. Freimaurerische Historiker vermuten, dass dieser, Kröncke und andere Mitglieder eine Übereinkunft trafen: Demnach war es ein „Beweis von der edlen Natur des heftigen von Zinnendorf, der doch wohl wußte, wie viel er Allen an Energie überlegen war“,[26] dass er lediglich den Posten als stellvertretender Großmeister übernahm. Kröncke hingegen galt seinen Kollegen als der „Begabteste und Liebenswürdigste von Allen.“[26] Am 27. Dezember[27] wurde er per Losentscheid[26] zum ersten Landesgroßmeister gewählt. Da (in allen Lehrsystemen) reguläre Wahlen ausschließlich zu Beginn des maurerischen Jahres im Sommer abgehalten wurden, erfolgte die Wahl zunächst ad interim.[28] Ausgerüstet mit „mehr Willenskraft und Rücksichtlosigkeit als Andere“[26] war von Zinnendorf für das operative Geschäft zuständig und leistete die Hauptarbeit, „trotz des Bewußtseins, daß er damit den höchsten Preis nur für einen Anderen gewinnen konnte.“[26] Diesem Anderen – Kröncke – wiederum gebot die „Bescheidenheit […], dem Stärkeren und Überlegenen zu weichen und zu folgen.“[26] Er hielt sich nahezu vollständig aus den Geschäften heraus und beschränkte sich auf die moralische Führung der Loge. Es ist kein einziges von ihm selbst aufgesetztes Schriftstück erhalten. In der Regel fertigte von Zinnendorf alle Briefentwürfe und Kröncke signierte sie ohne jede Änderung des Wortlautes. Dennoch wurde er innerhalb der Freimaurerei vielfach gelobt für die

„gute Regierung, […] das liebreiche und wohltätige Bezeigen, gleichwie […] den rühmlichen Eyfer, welchen [er] zu erkennen gegeben“[29]

habe. Am 17. Juni 1771 sowie am 12. Juni 1772 wurde er bei Wiederwahlen jeweils einstimmig im Amt bestätigt. Schließlich trat er zum 10. Juni 1773 zurück.[27][30] Sein Nachfolger Ludwig Georg Karl von Hessen-Darmstadt bot ihm umgehend den Posten des deputierten Großmeisters an, was Kröncke jedoch ablehnte.[31]

Leben im Ruhestand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannte Wohnungen von Martin Kröncke[19]
Breslau

  • 1752–1763: Im Münzamtshaus auf der Matthiasschanze

Berlin

Anfang 1770 bat er den König „Alters und kränklicher Umstände halber“[11] um seine Entlassung. Friedrich II. gab diesem Rücktrittsgesuch am 29. Januar 1770 statt und versetzte den unverheirateten und kinderlosen[1] Kröncke mit einem jährlichen Gnadengehalt von 500 Reichstalern in den Ruhestand. Das General-Ober-Finanz-Kriegs- und Domainen-Direktorium sprach dem Pensionär am 20. März seine Glückwünsche aus und wünschte ihm „die wohlverdiente Ruhe“.[11] Sein Nachfolger im Amt des Generalmünzdirektors wurde Georg Heinrich Singer (* 1724), der ebenfalls zuvor als Direktor die Breslauer Münze geleitet hatte.

In seinen letzten Jahren lebte er zusammen mit dem Münzmeister August Ludwig Friedrich Nelcker in seiner vormaligen Arbeitsstätte – dem Gebäude der Alten Münze in der Unterwasserstraße 2 auf dem Friedrichswerder.[23] Er pflegte unter anderem eine enge Freundschaft zu Friedrich Christian Göring, dem damaligen Prediger an der Petrikirche und späteren Generalsuperintendenten von Pommern. Troschel erwähnte in seiner Trauerrede, dass Kröncke in Berlin eine Stiftung zur Linderung der Not von Waisenjungen ins Leben rief.[32] Möglicherweise geschah dies unter dem Eindruck seiner eigenen Kindheit, als er im Alter von acht Jahren seinen Vater und später den Stiefvater verloren hatte. Weitere Details zu dieser Institution sind allerdings nicht bekannt. Insbesondere ab 1771 machten Kröncke zunehmend gesundheitliche Probleme zu schaffen, aufgrund derer er seine gesellschaftlichen Aktivitäten nach und nach reduzieren musste. Seine medizinische Betreuung übernahm Johann Wilhelm Kellner von Zinnendorf.

Im Alter von 68 Jahren starb der ehemalige Münzdirektor am 26. April 1774 zwischen zwei und drei Uhr morgens in Berlin an einem „Brustleiden“,[11] näher spezifiziert als Lungenödem („Steckfluß“),[33] und wurde am 29. April auf dem später aufgelassenen St.-Petri-Friedhof beerdigt.[15][23] Für die Organisation der Bestattung zeichnete Singer verantwortlich. Die Trauerreden hielten der städtische Oberhofprediger August Friedrich Sack und seitens der Freimaurer Christian Ludwig Troschel[34] (1735–1802). Am darauffolgenden Tag, dem 30. April, druckten die Berliner Nachrichten folgende kurze Nachricht, die sowohl Todesanzeige als auch Nachruf war:

„Dienstag ist der Herr General Münzdirector Kröncke im 72sten [sic!] Jahre Seines ruhmvollen Alters an einer Brustkrankheit aus dieser Welt gegangen. Er hat Sr. Majestät dem Könige über 20 Jahre die treuesten und ersprießlichsten Dienste geleistet, und Seine Rechtschaffenheit und Menschenliebe werden Sein Andenken unvergeßlich machen.“[15]

Einen wesentlichen Teil seines Nachlasses vererbte Kröncke seinem Halbbruder Johann; weitere Vermächtnisse und Stiftungen kamen der Stadt Berlin zugute.

Beziehungen zur Heimat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Wegzug aus dem Land Hadeln sah Kröncke seine Heimat nur zu seltenen Anlässen wieder. Einer davon war die Eheschließung seines Halbbruders Johann, zu der er aus Braunschweig anreiste und als Hochzeitsgeschenk sechs zwölflötige Silberlöffel mitbrachte.[6] Er verweilte einige Wochen in der Region und traf sich unter anderem mit seinem ehemaligen Förderer Dietrich Hincke sowie mit dem dänischen Rittmeister Marcus Meden, der in Dörringworth einen Hof erworben hatte.

Trotz der räumlichen Trennung blieben Martin und Johann in Briefwechseln stets in Kontakt. Sobald er in Breslau zu Wohlstand und Vermögen gekommen war, bemühte Kröncke sich, seine Verwandten und Bekannten im Land Hadeln finanziell zu unterstützen. Dies ist einerseits auf seinen bescheidenen Lebensstil zurückzuführen und andererseits auf die Wertschätzung, die er beispielsweise Hincke dafür entgegenbrachte, dass dieser ihm während der Hamburger Phase ungefragt geholfen hatte. Als Johann im Oktober 1763 zum Schultheiß ernannt wurde, schickte Kröncke ihm umgehend 400 und bald darauf noch einmal 300 Taler, damit er „sich würdige Kleidung anschaffen und eine gute Stube ausbauen könne.“[15] Ferner erfuhr er, dass Hincke einige Ländereien erworben hatte und übersendete ihm die Kaufsumme. Von Berlin aus schrieb er Johann, dieser möge seine fünfjährige Tochter mit einer Begleiterin auf einem Schiff nach Hamburg schicken, und empfahl einen dortigen Gasthof, zu dem er eine Kutsche senden wollte. Er erklärte, alle Kosten begleichen und das Kind gut unterrichten lassen zu wollen und äußerte die Absicht, sie später als seine Alleinerbin einzusetzen. Hottendorf lehnte dieses Angebot ab.[15]

In einem Brief aus dem Jahr 1771 sprach Kröncke offen darüber, dass er „das Ende seiner Tage fühle“,[15] und bat Johann, ihm mitzuteilen, wie groß der Hof inzwischen sei und wie viele Schulden er habe – er erklärte, ihm so viel Geld vermachen zu wollen, dass er einen unverschuldeten Hof bewohnen könne. Hottendorf besprach sich daraufhin mit dem Neuenkirchener Kirchspielschreiber Götze. Dieser riet ihm, außer den bestehenden 7000 Talern Schulden noch weitere 5000 Taler anzugeben, die er für den Zukauf einiger Ländereien und den Neubau einer Scheune verwandt hatte. Hottendorf ging darauf jedoch nicht ein, sondern meldete seinem Bruder lediglich die Verschuldung in Höhe von 7000 Talern. Es ist allerdings davon auszugehen, dass Götze anschließend noch eigenständig Kontakt zu Kröncke aufnahm und ihm die Umstände erklärte, denn letztlich vererbte der ehemalige Generalmünzdirektor seinem Bruder 12.000 Taler. Johann Hottendorf wurde durch Hofrat Droschel über Martins Tod in Kenntnis gesetzt und erfuhr, dass der Verstorbene ihn zum Testamentsvollstrecker (Mandatar) bestimmt hatte. Später wurde ihm auch der Text von Troschels Trauerrede zugesendet.[15]

Persönlichkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner Heimatstadt Neuenkirchen im Land Hadeln ist der Marten-Kröncke-Weg nach dem Generalmünzdirektor benannt.

Martin Kröncke war – zumindest während seines letzten Lebensabschnittes in Berlin – sehr darauf bedacht, seine Herkunft sowie sein Privatleben bedeckt zu halten und wollte von seinen Freunden und Bekannten ausschließlich in Hinblick auf seine beruflichen Verdienste und seine Leistungen in der Freimaurerei beurteilt werden. Wie wenig selbst Jene über ihn wussten, die sehr häufig Umgang mit ihm hatten, verdeutlicht folgendes Zitat aus der Trauerrede Troschels:

„Ich sollte freilich noch der Gewohnheit zufolge von denen Lebensumständen unseres Freundes hier noch etwas reden; allein es ist aller angewendeten Mühe ohngeachtet davon Nichts bekannt geworden, und ob ich gleich von ihm selbst auf mein Bitten Hoffnung hatte, einige Nachricht zu finden, so hat ihn doch der Tod übereilt, oder er hat es genug gehalten, daß die Nachwelt von ihm wisse: Daß, er möge zu einer Zeit, an einem Orte und von welchen Eltern es wolle, geboren sein, er als ein solcher Mann gelebet und gestorben sei, der seiner ganzen Familie, mit einem Wort, der seinem ganzen Leben Ehre gemacht hat. […] Das wahre Edle des Lebens machen nicht unsere Voreltern, keine äußeren Umstände, sondern die Menge guter Handlungen aus, die wir ausgeübt haben.“[35]

Eine Charaktereigenschaft, von der aber sehr wohl viele Freunde Kenntnis hatten, war Krönckes Religiosität. Troschel hob diese zwar in seiner Trauerrede hervor; es ist aber unklar, ob sie tatsächlich über das normale Maß hinausging oder ob der Redner lediglich versuchte, den paar wenigen Details über das Leben des Verstorbenen eine größere Bedeutung angedeihen zu lassen. Vermutlich stand Krönckes Gottesglaube im Einklang mit den Alten Pflichten, in deren erstem Abschnitt es unter dem Titel Von Gott und der Religion heißt: „Ein Freimaurer ist verpflichtet, dem Sittengesetz zu gehorchen und falls er die Kunst recht versteht, wird er weder ein stupider Atheist noch ein irreligiöser Libertin sein.“ Troschel führte aus:

„Seine tägliche eifrige Verehrung der Religion, der er sich nie […] schämete, aber auch nie schwärmerischen Gewohnheiten nachgab, war seine sichere Führerin zu seinem wahren Glück und zur wahren Zufriedenheit. Unterricht und Trost sammelte er aus den besten Schriften. Einen Spalding und Jerusalem zu lesen ward er nicht müde.“[35]

Obgleich Kröncke scheinbar ein sehr reservierter Charakter war, genossen Bekannte seine Gesellschaft. Sie schätzten seinen Ethos, seine Arbeitsmoral, sein persönliches Auftreten sowie anregende Gespräche mit ihm. Auch seine Haltung angesichts des nahen Todes nötigte ihnen Respekt ab, wie Troschel erläuterte:

„Und in seinem [Krönckes] nützlichen und angenehmen Umgang verflossen unvermerkt so manche Stunden der sonst in dem Alter bei so manchen Beschwerden trüben Lebenstage. […] Wenn sonst lasterhafte Freunde gegen die herannahende Stunde des Todes das Sterbebette fliehen, den Zeitpunkt, wo so manches Gewissen eines Umstehenden mit Schrecken erwachet, so verließen unseres Freundes Freunde ihn nicht. Überzeugt, daß sie nie seiner Wohlfahrt entgegengearbeitet hatten, brachten sie noch den letzten Abend seines Lebens mit ihm zu. Sein herannahendes Ende war Erbauung vor ihnen, und sein Hingang zu jenen seligen Ewigkeiten bestätigte in ihnen den Gedanken: Wie gut es sei, gut gelebt zu haben, um gut sterben zu können. Sie lernten von ihm sterben!“[36]

Weiterführend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilhelm Wald: Br. Martin Kröncke, der erste Landes-Großmeister der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland. In: Zirkelcorrespondenz der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland. 44. Jahrgang, № 16, Oktober 1915, Seiten 467–480.
  • Benno Eide Siebs: Lebensbilder von der Elb- und Wesermündung. Nordwestdeutscher Verlag Ditzen & Co., Bremerhaven 1966, Seiten 36–38.
  • Kurt Asendorf: Heimatbuch Morsum. MBO Druck & Verlag GmbH, Weyhe 1986, ISBN 3-925743-02-2, Seite 476.
  • Karl-Heinz Buhse: Vom Hadelner Bauernjungen zum Generalmünzdirektor Friedrichs d. G. – Martin Krönckes Leben und Wirken. Ein Versuch. In: Geldgeschichtliche Nachrichten. 21. Jahrgang, № 112, 1986, Seiten 82–88.
  • Christian Ludwig Troschel: Der Weise, der den Tod kennet und ihn nicht fürchtet. In: Karlheinz Gerlach (Hrsg.): Berliner Freimaurerreden 1743–1804. Peter Lang, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-631-30386-6, Seiten 115–126.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Anstellung Krönckes in Braunschweig muss zwischen dem 26. Januar (Anstellung Graumanns) und dem 18. März 1742 (erste Erwähnung Krönckes in einem Braunschweiger Münzbericht) erfolgt sein.
  2. Als „Abgang“ wird in der Münztechnik der während der Bearbeitung auf vielfache Art und Weise eintretende Schwund an Metall bezeichnet. Der „Weißsiedeabgang“ tritt beim Weißsieden der Metallplatten auf.
  3. „Gröschel“ war die volkstümliche Bezeichnung für kleine Groschen – also Teilstücke des Groschens. Im Wert von drei Pfennigen (= ¼ Groschen) wurden sie seit dem 16. Jahrhundert im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation in Silber geprägt. Im 18. und 19. Jahrhundert prägte man in Schlesien und Böhmen Kupfermünzen im Wert von ¾ Kreuzern mit dieser Bezeichnung. Darüber nannte man im 16. Jahrhundert in Süddeutschland auch den Halbbatzen (= zwei Kreuzer) „Gröschel“.
  4. Die schlesischen Steuern auf sächsisches Geld mit Erlass vom 26. Mai 1755: Für 13.090 Reichstaler in sächsischen Tympfen mussten 32 Reichstaler und 17 ½ Groschen Postgeld bezahlt werden. Für 4320 Reichstaler in sächsischem Kupfergeld mussten 39 Reichstaler und acht Groschen Zoll bezahlt werden.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Asendorf (1986), Seite 476.
  2. a b c Siebs (1966), Seite 36.
  3. a b c d e f Buhse (1986), Seite 83.
  4. Siebs (1966), Seite 37.
  5. Friedrich von Schrötter: Das preußische Münzwesen im 18. Jahrhundert. Münzgeschichtlicher Teil, 2. Band: Die Begründung des preußischen Münzsystems durch Friedrich d. Gr. und Grauman 1740–1755. Parey-Verlag, Berlin, 1908, Seite 68.
  6. a b c d e Buhse (1986), Seite 84.
  7. Friedrich von Schrötter: Das preußische Münzwesen im 18. Jahrhundert. Münzgeschichtlicher Teil, 2. Band: Die Begründung des preußischen Münzsystems durch Friedrich d. Gr. und Grauman 1740–1755. Parey-Verlag, Berlin, 1908, Seite 263.
  8. a b Friedrich von Schrötter: Das preußische Münzwesen im 18. Jahrhundert. Münzgeschichtlicher Teil, 2. Band: Die Begründung des preußischen Münzsystems durch Friedrich d. Gr. und Grauman 1740–1755. Parey-Verlag, Berlin, 1908, Seite 264.
  9. Friedrich von Schrötter et al. (Hrsg.): Wörterbuch der Münzkunde., 2. Auflage, Verlag Walter de Gruyter, Berlin, 1970, ISBN 978-3-11-001227-9, Seite 3.
  10. a b Friedrich von Schrötter: Das preußische Münzwesen im 18. Jahrhundert. Münzgeschichtlicher Teil, 2. Band: Die Begründung des preußischen Münzsystems durch Friedrich d. Gr. und Grauman 1740–1755. Parey-Verlag, Berlin, 1908, Seite 266.
  11. a b c d Siebs (1966), Seite 38.
  12. Helmuth Kiesel (Hrsg.): Werke und Briefe. Gotthold Ephraim Lessing. Band 11: Briefe von und an Lessing 1743–1770. Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt am Main, 1987, ISBN 3-618-61150-1, Seite 868.
  13. Edward Białek: Zwischen Verlust und Fülle – Studien zur Literatur und Kultur. Festschrift für Louis Ferdinand Helbig. Neisse Verlag, Dresden, 2006, ISBN 978-3-934038-70-7, Seite 193.
  14. Helmuth Kiesel (Hrsg.): Werke und Briefe. Gotthold Ephraim Lessing. Band 11: Briefe von und an Lessing 1743–1770. Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt am Main, 1987, ISBN 3-618-61150-1, Seite 434.
  15. a b c d e f g Buhse (1986), Seite 86.
  16. Friedrich von Schrötter: Das preußische Münzwesen im 18. Jahrhundert. Münzgeschichtlicher Teil, 2. Band: Die Begründung des preußischen Münzsystems durch Friedrich d. Gr. und Grauman 1740–1755. Parey-Verlag, Berlin, 1908, Seite 265.
  17. Friedrich von Schrötter: Das preußische Münzwesen im 18. Jahrhundert. Münzgeschichtlicher Teil, 2. Band: Die Begründung des preußischen Münzsystems durch Friedrich d. Gr. und Grauman 1740–1755. Parey-Verlag, Berlin, 1908, Seite 268.
  18. Friedrich von Schrötter: Das preußische Münzwesen im 18. Jahrhundert. Münzgeschichtlicher Teil, 2. Band: Die Begründung des preußischen Münzsystems durch Friedrich d. Gr. und Grauman 1740–1755. Parey-Verlag, Berlin, 1908, Seite 269.
  19. a b Buhse (1986), Seite 85.
  20. Erklärung des Begriffes „Münzpacht“. Abgerufen auf der Homepage der „rbb Preußen-Chronik“ (preussenchronik.de) am 13. September 2017.
  21. Selma Stern: Der preußische Staat und die Juden. 3. Band, Abteilung 1. In der Reihe: „Schriftenreihe wissenschaftlicher Abhandlungen des Leo-Baeck-Instituts“, Mohr Siebeck Verlag, Tübingen, ISBN 978-3-16-831371-7, Seite 248.
  22. a b Friedrich von Schrötter: Das preußische Münzwesen im 18. Jahrhundert. Münzgeschichtlicher Teil, 3. Band: Das Geld des siebenjährigen Krieges und die Münzreform nach dem Frieden 1755–1765. Parey-Verlag, Berlin, 1910, Seite 164.
  23. a b c d Gerlach (1996), Seite 126.
  24. Buhse (1986), Seite 87.
  25. Wald (1915), Seiten 467–468.
  26. a b c d e f Wald (1915), Seite 480.
  27. a b Uta Motschmann (Hrsg.): Handbuch der Berliner Vereine und Gesellschaften 1786–1815. Walter de Gruyter, Berlin 2015, ISBN 978-3-05-006015-6, Seite 271.
  28. Wald (1915), Seite 471.
  29. Wald (1915), Seite 469.
  30. Karlheinz Gerlach: Die Freimaurer im Alten Preußen 1738–1806. Die Logen in Berlin. Studienverlag, Innsbruck 2014, ISBN 978-3-7065-5199-1, Seite 599.
  31. Wald (1915), Seite 470.
  32. Wald (1915), Seite 476.
  33. Gerlach (1996), Seite 122.
  34. Informationen über freimaurerische Trauerreden. Abgerufen auf muellerscience.com am 14. September 2017.
  35. a b Wald (1915), Seite 475.
  36. Gerlach (1996), Seite 123.