Montoire-sur-le-Loir
| Montoire-sur-le-Loir | ||
|---|---|---|
| Staat | ||
| Region | Centre-Val de Loire | |
| Département (Nr.) | Loir-et-Cher (41) | |
| Arrondissement | Vendôme | |
| Kanton | Montoire-sur-le-Loir (Hauptort) | |
| Gemeindeverband | Territoires Vendômois | |
| Koordinaten | 47° 45′ N, 0° 52′ O | |
| Höhe | 60–146 m | |
| Fläche | 21,02 km² | |
| Einwohner | 3.646 (1. Januar 2023) | |
| Bevölkerungsdichte | 173 Einw./km² | |
| Postleitzahl | 41800 | |
| INSEE-Code | 41149 | |
Place Clémenceau und Kirche Saint-Laurent in Montoire-sur-le-Loir | ||
Montoire-sur-le-Loir [] ist eine französische Stadt und Gemeinde mit 3646 Einwohnern (Stand 1. Januar 2023) im Département Loir-et-Cher in der Region Centre-Val de Loire. Sie gehört zum Arrondissement Vendôme und zum Kanton Montoire-sur-le-Loir.
Geografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Kleinstadt Montoire-sur-le-Loir am Mittellauf des Loir befindet sich etwa in der Mitte des Städtedreiecks Le-Mans-Tours-Orléans. Der Ortskern liegt ca. 90 Meter über dem Meer. Im Norden des 21 km² großen Gemeindeareals wird in einem Waldgebiet, dem Bois de Fargot, eine maximale Höhe von 146 m erreicht. Zu Montoire-sur-le-Loir gehören die Ortsteile Fargot, Fosse, Saint-Quentin-lès-Troo, Ruau, Valleron und das dem Loir gegenüberliegende Saint-Oustrille; Nachbargemeinden sind Fontaine-les-Coteaux und Lunay im Norden, Les Roches-l’Évêque und Saint-Rimay im Nordosten, Villavard im Osten, Lavardin im Süden, Saint-Martin-des-Bois im Südwesten und Westen sowie Troo im Nordwesten.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]



Mittelalter
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Montoire entstand um das im 7. Jahrhundert gegründete Priorat Saint-Gilles. Der Ort liegt am Loir neben einem Hügel, auf dem Karl der Kahle im 9. Jahrhundert eine Burg zum Schutz gegen Normanneneinfälle errichten ließ. Vom Ende des 11. Jahrhunderts an dieser Stelle von den Herren von Montoire erbauten Schloss sind noch Teile des Donjons und der Umfassungsmauer erhalten. Einer der französischen Jakobswege führte über Montoire, und auch die Pilger auf dem Weg nach Tours zum Grab des Heiligen Martin machten hier Station.
Pétain-Hitler-Treffen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als sich Frankreich im Zweiten Weltkrieg unter deutscher Besatzung befand, fanden in Montoire zwei Treffen des deutschen Diktators Adolf Hitler mit dem französischen Ministerpräsidenten Pierre Laval und mit Marschall Philippe Pétain statt, am 22. Oktober und am 24. Oktober 1940. Der Ort wurde gewählt, weil ein naher Tunnel ihnen jederzeit erlaubt hätte, bei einem britischen Luftangriff Zuflucht zu suchen. Laval hatte im ersten Treffen erwartet, lediglich Joachim von Ribbentrop zu begegnen, und stand unvorbereitet vor Hitler. Er machte diesem sofort Zugeständnisse. Hitler begann mit Schuldzuweisungen an Frankreich, gab sich dann großmütig und fuhr nach Hendaye zu Francisco Franco.
Auf dem Rückweg fand das zweite Treffen statt. Hitler meinte, Pétain müsse ihm in seinem Krieg gegen Großbritannien beistehen. Dieser willigte in die Kollaboration ein, reagierte aber ausweichend zum gemeinsamen Krieg gegen die Briten. Hitler hielt sich seinerseits über den zukünftigen Status Frankreichs bedeckt.[1]
Ein am 24. Oktober entstandenes Foto der beiden Diktatoren wurde durch die deutsche Propaganda ausgiebig verbreitet und markiert einen Wendepunkt für das Vichy-Regime. Die französische Öffentlichkeit ihrerseits reagierte in weiten Teilen schockiert auf das Bild in der Presse. Am 30. Oktober erklärte Pétain im Radio, dass er ab sofort den Pfad der Kollaboration einschlagen werde. Seine Verlautbarungen begann er mit dem Worten: „Ich schulde ihnen [...] einige Erklärungen“ („Je vous dois [...] quelques explications“).[2]
Einwohnerentwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| 1962 | 1968 | 1975 | 1982 | 1990 | 1999 | 2006 | 2017 |
| 2797 | 3466 | 3932 | 4200 | 4065 | 4275 | 4127 | 3782 |
Sehenswürdigkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Sehenswert sind in Montoire:
- einige Renaissance-Häuser,
- die Ruine des im 11. Jahrhundert von den ersten Seigneurs von Montoire erbauten Schlosses mit Resten des Donjon und der Umfassungsmauern,
- die Kapelle Saint-Gilles mit romanischen Fresken,
- die Kirche Saint-Laurent (mit der Orgel der Zisterzienserinnenabtei La Virginité),
- der Botanische Garten „La Fosse“.
Kapelle Saint-Gilles
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Kapelle Saint-Gilles (Ägidius) gehörte zum ehemaligen Benediktinerpriorat des Klosters Saint-Calais, wahrscheinlich im 11. Jahrhundert von den Herren von Montoire gegründet. Die Lage an den Pilgerwegen deutet auf wirtschaftliches Wohlergehen hin. Berühmtester Prior von Saint-Gilles war 1566 der Dichter Pierre de Ronsard.
Nach der Auflösung des Priorats während der Französischen Revolution verfiel das Bauwerk, und obwohl 1840 im Inneren kostbare Ausmalungen aus der romanischen Stilepoche freigelegt worden waren, fand es kein Interesse bei der Gemeindevertretung. Erst die private Rettungsinitiative der Familie Gerard sicherte den Bestand der Kapelle.
Die Malereien von Saint-Gilles zählen zu den kunstvollsten und schönsten, die überhaupt aus romanischer Zeit überkommen sind. In allen drei Apsiden, die in Kleeblattform Chor und Querhaus bilden, erscheint monumental der thronende Christus (Majestas Domini). Die älteste Darstellung in der Kalotte der Ostapsis stammt aus dem zweiten Viertel des 12. Jahrhunderts.
-
Kapelle Saint-Gilles
-
Ausmalungen der Kapelle Saint-Gilles aus der romanischen Stilepoche
Partnerschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Montoire-sur-le-Loir pflegt eine Städtepartnerschaft mit dem polnischen Łowicz.
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Charles Bouvard (1572–1658), Arzt
- Charles Busson (1822–1908), Landschaftsmaler
- Isabelle Olivieri (1957–2016), Agraringenieurin und Evolutionsbiologin
- Bruno Huger (* 1962), Radrennfahrer
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Wilfried Hansmann: Das Tal der Loire. Schlösser, Kirchen und Städte im «Garten Frankreichs». 2. Auflage. DuMont Reiseverlag, Ostfildern 2006, ISBN 3-7701-3555-5, S. 237.
- Meyers Enzyklopädisches Lexikon. Bibliographisches Institut, Mannheim/Wien/Zürich 1973, Band 16, S. 474.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ville de Montoire-sur-le-Loir bei cartesfrance.fr
- Fotos der Kapelle Saint-Gilles
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b Laurent Joly (Hrsg.): Vichy – Histoire d’une dictature 1940–1944. Éditions Tallandier, Paris 2025, ISBN 979-1-02105926-9, S. 127 ff. und Bildteil (das Foto wird im Bildteil von Laurent Joly und seinen Mitautoren als in Montoire angefertigte Aufnahme identifiziert).
- ↑ 1940, la débâcle et l’espoir. Le Monde hors-série, Mai/Juni 2010.
