Neuenkirch

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Dieser Artikel behandelt die politische Gemeinde in der Schweiz. Zum deutschen Politiker siehe Gerhard Neuenkirch.
Neuenkirch
Wappen von Neuenkirch
Staat: Schweiz
Kanton: Luzern LU
Wahlkreis: Sursee
BFS-Nr.: 1093i1f3f4
Postleitzahl: 6016 (Hellbühl)
6203 (Sempach Station)
6206 (Neuenkirch)
Koordinaten: 657988 / 216836Koordinaten: 47° 6′ 0″ N, 8° 12′ 9″ O; CH1903: 657988 / 216836
Höhe: 552 m ü. M.
Fläche: 26,25 km²
Einwohner: 6646 (31. Dezember 2015)[1]
Einwohnerdichte: 253 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne Bürgerrecht)
10,4 % (31. Dezember 2015)[2]
Website: www.neuenkirch.ch
Karte
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Neuenkirch ist eine politische Gemeinde im Wahlkreis Sursee des Kantons Luzern in der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuenkirch liegt südlich des Sempachersees und besteht aus den Ortsteilen Neuenkirch, Sempach Station und Hellbühl, wobei Hellbühl den Südteil, Neuenkirch das Zentrum und Sempach Station den Norden der Gemeinde umfasst.

Grösste Siedlung der Gemeinde ist Neuenkirch Dorf, welches mit den Weilern Nellen, Werligen, Klosterhöfli, Klösterli und Lippenrüti zu einem langen Strassendorf an der Strasse Emmenbrücke-Sursee zusammengewachsen ist. Südlich des Dorfs fliesst der Voramstàgbach vorbei, der weiter östlich von links in den Sellenbodenbach einmündet.

Westlich von Neuenkirch Dorf liegt der grosse Neuenkircherwald, südwestlich von Lippenrüti der Lippenrütiwald. Im Viereck Hellbühl-Geisselermoos (südöstlich vom Dorf; Gemeinde Emmen)-Lippenrüti-Windblosen (2,3 km südwestlich des Dorfs; 759 m ü. M.) liegen die grössten Waldgebiete südlich der Bahnstrecke Olten–Luzern. Eine weitere grosse Waldfläche ist der Adelwilerwald südöstlich des Weilers Adelwil (1,8 km nordöstlich des Dorfs; 518 m ü. M.). Mitten durch den Wald führt die Bahnlinie. Das grösste zusammenhängende Waldstück der Gemeinde ist der Chüsenrainwald östlich von Trutigen (2,8 km nordöstlich des Dorfs; 557 m ü. M.). Insgesamt sind aber bloss 19,6 % des Gemeindeareals von Wald und Gehölz bedeckt.

Weite Teile der Gemeinde sind landwirtschaftliches Nutzland (71.1 %). Dieses konnte durch die Entwässerung von Mooren in den letzten 150 Jahren wesentlich vergrössert werden.

In Neuenkirch gibt es neben dem Dorf noch zahlreiche Weiler, Häusergruppen und Einzelgehöfte. Nordöstlich des Dorfs liegen die Weiler Sellenboden (500 m nordöstlich; 538 m ü. M.), durch den der Sellenbodenbach fliesst, und Neuhus (1,1 km nordöstlich; 552 m ü. M.). An der Strasse Richtung Emmenbrücke liegt Weiherhüsli (1,5 km südöstlich; 548 m ü. M.). Gleich nördlich davon liegt Rippertschwand (553 m ü. M.).

Weiter im Süden, westlich der Strasse nach Hellbühl, findet man den Weiler Helfenstegen (1,7 km südlich; 586 m ü. M.). Dort, wo die Strasse Neuenkirch-Hellbühl in die Strasse Emmenbrücke-Ruswil einmündet, liegt der Weiler Moosschür (2,8 km südlich; 570 m ü. M.). Südwestlich davon befindet sich der Ortsteil Hellbühl (3,2 km südlich des Dorfs; 648 m ü. M.). Der Hellbühler Rotbach fliesst in östlicher Richtung südlich von diesem vorbei.

Auf einer Anhöhe südwestlich des Sempachersees liegt der Weiler Wartensee (3 km nordwestlich des Dorfs; 559 m ü. M.) mit dem gleichnamigen Schloss.

Bei der Bahnstation Sempach-Neuenkirch entstand aus verschiedenen Weilern in den letzten Jahrzehnten der Ortsteil Sempach Station. Er liegt 1,8 km nördlich des Dorfs an der Strasse nach Sempach, gehört aber trotz seines Namens zur Gemeinde Neuenkirch. Mit ihm zusammengewachsen ist der im Mittelalter bedeutendste Ortsteil Adelwil (1,8 km nordöstlich des Dorfs; 518 m ü. M.). In Adelwil fliessen der Sellenbodenbach und der Waldbach zusammen. Das Gewässer heisst von da an bis zu seiner Einmündung in den Sempachersee Grosse Aa. Ebenfalls mit Sempach Station zusammengewachsen ist der Weiler Gottsmännigen nördlich von ihm. Dieser Weiler liegt zwischen der bereits erwähnten Grossen Aa und der nördlich davon fliessenden Kleinen Aa, die ebenfalls in den Sempachersee mündet. Der dritte bedeutende Bach, welcher in den See einmündet, ist der Lippenrütibach, der vom Weiler Lippenrüti her kommt.

Nördlich der Autobahn A2 liegen die Weiler Mettenwil (3,9 km nordöstlich des Dorfs; 568 m ü. M.) und Brämenstall (4,7 km nördlich; 587 m ü. M.). Dieser ist der nördlichste Punkt der Gemeinde und liegt näher bei Sempach und Hildisrieden als bei Neuenkirch-Dorf.

Trotz der zahlreichen Ortsteile und Weiler sind bloss 9,6 % des Gemeindeareals Siedlungsfläche.

Neuenkirch grenzt an Emmen LU, Hildisrieden, Stadt Luzern, Malters, Nottwil, Rain, Rothenburg, Ruswil und Sempach.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1850 2'413
1888 2'026
1900 2'121
1950 2'856
1960 3'018
1970 3'273
1980 3'621
1990 4'507
2000 5'517
2004 5'717
2014 6'426

Die Bevölkerung betrug 1850 2'413 Personen und sank bis 1888 durch Abwanderung in die Industriegebiete massiv (1850–1888: -16,0 %). Bis 1970 wuchs Neuenkirch zwar stetig, aber langsam. Seither rapides Wachstum (1970–2014: +96,3 %). Ende 2014 zählte die Gemeinde 6'426 Einwohner. Die verschiedenen Ortsteile zählten: Neuenkirch 4'271, Sempach Station 1'274 und Hellbühl 881 Einwohner.

Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bewohner benutzen als Alltagssprache eine hochalemannische Mundart. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 gaben 95,03 % Deutsch, 1,52 % Albanisch und 1,00 % Serbokroatisch als Hauptsprache an.

Religionen – Konfessionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfzentrum von Neuenkirch
Brunnen vor der Kirche Hellbühl
Wallfahrtskapelle St. Gallus und Einbeth Adelwil Neuenkirch

Früher war die gesamte Einwohnerschaft Mitglied der römisch-katholischen Kirche. Durch Kirchenaustritte und Zuwanderung aus anderen Regionen der Schweiz und dem Ausland hat sich dies geändert. Heute (Stand 2000) sieht die religiöse Situation wir folgt aus. Es gibt 78.90 % römisch-katholische, 9,19 % evangelisch-reformierte und 1,02 % orthodoxe Christen. Daneben findet man 4,66 % Konfessionslose und 3.15 % Muslime. Die Muslime sind grösstenteils albanischer Herkunft. Laut Fortschreibung waren Ende 2004 4'507 (78,84 %) römisch-katholische und 487 (8,52 %) evangelisch-reformierte Christen. Die Zahl der Konfessionslosen ist auf 365 (6,38 %) gestiegen. Hellbühl ist der Ortsteil mit dem höchsten Anteil an Katholiken; Sempach-Station hat den höchsten Anteil an Reformierten, Konfessionslosen und Muslimen.

Herkunft – Nationalität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende 2014 waren von den 6'484 Einwohnern 5'824 Schweizer und 660 (= 10,2 %) Ausländer.[3] Die Einwohnerschaft bestand aus 89,8 % Schweizer Staatsbürgern. Ende 2014 stammten die ausländischen Einwohner aus Serbien inklusive Kosovo (25,9 %), Deutschland (23,8 %), Italien (7,4 %), Portugal (6,5 %), Spanien (2,4 %) und der Türkei (0,2 %). 22,7 % stammten aus dem übrigen Europa und 11,1 % waren aussereuropäischer Herkunft.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der zahlreichen typischen alemannischen Wortendungen ist eine Besiedlung während der Landnahme der Alemannen in der Schweiz (ab dem späten 6. Jahrhundert) so gut wie sicher. In einem Schutz- und Bestätigungsbrief von Kaiser Friedrich I. werden die auf Neuenkircher Gebiet liegenden Adelwile (Adelwil), Cotsmaningen (Gottsmännigen) und Loupenrouti (Lippenrüti) im Jahr 1173 erstmals erwähnt. Die Siedlung Neuenkirch bestand vermutlich schon im 12. Jahrhundert, doch wird der Ort erst im Jahr 1228 im Zusammenhang mit einem Frauenkloster erwähnt (Nova Ecclesia). Im Jahr 1259 wird ein Bürger von Sempach erwähnt, der Burkhard hiess und ursprünglich aus Neuenkirch (de Nuwenkilch) stammte. Das Kloster war ursprünglich dem Orden der Zisterzienserinnen verbunden und bestand aus sogenannten Maria-Magdalenen-Schwestern (oder Reuerinnen), die sich im jahr 1287 dem Dominikanerorden anschlossen. Das Kloster bestand bis 1588. Die Habsburger übernahmen um 1300 die Herrschaft und erbauten das Schloss Wartensee, um den Verkehr am Westufer und auf dem Sempachersees zu überwachen. Nach der Schlacht bei Sempach übernahmen die Stadtluzerner die Oberherrschaft. Ein Teil der heutigen Gemeinde wurde von Sempach aus verwaltet. Der grösste Teil jedoch gehörte zum Amt Rothenburg. Neuenkirch in seiner heutigen Form wurde 1798 geschaffen, zur Zeit der Helvetischen Republik. Die Gemeinde gehörte von 1798 bis 1803 zum Distrikt Sempach und seither zum Amt Sursee.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name ist auf den Bau einer eigenen Kirche zurückzuführen. Die Bewohner mussten vorher ins weit entfernte Oberkirch zum Gottesdienst gehen. Durch den Bau der nüwen Kilch = neuen Kirche im Ort wurde dieser Umstand geändert.

Verwechslungsmöglichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Neuenkirchen, Neunkirch, Neunkirchen, Neukirch (jeweils Begriffsklärungsseiten zu verschiedenen Städten/Orten)

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat Neuenkirch besteht aus fünf Mitgliedern und ist wie folgt aufgestellt:

  • Kari Huber-Heini (CVP): Gemeindepräsident
  • Markus Wespi-Bucheli (CVP): Gemeindeammann
  • Jim Wolanin-Stämpfli (FDP): Sozialvorsteher
  • Balz Koller (FDP): Liegenschaftsverwaltung, Landwirtschaft, Umweltschutz
  • Xaver Widmer-Krummenacher (CVP): Feuerwehr, Zivilschutz, Musikschule, Kultur, Fernwärmeheizung

Kantonsratswahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Kantonsratswahlen 2015 des Kantons Luzern betrugen die Wähleranteile in Neuenkirch: CVP 33,7 %, FDP 28,8 %, SVP 20,3 %, SP 8,6 %, GPS 3,5 %, glp 3,0 %.[5]

Nationalratswahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Schweizer Parlamentswahlen 2015 betrugen die Wähleranteile in Neuenkirch: SVP 29,1 %, CVP 25,5 %, FDP 22,2 %, SP 9,9 %, glp 5,5 %, Grüne 4,6 %, BDP 2,1 %.[6]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuenkirch ist verkehrsmässig sehr gut erschlossen. Der Ortsteil Neuenkirch hat eine Postauto-Verbindung in die Stadt Luzern, der Ortsteil Hellbühl liegt an der Buslinie Luzern-Willisau und Sempach Station ist durch den Bahnhof Sempach-Neuenkirch an der Bahnlinie Luzern-Olten erschlossen.

Neuenkirch liegt an der Strasse Luzern-Sursee. Die nächsten Autobahnanschlüsse sind in Sempach, Rothenburg und Emmen-Nord, 5 respektive 7 km entfernt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adolf Reinle: Die Kunstdenkmäler des Kantons Luzern, Band IV: Das Amt Sursee. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 35). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1956, ISBN 978-3-906131-23-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Neuenkirch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde (Ständige Wohnbevölkerung)
  3. Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach demographischen Komponenten, institutionellen Gliederungen, Staatsangehörigkeit und Geschlecht (Bundesamt für Statistik, STAT-TAB)
  4. LUSTAT: Gemeindeprofil Neuenkirch
  5. LUSTAT: Gemeindeprofil Neuenkirch
  6. Nationalratswahlen 2015: Stärke der Parteien und Wahlbeteiligung nach Gemeinden. In: Ergebnisse Nationalratswahlen 2015. Bundesamt für Statistik, 2016, abgerufen am 3. Juni 2016.