Ruswil

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Ruswil
Wappen von Ruswil
Staat: Schweiz
Kanton: Luzern (LU)
Wahlkreis: Sursee
BFS-Nr.: 1098i1f3f4
Postleitzahl: 6017 Ruswil
6019 Sigigen
Koordinaten: 652205 / 214992Koordinaten: 47° 5′ 2″ N, 8° 7′ 34″ O; CH1903: 652205 / 214992
Höhe: 637 m ü. M.
Fläche: 45,31 km²
Einwohner: 6908 (31. Dezember 2016)[1]
Einwohnerdichte: 152 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne Bürgerrecht)
8,3 % (31. Dezember 2015)[2]
Website: www.ruswil.ch
Karte
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Ruswil (schweizerdeutsch Rusmu) ist eine politische Gemeinde im Wahlkreis Sursee des Kantons Luzern in der Schweiz. Mit 245 Landwirtschaftsbetrieben (Stand 2005)[3] ist Ruswil die grösste Bauerngemeinde der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruswil ist die flächenmässig grösste Luzerner Gemeinde ausserhalb des Amtes Entlebuch. Das Gemeindegebiet liegt in der Hügellandschaft zwischen dem oberen Teil des Rottals und dem Tal der Kleinen Emme. Es umfasst ausserhalb des Ortskerns zahlreiche Landschaftskammern und Weiler, vom Soppensee im Nordwesten über St. Ulrich bis Merzenberg im Nordosten, in südöstlicher Richtung über Hunkelen nach Ziswil und Holz (nördlich der Kleinen Emme), Richtung Westen bis Grofenhusen und in nordwestlicher Richtung den Ortsteil Buholz. Zur Gemeinde gehören auch die Ortsteile Rüediswil, welcher mit dem Dorf zusammengewachsen ist, Sigigen und Werthenstein-Unterdorf. Daneben gibt es auf dem Gemeindegebiet Dutzende kleinere Siedlungen und Einzelhöfe.

Das Gebiet wird von zahlreichen kleinen Flüssen in die vier Himmelsrichtungen entwässert. Den grössten Anteil am Gemeindeareal hat der Bielbach, der nach Süden in die Kleine Emme mündet. Der Rotbach fliesst gegen Nordwesten zur Wigger, mehrere Bäche wie die Grosse Aa, der Voremstegbach und der Bach im Wartenseetobel nach Norden in den Sempachersee und damit zur Suhre und der Hellbühler Rotbach schliesslich in östlicher Richtung in die Reuss.

Ruswil grenzt an die Gemeinden Buttisholz, Malters, Menznau, Neuenkirch, Nottwil, Werthenstein und Wolhusen.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1850 4'340
1888 3'905
1910 3'931
1950 4'767
1960 4'657
1970 4'756
1980 4'870
1990 5'546
2000 6'262
2004 6'383
2010 6'603[4]

Um 1850 war Ruswil eine der grössten Gemeinden im Kanton Luzern. Dennoch war auch sie von der Landflucht der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts betroffen. Die Bevölkerung verringerte sich bis 1888 (1850–1888: −10,0 %). Danach blieb sie bis 1910 stabil, ehe dann ein Wachstumsschub bis ins Jahr 1950 einsetzte (1910–1950: +21,3 %). Nach einer weiteren Stagnationsphase setzte ab 1980 ein starkes Bevölkerungswachstum ein, welches bis heute anhält (1980–2010: +35,6 %[5]).

Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bevölkerung benutzt als Alltagssprache eine hochalemannische Mundart. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 gaben 95,80 % Deutsch, 0,73 % Italienisch und 0,56 % Albanisch als Hauptsprache an.

Religionen – Konfessionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Früher waren alle Bewohner Mitglied der römisch-katholischen Kirche. Heute (Stand 2000) sieht die religiöse Landschaft wie folgt aus: Es gibt 83,46 % römisch-katholische, 7,59 % evangelisch-reformierte und 0,26 % orthodoxe Christen. Daneben findet man 2,60 % Konfessionslose und 1,17 % Muslime.

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende 2014 waren von den 6'812 Einwohnern 6'295 Schweizer und 517 (= 7,6 %) Ausländer.[6] Die Einwohnerschaft bestand aus 92,4 % Schweizer Staatsbürgern. Ende 2014 stammten die ausländischen Einwohner aus Deutschland (22,5 %), Portugal (13,5 %), Serbien inklusive Kosovo (12,0 %), Italien (10,1 %), Spanien (1,5 %) und der Türkei (0,6 %). 19,1 % stammten aus dem übrigen Europa und 21,1 % waren aussereuropäischer Herkunft.[7]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erstmals unter dem Namen Ruswil in einem Schutzbrief von Papst Gregor IX. im Jahr 1233 erwähnte Ort gehörte bis ins Jahr 1299 den adeligen Herren von Wolhusen, die ihn dann an die Habsburger verkauften. Die Luzerner verwüsteten das Dorf im Jahr 1353. Noch schlimmer kam es für die Ruswiler wenige Jahre später, als Ingelram von Coucy 1375 seinen Erbanspruch auf Gebiete im schweizerischen Mittelland durchsetzen wollte und daher seine Soldtruppen auch gegen Luzern ausschickte. Diese fremden Krieger trugen wegen der Form ihrer Helme den Namen Gugler. Die Gugler brannten sowohl das Dorf Ruswil wie auch den Ortsteil Rüediswil nieder, ehe sie gestoppt werden konnten.

In der Auseinandersetzung mit den Habsburgern nahmen die Luzerner am 18. Juni 1386 die Ortschaft Ruswil ein, kurz vor der Schlacht bei Sempach. Die formelle Abtretung durch die Habsburger an Luzern erfolgte allerdings erst 1405.

Ruswil war auch später wieder in kriegerische Handlungen verwickelt, so 1513 im Zwiebelnkrieg und 1653 im Bauernkrieg. Als Folge des Aufstands von 1653 wurde Ruswil von der Stadt zur Zahlung von 10'000 Gulden Strafe verpflichtet. Ruswil war bis zum Ende der Alten Eidgenossenschaft eine grosse Landvogtei.

Obwohl die Gemeinde nach dem Einmarsch der Franzosen im Jahr 1798 Hauptort eines helvetischen Distrikts wurde, leistete sie heftigen Widerstand gegen die neuen Herren. Im sogenannten Käferkrieg wurden daraufhin Regierungstruppen eingesetzt, die den Aufstand unterdrückten und Schäden im Dorf verursachten. Seit 1803 gehört die Gemeinde zum Amt Sursee.

Im Wirtshaus Rössli unterzeichneten Vertreter der konservativen Volksbewegung 1840 unter Bauernführer Josef Leu von Ebersol die Ruswiler Erklärung, eine gegen die liberale Politik gerichtete Vereinbarung. Wenig später wurde im Rössli der Ruswiler Verein gegründet, der als Gründerverein der Katholisch-Konservativen Partei und der heutigen CVP gilt.

Von 1942 bis 1944 gab es in der Gemeinde ein Internierungslager, in dem zuerst französische und später deutsche Internierte untergebracht waren.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat Ruswil besteht aus fünf Mitgliedern und ist wie folgt organisiert:

  • Leo Müller: Gemeindepräsident
  • Eugen Amstutz: Soziales
  • Dieter Hodel: Bildung
  • Rolf Marti: Bau/Infrastruktur
  • Lotti Stadelmann Eggenschwiler: Finanzen

Kantonsratswahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Kantonsratswahlen 2015 des Kantons Luzern betrugen die Wähleranteile in Ruswil: CVP 36,9 %, SVP 29,9 %, FDP 17,4 %, SP 8,3 %, GPS 3,3 %, glp 3,2 %.[8]

Nationalratswahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Schweizer Parlamentswahlen 2015 betrugen die Wähleranteile in Ruswil: CVP 35,6 %, SVP 31,3 %, FDP 14,3 %, SP 8,0 %, glp 4,4 %, Grüne 4,1 %, BDP 0,9 %.[9]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruswil ist die grösste Bauerngemeinde der Schweiz mit (Stand 2005) 245 Landwirtschaftsbetrieben. Laut dem Bundesamt für Statistik ist Ruswil die Gemeinde mit dem grössten Kuhbestand der Schweiz mit 3212 Grossvieheinheiten (Stand 2003). Im Vergleich dazu: Die Gemeinde mit dem zweithöchsten Kuhbestand ist Kirchberg SG mit 2653 Kühen.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die vor dem Ersten Weltkrieg geplante Rottalbahn wurde nie verwirklicht. Deshalb liegt das Dorf Ruswil an keiner Bahnstrecke. Im Süden der Gemeinde liegt jedoch der Bahnhof Werthenstein auf der Ruswiler Seite der Kleinen Emme an der Bahnlinie Wolhusen–Luzern. Im Übrigen ist Ruswil durch Busse gut ans öffentliche Verkehrsnetz angeschlossen. Im Jahr 1918 wurde die Rottal Auto AG gegründet, welche seit diesem Zeitpunkt Buslinien betreibt. Durch die Gemeinde führen die Buslinien Luzern-Ruswil-Ettiswil, Sursee-Ruswil und Ruswil-Wolhusen Tropenhaus.

Auch die Strassenverbindungen sind gut. Eine davon führt ins nahegelegene Wolhusen. Eine weitere nach Emmenbrücke(-Luzern) und ausserdem zum Strassenkreuz Ettiswil (nach Sursee/Dagmersellen/ Willisau). Die nächsten Autobahnanschlüsse Sursee und Emmen-Nord an der A 2 sind 14 respektive 17 km entfernt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die spätbarocke Pfarrkirche St. Mauritius gehört zu den grössten und wertvollsten Kirchenbauten im Kanton Luzern. Gleich daneben befindet sich der stattliche Pfarrhof aus dem 17. Jahrhundert. Weiter befinden sich um das Dorf herum viele kleine und grosse Kapellen mit z.T. bemerkenswerter Ausstattung.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adolf Reinle: Die Kunstdenkmäler des Kantons Luzern, Band IV: Das Amt Sursee. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 35). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1956, ISBN 978-3-906131-23-8.
  • Berthe Widmer: Ruswil: Geschichte einer Luzerner Landgemeinde. Einwohnergemeinde, Ruswil 1987.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ruswil – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 29. August 2017; abgerufen am 20. September 2017.
  2. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde (Ständige Wohnbevölkerung)
  3. ruswil.ch: Ruswil Online: Gemeinde in Zahlen, Zugriff am 21. September 2010
  4. ruswil.ch: Ruswil Online: Gemeinde in Zahlen, Zugriff am 26. Januar 2011
  5. ruswil.ch: Ruswil Online: Gemeinde in Zahlen, Zugriff am 26. Januar 2011
  6. Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach demographischen Komponenten, institutionellen Gliederungen, Staatsangehörigkeit und Geschlecht (Bundesamt für Statistik, STAT-TAB)
  7. LUSTAT: Gemeindeprofil Ruswil
  8. LUSTAT: Gemeindeprofil Ruswil
  9. Nationalratswahlen 2015: Stärke der Parteien und Wahlbeteiligung nach Gemeinden. In: Ergebnisse Nationalratswahlen 2015. Bundesamt für Statistik, 2016; abgerufen am 3. Juni 2016.