Nummer 6

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Seriendaten
Deutscher Titel Nummer 6
Originaltitel The Prisoner
Prisoner - Logo.jpg
Produktionsland Vereinigtes Königreich
Originalsprache Englisch
Jahr(e) 1967–1968
Länge 48 Minuten
Episoden 17 in 1 Staffel
Genre Drama, Mystery
Titelmusik Ron Grainer
Produktion David Tomblin, Patrick McGoohan/Incorporated Television Company
Idee George Markstein, Patrick McGoohan
Musik Robert Farnon
Erstausstrahlung 1. Oktober 1967 (GB) auf ITV
Deutschsprachige
Erstausstrahlung
16. August 1969 auf ZDF[1]
Besetzung

Hauptdarsteller:

Nebendarsteller:

Nummer 6 (Originaltitel: The Prisoner) ist eine britische Fernsehserie aus dem Jahr 1967 von Patrick McGoohan, der auch die Hauptrolle spielt. Als die namenlose Hauptperson ihre Agententätigkeit beim britischen Geheimdienst beendet, wird sie in einen abgelegenen Ort verschleppt und dort als „Nummer 6“ festgehalten. Der oft wechselnde Leiter des Ortes, „Nummer 2“, versucht in jeder Folge, den Grund für die Kündigung herauszufinden. Im Gegenzug versucht „Nummer 6“, die Identität des Oberhauptes, „Nummer 1“, herauszufinden und dem Ort zu entkommen.

Die Außenaufnahmen wurden in Portmeirion, einem Hotelkomplex im nördlichen Wales gedreht.

Die Serie weist bereits einige Merkmale der Postmoderne auf, auch wenn dieser Begriff zum Zeitpunkt der Produktion noch nicht etabliert war.[3] Sie gilt als Meilenstein der Fernsehunterhaltung.[4][5]

Handlung[Bearbeiten]

Portmeirion - Pantheon, in der Serie Amtssitz von „Nummer 2“

In der Einführungssequenz, die fast jeder Episode vorangestellt ist, wird der grundlegende Plot eingeführt: Der Protagonist, offensichtlich ein Agent des britischen Geheimdienstes, kündigt wütend seinen Job. Zurück in seiner Wohnung beginnt er, seine Sachen zu packen und wird dabei betäubt. Später erwacht der Agent, scheinbar noch immer im gleichen Raum, an einem unbekannten Ort, The Village. Das Dorf ist durch eine mediterran anmutende Architektur gekennzeichnet und wird neben den Gefangenen auch von Wächtern bewohnt. Eine Unterscheidung zwischen beiden Gruppen ist nur schwer möglich, da die Bewohner allesamt Ferienkleidung tragen. Niemand in dem Dorf gibt ihm Auskunft darüber, wo er sich befindet. Fluchtversuche werden durch die Wächter und einen großen schwebenden weißen Ball namens „Rover“ (in der alten deutschen Fassung „Hystero“) verhindert, der Flüchtlinge bewusstlos drücken und sogar töten kann.

An Stelle eines Namens ist jeder Bewohner durch eine Nummer gekennzeichnet, die sich auf Ansteckplaketten, Wohnungsschildern oder Telefonen befindet. Die Hauptfigur, deren Name der Zuschauer nie erfährt, wird von allen als „Nummer 6“ bezeichnet. Der Verantwortliche im Ort ist eine Person, die als „Nummer 2“ bezeichnet und in fast jeder Episode von einer anderen Person verkörpert wird. Auch Frauen treten gelegentlich in dieser Rolle auf. Ziel von „Nummer 2“ ist es, den Grund der Kündigung von „Nummer 6“ herauszufinden. Zu diesem Zweck werden in vielen Folgen Instrumente der Gehirnwäsche eingesetzt, zum Beispiel durch Hypnose bedingtes Schnelllernen und Konditionierung mittels Elektroschocktherapie. Verhörtechniken bis zur Folter werden ebenso gezeigt. „Nummer 6“ besteht diese verwirrenden, surrealen Situationen, die seiner Zermürbung dienen sollen, nur aufgrund seines starken Willens und seiner logischen Denkfähigkeit. Ein wesentliches Motiv seines Widerstands ist das Beharren auf seiner Individualität und der persönlichen Freiheit.

Die letzte Folge der Originalserie (Fall Out) löste wegen des vielfach interpretierbaren Schlusses und der Verweigerung einer konventionellen „Auflösung“ der rätselhaften Handlung stürmische Proteste bei den englischen Zuschauern aus. Patrick McGoohan musste zeitweise sogar untertauchen, da Fans ihn vor seinem Haus belästigten. Er zog für sich und seine Familie die Konsequenzen und ließ sich in Kalifornien nieder, wo er bis zu seinem Tod lebte.

Idee[Bearbeiten]

Script-Editor George Markstein war von Beruf Journalist und widmete sich vor allem geheimdienstlichen Themen, begann dann auch als Schriftsteller und Drehbuchautor für das Fernsehen zu arbeiten. Aus seiner journalistischen Tätigkeit kannte er einen Ort in Schottland – das Anwesen Inverlair Lodge – wo der Britische Geheimdienst während des Krieges Agenten und Personen mit sensiblen Kenntnissen zu ihrem eigenen und dem Schutz des Landes interniert hatte. Dieses Wissen bildete die Basis, auf der er zusammen mit Patrick McGoohan, mit dem er bereits die Serie Geheimauftrag für John Drake (Secret Agent, auch: Danger Man, 1960) entwickelt hatte, die Grundidee zu Nummer 6 legte.

Die Episode Colony Three (1964) aus der Drake-Serie weist Parallelen mit Nummer 6 auf: So begibt sich Drake undercover an einen abgelegenen Ort irgendwo in Osteuropa hinter dem Eisernen Vorhang in einen exakten Nachbau einer typischen britischen Kleinstadt. Dieser wird von britischen Bürgern bewohnt, die aus unterschiedlichen Gründen die Fronten gewechselt haben (Liebe, Geld, Ideologie). Sie alle sind zu Trainingszwecken hier, um später unerkannt als Spione nach Großbritannien zurückzukehren. Niemand kann den Ort verlassen, alle stehen permanent unter Überwachung durch Verantwortliche im Hintergrund, die als „Nummer 1“ und „Nummer 2“ bezeichnet werden. Wie „Nummer 6“ erhält Drake eine Führung durch den Ort, und in einer Szene wird ein Bewohner Elektroschocks unterzogen. Es gelingt ihm am Ende den Ort zu verlassen.

Produktion[Bearbeiten]

Ursprünglich plante Patrick McGoohan eine Miniserie mit sieben Episoden. Lew Grade, Chef von ITC Entertainment, wollte die Serie aber in die USA verkaufen und benötigte daher eine größere Anzahl an Episoden. Im Spätsommer 1966 fanden zunächst die Außenaufnahmen im walisischen Portmeirion statt. Es entstanden als erstes die Episoden: Die Ankunft, Freie Wahl, Schachmatt und Die Anklage. Den Abschluss der geplanten ersten Staffel bildete die Episode Pas de deux (Once Upon a Time).[6]

Markstein verließ die Produktion vor Beendigung der ersten 13 Episoden aufgrund von Differenzen mit McGoohan über den möglichen Fortgang der Reihe. Nach Abschluss dieser ersten Folgen kam es zu einer Produktionspause von mehreren Monaten und McGoohan selbst übernahm seine erste Hollywoodrolle in Eisstation Zebra (Regie: John Sturges). Während seiner Abwesenheit und als die ersten Folgen bereits im Fernsehen liefen, wurde beschlossen weitere Episoden zu drehen und Nummer 6 nach 17 Episoden zu Ende zu bringen. Die Kosten waren extrem hoch und die Einschaltquoten schwach. Nach einigen personellen Wechseln nahm das Team die Produktion wieder auf. 1967 fanden zusätzliche Außenaufnahmen statt und unter großem Zeitdruck mussten neue Drehbücher entwickelt werden. Ein Ergebnis dieses Produktionsprozesses ist die Episode 2 : 2 = 2 (Do Not Forsake Me, Oh My Darling), in der die Persönlichkeit von „Nummer 6“ auf eine andere Person übertragen wurde. Dadurch wurde McGoohan nicht benötigt und Nigel Stock konnte die Rolle von „Nummer 6“ komplett übernehmen. McGoohan selbst tritt erst kurz vor Ende in einer nach seiner Rückkehr aus den USA hergestellten Szene auf.[6]

Nach weiteren vier produzierten Episoden wurde Pas de deux als quasi erster Teil zusammen mit Demaskierung (Fall Out) schließlich zum Doppelfinale.

Prolog[Bearbeiten]

Der Vorspann endet in jeder Episode mit dem nachfolgenden Dialog:

Originaler Text[Bearbeiten]

Number Six: Where am I?
Number Two: In The Village.
Number Six: What do you want?
Number Two: Information.
Number Six: Whose side are you on?
Number Two: That would be telling.
Number Two: We want information. Information. Information.
Number Six: You won’t get it.
Number Two: By hook or by crook, we will.
Number Six: Who are you?
Number Two: The new Number 2.
Number Six: Who is Number 1?
Number Two: You are Number 6.
Number Six: I am not a number — I am a free man!
(Gelächter von Number Two.)

Deutscher Text der Fernsehfassung[Bearbeiten]

„Nummer 6“: Wo bin ich?
„Nummer 2“: Sie sind da.
„Nummer 6“: Was wollen Sie?
„Nummer 2“: Informationen.
„Nummer 6“: Auf wessen Seite sind Sie?
„Nummer 2“: Wir sind auf der richtigen Seite.
„Nummer 2“: Wir wollen Informationen, Informationen, Informationen.
„Nummer 6“: Ich sage nichts.
„Nummer 2“: Sie werden sprechen. So oder so.
„Nummer 6“: Wer sind Sie?
„Nummer 2“: Die neue „Nummer 2“.
„Nummer 6“: Wer ist „Nummer 1“?
„Nummer 2“: Sie sind „Nummer 6“.
„Nummer 6“: Ich bin keine Nummer, ich bin ein freier Mensch!
(Gelächter von Nummer 2.)

Ausnahmen sind die Episoden Die Ankunft, 2 : 2 = 2, Harmony (Name einer Westernstadt) und Demaskierung. In der deutschen Version wird der Text von der jeweiligen „Nummer 2“ gesprochen. Im Original spricht die amtierende „Nummer 2“ dagegen nur in den Episoden Die Glocken von Big Ben, A. B. und C., Der General, Die Anklage, Schachmatt und Pas de deux den Prolog. Die übrigen werden von Robert Rietty als „Standardstimme“ gesprochen. Die Episoden Harmony (14) und Demaskierung (17) sind ohne Vorspann, stattdessen beginnt die Abschlussfolge mit einem zehnminütigen Zusammenschnitt der vorhergehenden Folge. Die Episode 2 : 2 = 2 (13) hat vor dem Vorspann noch eine zusätzliche Szene („pre-credit sequence“).

Episoden[Bearbeiten]

Die Reihenfolge der Episoden unterscheidet sich je nach Land oder ausstrahlendem Sender. Die Serie hatte ihre Fernsehpremiere nicht in Großbritannien, sondern in Kanada. Harmony wurde bei der US-Erstausstrahlung von CBS nicht gezeigt. Bei der wiederholten Ausstrahlung 1969 war die Reihe dann vollständig.

Die Episoden wurden in Deutschland in der so genannten britischen Standardreihenfolge ausgestrahlt. Die „richtige“ Reihenfolge ist umstritten.[7]

Nr.
(ges)
Nr.
(St.)
Deutscher Titel Original­titel Erstaus­strahlung UK[A 1][8] Deutsch­sprachige Erstaus­strahlung (D) Erstausstrahlung USA Produktions-
reihenfolge
1 1 Die Ankunft Arrival 29.09.1967 16.08.1969 (ZDF) 01.06.1968 1
2 2 Die Glocken von Big Ben The Chimes of Big Ben 06.10.1967 14.03.1970 (ZDF) 08.06.1968 5
3 3 A., B. und C. A., B. and C. 13.10.1967 25.10.1969 (ZDF) 22.06.1968 10
4 4 Freie Wahl Free for All 20.10.1967 31.07.2010 (ARTE) 29.06.1968 2
5 5 Der Doppelgänger The Schizoid Man 27.10.1967 31.07.2010 (ARTE) 06.07.1968 7
6 6 Der General The General 03.11.1967 15.11.1969 (ZDF) 13.07.1968 11
7 7 Herzlichen Glückwunsch Many Happy Returns 10.11.1967 13.09.1969 (ZDF) 20.07.1968 13
8 8 Die Anklage Dance of the Dead 17.11.1967 03.01.1970 (ZDF) 27.07.1968 9
9 9 Schachmatt Checkmate[A 2] 24.11.1967 29.11.1969 (ZDF) 17.08.1968 3
10 10 Hammer oder Amboss Hammer into Anvil 01.12.1967 28.02.1970 (ZDF) 31.08.1968 12
11 11 Das Amtssiegel It’s Your Funeral 08.12.1967 13.12.1969 (ZDF) 10.08.1968 8
12 12 Sinneswandel A Change of Mind 15.12.1967 14.08.2010 (ARTE) 24.08.1968 9
13 13 2 : 2 = 2 Do Not Forsake Me Oh My Darling[A 3] 22.12.1967 24.01.1970 (ZDF) 03.08.1968 14
14 14 Harmony Living in Harmony 29.12.1967 21.08.2010 (ARTE) - 15
15 15 3 – 2 – 1 – 0 The Girl Who Was Death 18.01.1968[A 4] 14.02.1970 (ZDF) 07.09.1968 16
16 16 Pas de deux Once Upon a Time[A 5] 25.01.1968[A 4] 11.04.1970 (ZDF) 14.09.1968 6
17 17 Demaskierung Fall Out 01.02.1968 25.04.1970 (ZDF) 21.09.1968 17

Anmerkungen:

  1. ATV strahlte die Serie nicht gleichzeitig im ganzen Land aus. Die früheste Ausstrahlung erfolgte bei ATV in Midlands/Grampian. In anderen Gegenden des UK erfolgte die Erstausstrahlung später.
  2. ursprünglicher Titel: „The Queen’s Pawn“
  3. ursprünglicher Titel: „Face Unknown“
  4. a b EA in Schottland, die EA bei ATV Midlands/Grampian erfolgte einen Tag später.
  5. ursprünglicher Titel: „Degree Absolute“

Deutsche Ausstrahlungen[Bearbeiten]

Die Erstausstrahlung in Deutschland erfolgte 1969/1970 im ZDF, dreizehn Episoden wurden damals synchronisiert und an Samstagen spätnachts gezeigt. 1972 brachte das ZDF die Serie erneut ins Programm. Acht Episoden waren vorgesehen, gesendet wurden jedoch nur sieben. Die achte entfiel nach der Geiselnahme von München. Etwa 1984 zeigte der neue Sender PKS (heute Sat.1) die Serie. Wiederholungen liefen ab 1989 auch bei Pro7 (heute ProSieben), teilweise wurden Episoden ausgelassen. Im November 2006 wurde die Serie auf dem Sender Anixe HD in HD-Qualität gezeigt.

ARTE strahlte Nummer 6 im Sommer 2010 im Rahmen eines Schwerpunktes „Summer of the 60s“ erstmals komplett aus: Die vier seinerzeit vom ZDF nicht bearbeiteten Episoden wurden dafür synchronisiert. „Nummer 6“ wurde nun von Bernd Rumpf gesprochen, da sich die Stimme von McGoohans früherem Synchronsprecher Horst Naumann, zu stark verändert hatte.[9]

Synchronisation[Bearbeiten]

Dialogbuch und Dialogregie der deutschen Fassung[Bearbeiten]

  • 1969: Joachim Brinkmann
  • 2010: Frank Wesel

Sprecher[Bearbeiten]

Rolle Synchronsprecher[10]
„Nummer 6“ (Patrick McGoohan) Horst Naumann (1969), Bernd Rumpf (2010)
Supervisor (Peter Swanwick) Leo Bardischewski (1969), Lothar Hinze (2010)
„Nummer 2“ (Leo McKern) (Ep. 2, 16 und 17) Walter Reichelt
„Nummer 2“ (Colin Gordon) (Ep. 3, 6) Ernst Fritz Fürbringer
„Nummer 2“ (Guy Doleman) (Ep. 1) Christian Marschall
„Nummer 2“ (George Baker) (Ep. 1) Manfred Schott
„Nummer 2“ (Eric Portman) (Ep. 4) Klaus Sonnenschein
„Nummer 2“ (Anton Rodgers)(Ep. 5) Ilja Richter
„Nummer 2“ (Peter Wyngarde) (Ep. 9) Herbert Weicker
„Nummer 2“ (Patrick Cargill) (Ep. 10) Christian Marschall
„Nummer 2“ (Derren Nesbitt) (Ep. 11) Jan Hendriks
„Nummer 2“ (John Sharp) (Ep. 12) Peter Groeger
„Nummer 2“ (Clifford Evans) (Ep. 13) Alf Marholm
„Nummer 2“ (David Bauer) (Ep. 14) Ernst Meincke
„Nummer 2“ (Kenneth Griffith) (Ep. 15) Gerd Duwner
Nadia (Nadia Gray) (Ep. 2) Eva Pflug
Engadine (Katherine Kath) (Ep. 3) Maria Landrock
Nummer 58 (Rachel Herbert) (Ep. 4) Debora Weigert
Arbeitsvermittler (George Benson) (Ep. 4) Michael Pan
Alison (Jane Merrow) (Ep. 5) Gundi Eberhard
Nummer 12 (John Castle) (Ep. 6) Volker Lechtenbrink
Mts. Butterworth (Georgina Cookson) (Ep. 7) Carola Höhn
Beobachterin (Norma West) (Ep. 8) Ingrid Capelle
Turm (Ronald Radd) (Ep. 9) Walter Reichelt
Tochter des Uhrmachers (Annette Andre) (Ep. 7) Ursula Herwig
„Nummer 86“ (Angela Browne) (Ep. 12) Christin Marquitan
Der Colonel/„Nummer 6“ (Nigel Stock) (Ep. 13) Klaus Kindler
Seltzman (Hugo Schuster) (Ep. 13) Wolfgang Büttner
„Nummer 8“/The Kid (Alexis Kanner) (Ep. 14) Sascha Rotermund
„Nummer 48“ (Alexis Kanner) (Ep. 17) Jürgen Claussen
Richter (Kenneth Griffith) (Ep. 17) Christian Marschall

Symbolik[Bearbeiten]

Die Serie weist eine deutliche Verwendung von Ding-Symbolen auf. Darüber hinaus tauchen etliche Motive mit leitmotivischem Charakter in verschiedenen Episoden auf:

Penny-Farthing-Hochrad[Bearbeiten]

Penny-Farthing-Hochrad

Das Penny-Farthing-Hochrad ist in der Serie allgegenwärtig und wird auf den Erkennungsmarken, den Hubschraubern, auf Konservendosen, an Taxis und ist das Emblem des Ortes. Für Patrick McGoohan war es ein ironisches Symbol des Fortschritts, steht es doch gleichermaßen für Fortbewegung wie für Immobilität und Beharrung.[11]

Rover[Bearbeiten]

Rover ist ein weißer Ballon, der vom Ort eingesetzt wird, unter anderem um Gefangene an der Flucht zu hindern oder zu maßregeln. Er ist an Land und im Wasser einsetzbar und betäubt seine Opfer in der Regel, kann aber auch töten (Der Doppelgänger). Er tritt in zahlreichen Episoden in Erscheinung.

Patrick McGoohan erklärte, dass Rover unsere größte Furcht repräsentiere. Damit könne er alles sein, zum Beispiel das Unbekannte, die Invasion der Privatsphäre, Bürokratie, oder Steuern.[12]

Schach[Bearbeiten]

Das Schachspiel wird in der Serie als wiederkehrendes Motiv verwendet und ist häufiger zu sehen. Das Spiel taucht bereits in der ersten Episode auf, die in der Feststellung gipfelt: „Wir sind alle Bauern“.[13] In der Folge Schachmatt wird außerdem ein Schachturnier mit lebenden Menschen veranstaltet.[14] Der Autor der Episode, Gerald Kelsey, hatte ein solches Schachturnier bei einem Deutschlandbesuch gesehen.[6]

George Markstein sah internationale Spionage als eine Art Schachspiel an und brachte diese Ansicht in die Serie ein. Schachmatt kann als Interpretation dieser Sichtweise verstanden werden.[6]

Masken und Maskierung[Bearbeiten]

Die Kleidung der Bewohner des Ortes ist sehr ähnlich. Neben zweifarbig gestreiften Sweatshirts und Feinstrickpullis, bunten Capes, Stroh- und Pepitahüten tragen die meisten weiße Hosen. Einige Männer, unter anderem „Nummer 6“, tragen außerdem schwarze bzw. blaue Sakkos, deren Revers einen weißen Saum aufweisen.

Masken und Kostüme bilden darüber hinaus zentrale Elemente einzelner Episoden. In Die Anklage entwickelt sich aus einer Karnevalsveranstaltung ein Prozess gegen „Nummer 6“. Richter und Beisitzer treten als Napoleon, Königin Elisabeth I. und als römischer Kaiser auf. „Nummer 6“ selbst trägt im Kontrast dazu einen Anzug aus seinem „richtigen“ Leben, den er als Kostüm zugewiesen bekommen hatte. Andere Figuren der Episode sind auf dem Ball entsprechend ihrer Rollen verkleidet. So tritt die persönliche Beobachterin von „Nummer 6“ als gute Hirtin („Little Bo Beep“) auf. Ein ehemaliger Kollege von ihm, der auf seinen Wunsch hin als Charakterzeuge aufgerufen wird, wird als nicht mehr zum Sprechen fähiger Narr vorgeführt.

In der letzten Folge treten die Teilnehmer eines Tribunals, in dem „Nummer 6“ als Ehrengast teilnimmt, in weißen Kapuzenumhängen auf. Die Gäste tragen außerdem schwarz und weiß geteilte Gesichtsmasken. Auf ihren Namensschildern werden sie als „Reaktionäre“, „Abweichler“ oder „Nationalisten“ bezeichnet. Die Anklageschrift wird von der allegorischen Figur „Anarchie“ verlesen. „Nummer 1“ trägt in Demaskierung ebenfalls einen weißen Umhang. Unter seiner schwarz-weißen Maske trägt er zudem die Maske eines Affen unter der das grinsende Gesicht von „Nummer 6“ zum Vorschein kommt.

Parabelhaftigkeit[Bearbeiten]

Die Serie beschränkt sich allerdings nicht bloß auf Ding-Symbole, sondern weist darüber hinaus einen überhaupt stark parabelhaften Charakter auf, der verschiedene Felder betrifft. Stefan Höltgen von F.LM - Texte zum Film betont diesbezüglich etwa, dass es durchaus möglich sei, The Prisoner auch abseits zeitgenössischer, politischer Diskurse zu bewerten:

‚“The Prisoner” lediglich als eine politische Parabel des Kalten Krieges und in dieser Hinsicht vielleicht als eine Variation und Reflexion von Agentengeschichten à la “James Bond” zu sehen, würde der Serie nicht gerecht. Hinter jeder Episode von “The Prisoner” verbirgt sich neben der politischen immer auch jeweils eine soziologische, psychologische oder philosophische Frage. Ob es um das Wesen der Identität in der Moderne geht, die Kafkaeske/Camus’sche Absurdität eines Anrennens gegen “die Macht” oder die Konstruktion des eigenen Lebens(ver)laufs durch Nacherzählung: “The Prisoner” findet für all diese Themen einen “Agenten”, der die durchleben kann: Nummer 6.‘

Stefan Höltgen: F.LM - Texte zum Film[15]

Kultureller Einfluss[Bearbeiten]

Die Serie, welche heute unter den Fans international Kultstatus genießt, ist nach heutigem Verständnis der Kategorie Mystery-Fernsehserien zuzuordnen und gilt somit als ein Vorläufer zu den späteren Mystery-Erfolgen wie Akte X.[16]

Einen Ausschnitt des Dialoges, der am Ende des Vorspanns gesprochen wird, spielte Iron Maiden im gleichnamigen Stück The Prisoner auf ihrem Album The Number of the Beast ein. Das Stück Back in the Village von Iron Maiden im Album Powerslave bezieht sich thematisch ebenfalls auf die Serie: Questions are a burden / And answers are a prison for oneself.

In der Zeichentrickserie Die Simpsons, Folge: Mr. X und der Website-Schund, findet sich Homer plötzlich als „Nummer 5“ auf einer Insel wieder, die dem Village sehr ähnelt. Dort trifft er unter anderem auch auf „Nummer 6“, dem Patrick McGoohan seine Stimme lieh. Homer kann von der Insel entkommen, indem er den weißen Ballon Rover mit einer Gabel zersticht. In der Simpsons-Episode In den Fängen einer Sekte gelingt es Marge, einer riesigen Blase, die an Rover erinnert, zu entkommen.

Auch ein „Ident“ der Gruppe Gorillaz weist Parallelen auf: Darin wird der aus einem Fenster starrende „2D“ - ähnlich wie „Nummer 6“ - mit einem durch den Briefschlitz geleiteten Gas außer Gefecht gesetzt, um schließlich an einem völlig anderem Ort wieder aufzuwachen.

In Roger Avarys Gangsterfilm Killing Zoe unterhalten sich die völlig unter Drogen stehenden Protagonisten während einer nächtlichen Autofahrt durch Paris über Drogen und die Episode A. B. und C. in Nummer 6.

Unter dem Slogan „Escape – to the totally New Renault 21!“ brachte der Automobilhersteller Renault 1989 in Großbritannien einen Fernsehwerbespot heraus, der vollständig auf dem Intro und Motiven der Serie Nummer 6 basiert. Schauplätze wie der Kontrollraum, Ausstattungsdetails wie der Kugelsessel von „Nummer 2“, der weiße Ballon Rover oder ein Anstecker mit der „21“ darauf sind originalgetreu nachempfunden. Der Spot lief etwa drei Monate lang.[17]

Adaptionen[Bearbeiten]

Computerspiel[Bearbeiten]

1980 brachte Edu-Ware basierend auf der Serie ein gleichnamiges Textadventure für den Apple II heraus.[18] In diesem muss der Spieler von einer Insel entkommen, ohne dabei jemals den dreistelligen Code preiszugeben, den er am Anfang des Spieles erhält. Das Spiel wurde einem Bericht zufolge als Trainingswerkzeug für Agenten der Central Intelligence Agency eingesetzt.[19] 1982 erschien eine, als Prisoner 2 bezeichnete, Version mit besserer Grafik und kleineren Änderungen an der Spielmechanik, die auch für Atari 8-bit und IBM PC erhältlich war.[20]

Fernsehserie 2009[Bearbeiten]

2009 entstand die sechsteilige Serie The Prisoner – Der Gefangene, die auf der gleichen Grundidee beruht jedoch weder eine direkte Neuverfilmung noch eine Fortsetzung darstellt.

DVD- und Blu-ray-Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • DVDs zu allen Folgen der Serie The Prisoner sind seit Oktober 2006 als Box in Deutschland im Handel erhältlich. Die Box beinhaltet mit insgesamt 17 Episoden alle Folgen der Serie, auch die vom ZDF damals nicht synchronisierten in Originalsprache mit deutschem Untertitel.
  • In Großbritannien ist die Serie seit 2009 auch in High Definition auf Blu-ray-Disc erhältlich.
  • Eine Neuauflage der deutschen DVD sowie erstmals eine Blu-Ray-Edition sind im November 2010 erneut von Koch Media herausgebracht worden. Als Quelle dient das neu abgetastete und remasterte Material wie bei der Network-Ausgabe. Auch die von Arte erstmals synchronisierten Episoden sind mit einer deutschen Fassung enthalten.
  • The Prisoner Investigated Vol 1&2. The Complete 4 Hour Documentary. TR 7 Productions (Steven Ricks), 1990. Ricks, früheres Mitglied des britisches Fanclubs Six Of One, hat etliche an der Produktion von Nummer 6 beteiligte und mittlerweile verstorbene Personen interviewt. Die Dokumentation wird von Kenneth Griffith moderiert. Aus den vielen Stunden Interviewmaterial entstanden weitere Dokumentationen unter den Titeln The Prisoner In-Depth oder The Prisoner on Location. Die remasterte Doppel-DVD entspricht dem ursprünglichen VHS-Video und wurde vom Autor selbst vertrieben.

Trivia[Bearbeiten]

  • Der weiße Ballon, der als „Wachhund“ des Ortes dient, war ein produktionstechnisches Verlegenheitslösung. Nachdem erste Versuche mit einem mechanischen Gefährt fehlgeschlagen waren, griff man auf Wetterballons zurück, die man zufällig beobachtet hatte. Die teilweise mit Wasser gefüllten Ballons wurden an einem dünnen Seil gezogen und der Film anschließend rückwärts abgespielt. Daher müssen die Bewohner des Ortes häufig still stehen, wenn der Ballon auftaucht. Im Original wird er in der Episode The Schizoid Man „Rover“ genannt. In der ursprünglichen deutschen Fassung wird er in Die Ankunft einmal „Hystero“ genannt. In der erst 2010 synchronisierten Episode Der Doppelgänger heißt er wie im Original „Rover“. Der weiße Ballon ist auch in der 2009er Serie The Prisoner – Der Gefangene zu sehen.
  • Die Lage des Ortes wird in der Serie widersprüchlich beschrieben. In Die Glocken von Big Ben wird gesagt der Ort liege in Litauen, an der Ostsee, 30 Meilen von der polnischen Grenze entfernt. (Die deutsche Fassung weicht hier ab und verlegt den Ort nach Bulgarien.) In Herzlichen Glückwunsch liegt der Ort hingegen auf einer Insel vor der Küste Marokkos. In Demaskierung befindet sich der Ort am Ende eines langen Tunnels, der zur A20 in Kent führt.[21]
  • Patrick McGoohan gab seine Rolle als John Drake in der Serie Geheimauftrag für John Drake auf, um in Nummer 6 zu spielen. McGoohan bestritt allerdings immer, dass er in der Serie ebenfalls John Drake spiele.[22]
  • Neben „Nummer 6“ treten nur wenige Figuren in mehreren Episoden auf. Dazu zählen der Butler von „Nummer 2“ (Angelo Muscat, 14 Episoden) und der Supervisor (Peter Swanwick, 8 Episoden).
  • In der Serie sieht man häufig Lavalampen in den Häusern.
  • „Nummer 6“ fährt einen Lotus 7 mit der Nummer KAR 120C.[23]
  • Die Episode Herzlichen Glückwunsch kommt in den ersten 25 Minuten beinah ohne Dialog aus. Zu hören ist lediglich der Prolog und wenige Worte, teilweise in unverständlicher Sprache.
  • Vor dem britischen Serienstart versuchte sich Alexis Kanner vor den Journalisten als Hochradfahrer, kam jedoch nur einige Schritte weit und stürzte.
  • Six of One ist ein seit 1977 bestehender britischer Fanclub zur Serie, der auch regelmäßige Fantreffen am Drehort Portmeirion organisiert. Im Rahmen dieser Treffen wurden auch die Fanfilme Resolution und Village Day aufgeführt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter M. Gaschler: Nummer 6 gibt nicht auf. Die britische Kultserie "The Prisoner" In: Das Science Fiction Jahr 2011, hrsg. von Sascha Mamczak, Sebastian Pirling und Wolfgang Jeschke, Wilhelm Heyne Verlag München 2011, S. 562–577. ISBN 978-3-453-53379-0
  • Harald Keller: Kultserien und ihre Stars, Bertz/Edition Splitscreen 1996 bzw. die Neuauflage: Rowohlt-Verlag, Reinbek 1999
  • Matthew White & Jaffer Ali: The Official Prisoner Companion, New York 1988. (englisch)
  • Alain Carrazé & Hélène Oswald: The Prisoner. A Televisionary Masterpiece, als Vorwort ein Interview mit Patrick McGoohan, London 1990, Neuauflage: Virgin, London 1995 (englisch)
  • Robert Fairclough: The Prisoner. The Official Companion To The Series, A Carlton Book, 2002 (englisch)
  • Andrew Pixley: The Prisoner - A complete production guide, 2007 (englisch)
  • Roger Langley: Patrick McGoohan. Danger Man or Prisoner?, eine Biografie mit einem Vorwort von Peter Falk, Tomahawk Press, Sheffield 2007 (englisch)
  • Jean-Marc Lofficier: LE PRISONNIER ou Le Fantôme de la Liberté, in: L'Écran Fantastique 4/1978 (französisch)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. wunschliste.de: Nummer 6, aufgerufen am 6. Dez. 2008
  2. Nummer 6 in der Internet Movie Database (englisch)
  3. Ziauddin Sardar: Postmodernism and the other: the new imperialism of Western culture.. Pluto Press, London 1998, ISBN 9780745307497, S. 1.
  4. TV-Meisterwerk "The Prisoner": Der Spion, der mich verwirrte. Spiegel Online. 24. Juli 2010. Abgerufen am 3. November 2010.
  5. Seite zur Serie auf fernsehserien.de
  6. a b c d Robert Fairclough: The Prisoner. The Official Companion To The Series; A Carlton Book 2002
  7. Die Welt ist ein Dorf. Telepolis. 14. April 2008. Abgerufen am 3. November 2010.
  8. Andrew Pixley, The Prisoner - A complete production Guide, 2007.
  9. Harald Keller: Der Fremde in der Ferienanlage. In: Frankfurter Rundschau. 23. Juli 2010, abgerufen am 17. März 2015.
  10. Nummer 6 in der Deutschen Synchronkartei
  11. Matthew White, Jaffer Ali: The Official Prisoner Companion, New York 1988, S. 122.
  12. Interview With Patrick McGoohan. In: Alain Carrazé & Hélène Oswald: The Prisoner. A Televisionary Masterpiece, London 1990/1995, S. 7
  13. Matthew White, Jaffer Ali: The Official Prisoner Companion, New York 1988, S. 13.
  14. Matthew White, Jaffer Ali: The Official Prisoner Companion, New York 1988, S. 81.
  15. Stefan Höltgen: Nummer 6 gibt nicht auf. F.LM - Texte zum Film, abgerufen am 16. Februar 2011 (deutsch).
  16. TV review: 'Prisoner' remake captive of past. In: San Francisco Chronicle. 13. November 2009, abgerufen am 21. März 2015.
  17. Werbespot auf youtube.de
  18. Steven Weyhrich: Appendix A: Apple II Software Hits, 1981. In: Apple II History. Abgerufen am 5. November 2010.
  19. Polley Paula: Playing Games with the CIA. In: Atari Connection. Mai 1983, S. 28.
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