Olympische Winterspiele 1988/Bob

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Olympische Ringe

Bei den XV. Olympischen Spielen 1988 in Calgary wurden zwei Wettbewerbe im Bobfahren ausgetragen. Austragungsort war der Canada Olympia Parc. Die Strecke hatte eine Länge von 1475 m, einen Höhenunterschied von 120 m und 14 Kurven. Es dominierten die Mannschaften aus der Sowjetunion, der DDR sowie der Schweiz.

Seit der IOC-Session 1978 in Athen stand der Bobsport allerdings auf der Abschussliste des IOC. Mit 12:2 Stimmen war die Disziplin ins Provisorium versetzt worden. Schuld daran war, dass die Zahl der betreibenden Länder auf ein Minimum geschrumpft war.[1]

Die Wetterbedingungen während der Bobwettbewerbe waren katastrophal. Den Athleten machten starke Windböen des Chinook zu schaffen. Dieser wehte insbesondere während des ersten Laufes des Zweierbobwettbewerbes Sand in die Bahn. Während die niedrigen Startnummern noch gute Bedingungen zur Verfügung hatten, waren die Piloten mit höheren Startnummern trotz sauberer Fahrt chancenlos, darunter viele Favoriten. Zu den Benachteiligten gehörte unter anderem der als Topfavorit gestartete DDR-Pilot Wolfgang Hoppe. Die Ergebnisse der Wettbewerbe wurden außerdem durch enorme Temperaturschwankungen verfälscht.

Die Bobwettbewerbe erlebten mit der Teilnahme Jamaikas eine Premiere. Die Jamaikanische Bobmannschaft war die erste Mannschaft aus einem Land, dass nicht traditionell Wintersport betreibt.

Zweierbob[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportler Zeit (min)
1 SowjetunionSowjetunion URS UdSSR I
Jānis Ķipurs
Wladimir Koslow
3:53,48
2 Deutschland Demokratische Republik 1949DDR GDR DDR I
Wolfgang Hoppe
Bogdan Musiol
3:54,19
3 Deutschland Demokratische Republik 1949DDR GDR DDR II
Bernhard Lehmann
Mario Hoyer
3:54,64
4 SchweizSchweiz SUI Schweiz II
Gustav Weder
Donat Acklin
3:56,06
5 OsterreichÖsterreich AUT Österreich I
Ingo Appelt
Harald Winkler
3:56,49
6 SchweizSchweiz SUI Schweiz I
Hans Hiltebrand
André Kiser
3:56,52
7 Deutschland BRBR Deutschland FRG BRD I
Anton Fischer
Christoph Langen
3:56,62
8 OsterreichÖsterreich AUT Österreich II
Peter Kienast
Christian Mark
3:56,91
11 Deutschland BRBR Deutschland FRG BRD II
Michael Sperr
Rolf Müller

1. und 2. Lauf: 20. Februar 1988
3. und 4. Lauf: 22. Februar 1988

Es nahmen insgesamt 41 Teams aus 23 Ländern teil. In den Trainings waren sogar 48 Mannschaften dabei, aber auch das auf 41 Mannschaften reduzierte Teilnehmerfeld warf Probleme auf.[2]

Bei DDR 1 hatte es einen Bremserwechsel gegeben, nachdem Hoppes Standardpartner Dietmar Schauerhammer sich wegen einer Verletzung nicht in Bestform befand. Der Start war an beiden Wettkampftagen jeweils um 10 Uhr angesetzt. Sturmwind erzwang zunächst eine Unterbrechung und schließlich den Abbruch des dritten Laufes am 21. Februar. Bereits die ersten beiden Läufe waren deshalb ein «Glücksspiel». Wolfgang Hoppe sagte, dass «er Glück hatte, im ersten Lauf schon am Anfang starten zu dürfen. Staub, Sand und Dreck lagen im 2. Lauf in der Spur». Nach zwei Läufen führte Ķipurs in 1:55,48 min vor den zeitgleichen GDR-Schlitten Hoppe und Lehmann (je 0,84 s zurück).[3][4]

Ķipurs Goldmedaille war die erste in dieser Disziplin für die Sowjetunion. Hoppe fuhr zwar in den Läufen 1, 2 und 4 Bestzeit, erreichte aber nur Rang acht im zweiten Lauf (1,21 s hinter Ķipurs). Hiltebrand hatte anderseits mit 58,74 s im ersten Lauf nur die 21. Zeit gefahren.

Viererbob[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportler Zeit (min)
1 SchweizSchweiz SUI Schweiz I
Ekkehard Fasser
Kurt Meier
Marcel Fässler
Werner Stocker
3:47,51
2 Deutschland Demokratische Republik 1949DDR GDR DDR I
Wolfgang Hoppe
Dietmar Schauerhammer
Bogdan Musiol
Ingo Voge
3:47,58
3 SowjetunionSowjetunion URS UdSSR II
Jānis Ķipurs
Guntis Osis
Juris Tone
Wladimir Koslow
3:48,26
4 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten USA USA I
Brent Rushlaw
Hal Hoye
Michael Wasko
William White
3:48,28
5 SowjetunionSowjetunion URS UdSSR I
Māris Poikāns
Olafs Kļaviņš
Ivars Bērzups
Juris Jaudzems
3:48,35
6 OsterreichÖsterreich AUT Österreich I
Peter Kienast
Franz Siegl
Christian Mark
Kurt Teigl
3:48,65
7 OsterreichÖsterreich AUT Österreich II
Ingo Appelt
Josef Muigg
Gerhard Redl
Harald Winkler
3:48,95
8 Deutschland Demokratische Republik 1949DDR GDR DDR II
Detlef Richter
Bodo Ferl
Ludwig Jahn
Alexander Szelig
3:49,06
11 Deutschland BRBR Deutschland FRG BRD I
Anton Fischer
Franz Nießner
Uwe Eisenreich
Christoph Langen
14 Deutschland BRBR Deutschland FRG BRD II
Michael Sperr
Olaf Hampel
Florian Cruciger
Rolf Müller

1. und 2. Lauf: 27. Februar 1988
3. und 4. Lauf: 28. Februar 1988
Beginn jeweils angesetzt für 8:30 h.

Es nahmen insgesamt 26 Teams aus 17 Ländern teil.

Der Internationale Bobverband wollte gegen die TV-Interessen durch eine Vorverlegung der Startzeiten ein reguläres Rennen haben, doch IOC-Präsident Samaranch drohte daraufhin, für 1992 die Bob-Bewerbe zu streichen.[5]

Die Vorentscheidung fiel am Sonntagmorgen im 3. Lauf, als Fasser mit früher Startnummer und somit günstigen Bedingungen dem führenden Hoppe 0,89 s abnahm. Die gegenüber Samstag gesunkene Temperatur einerseits, die Sonne anderseits sorgten für neuartige Verhältnisse. Die künstlich gekühlte Strecke wurde mit jedem Schlitten langsamer. Fasser wie Hoppe klagten über sehr tiefe Rillen in den zweiten Durchgängen von Samstag und Sonntag, und wenn es im Vierer auch fairere Bedingungen gab, spielte die Startnummer wieder eine entscheidende Rolle.[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. «Groteskes Rennen soll Augen öffnen», Sport Zürich, Nr. 23 vom 24. Februar 1988, Seite 15.
  2. «Groteskes Rennen soll Augen öffnen», Sport Zürich, Nr. 23 vom 24.2.1988, Seite 15.
  3. «Olympia-Wochenende in Calgary», Sport Zürich, Nr. 21 vom 19. Februar 1988, Seite 13.
  4. «Sturmwind erzwang Abbruch», und «OLYMPIA TOTAL», sowie «Titelverteidiger Wolfgang Hoppe verärgert», Sport Zürich, Nr. 22 vom 22. Februar 1988, Seiten 1, 15 und 16.
  5. Glosse: «I.ooo Geschichten», 4. Beitrag. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 27. Februar 1988, S. 23.
  6. «Fasser: Gold dank Routine und Superteam», Sport Zürich, Nr. 25 vom 29. Februar 1988, Seite 17.