Olympische Winterspiele 1988/Eisschnelllauf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Olympische Ringe
Olympische Winterspiele 1988
(Medaillenspiegel Eisschnelllauf)
Platz Mannschaft G S B Total
1 Deutschland Demokratische Republik 1949DDR GDR 3 6 4 13
2 NiederlandeNiederlande NED 3 2 2 7
3 SchwedenSchweden SWE 2 2
4 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten USA 1 1 1 3
5 SowjetunionSowjetunion URS 1 1 2
6 OsterreichÖsterreich AUT 1 1 2
7 JapanJapan JPN 1 1

Bei den XV. Olympischen Spielen 1988 in Calgary wurden zehn Wettbewerbe im Eisschnelllauf ausgetragen. Austragungsort war das Olympic Oval.

Bei den Männern war Tomas Gustafson der erfolgreichste Läufer. Er startete über die beiden Langstrecken und errang jeweils Gold. Bei den Frauen konnte die Niederländerin Yvonne van Gennip über die 1500, 3000 und 5000 Meter, trotz der großen DDR-Dominanz (acht von zwölf Medaillen), dreimal Gold erringen und war damit mit dem Skispringer Matti Nykänen die erfolgreichste Teilnehmerin von Calgary.
Die DDR (zum ersten Mal Olympia-Männer-Goldmedaillen) war zu den Großen aufgestiegen, während Norwegen erstmals überhaupt bei den seit 1924 ausgetragenen Winterspielen medaillenlos geblieben ist.[1]

Männer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

500 Meter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportler Zeit
1 GDR Uwe-Jens Mey 36,45 (WR)
2 NED Jan Ykema 36,76
3 JPN Akira Kuroiwa 36,77
4 URS Sergej Fokitschew 36,82
5 KOR Ki Tae Bae 36,90
6 URS Igor Schelesowski 36,94
7 CAN Guy Thibault 36,96
8 USA Nick Thometz 37,16
- - - -
26 AUT Michael Hadschieff 37,90 (NR)
34 AUT Christian Eminger 39,70

Datum: 14. Februar 1988, 17:00 Uhr

Am Start waren 37 Läufer aus 15 Ländern.
Weitere wichtige Platzierungen: 14. Gaétan Boucher (CAN) 37,47; 20. Hans-Peter Oberhuber (FRG) 37,73; 36. Nikolai Guljajew (URS) 1:02,86 (Sturz); 37 gestartet, 36 klassiert.
Die Läufer, die beim Start die Innenbahn zugelost erhalten hatten, waren gegenüber den Konkurrenten klar bevorzugt, denn bei Tempo um die 55 km/h verloren jene, welche die letzte Kurve auf der Innenbahn absolvieren mussten, die Balance und stürzten (oder mussten auf die «fremde» Außenbahn ausweichen, was jedoch nur erlaubt war, wenn er dort einen Gegner nicht behinderte).[2]
Hadschieff verzeichnete vorerst einen Fehlstart und begann deshalb danach verhalten; damit «habe er zwei Zehntel verschenkt; trotzdem habe er erreicht, was er wollte – neuen Rekord und eine Zeit unter 38.»[3]

1000 Meter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportler Zeit
1 URS Nikolai Guljajew 1:13,03 (OR)
2 GDR Uwe-Jens Mey 1:13,11
3 URS Igor Schelesowski 1:13,19
4 USA Eric Flaim 1:13,53
5 CAN Gaétan Boucher 1:13,77
6 AUT Michael Hadschieff 1:13,84 (NR)
7 CAN Guy Thibault 1:14,16
8 GDR Peter Adeberg 1:14,19

Datum: 18. Februar 1988, 18:00 Uhr

Am Start waren 40 Läufer aus 16 Ländern.
Weitere wichtige Platzierungen: 15. André Hoffmann (GDR) 1:14,82; disqualifiziert: Uwe Streb (FRG); 36 klassiert.[4]

1500 Meter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportler Zeit
1 GDR André Hoffmann 1:52,05 (WR)
2 USA Eric Flaim 1:52,12
3 AUT Michael Hadschieff 1:52,31 (NR)
4 URS Igor Schelesowski 1:52,63
5 JPN Toru Aoyanagi 1:52,85
6 URS Alexander Klimow 1:52,97
7 URS Nikolai Guljajew 1:53,04
8 GDR Peter Adeberg 1:53,57

Datum: 20. Februar 1988, 17:00 Uhr

Am Start waren 40 Läufer aus 20 Ländern.
Hoffmanns Sieg war eine Überraschung; die besten Platzierung des seit 12 Jahren aktiven 26-Jährigen waren Rang 5 über 1.000 m bei Olympia 1984 sowie die Ränge 3 (500m) und 4 (1500m) bei den Weltmeisterschaften 1985 gewesen. Nur 10 Minuten hielt die Rekordzeit von Flaim. Der bisherige (allerdings noch nicht offiziell anerkannte) Weltrekord wurde von Schelesowski (1:52,50 im Dezember 1987) gehalten. Der olympische Rekord von Eric Heiden (1:55,44 in Lake Placid 1980) wurde regelrecht pulverisiert.
Auf Eis war Österreich seit 1972 (Gold von Beatrix Schuba im Eiskunstlauf) ohne Olympia-Medaille geblieben, und es war die erste olympische Eisschnelllauf-Medaille für die Alpenrepublik seit 52 Jahren (Bronze 1936 durch Max Stiepl über 10.000m). Hadschieff verbesserte seinen eigenen österreichischen Rekord um 2,3 Sekunden.[5][6]

5000 Meter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportler Zeit
1 SWE Tomas Gustafson 6:44,63 (OR)
2 NED Leo Visser 6:44,98
3 NED Gerard Kemkers 6:45,92
4 USA Eric Flaim 6:47,09
5 AUT Michael Hadschieff 6:48,72
6 USA David Silk 6:49,95
7 NOR Geir Karlstad 6:50,88
8 GDR Roland Freier 6:51,42
- - - -
20 AUT Christian Eminger 6:57,22

Datum: 17. Februar 1988, 11:00 Uhr

Am Start waren 38 Läufer aus 18 Ländern, alle kamen ins Klassement.
Hadschieff (österr. Rekord: 6:47,93) wusste, dass er nur dann eine Medaillenchance hätte, wenn der um 6:45 laufen würde. Um Gold wurde ein Duell zwischen Gustafson und Weltrekordhalter Karlstadt erwartet.[7]

10.000 Meter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportler Zeit
1 SWE Tomas Gustafson 13:48,20 (WR)
2 AUT Michael Hadschieff 13:56,11 (NR)
3 NED Leo Visser 14:00,55
4 USA Eric Flaim 14:05,57
5 NED Gerard Kemkers 14:08,34
6 URS Juri Klijuew 14:09,68
7 ITA Roberto Sighel 14:13,60
8 GDR Roland Feier 14:19,16
- - - -
19 AUT Christian Eminger 14:30,21

Datum: 21. Februar 1988, 12:00 Uhr

Am Start waren 32 Läufer aus 19 Ländern.
Christian Eminger litt im 1150 m hohen Calgary unter Atemproblemen. Gustafson unterbot den bisherigen Weltrekord um 0,31 sec.[8][9]

Frauen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

500 Meter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportlerin Zeit
1 USA Bonnie Blair 39,10 (WR)
2 GDR Christa Rothenburger 39,12
3 GDR Karin Kania-Enke 39,24
4 GDR Angela Stahnke 39,68
5 JPN Seiko Hashimoto 39,74
6 CAN Shelley Rhead 40,36
7 FRG Monika Holzner-Gawenus 40,53
8 JPN Shoko Fusano 40,61
- - - -
19 AUT Emese Nemeth-Hunyady 41,38 (NR)

Datum: 22. Februar 1988, 18:00 Uhr

Am Start waren 30 Läuferinnen aus 15 Ländern.
Weitere Platzierungen: 10. Andrea Ehrig (GDR) 40,71
Vorerst schraubte die hoch favorisierte Rothenburger ihren Weltrekord von 39,39 auf 39,12. Auch Kania-Enke blieb unter dem alten Rekord. - Doch kam der Erfolg der Weltcupsiegerin über 500 m und 1.000 m nicht ganz überraschend, denn sie verfügte über profimäßige Bedingungen; zu ihren Sponsoren gehör(t)en die Basketball-Profis von Milwaukee und die Polizeivereinigung ihrer Heimatstadt.
Anmerkung: Die „Arbeiterzeitung Wien“ führte Hunyady als Neunzehnte, „Sport-Zürich“ auf Rang 20.[10][11]

1000 Meter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportlerin Zeit
1 GDR Christa Rothenburger 1:17,65 (WR)
2 GDR Karin Kania-Enke 1:17,70
3 USA Bonnie Blair 1:18,31
4 GDR Andrea Ehrig 1:19,32
5 JPN Seiko Hashimoto 1:19,75
6 GDR Angela Stahnke 1:20,05
7 USA Leslie Bader 1:21,09
8 USA Katie Class 1:21,10
- - - -
16 AUT Emese Nemeth-Hunyady 1:22,22 (NR)

Datum: 26. Februar 1988, 18:00 Uhr

Am Start waren 27 Läuferinnen aus 12 Ländern; 26 klassiert
In einem Duell auf höchster Ebene setzte sich Rothenburger gegen Kania, die auch noch unter ihrem Weltrekord (1:18,11) geblieben war, durch. Letztere zählte zu den großen Geschlagenen dieser Spiele, die den Erwartungen nicht entsprechen konnte. Gleich elf Läuferinnen blieben unter dem alten olympischen Rekord von Kania aus dem Jahr 1984 (1:21,61) – und Rothenburger hätte mit 1:17,65 noch bei Olympia 1976 den Titel bei den Männern geholt (Peter Mueller, USA, 1:19,32). Die aktuelle Sprintweltmeisterin von West Allis lag nach 600 m mit 0,51 sec. vor Kania und rettete davon von 0,05 sec. ins Ziel.[12]

1500 Meter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportlerin Zeit
1 NED Yvonne van Gennip 2:00,68 (OR)
2 GDR Karin Kania-Enke 2:00,82
3 GDR Andrea Ehrig 2:01,49
4 USA Bonnie Blair 2:04,02
5 URS Jelena Lapuga 2:04,24
6 JPN Seiko Hashimoto 2:04,38
7 GDR Gunda Kleemann 2:04,68
8 POL Erwina Rys-Ferens 2:04,68
15 FRG Anja Mischke 2:08,52

Datum: 27. Februar 1988, 17:00 Uhr

Am Start waren 28 Läuferinnen aus 13 Ländern. - Wegen Fiebers nicht am Start: Emese Nemeth-Hunyady
Kania-Enke lag nach 200 m zeitmäßig über eine halbe Sekunde vor van Gennip und Ehrig. Sie war als einzige Frau über diese Distanz unter zwei Minuten geblieben (1:59,30), doch diesmal vermochte sie ihr Tempo nicht durchzustehen. Van Gennip, die sich in der Form ihres Lebens befand, startete kaum 5 Minuten später und lag am Schluss umgerechnet 1,73 Meter vor der Dresdnerin (sie verbesserte ihren holländischen Rekord um 3,84 sec.!)[13][14]

3000 Meter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportlerin Zeit
1 NED Yvonne van Gennip 4:11,94 (WR)
2 GDR Andrea Ehrig 4:12,09
3 GDR Gabi Zange 4:16,92
4 GDR Karin Kania-Enke 4:18,80
5 POL Erwina Rys-Ferens 4:22,59
6 URS Swetlana Bojko 4:22,90
7 JPN Seiko Hashimoto 4:23,29
8 URS Jelena Lapuga 4:23,29
12 FRG Anja Mischke 4:26,30
14 AUT Emese Nemeth-Hunyady 4:27,56 (NR)

Datum: 23. Februar 1988, 18:00 Uhr

Am Start waren 29 Läuferinnen aus 16 Ländern. 28 klassiert; Disqualifikation: Ingrid Paul (NED)
Weiters erwähnenswert: Rang 19: Mary Docter (USA) – ihre 4.29,93 waren neuer Landesrekord.
Das Los brachte schon in der ersten Paarung das DDR-Duell Ehrig gegen die als „Galionsfigur der Eisschnellläuferinnen“ bezeichneten dreifachen Olympia-Siegerin Kania-Enke, beide legten ein vorerst unüberbietbares Feuerwerk auf das Oval. Kania hatte bald einen Vorsprung von 3, bei der 1.800m-Marke sogar 6 Sekunden auf den alten Weltrekord, aber Ehrig folgte ihr wie ein Schatten. 700 m vor dem Ziel brach die bis dorthin führende Kania ein, musste sogar nach dem Finish von ihren Betreuern gepflegt werden. Ehrig hingegen hatte den Weltrekord ihrer Teamkollegin Gabi Zange (4:16,76) unterboten. In der vierten Paarung startete van Gennip, sie hatte in der Schlussrunde (sie lag mit 3:37,08 um 0,63 sec. hinter Ehrig) die Kraft, daraus einen Vorsprung von 15 Hundertstel Sekunden zu machen.
Emese Hunyady verbesserte ihren eigenen Rekord um fast 12 Sekunden.[15][16]

5000 Meter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportlerin Zeit
1 NED Yvonne van Gennip 7:14,13 (WR)
2 GDR Andrea Ehrig 7:17,12
3 GDR Gabi Zange 7:21,61
4 URS Swetlana Bojko 7:28,39
5 URS Jelena Lapuga 7:28,65
6 JPN Seiko Hashimoto 7:34,43
7 GDR Gunda Kleemann 7:34,59
8 SWE Jasmin Krohn 7:36,56

Datum: 28. Februar 1988, 15:00 Uhr

Am Start waren 25 Läuferinnen aus 14 Ländern. Wegen Fiebers nicht am Start: Emese Nemeth-Hunyady

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. «Nur die DDR auf der Höhe von Gustafson», Sport Zürich, Nr. 23 vom 24.2.1988, Seite 14.
  2. «OLYMPIA TOTAL» und «Favoriten versagten im Sprint», Sport Zürich Nr. 20 vom 17.2.1988, Seiten 13 und 16
  3. Mey mit Weltrekord. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 16. Februar 1988, S. 22.
  4. «OLYMPIA TOTAL», Sport Zürich Nr. 22 vom 22.2.1988, Seite 15
  5. «Sensation: Gold für André Hoffmann!», Sport Zürich, Nr. 22, vom 22.2.1988, Seite 18.
  6. Glosse «Unter der Lupe» mit Überschrift «Freudenpfiff» und weiters «Muss auch mit Kopf laufen». In: Arbeiter-Zeitung. Wien 22. Februar 1988, S. 15.
  7. Medaillen nur in Rekordzeit. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 17. Februar 1988, S. 23.
  8. «„Magic Michi“ mit Geheimwaffe», Sport Zürich Nr. 23, vom 24.2.1988, Seite 10
  9. «Nur die DDR auf der Höhe von Gustafson», Sport Zürich, Nr. 23 vom 24.2.1988, Seite 14.
  10. Bonnie Blair siegte im Weltrekord-Duell. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 24. Februar 1988, S. 23.
  11. «OLYMPIA TOTAL», Sport Zürich Nr. 23, vom 24.2.1988, Seite 11.
  12. «Zweites Gold für Yvonne van Gennip» und «OLYMPIA TOTAL», Sport Zürich Nr. 25, vom 29.2.1988, Seiten 12 und 18.
  13. «Zweites Gold für Yvonne van Gennip», Sport Zürich Nr. 25, vom 29.2.1988, Seite 18.
  14. DDR holte erstes Gold. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 29. Februar 1988, S. 19.
  15. «Den DDR-Stars tun die Weltrekorde weh» und «OLYMPIA TOTAL», Sport Zürich, Nr. 24 vom 26.2.1988, Seiten 8 und 15.
  16. Zweite Niederlage der DDR über 3000 Meter. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 25. Februar 1988, S. 23.