Otelfingen

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Otelfingen
Wappen von Otelfingen
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Zürich Zürich (ZH)
Bezirk: Dielsdorfw
BFS-Nr.: 0094i1f3f4
Postleitzahl: 8107 Buchs
8112 Otelfingen
Koordinaten: 671819 / 257139Koordinaten: 47° 27′ 40″ N, 8° 23′ 28″ O; CH1903: 671819 / 257139
Höhe: 440 m ü. M.
Höhenbereich: 415–863 m ü. M.[1]
Fläche: 7,15 km²[2]
Einwohner: 2943 (31. Dezember 2020)[3]
Einwohnerdichte: 412 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
22,9 %
(31. Dezember 2020)[4]
Gemeindepräsidentin: Barbara Schaffner (glp)
Website: www.otelfingen.ch
Ansicht vom Altberg auf Otelfingen

Ansicht vom Altberg auf Otelfingen

Lage der Gemeinde
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Über dieses Bild
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Otelfingen (schweizerdeutsch Otelfinge, älter: Oodelfinge[5]) ist eine politische Gemeinde des Bezirks Dielsdorf im Unterland des Kantons Zürich in der Schweiz.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung

In Schwarz ein silberner Eberkopf

Das heutige Wappen wurde im Wappenbuch von Gerold Edlibach im Jahr 1493 erstmals dargestellt. Der Wildeber oder Keiler stand damals für das Herrengeschlecht der Otelfinger. Das alte Dorfschild, eine goldene Garbe und eine grünbeblätterte Traube auf silbernem Grund wurde durch den Beschluss der Gemeindeversammlung vom 23. Dezember 1928 durch den Eberkopf ersetzt.

Der Otelfinger Fritz Zollinger hat mit seiner Publikation «Saunettes, borstiges, interessantes, erstaunliches und unbekanntes Wildschwein» ein humorvolles Kompendium über das Wappentier verfasst.[6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otelfingen, historisches Luftbild von 1919, aufgenommen aus 400 Metern Höhe von Walter Mittelholzer

Otelfingen ist in der Beurteilung durch die Zürcher Kantonsarchäologie eines der wichtigsten vorgeschichtlichen Werk- und Siedlungsvorkommen des Kantons Zürich. Einerseits mit den bedeutendsten Silex-Abbaustellen von Lägernhornstein der Nordostschweiz im Pingenbau auf dem Weiherboden am Südhang der Lägern. (Dokumentierte Grabungen 1960er bis 1980er Jahre durch Zurbuchen, 1999 durch Zürcher Kantonsarchäologie). Andererseits mit zahlreichen Lesefunden von Silexmaterial und Schnurkeramik im grossflächigen Bereich des Golfplatzes im Ried 1999–2000 durch die Zürcher Kantonsarchäologie, die auch auf eine neolithische Besiedlung im Spätpaläolithikum bis zur Schnurkeramik hinweisen, älteste bis in die Horgener Phase 3340 bis 2910 v. Chr. Die Brandgrubenkomplexe der Fundstellen Trocknen und Riedholz wurden nach dendrochronologischen Analysen ins 8. Jh. v. Chr. datiert. Eine Mulde auf der Flur Trocknen wird gemäss ihrem Gehalt an Fundmaterial der Nähe zu einer Siedlung zugeordnet, mit Funden sowohl aus dem Neolithikum als auch aus der Bronzezeit.[7] Zwei Fundschichten auf der Flur Bonenberg brachten bei Rettungsgrabungenen schon 1993 und 1994 deutliche Spuren mittel- und spätbronzezeitlicher Besiedlung zutage, neben umfangreichen Keramikrelikten belegt durch zwei stattliche Bronzenadeln. «Bonenberg» ist ein weiterer Hinweis für die zunehmende Bedeutung von Landsiedlungen im Einzugsgebiet des Kantons Zürich in der zur Ende gehenden Bronzezeit.[8] Noch früher angesiedelt sind Otelfinger Fundstellen auf Trocken- oder Mineralböden, die bei Rettungsgrabungen im Jahr 2000 freigelegt wurden: Vorderdorfstrasse/Rötlerweg und Schmittengasse. Erstere aufgrund der Entdeckung durch den ortsansässigen U. Güller in einer Baugrube, beide von der Kantonsarchäologie ins Jungneolithikum datiert. Die Keramikfunde aus Keller- oder Vorratsgruben lassen sich mit Belegen aus Zürich-Mozartstrasse, -Seefeld und -Kleiner Hafner aus der Zeit 3900–3800 v. Chr. vergleichen. Nur vier Fundstellen horgenzeitlicher Gruben auf Mineralböden sind im Kanton Zürich bekannt. Die Dichte der Besiedlung in Otelfingen zu dieser Zeit wird mit den Silex- («Lägernhornstein»-) Abbaustellen an der Lägern in Verbindung gebracht.[9]

Aus markanter Brandeinwirkung entstandene, verziegelte Lehmbrocken wiesen 1995 bei Rettungsgrabungen an der Fundstelle «im Räche» in der Flur Lärenbühl auf einen eisenzeitlichen, quadratischen Lehmkuppelofen hin. In einer 6,5 m² grossen Grube stand ein mit Ruten armierter Lehmofen, der dem Keramikbrand gedient hatte. Scherben von Töpfen und Schalen liessen eine Datierung in die späte Hallstatt- bis frühe Latènezeit (450 v. Chr.) zu und lassen die Nähe einer Siedlung vermuten.[10]

Ein 1995 bei einer ungeplanten Notgrabung zutage getretener, 5 m breiter Prügelweg aus Erlen- und Eschenstämmen im Industriegebiet Lauet wurde dahin interpretiert, dass eine historische Strasse an dieser Stelle einen sumpfigen Bereich durchquerte. Sowohl die dendrochronologischen Analysen wie die Ausrichtung auf die im Westen in der Flur Libern im gleichen Jahr entdeckten 100 m Kiesstrasse mit Unterbau liessen den Schluss zu, die Teilstücke der römischen Furttalstrasse zuzuordnen. Auf der Strasse lag zudem eine gut erhaltene Aucissafibel, welche die Datierung bestätigte.[11]

Otelfingen wird erstmals im 11. 3-905647-88-5 im Zusammenhang mit dem Kloster Wettingen erwähnt. Von 1409 bis zum Untergang des Stadtstaates Zürich 1798 bildete Otelfingen mit den zwölf Gemeinden Boppelsen, Buchs ZH, Dielsdorf, Regensberg, Sünikon, Niedersteinmaur, Obersteinmaur, Bachs, Schöfflisdorf, Oberweningen, Schleinikon und Niederweningen die Landvogtei Regensberg. 1409 verpfändete der österreichische Herzog Friedrich IV. («der mit der leeren Tasche») die Herrschaft an die Stadt Zürich. Zu einer Pfandauslösung kam es nicht mehr.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otelfingen liegt im Furttal am Fuss der Lägern entlang des Dorfbachs, nahe der Stadt Zürich und an der Grenze zum Kanton Aargau. Von der Gemeindefläche dienen 47,0 % der Landwirtschaft, 37,2 % ist mit Wald bedeckt, 5,8 % ist Verkehrsfläche und 9,0 % Siedlungsgebiet, 0,3 % sind Gewässer.

Dorfbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otelfingen verfügt neben Regensberg als einzige Gemeinde des Bezirks Dielsdorf über einen Dorfkern, der ins kantonale Inventar der schutzwürdigen Ortsbilder aufgenommen ist. Zahlreiche frühneuzeitliche Riegelhäuser zeugen von einer ehemals wohlhabenden Bauernsame. Neben der reformierten Kirche aus dem Jahr 1607 mit dem prägnanten Glockenhelm ist die untere Mühle auffallendstes Gebäude im Dorfkern. Der ehemalige Mahlraum dient heute als Kulturzentrum, wo insbesondere klassische Konzerte dargeboten werden.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otelfingen verfügt über ein Industriegebiet mit einigen international tätigen Industrie- und Technologiefirmen, darunter die im Jahr 1897 gegründete Firma Blumer.[12]

Öffentlicher Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie alle Zürcher Gemeinden gehört Otelfingen zum Zürcher Verkehrsverbund (ZVV). Der Bahnhof Otelfingen wird halbstündlich von der S 6 BadenRegensdorf-WattZürich HBUetikon der S-Bahn Zürich bedient, wie auch die im Ortsteil Otelfingen Industrie liegende S-Bahn-Haltestelle Otelfingen Golfpark.

Ab Otelfingen, Bahnhof verkehren folgende Buslinien:

450 Otelfingen, Bahnhof — Boppelsen, Hand

N45 Otelfingen, Bahnhof — Boppelsen, Hand

Als Alternative wurde im Jahr 2014 eine neue S-Bahn-Linienführung zur Erschliessung der «Science City» ETH Hönggerberg über einen Tunnelbahnhof vorgeschlagen.[13]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die SVP hat 37,8 %, die SP 13,9 %, die FDP 11,4 %, die glp 20,5 %, die Grüne 5,8 %, die CVP 2,4 %, die EVP 3,3 %, die EDU 2,41 %, die BDP 1,6 % und die AL 1,0 % der Wählerstimmen. (Kantonsratswahlen 2019)

Seit 2018 ist Barbara Schaffner (glp) Gemeindepräsidentin (Stand November 2018).

Spezielles[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

«Furttalstadt»[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Sechziger-Jahren gab es Pläne, anstelle der Expo 64 in Otelfingen eine «neue Stadt» zu bauen, die 30'000 Menschen beherbergt hätte.[14] Initiant dieser Idee war unter anderem der Schriftsteller Max Frisch. Diese nach den damals neuesten architektonischen und soziologischen Erkenntnissen konzipierte Stadt wäre einerseits kompakt gewesen, hätte aber auch grosszügige Grünflächen und gute Verkehrsverbindungen gehabt. Gebaut wurde die Satellitenstadt jedoch nie, da der Widerstand zu gross war. Das Modell der «Furttalstadt» ist seit Oktober 2008 im Besitz der Hochschule für Technik Rapperswil.[15][16]

Jugendzirkus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1986 existiert in Otelfingen der Zirkus Otelli. Dieser Jugendzirkus wurde von Fritz Zollinger gegründet.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Fietz: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich, Band II: Die Bezirke Bülach, Dielsdorf, Hinwil, Horgen und Meilen. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 15). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1943. DNB 365803049.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Otelfingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BFS – generalisierte Grenzen 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Höhen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021.
  2. Generalisierte Grenzen 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Flächen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021.
  3. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde, definitive Jahresergebnisse, 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. November 2021
  4. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde, definitive Jahresergebnisse, 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Ausländeranteil aufgrund Stand 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. November 2021
  5. Heinz Gallmann: Zürichdeutsches Wörterbuch. 1. Auflage. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2009, ISBN 978-3-03823-555-2, S. 669.
  6. Fritz Zollinger: Saunettes, borstiges, interessantes, erstaunliches und unbekanntes Wildschwein. Hrsg.: Fritz Zollinger. Fritz Zollinger, Otelfingen 1998, ISBN 3-9521634-0-6.
  7. Patrick Nagy; Chantal Hartmann, Dorothea Spörri: 1. Prospektionsprojekt Furttal, Chelenhalden, Otelfingen: Silexbergbau, Pingen; 2. Otelfingen–Rietholz: Bericht über die archäolog. Abklärungen im Rahmen eines Golfplatzes. In: Baudirektion des Kantons Zürich (Hrsg.): Berichte der Kantonsarchäologie. Nr. 16. Fotorotar AG, Zürich und Egg ZH 2002, ISBN 3-905681-00-5, S. 29–31; 141–200.
  8. Daniela Fort-Linksfeiler: Otelfingen-Bonenberg: Reste bronzezeitlicher Landsiedlungen. In: Baudirektion des Kantons Zürich, Kantonsarchäologie (Hrsg.): Berichte der Kantonsarchäologie Zürich. Nr. 15. Fotorotar AG, Zürich und Egg ZH 2000, ISBN 3-905647-28-1, S. 85–139.
  9. Andreas Mäder: Siedlungsfunde des frühen 4. Jahrtausends v. Chr. aus Otelfingen. In: Baudirektion des Kantons Zürich, Amt für Raumordnung und Vermessung, Kantonsarchäologie (Hrsg.): Archäologie im Kanton Zürich. Nr. _01. FO Print & Media, Zürich und Egg ZH 2009, ISBN 978-3-905681-45-1, S. 29–64.
  10. Markus Graf, Ruedi Hollenstein: Otelfingen–Lärenbühlstrasse: Lehmkuppelofen. In: Baudirektion des Kantons Zürich, Kantonsarchäologie (Hrsg.): Berichte der Kantonsarchäologie Zürich. Nr. 14. Fotorotar AG, Zürich und Egg ZH 1998, ISBN 3-905647-88-5, S. 195–200.
  11. Bettina Hedinger, Fridolin Mächler, Ruedi Hollenstein: Otelfingen-Lauet und Otelfingen-Mattenstrasse: Römische Strasse. In: Baudirektion des Kantons Zürich, Kantonsarchäologie (Hrsg.): Berichte der Kantonsarchäologie Zürich. Nr. 14. Fotorotar AG, Zürich und Egg ZH 1998, ISBN 3-905647-88-5, S. 34–35.
  12. Historie – Blumer AG – Druckweiterverarbeitung. Abgerufen am 11. August 2015.
  13. Tunnelbahnhof für «Science City» adf-innovation.com 2014 (PDF; 342 kB)
  14. Ernst Egli: Bericht zum Studienprojekt einer Neuen Stadt im Raume Otelfingen Kanton Zürich, Seite 25 (Im Band «Projekt einer Studienstadt im Raume Otelfingen im Furttal, Kt. Zürich verfasst von der Fachgruppe B», 1958)
  15. Ausstellung zur Studienstadt Furttal an der HSR eröffnet Medieninformation auf hsr.ch vom 24. Oktober 2008
  16. Modell der «Furttalstadt» als Dauerexponat an der Hochschule für Technik in Rapperswil Artikel der NZZ vom 25. Oktober 2008