Palstek

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Dieser Artikel behandelt den Segelknoten Palstek. Für das gleichnamige Segelmagazin siehe Palstek (Zeitschrift).
Palstek
Palstek
Typ Schlaufe
Anwendung Allzweck-Schlaufe
Ashley-Nr. 1010, 1034½
Festigkeit 64 %
Synonyme Bulin, Pfahlstich, Schertauknoten, Rettungsknoten/-schlinge, einfacher Ankerstich
Englisch Bowline

Der Palstek [ˈpaːlsteːk] dient zum Knüpfen einer festen Schlaufe. Er ist der in der Seefahrt am häufigsten verwendete Knoten und wurde als König der Knoten bezeichnet.[1]

Namen und Geschichte[Bearbeiten]

Der Palstek (in der Seefahrt), auch Bulin (von engl.: bowline, bei den Bergsteigern), ist einer der bekanntesten Knoten.

Bei den Pfadfindern heißt er Schertauknoten oder Rettungsschlinge. Bei der deutschen Feuerwehr ist er unter dem Namen Feuerwehrrettungsknoten, Brustbund und Pfahlstich bekannt.[2] Beim deutschen THW heißt er einfacher Ankerstich.

Der Name Palstek ist plattdeutsch für Pfahlstich [aus niederd. Pa(h)l, mniederd. pāl = Pfahl]. Gemeint ist damit eine Festmacherleine, welche ein Schiff zu einem Pfahl oder Dalben hin befestigt.

Verwendung[Bearbeiten]

Der Palstek ist einfach zu knüpfen, hält gut und ist auch nach langer und wechselnder Belastung meist gut zu lösen. Bei Ringbelastung kann er sich allerdings ungewollt lösen.

Die Knotenfestigkeit bei Leinen beträgt etwa 50 %.[3] Bei einer Untersuchung des 11mm-Superstatic-Seils im Jahre 1999 hatte die Firma Edelrid eine Knotenfestigkeit von 64 % gemessen.

Seefahrt[Bearbeiten]

Der Festmacher zieht die Festmacherleine an Land

In der Seefahrt wird der Palstek als Festmacher verwendet. Dazu wird die Festmacherleine als feste Schlaufe um den Poller gelegt oder an einem festen Punkt an Land festgebunden.

Bei dicken Trossen wird bereits auf dem Schiff eine große Schlaufe gesteckt und diese mit einer Wurfleine verbunden, an deren Ende eine Affenfaust oder ein kleiner mit Sand gefüllter Lederball als Wurfgewicht dient. Die Leine wird dann einem an der Pier stehenden Seemann zugeworfen, der damit die dicke Trosse zu sich herüberzieht und das vorbereitete Auge über den Poller stülpt.

Beim Segeln wird die Schot mit einem Palstek an das Schothorn des Segels gebunden, oder das Fall an den Schäkel am Segelkopf. Ob der innen- oder außenliegende Palstek besser geeignet sei, wird widersprüchlich diskutiert. Beide Formen haben Nachteile.

Im Rettungswesen[Bearbeiten]

Der Palstek wird von Hilfsorganisationen unter dem Namen Rettungsknoten zum Schließen des Brust- oder Rettungsbunds bei der Wasser- und Höhenrettung eingesetzt. Hierbei wird dem zu Rettenden ein Brustbund angelegt, welcher mit dem Rettungsknoten eng zusammengeschnürt wird. Bei der Wasserrettung geschieht dies auf dem Rücken, bei der Höhenrettung vor der Brust des zu Rettenden. Der Rettungsknoten ist dabei der einzige Knoten, der hierfür zugelassen ist, da er sich nicht selbstständig lösen kann und die Bruchfestigkeit des Seils deutlich weniger herabsetzt als andere Knoten.

Klettern[Bearbeiten]

Bis Anfang der 1970er Jahre diente der Palstek als verlässlicher Anseilknoten und fand Eingang in die Alpinliteratur. Im November 1965 kam es jedoch während einer Bergrettungsübung am Peilstein in Niederösterreich zum Absturz dreier Bergretter durch einen sich öffnenden Palstek. In Versuchen unter anderem durch Wastl Mariner fand man in den Folgemonaten heraus, dass sich der Palstek zwar bei Belastung als Anseilknoten bis zum Bruch des Seiles im Knoten hält, jedoch unter Ringbelastung bei 1,5 bis 1,6 kN aufzieht. Als Ersatz wurde schließlich der Achterknoten eingeführt. Er hat eine große Knotenfestigkeit und öffnet sich auch unter Ringbelastung nicht.

Trotz Veröffentlichung in der Fachliteratur wird der Palstek selbst Jahrzehnte später noch verwendet, wobei es zu weiteren tödlichen Unfällen nach Ringbelastungen kam (z. B. 1981 am Les Droites und 1983 am Olperer). Nach einem weiteren schweren Unfall mit einem sich öffnenden Palstek beim Weltcup 1992 in St. Pölten durfte nur noch mit Achterknoten angeseilt werden. Dessen Verwendung wurde inzwischen auf internationaler Wettkampfrichter-Ebene festgelegt.

Knüpfen[Bearbeiten]

Zuerst legt man ein Auge, fährt mit dem losen Ende um den zu befestigenden Gegenstand, oder bildet damit eine Schlaufe in der gewünschten Länge. Nun schiebt man dieses lose Ende wieder weiter von unten durch das Auge nach oben, legt bzw. „biegt“ es um das obere Ende herum und steckt es schlussendlich wieder von oben zurück durch das Auge nach unten.

Entscheidend ist, dass man das lose Ende von der richtigen Seite in das Auge führt, und umgekehrt wieder durch das Auge zurück, so dass die beiden Seilenden parallel liegen. Wenn man von der falschen Seite in das Auge eintaucht, entsteht kein Knoten. Zum Festziehen fasst man mit der einen Hand das ziehende Ende (obere Seil), mit der anderen die zwei parallel liegenden (das lose Ende und den parallel liegenden Teil der Schleife) und holt diese dicht (festziehen).

Eine Eselsbrücke lautet: „Eine Schlange taucht aus dem Teich, kriecht um den Baum und taucht wieder in den Teich zurück.“

Außenliegendes Ende
Außenliegendes Ende
Beim Palstek mit außenliegendem Ende, auch rechter Palstek, liegt das Ende außerhalb des Auges. Diese Form wird in der britischen Literatur als „richtig“ bezeichnet. Sie eignet sich besonders, wenn die Leine wechselnden Belastungen unterliegt (z. B. Festmacherleine an Pfahl bei Seegang oder am Segel. Eine innenliegende lose Part kann durch die Bewegung mit der Zeit herausgedrückt und der Knoten damit geöffnet werden). Sie hat aber den Nachteil, dass das äußere Ende an Gegenständen hängen bleiben kann. Vermeidbar wird dies durch die Erweiterung zum Bulin 1.5, der vorzugsweise aus dem Palstek mit innenliegendem Ende geknotet wird.
Innenliegendes Ende
Innenliegendes Ende
Beim Palstek mit innenliegendem Ende, auch linker Palstek, liegt das Ende innerhalb des Auges. Diese Variante wird bevorzugt, wenn vermieden werden soll, dass die lose Part an anderen Gegenständen hängenbleibt. Sie hat aber den Nachteil, dass bei wechselnder Belastung sich das Ende am Gegenstand stößt und sich der Knoten dadurch lösen kann (beispielsweise wenn damit die Schot am Schothorn eines Segels befestigt wird). Auch hier ist dies vermeidbar durch die Erweiterung zum Bulin 1.5.

Knüpfvariante[Bearbeiten]

Lightning bowline load.png

In die lose Part wird ein Überhandknoten mit Slip so geknüpft, dass die feste Part die Schlinge bildet. Die Länge der übrigen losen Part soll lang genug sein für die Schlaufe des Palsteks. Das lose Ende wird dann durch die Schlinge gesteckt. Mit dem losen Ende wird nun eine Bucht geformt und die Enden der Bucht werden festgehalten. Dann wird der Slip so aus dem Überhandknoten gezogen, dass sich die Schlinge zusammen mit der Bucht so durch den Knoten zieht, dass zum Schluss der Palstek entsteht. Diese Variante verursacht häufig den Fehler, dass das kleine Auge nicht umklappt (Knoten verbleibt in der Form von Teil-Bild 3). Dadurch entsteht eine laufende Schlinge, bei dem das kurze Ende - die Schlaufe - rausrutscht. Der Sinn des Knotens ist dann nicht erfüllt und es entstehen gefährliche Unfälle.

Abwandlungen[Bearbeiten]

Wasserpalstek[Bearbeiten]

Wasser-Palstek mit Webeleinenstek als doppeltem Auge (ABoK #1012)

Der Wasserpalstek (ABoK #1013) wird durch ein doppeltes Auge gesteckt.[4] Französische Bergsteiger verwendeten ihn wegen seiner besseren Querbelastung. Allerdings war er auch nicht viel stabiler als der einfache Palstek.[5]

Prohaska-Palstek[Bearbeiten]

Heinz Prohaska entwickelte 2008 diese querbelastbare Palstek-Variante.[5] Der Prohaska-Palstek wird ebenfalls wie ein normaler nach innen gesteckter Palstek begonnen, danach aber das Ende erneut um eine Seite herum und durch das Auge gesteckt.

Alternativen[Bearbeiten]

Heutzutage verwenden Kletterer zum Anseilen den Achterknoten oder doppelten Bulin. Im amerikanischen Raum kommt auch der Bulin 1.5 zum Einsatz.

Für ein ständiges Auge empfiehlt sich der Augspleiß, welcher eine Knotenfestigkeit von 66 % besitzt.

Werden zwei Schlaufen benötigt, bedient man sich des portugiesischen oder spanischen Palsteks.

Siehe auch: Liste der Knoten

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Raoul Graumont, John J. Hensel: Encyclopedia of Knots and Fancy Rope Work. ISBN 978-0870330216, Plate 10, S. 32.
  2. Feuerwehr-Dienstvorschrift 1 Ausbildung der Freiwilligen Feuerwehren, Ausschuss Feuerwehrangelegenheiten, Katastrophenschutz und zivile Verteidigung (AFKzV), 2007, Seite 115f
  3.  Schwachstelle. In: boote. Nr. 10, 2004 (PDF; 403 kB, abgerufen am 3. August 2015).
  4. Bild: Herstellung eines Wasserpalstek
  5. a b  Heinz Prohaska: Der Prohaska-Palstek. In: kletterblatt. 2011, S. 24 (online, abgerufen am 15. Juli 2015).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Palstek – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien