Kreuzknoten

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Kreuzknoten
Kreuzknoten
Typ Verbindung
Anwendung zwei gleichdicke Enden verbinden
Ashley-Nr. 74, 1204, 1402
Festigkeit ca. 45 %
Synonyme Flachknoten, Reffknoten, Heraklesknoten, Weberflachknoten, Samariterknoten (Schweiz), Reffstich, Doppelstich, Doppelknoten, Weberknoten, rechter Knoten (österreichische Feuerwehr)
Englisch Reef knot, Square knot

Der Kreuzknoten – auch Doppelknoten, Reffknoten, Samariterknoten oder Weberknoten  – ist ein Knoten zum Verbinden von zwei Seil- oder Fadenenden.

Geschichte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Heraklesknoten

Die Geschichte des Kreuzknoten reicht mindestens bis in die Antike zurück. Damals wurde er Heraklesknoten genannt und ihm wurden auch mystische Eigenschaften zugeschrieben.

Verwendung[Bearbeiten]

Der Kreuzknoten ist der dünnste aller Knoten, weshalb Weber ihn zum Verbinden der Fäden bevorzugen. Er geht damit glatt durch das Auge der Litze des Webschaftes.[1] Daher stammt auch der Name Weberknoten.

Dieser Knoten eignet sich zum Verbinden gleich starker Schnüre. Zum Verbinden von Seilen, vor allem wenn davon Leben, Gesundheit oder Werte abhängen, ist der Kreuzknoten eine schlechte Wahl. Er ist schnell falsch geknüpft (Diebesknoten oder Altweiberknoten), aber auch korrekt gebunden ist er nicht sicher, vor allem bei ungleichen Seilen. Cliffword W. Ashley sieht in ihm einen der gefährlichsten Knoten.[2] Allerdings hängt die Verlässlichkeit des Knotens sehr stark vom Material des oder der verbundenen Fäden, Leinen oder Taue ab. Überdies ist der Kreuz- oder Weberknoten sowohl leichter zu erlernen als auch auszuführen und kann mit halben Schlägen sehr gut gesichert werden.

  • Beim Segeln wird beim Reffen des Segels das überschüssige Tuch mit einem Kreuzknoten zusammengebunden. Er wird daher auch als „Reffknoten“ bezeichnet.
  • Bei Verbänden wird das Dreiecktuch mit dem Kreuzknoten zusammengebunden. Er wird daher auch als „Samariterknoten“ bezeichnet.
  • Ebenso ist er ein allseits üblicher Knoten an Kopftüchern.
  • Oft wird er auch zum Bündeln von Zeitungspapier oder zum Verschnüren von Paketen („Finger drauf“) verwendet.
  • Bei Geschenkpaketen wird oft eine Schleife gebunden, oder die Enden der Papierschnur werden gekräuselt.
Kippender Kreuzknoten
Gekenterter Kreuzknoten in einer Hundeleine
  • Was einerseits gefährlich ist, wird beim Lösen eines festgezogenen Kreuzknotens nützlich. Öffnen lässt er sich meistens, indem man die zwei benachbarten Enden auseinanderzieht; dann kippt er zum Ankerstich um und lässt sich so leicht abziehen.
  • Wenn der Kreuzknoten auf Slip gelegt wird, ist er auch unter Belastung zu öffnen.
  • Doppelt auf Slip gelegt ergibt sich die Schuhschleife.
  • Bis zur Überarbeitung der Feuerwehr-Dienstvorschrift 1 im Jahr 2006 war der Kreuzknoten Bestandteil der Feuerwehrknoten.

Der Kreuzknoten kann bei fehlerhafter Anwendung leicht kentern, beispielsweise wenn er durch einen Ring oder eine Öse gezogen wird. Dabei entsteht auf der zugabgewendeten Seite ein Ankerstich, der sich bei Belastung sofort löst bzw. herausrutscht. Dieser Effekt kann auch zum „Würgen“ verwendet werden. Der gerade Tampen wird gehalten, und der Ankerstich bis zum Anschlag geschoben. Der Knoten wird unter Zug zurückgekippt. Bei starker Seilreibung gelingt das Zurückkippen nicht. Dann sichert ein einfacher Knoten im geraden Tampen.

Der Kreuzknoten hat eine Knotenfestigkeit von etwa 45 %.[3]

Knüpfen[Bearbeiten]

Kreuzknoten (Rechts über links, dann links über rechts gelegt)

Der Kreuzknoten wird gebunden, indem man zwei halbe Knoten übereinander setzt. Dabei ist zu beachten, dass sie verschiedene Orientierung haben – also links über rechts und dann rechts über links (oder beide umgekehrt). Beim Kreuzknoten liegen die Enden parallel, und der Knoten ist flach.

Der Kreuzknoten eignet sich auch zum Verbinden von Zugdrähten (z. B. Zaun, Knotengitter). Die beiden Enden werden umgebogen, die Halbkreise um 45° gekröpft. Beide freie Enden liegen auf der gleichen Seite, die Kröpfungen zeigen in entgegengesetzte Richtungen. In Bild 1 zeigt die blaue Köpfung zum Betrachter, die rote zum Boden (Schatten).

Der rote Langdraht wird in die blaue Öse gelegt, die dann zugebogen wird (Bild 2).

Der blaue Langdraht wird in die rote Öse gelegt, die ebenfalls zugebogen wird (Bild 3).

Beide freie Enden werden in die jeweils andersfarbige Öse geschoben (Bild 4).

Falsch geknüpft entsteht ein Altweiberknoten. Er ist unzuverlässig und sehr schwer zu öffnen. Beim Altweiberknoten kommen die Enden schräg heraus. Ebenfalls kann der unsichere Diebesknoten entstehen, der bei Belastung ausrauscht.

Zur Sicherung der beiden Enden gegen Kippen und Herausrauschen kann ein halber Schlag, ein Zweistrang-Bändselknoten oder ein Doppelter Spierenstich angebracht werden.

Alternativen[Bearbeiten]

  • Zum Abseilen verwenden Kletterer den Sackstich in Tropfenform.
  • Der Achterknoten ist ein sicherer Knoten, der sich nach Belastung auch leichter öffnen lässt als der Sackstich. Seine Form ist allerdings klobiger.
  • Schwieriger zu knüpfen, aber sehr sicher bei geringer Schwächung der Reißfestigkeit ist der Zeppelinstek. Auch nach extremer Belastung lässt er sich noch lösen.
  • Zum sicheren Verbinden zweier ungleich dicker Seile sind Schotstek und Zeisingstek besser geeignet.
  • Zum Verbinden von nassen, rutschigen Seilen eignet sich der Fischerknoten.
  • Für schweres und dickeres Tauwerk bietet sich der Trossenstek an.
  • Zum Verschnüren eignen sich auch Chirurgenknoten und Würgeknoten, die ohne „Finger drauf“ auskommen.
Siehe auch: Liste der Knoten

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kreuzknoten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Hugo Glafey (Hrsg.): Textil-Lexikon. Handwörterbuch der gesamten Textilkunde. Deutsche Verlags-Anstalt, 1937, S. 895.
  2.  Cliffword W. Ashley: Ashley-Buch der Knoten. 2005, Nummer 74, 75, S. 28 („Einer der besten, aber am häufigsten missbrauchten Knoten ist der Kreuzknoten oder Reffknoten. Als Bändselknoten zum Reffen oder Bergen von Segeln oder um Pakete zu verschnüren ist er von unschätzbarem Wert. Aber als Verbindungsknoten (um zwei Enden zusammenzubinden) hat der Kreuzknoten wahrscheinlich mehr Tote und Verletzte auf dem Gewissen als alle anderen Knoten zusammen.“).
  3.  Geoffrey Budworth: Knoten. Könemann, Köln 1989 (Originaltitel: The Hamlyn Book of Knots), S. 134.