Prato (Toskana)

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Prato
Wappen
Prato (Italien)
Prato
Staat Italien
Region Toskana
Provinz Prato (PO)
Koordinaten 43° 53′ N, 11° 6′ OKoordinaten: 43° 52′ 48″ N, 11° 5′ 54″ O
Höhe 65 m s.l.m.
Fläche 97 km²
Einwohner 194.913 (31. Dez. 2019)[1]
Postleitzahl 59100
Vorwahl 0574
ISTAT-Nummer 100005
Volksbezeichnung Pratesi
Schutzpatron Santo Stefano (26. Dezember)
Website Prato
Panorama di Prato Dal Cupolin degli Ori 2.jpg

Prato ist eine Stadt in der italienischen Region Toskana. Sie hat 194.913 Einwohner (Stand 31. Dezember 2019) und ist Hauptstadt der Provinz Prato.

Lage und Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prato liegt etwa 20 km nordwestlich der Regionalhauptstadt Florenz am Fluss Bisenzio. Durch das westliche Gemeindegebiet fließt zudem der Fluss Ombrone Pistoiese.

Die Nachbargemeinden sind Agliana (PT), Calenzano (FI), Campi Bisenzio (FI), Carmignano, Montemurlo, Poggio a Caiano, Quarrata (PT) und Vaiano.

Die Ortsteile (Frazioni) bilden fünf Verwaltungseinheiten (Circoscrizioni):

  • Circoscrizione Nord (Nord): Cerreto, Chiesanuova, Coiano, Figline di Prato, Galcetello, Galceti, Gli Abatoni, I Ciliani, Le Fornaci, Le Lastre, Le Sacca, San Martino, Santa Lucia, Villa Fiorita
  • Circoscrizione Sud (Süd): Cafaggio, Casale, Castelnuovo, Campostino, Fontanelle, Grignano, Il Ferro, Iolo, Le Badie, Le Caserane, Le Colombaie, Le Fonti, Paperino, Ponte alle Vanne, Popolino, Purgatorio, San Giorgio a Colonica, San Giusto, Santa Maria a Colonica, Sant’Andrea, Tavola, Tobbiana
  • Circoscrizione Est (Ost): Canneto, Carteano, Cavagliano, Filettole, Gonfienti, Il Cantiere, I Lecci, Il Palco, La Castellina, La Macine, La Pietà, La Querce, Mezzana, Pizzidimonte, Ponzano, Sacra Famiglia, Santa Cristina a Pimonte, Santa Gonda
  • Circoscrizione Ovest (West): Borgonuovo, Capezzana, Galciana, Il Calice, Il Guado, La Dogaia, Le Pantanelle, Maliseti, Mazzone, Narnali, San Paolo, Sant’Ippolito, Vergaio, Viaccia
  • Circoscrizione Centro (Zentrum): Il Pino, Il Soccorso, Reggiana

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dom von Prato
Casa del Fascio

Prato war wahrscheinlich bereits von den Etruskern besiedelt. Es wird jedoch erstmals im 10. Jahrhundert urkundlich erwähnt und entwickelt sich zu einem bedeutenden Woll-Emporium. Der bekannteste Fernhändler und Wollproduzent des Spätmittelalters ist Francesco Datini, der 1410 das größte Kaufmannsarchiv des Mittelalters hinterließ.

Das „Lumpenzentrum Europas“, ein wichtiges Einwanderungsgebiet für Italiener aus dem Süden, wuchs seit Mitte des 19. Jahrhunderts zu einer florierenden Industriestadt mit Schwerpunkt im Bereich der Stoffherstellung heran. Das historische Zentrum blieb in seinen mittelalterlichen Mauern in Form eines unregelmäßigen Sechsecks erhalten und zeigt, wie reich die Stadt schon damals war: Paläste und Kirchen sowie die in ihrer Form für Nord- und Mittelitalien einmalige kaiserliche Burg des Stauferkaisers Friedrich II. Die Burg wurde etwa ab 1240 errichtet wie auch die Kaiserburg Castel del Monte in Apulien im Südosten Italiens.

Fast das gesamte historische Zentrum ist bereits seit vielen Jahren Fußgängerzone. Sie macht aus Prato auch eine Einkaufstadt, vor allem für modische Textilien.

Seit Ende der 1950er Jahre erlebt die Stadt erhebliche Einwanderung, zunächst aus Süditalien, dann auch aus anderen Ländern. Erwähnenswert ist die große Zahl an Chinesen, die sich seit den späten 1980er Jahren in Prato angesiedelt haben[2] und heute vermutlich ein Viertel der knapp 200.000 Einwohner stellen.[3]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Santa Maria delle Carceri
Palazzo Pretorio
Brücke Ponte Mercatale über den Fluss Bisenzio

Viele Gebäude, vor allem diejenigen, die im Mittelalter erbaut wurden, zeichnen sich durch die Verwendung charakteristischer lokaler Baustoffe aus. Hauptsächlich wurden dabei zwei verschiedenfarbige Marmorarten verwendet, die in ähnlicher Form auch bei Florentiner Bauwerken Verwendung fanden. Es handelt sich dabei um den weißen Alberese und den grünen Serpentino aus Monteferrato.

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Dom von Prato, dem Heiligen Stephanus geweiht, ist die Kathedrale des Bistums Prato und seit 1996 Basilica minor. Im Inneren befindet sich der Freskenzyklus Szenen aus dem Leben der hll. Stephanus und Johannes des Täufers 1452–1457 von Filippo Lippi.
  • Die Kirche Santa Maria delle Carceri Kreuzkuppelkirche, erbaut von Giuliano da Sangallo; Basilica minor seit 1939
  • Santa Maria del Giglio, erbaut im 17. Jahrhundert; die Kirche ist an drei Seiten umgeben von einem säulengestützten Arkadengang, das Medici-Wappen am Hauptaltar weist hin auf die Protektion der Kirche durch die Medici
  • Santa Maria della Pietà
  • Santa Maria del Soccorso
  • Santa Cristina a Pimonte
  • Sant’Agostino
  • San Domenico, romanische Kirche mit Kreuzgang aus dem 15. Jahrhundert; das angeschlossene Museo di pittura murale zeigt Fresken von Paolo Uccello, Niccolò di Pietro Gerini, Pietro di Miniato u. a.
  • San Francesco, gotische Kirche der Franziskaner, erbaut zwischen 1201 und 1331, Fassade aus dem 15. Jahrhundert, mit einem Rundrelief von Andrea della Robbia im Tympanon
  • San Fabiano, romanische Kirche, mit Fußbodenmosaiken aus dem 10.–11. Jahrhundert
  • San Niccolò, dreischiffige Basilika, erbaut im 14./15. Jahrhundert mit einem Kreuzgang aus dem 14. Jahrhundert
  • Spirito Santo, Saalkirche, erbaut um 1340, umgebaut im Stil des Barock; das Altarbild von Santi di Tito von 1598 ist eine Darstellung der Aussendung des Heiligen Geistes
  • Santi Caterina de’ Ricci e Vincenzo Ferrer ist seit 1947 eine Basilica minor

Palazzi und Villen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Palazzo Pretorio
  • Palazzo Comunale
  • Palazzo Datini
  • Collegio Cicognini, ehemaliges Jesuiten-Kolleg, erbaut 1692, beteiligte Architekten Giovan Battista Origoni und Giuseppe Valentini, heute Schulzentrum und Internat[4]
  • Palazzo Vai
  • Palazzo Banci Buonamici
  • Palazzo degli Alberti
  • Villa del Palco, ehemaliges Franziskanerkloster Monesterio San Leonarde, ausgedehnter Baukomplex mit Kreuzgang und formalem Garten
  • Casa del Littorio (Casa del Fascio), ehemals örtlicher Parteisitz des Partito Nazionale Fascista

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Museo di Palazzo Pretorio, eröffnet 1912 in den Räumen des Palazzo Pretorio; die Sammlung enthält Werke aus dem 15. Jahrhundert, u. a. von Filippo Lippi und Filippino Lippi, Bernardo Daddi, Giovanni da Milano und Donatello, sowie Werke aus dem 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart.
  • Museo dell'Opera di Duomo
  • Centro per l'arte contemporanea Luigi Pecci, Architekt Italo Gamberini (1907–1990), Museum für zeitgenössische Kunst
  • Galleria di Palazzo degli Alberti, Sammlung der ehemaligen Cassa di Risparmio di Prato. In der Sammlung befindet sich eine Dornenkrönung Christi von Caravaggio (um 1604).
  • Museo della Deportazione, Museum über die Geschichte des Faschismus in Italien
  • Museo del Tessuto (Textilmuseum), Museum und Bibliothek über die Geschichte der Seidenweberei in Europa

Weitere Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Castello dell’Imperatore, erbaut zwischen 1237 und 1247 durch Riccardo da Lentini im Auftrag Kaiser Friedrichs II., unvollendet; heute genutzt als Kulturzentrum und im Sommer als Open-Air-Kino Cinema sotto le stelle
  • Via Garibaldi (Prato) in der Altstadt

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Textilindustrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele italienische Stofffabriken wurden im globalen Wettbewerb insolvent und vermieten nun ihre Werkshallen an einen der um die 3.700 chinesischen Betriebe, die den Ruf haben, schnell zu produzieren. Viele der chinesischen Arbeiter wohnen auf Zwischendecken, die in den Werkshallen eingezogen wurden. Die Arbeiter werden nach Stückzahlen bezahlt und verdienen bei bis zu 18 Stunden Arbeit am Tag bis zu 4.000 Euro im Monat. Am 1. Dezember 2013 starben sieben Chinesen, als „Teresa Moda“, eine der vielen Textilfabriken im Industriegebiet Macrolotto im Süden von Prato, abbrannte und die Gegebenheiten in die Schlagzeilen brachte.[5]

Chinatown[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 200.000 Einwohnern sind 50.000 Chinesen, nicht gezählt sind mehrere Zehntausende illegale Chinesen, die Prato zur drittgrößten Stadt Mittelitaliens anwachsen ließen.[5] 5000 chinesische Betriebe sind gemeldet.[5] Bei einer Gewerbeanmeldung wird der Wohnsitz der Eigentümer nicht überprüft. Die hier gefertigten Textilien tragen als Herkunftsbezeichnung zwar „made in Italy“, sind aber unter Bedingungen wie in ostasiatischen Sweatshops entstanden.[6]

Enrico Rossi, der Präsident der Region Toskana, spricht von Sklaverei und sagt, dass „nirgendwo in Mittel- und Norditalien und vielleicht sogar nirgendwo in Europa mehr schwarzgearbeitet wird“[5][7]. Aus Pratos Chinatown[5] werden täglich bis zu 1,5 Mio. Euro per Money Transfer nach China überwiesen.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prato unterhält Städtepartnerschaften mit[8]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Prato geborene Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Prato – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2019.
  2. Globalisierung: Die gelben Italiener, Der Spiegel, 4. September 2006
  3. Illegale Textilfabriken: Bangladesch in der Toskana, deutschlandfunk.de, 1. März 2014
  4. Cicognini Internat, abgerufen am 5. September 2021
  5. a b c d e Conrad Lay: ILLEGALE TEXTILFABRIKEN – Bangladesch in der Toskana, DeutschlandfunkHintergrund vom 1. März 2014
  6. https://peppermynta.de/fair-fashion/fair-fashion-made-in-italy-sweatshops/
  7. Chinesen in Italien, Die Zeit, 2. August 2014
  8. Comune di Prato – I gemellaggi della città di Prato, abgerufen am 20. Januar 2018