Landkreis Arnswalde

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Der Landkreis Arnswalde, bis 1939 Kreis Arnswalde, bis ins 19. Jahrhundert auch Arnswalder Kreis genannt, war bis 1938 ein Landkreis in der Provinz Brandenburg und danach bis 1945 in der Provinz Pommern. Sein Bereich wurde nach dem Zweiten Weltkrieg unter polnische Verwaltung gestellt und stimmt weitgehend mit dem heutigen Powiat Choszczeński überein.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage in Pommern
Kreisgebiet 1905

Das Gebiet des späteren Kreises Arnswalde stand seit dem 13. Jahrhundert unter brandenburgischer Herrschaft. Zwischen 1401 und 1454 gehörte es dem Deutschen Orden. In der nachmittelalterlichen Zeit bildete sich in der Mark Brandenburg eine Gliederung in Kreise heraus. Einer dieser historischen Kreise war der Arnswalder Kreis bzw. der Kreis Arnswalde, der einen der vier sogenannten Hinterkreise in der Neumark bildete.[1]

Im Rahmen der Bildung von Provinzen und Regierungsbezirken in Preußen erfolgte 1816 im Regierungsbezirk Frankfurt eine Kreisreform, durch die der Kreis wie folgt verkleinert wurde:[2]

Sitz des Landrats wurde zunächst Neuwedell, 1908 zog die Kreisverwaltung in die Stadt Arnswalde um. 1938 wurde der Kreis Arnswalde in den Regierungsbezirk Grenzmark Posen-Westpreußen umgegliedert und gehörte damit zur Provinz Pommern. Am 1. Januar 1939 wurde die offizielle Bezeichnung Landkreis eingeführt.

Im Frühjahr 1945 wurde das Gebiet des Landkreises Arnswalde von der Roten Armee besetzt. Nach Kriegsende wurde das Kreisgebiet im Sommer 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht unter polnische Verwaltung gestellt. In der Folgezeit wurde die deutsche Bevölkerung aus dem Kreisgebiet vertrieben.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Quelle
1750 16.480 [3]
1796 23.415 [4]
1816 19.183 [5]
1840 33.533 [6]
1871 42.325 [7]
1885 42.336 [8]
1890 41.970 [8]
1900 42.306 [8]
1910 41.168 [8]
1925 44.618 [8]
1933 44.542 [8]
1939 44.064 [8]

Landräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1735–176200Caspar Martin von der Goltz
1762–176900Hans Christoph Dietloff von der Goltz
1769–179500Christian Ludwig von Sydow
1795–180900Carl Johann Christoph von Dietherdt
1809–184100Achatz von Waldow
1841–184600Kreuzwendedich Emil Hermann von Waldow
1846–188400Wilhelm Leutold von Meyer (1818–1892)
1884–189500Michael von Meyer (1851–1895)
1895–190500Wolf von Gersdorff (1867–1949)
1905–191900Heinrich von Meyer (1868–1940)
1919–192000Franz Erich Schüler
1920–192600Walter Braun (1884–1933)
1926–193200Traugott Bredow (1889–1969)
1932–193300Karl Theodor Bleek (1898–1969)
1933–193500Erich Gabriel
1935–194200Hans Ulrich von Borcke (1902–1944)[9]
1942–194300Hans Koch (vertretungsweise)
1943–194500Jochen-Hilmar von Wuthenau (1887–1965)

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kreisgebiet lag in einer kuppigen Endmoräne und umfasste die Arnswalder Seenplatte. Im Osten befand sich die mit Nadelwäldern bestandene Drageheide, die ein Drittel des Kreises einnahm. Die größten Flüsse waren die Drage und der Plötzenfließ. Die Flächengröße betrug 1.265 km². Ab 1939 lag der Landkreis im zentralen Süden Pommerns, seit 1945 liegt das ehemalige Kreisgebiet im Südwesten der polnischen Woiwodschaft Westpommern.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Landkreis umfasste seit den 1930er Jahren die Städte Arnswalde (1939: 14.000 Einw.), Neuwedell (2.711) und Reetz (3.646), 67 Landgemeinden und einen Forst-Gutsbezirk.[8] Insgesamt lebten 1939 45.452 Menschen im Landkreis. Sie arbeiteten überwiegend in der Landwirtschaft, die hauptsächlich Zuckerrüben, Kartoffeln, Roggen und Weizen anbaute. Auch die Industrie war stark mit der Landwirtschaft verbunden, daneben bestanden Holz verarbeitende Betriebe, Ziegeleien und Kalksteinwerke. Die Industrie war überwiegend in und um Arnswalde konzentriert. 1939 waren fast 60 Prozent der Beschäftigten in der Land- und Forstwirtschaft tätig.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Kreis verlief seit 1847 die Strecke der Stargard-Posener Eisenbahn-Gesellschaft und berührte dabei auch die Kreisstadt >116.c<. Dort zweigten erst rund 50 Jahre später Nebenbahnen ab: Ab 1895 führte die Staatsbahnlinie nach Kallies >116.b<, wo schon 1888 eine Strecke von Deutsch Krone endete, die 1895 in Richtung Stargard weiterging und einige Gemeinden im Norden des Kreises erschloss >115.a<.

1898 eröffnete die Stargard-Cüstriner Eisenbahn-Gesellschaft ihre Linie Arnswalde - Berlinchen >116.a<.

(Die Nummern in >< beziehen sich auf das Deutsche Kursbuch 1939.)

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als einziger in den Ostgebieten des Deutschen Reiches stellte der Wahlkreis Arnswalde-Friedeberg von 1903 bis 1918 mit dem Abgeordneten Wilhelm Bruhn einen Vertreter der antisemitischen Deutschen Reformpartei zum Reichstag (Deutsches Kaiserreich). Bei der Reichstagswahl März 1933 erhielten die NSDAP 63 % (44), die SPD 16 % (18), die Deutschnationalen 15 % (8) und die KPD 4 % (12) (in Klammern deutschlandweit, der Rest Splitterparteien).

Amtsbezirke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1932 gab es im Landkreis Arnswalde 22 Amtsbezirke:

Rittergut Pammin um 1860, Sammlung Alexander Duncker
  • Arnswalder Heide
  • Berkenbrügge
  • Bernsee
  • Fürstenau
  • Granow
  • Hochzeit
  • Kürtow
  • Marienwalde
  • Mienken
  • Pammin
  • Radun
  • Regenthin
  • Regenthiner Forst
  • Sammenthin
  • Schwachenwalde
  • Schwachenwalder Forstrevier
  • Sellnow
  • Silberberg
  • Spechtsdorf
  • Steinberg
  • Steinbusch
  • Zühlsdorf

Städte, Landgemeinden und Gutsbezirke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit den 1930er Jahren war der Kreis Arnswalde wie folgt organisiert:

Städte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landgemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alt Klücken
  • Althütte
  • Augustwalde
  • Berkenbrügge
  • Bernsee
  • Bußberg
  • Diebelbruch
  • Friedenau
  • Fürstenau
  • Glambeck
  • Granow
  • Göhren
  • Hagelfelde
  • Hassendorf
  • Heidekavel
  • Helpe
  • Hertelsaue
  • Hitzdorf
  • Hochzeit
  • Jägersburg
  • Kietz (1938 zu Reetz)
  • Klein Silber
  • Klosterfelde
  • Kranzin
  • Kratznick
  • Kölpin
  • Kölzig
  • Kürtow
  • Langenfuhr
  • Lenzenbruch
  • Liebenow
  • Lämmersdorf
  • Marienwalde
  • Marzelle

Zum Landkreis gehörte außerdem der gemeindefreie Gutsbezirke Forst Arnswalder Heide.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Landkreis Arnswalde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ingo Materna, Wolfgang Ribbe (Hrsg.): Brandenburgische Geschichte. Akademie Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-05-002508-5, Grenzen und Verwaltungsgliederung, S. 32 ff. (Digitalisat [abgerufen am 5. Mai 2016]).
  2. Amtsblatt der Königlichen Preußischen Regierung zu Frankfurt a.d. Oder. Nr. 12, 1816, S. 103 (Digitalisat [abgerufen am 5. Mai 2016]).
  3. Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Band 3. Friedrich Maurer, Berlin 1809, Kap. Kreis Arnswalde, S. 193 ff. (Digitalisat).
  4. Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten. Die statistische Ansicht und Specialstatistik von Mitteleuropa. Vieweg, Braunschweig 1805, S. 42 (Digitalisat).
  5. Christian Gottfried Daniel Stein: Handbuch der Geographie und Statistik des preußischen Staats. Vossische Buchhandlung, Berlin 1819, Der Regierungsbezirk Frankfurt, S. 210 (Digitalisat [abgerufen am 5. Mai 2016]).
  6. Topographisch-statistische Übersicht des Regierungsbezirks Frankfurt a. d. O., Harnecker, 1844, S. 30
  7. Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Brandenburg und ihre Bevölkerung 1871
  8. a b c d e f g h Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte: Landkreis Arnswalde. Abgerufen am 2. April 2016.
  9. v. Borcke, * 1902 in Pasewalk; gefallen 1944 in Rumänien