Römhild

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Dieser Artikel beschreibt die Stadt Römhild. Für weiteres siehe Römhild (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Römhild
Römhild
Deutschlandkarte, Position der Stadt Römhild hervorgehoben
Koordinaten: 50° 24′ N, 10° 32′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Hildburghausen
Höhe: 300 m ü. NHN
Fläche: 122,46 km²
Einwohner: 7004 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 57 Einwohner je km²
Postleitzahl: 98630
Vorwahl: 036948
Kfz-Kennzeichen: HBN
Gemeindeschlüssel: 16 0 69 062
Stadtgliederung: 14 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Griebelstraße 28
98630 Römhild
Webpräsenz: www.stadt-roemhild.de
Bürgermeister: Günther Köhler (Freie Wähler)
Lage der Stadt Römhild im Landkreis Hildburghausen
Ahlstädt Auengrund Bad Colberg-Heldburg Beinerstadt Bischofrod Eisfeld Brünn Dingsleben Ehrenberg Eichenberg Eisfeld Römhild Gompertshausen Grimmelshausen Grub Römhild Hellingen Henfstädt Hildburghausen Kloster Veßra Lengfeld Marisfeld Masserberg Römhild Römhild Nahetal-Waldau Oberstadt Reurieth Römhild Sachsenbrunn Schlechtsart Schleusegrund Schleusingen Schmeheim Schweickershausen St. Bernhard St. Kilian Straufhain Themar Ummerstadt Veilsdorf Römhild Westhausen ThüringenKarte
Über dieses Bild
Römhild Stadtansicht 1680
Schloss Glücksburg
Stiftskirche
Griebelstraße mit Kirchturm
Stadtturm und Rathaus

Römhild ist eine Kleinstadt im Landkreis Hildburghausen. Die ehemalige Residenzstadt des Herzogtums Sachsen-Römhild befindet sich im fränkisch geprägten Süden Thüringens.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Römhild liegt im Schutze der Gleichberge in der Region Grabfeld im Henneberger Land, direkt an der Landesgrenze zu Bayern. Auch der Keltenerlebnisweg führt durch das Grabfeld an der Stadt vorbei.

Ortsteile

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor- und Frühgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Römhild ist wahrscheinlich der älteste Ort des heutigen Bundeslandes Thüringen. Vermutlich erfolgte die erste Erwähnung im Jahre 150 n. Chr. durch den griechischen Mathematiker und Philosophen Claudius Ptolemäus als Keltisches oppidum Bikourgion.[2] Bereits seit etwa 2500 v. Chr. war die Region um Römhild dauerhaft von Menschen besiedelt. Etwa seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. lassen sich dort keltische Einflüsse feststellen. Reste eines etwa 68 ha großen Oppidums befinden sich auf der nahe gelegenen Steinsburg.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erwähnung von „locus Rotmulte“ erfolgte im Jahre 800 als Besitz des Klosters Fulda. Zu dieser Zeit gehörte Römhild zum fränkischen Gau Grabfeld. Gaugrafen waren die Grafen von Henneberg. Diese residierten auf der Hartenburg oberhalb der heutigen Stadt. Um das Jahr 1300 gründete Graf Heinrich IV. von Henneberg-Hartenberg die heutige Stadt etwa 1000 Meter südwestlich der alten Siedlung Altenrömhild. Der erste Nachweis der Stadtrechte stammt aus dem Jahr 1317. 1498 erhielt die Stadt die Marktrechte. Im Jahr 1488 wurden die Stadtbefestigungen fertiggestellt. 1465 bis 1491 bauten die Henneberger der Aschacher Linie die Glücksburg als Wasserburg als Folgebau der Hartenburg. Die Stiftskirche St. Marien und St. Johannis wurde in ihrer heutigen Gestalt 1470 errichtet.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon die Kelten verarbeiteten den vorkommenden Ton zu Gebrauchsgegenständen. Das beweisen zahlreiche Keramikfunde aus der Keltenzeit. In Römhild begann das Töpferhandwerk vor etwa 500 Jahren zu erblühen. In der Stadt entstand eine Hochburg der Tonverarbeitung. Noch heute gehört das Töpfern in Römhild zum traditionellen Handwerk. Nach Zerstörungen und Bränden 1539–1546, 1555 und 1585–1633 wurde die Burg in der Stadt immer wieder aufgebaut, von 1676 bis 1680 erfolgte dann der Umbau zum Schloss. Von der spätmittelalterlichen Anlage ist nur ein Rundturm im Südwesten erhalten.[3]

Ab 1572 gehörte Römhild zu Sachsen-Coburg, ab 1640 zu Sachsen-Altenburg und ab 1672 zu Sachsen-Gotha.

Römhild war 1614–1681 von der Hexenverfolgung betroffen. Fünf Frauen gerieten in Hexenprozesse, vier wurden verbrannt, eine starb unter der Folter.[4] Sechs weitere Hexenprozesse gab es in den Ortsteilen Bedheim, Haina und Roth.

Von 1680 bis 1710 war Römhild Residenz des Fürstentums Sachsen-Römhild. Nach dem Tod von Herzog Heinrich, des einzigen Regenten des Fürstentums, kamen Stadt und Amt zu einem Drittel zu Sachsen-Coburg-Saalfeld und zu zwei Dritteln zu Sachsen-Meiningen, das 1826 auch das übrige Drittel übernahm.

Am 17. April 1891 zerstörte ein Stadtbrand 32 Wohnhäuser. Am 22. Oktober 1904 wurde die katholische Pfarrkirche Heilig Kreuz geweiht. Insbesondere durch das bayerische Personal der Bahnstrecke nach Rentwertshausen war eine kleine katholische Gemeinde entstanden. 1912 wurde das von Christian Heurich gespendete und von Max Böhme geplante Volksbad eröffnet.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden 1942 die noch nicht emigrierten Einwohner aus dem „Judenhaus“ Heurichstraße 8 in die NS-Vernichtungslager deportiert. An sie erinnert eine 1988 dort angebrachte Gedenktafel. Von 1939 bis 1941 waren bis zu 250 polnische Kriegsgefangene aus dem Lager Mühlberg in einem Barackenlager im Steinbruch des Basaltwerkes auf dem Großen Gleichberg untergebracht. Sie mussten unter anderem Zwangsarbeit im Steinbruch, in der Stadt, in der Landwirtschaft oder im Forst leisten. 1941 bis 1942 folgte für den Steinbruch ein Strafgefangenenkommando aus dem Stammlager Bad Sulza mit 120 Gefangenen. Nach einer zeitweisen Stilllegung des Steinbruchs waren dort von August 1943 bis März 1945 maximal etwa 400 „vertragsbrüchige fremdvölkische“ Zwangsarbeiter in einem Arbeitserziehungslager der Gestapo interniert. Die Häftlinge mussten im Basaltbruch oder im Basaltwerk am Römhilder Bahnhof arbeiten. Außerdem wurden sie beim Bau von Bunkern und Stellungen in Mendhausen eingesetzt sowie zeitweise im Handwerk und Gewerbe in Römhild und Umgebung. Mindestens 500 Häftlinge sind im Lager oder auf dem Evakuierungsmarsch im Jahr 1945 gestorben. Dazu zählen 25 bis 92 marschunfähige Häftlinge, die in einer Sandhöhle am Osthang des Großen Gleichbergs erschossen wurden. Anschließend wurde der Höhleneingang gesprengt, wodurch das Massengrab erst Ende Januar 1947 gefunden wurde.

Nach den offiziellen Todeslisten wurden bis Ende März 1945 auf dem unteren Waldfriedhof am Osthang des Großen Gleichberges 44, auf dem oberen Waldfriedhof 64 und auf dem städtischen Friedhof, wo ein Mahnmal auf einem Ehrenhain steht, 61 Häftlinge bestattet.[5]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt durch den Ausbau des Töpferhandwerkes und die Entstehung der größten Handtöpferei Europas (Töpferhof Gramann) bekannt. Dort fand zwischen 1975 und 1993 insgesamt siebenmal das Internationale Keramiksymposium statt. 2008 wurde dieses Symposium wiederbelebt.

Am 31. Dezember 2012 schlossen sich die Stadt Römhild und die Gemeinden Haina, Mendhausen, Milz und Westenfeld aus der Verwaltungsgemeinschaft Gleichberge sowie die Gemeinde Gleichamberg zur neuen Stadt Römhild zusammen.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung der Stadt Römhild ohne Ortsteile:

Jahr Einwohner
1631 1.400
1672 0790
1833 1.582
1910 1.788
1939 2.145
1989 2.118
Jahr Einwohner
1992 2.008
1993 1.947
1994 1.924
1995 1.931
1996 1.955
1997 1.967
Jahr Einwohner
1998 1.934
1999 1.923
2000 1.933
2001 1.926
2002 1.917
2003 1.903
Jahr Einwohner
2004 1.907
2005 1.951
2006 1.932
2007 1.925
2008 1.911
2009 1.886
Jahr Einwohner
2010 1.879
2011 1.816

Einwohnerentwicklung der Gesamtstadt mit allen Ortsteilen:

Jahr Einwohner
1910 7.704[6]
1939 8.180[7]
1989 8.265[8]
Jahr Einwohner
1995 8.239
2000 8.084
2005 7.821
2010 7.370
Jahr Einwohner
2012 7.103
2013 7.019
2014 6.980

Datenquelle ab 1995: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Kommunalwahl am 24. März 2013 (Wahlbeteiligung: 72,8 %) setzt sich der Stadtrat wie folgt zusammen:[9]

Liste: CDU Linke SPD Freie Wähler FWHaSü KIR WG Milz Gesamt
Sitze: 4 1 1 9 2 2 1 20 Sitze

Ferner gehört dem Stadtrat der Bürgermeister an. Am 24. März 2013 wurde Günther Köhler mit 61,4 % der abgegebenen gültigen Stimmen zum Bürgermeister gewählt.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Silber zwischen zwei zugewendeten Löwen als Schildhalter zwei übereinandergestellte Wappen: oben in einem kleineren roten Schild eine goldgekrönte silberne Säule; unten geviert von 1:4 Schwarz und 2:3 Gold, überdeckt von einem rot-silbern geschachten Balken.“

Das Wappen entstammt dem seit 1613 belegten Siegelbild. Das Säulenwappen ist das des italienischen Adelsgeschlechts Colonna, deren Verwandtschaft die Henneberger sich 1467 durch Papst und Kaiser bestätigen ließen; der rot-silberne Schachbalken kennzeichnet die Henneberger als Burggrafen von Würzburg. Die schwarz-goldene Vierung zeigt die Farbe der Wettiner, die im 16. Jahrhundert Besitzer von Römhild wurden.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grabplatte des Grafen Hermann und seiner Gemahlin Elisabeth von Brandenburg von Peter Vischer

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kalter Markt, der erstmals 1800 abgehalten wurde und jährlich am letzten Donnerstag im Januar stattfindet
  • mit einem großen Faschingsumzug (Faschingssonntag) und den Karnevalssitzungen ist Römhild eine Hochburg des Karnevals in Südthüringen
  • internationales Keramiksymposium (Symposium zur Förderung der Keramikkunst, dreijähriger Turnus)
  • Thüringer Keramikmarkt (Spezialmarkt für Keramikerzeugnisse, findet jährlich Mitte August in den Höfen von Schloss Glücksburg statt)

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der frühen Neuzeit lebte die Stadt von Töpferei, Gerberei, Tuchmacherei und Weinbau.

Seit 1838 wurde am Kleinen Gleichberg Basalt für Pflastersteine abgebaut. 1901 wurde am Nordhang des Großen Gleichbergs ein neuer Basaltsteinbruch eingerichtet, der 1968 geschlossen wurde. In dem gleichen Zeitraum gab es zwischen 1893 und 1970 eine Eisenbahnstrecke nach Rentwertshausen, über die der gebrochene Basalt abgefahren wurde. Der umfangreiche Basaltabbau war Anfang des 20. Jahrhunderts Grundlage für den damaligen Wohlstand der Stadt.

Industrie und Gewerbe bestehen heute meist aus kleinen mittelständischen Betrieben. Größte Arbeitgeber sind ELIOG-kelvitherm Industrieofenbau GmbH und AHG-Klinik Römhild. Das Töpfergewerbe ist auch heute noch präsent. Im Einzugsgebiet der Stadt Römhild befinden sich insgesamt vier Töpfereien.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1891 (vermutl.): Christian Heurich (1842–1945), Brauereibesitzer in Washington, D.C.
  • 1929: Alfred Götze (1865–1948), Prähistoriker, Gründer und Leiter Steinsburgmuseum. An ihn erinnert die Prof.-Götze-Straße.
  • 1930: Pierre Mavrogordato (Antikensammler), Gründer der Siedlung Waldhaus bei Römhild
  • 1931: Ernst Hönn (1866–1944), 53 Jahre Arzt in Römhild, nach ihm ist die Dr.-Ernst-Hönn-Straße benannt
  • 1947: Carl Kade, Apotheker und Heimatforscher, Gründer der Gemeinde der Steinsburgfreunde
  • 1987: Siegfried Gramann, Töpfer, der seinen Familienbetrieb Töpferhof Gramann/ VEB Töpferhof Römhild zu Europas größter Freihandtöpferei ausbaute.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen, die mit Römhild in Verbindung stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Lehfeldt, Georg Voss (Hrsg.): Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens: Herzogthum Sachsen-Meiningen. Band 2: Kreis Hildburghausen: Amtsgerichtsbezirke Hildburghausen, Eisfeld, Themar, Heldburg und Römhild. Verlag Gustav Fischer, Jena 1904. (Reprint: Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2013, ISBN 978-3-86777-378-2)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung der Gemeinden vom Thüringer Landesamt für Statistik (Hilfe dazu).
  2. mdr.de (Memento vom 9. Januar 2014 im Internet Archive)
  3. Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag, 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 111.
  4. Kai Lehmann: Ausstellung „Luther und die Hexen“, Bereich Römhild, Bibliothek Museum Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden, 2012; Egbert Friedrich: Hexenjagd im Raum Rodach und die Hexenprozessordnung von Herzog Johann Casimir (Schriften des Rodacher Rückert-Kreises, Heft 19), Rodach 1995, S. 192–236; Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 244.
  5. Gert Stoi: Das Arbeitserziehungslager Römhild 1943–1945 — Dokumentation eines Verbrechens. Salier Verlag, 2009, ISBN 978-3-939611-41-7.
  6. gemeindeverzeichnis.de
  7. verwaltungsgeschichte.de
  8. TLUG: Umwelt regional
  9. Ergebnis Gemeinderatswahl Römhild 2013
  10. Geschichte des Töpferhofs Römhild auf dessen Website, abgerufen am 3. Januar 2012

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Römhild – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien