Rabensburg

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Marktgemeinde
Rabensburg
Wappen Österreichkarte
Wappen von Rabensburg
Rabensburg (Österreich)
Rabensburg
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Mistelbach
Kfz-Kennzeichen: MI
Fläche: 20,06 km²
Koordinaten: 48° 39′ N, 16° 54′ OKoordinaten: 48° 38′ 46″ N, 16° 54′ 12″ O
Höhe: 168 m ü. A.
Einwohner: 1.091 (1. Jän. 2021)
Bevölkerungsdichte: 54 Einw. pro km²
Postleitzahl: 2274
Vorwahl: 02535
Gemeindekennziffer: 3 16 45
Adresse der
Gemeinde­verwaltung:
Hauptstraße 24
2274 Rabensburg
Website: www.rabensburg.at
Politik
Bürgermeister: Wolfram Erasim (SPÖ)
Gemeinderat: (Wahljahr: 2020)
(19 Mitglieder)
15
2
2
15 
Insgesamt 19 Sitze
Lage von Rabensburg im Bezirk Mistelbach
AltlichtenwarthAsparn an der ZayaBernhardsthalBockfließDrasenhofenFalkensteinFallbachGaubitschGaweinstalGnadendorfGroßengersdorfGroßebersdorfGroßharrasGroßkrutHausbrunnHerrnbaumgartenHochleithenKreuttalKreuzstettenLaa an der ThayaLadendorfMistelbachNeudorf im WeinviertelNiederleisOttenthalPillichsdorfPoysdorfRabensburgSchrattenbergStaatzStronsdorfUlrichskirchen-SchleinbachUnterstinkenbrunnWildendürnbachWilfersdorf (Niederösterreich)Wolkersdorf im WeinviertelNiederösterreichLage der Gemeinde Rabensburg im Bezirk Mistelbach (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Rathaus
Rathaus
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Rabensburg (slowakisch, tschechisch Ranšpurk, tschechisch auch Havranohrad[1]) ist eine Marktgemeinde mit 1091 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2021) im Bezirk Mistelbach in Niederösterreich.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rabensburg liegt im Weinviertel an der Staatsgrenze zu Tschechien, die vom Fluss Thaya gebildet wird.

Die Fläche der Marktgemeinde umfasst 20,06 Quadratkilometer. Davon sind 85 Prozent landwirtschaftliche Nutzfläche, 5 Prozent der Fläche sind bewaldet.[2]

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt nur die Katastralgemeinde Rabensburg.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bernhardsthal
Hausbrunn Nachbargemeinden Lanžhot, Tschechien
Hohenau an der March

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet von Rabensburg war bereits in der Jungsteinzeit, der Bronzezeit und der Hallstattzeit besiedelt. In der Flur Tiergartenlehen sind drei hallstattzeitliche Hügelgräber erhalten.[3]

Rabensburg wurde urkundlich erstmals 1255 erwähnt. König Johann von Böhmen eroberte den Ort 1328. Nach den Kuenringern und Zelkingern erhielten 1385 die Liechtensteiner die Herrschaft. Rabensburg wurde 1414 zum Markt erhoben, 1835 wurde das Marktrecht erneuert. Vor allem Ende des 17. Jahrhunderts und Anfang des 18. Jahrhunderts fanden bei Rabensburg zahlreiche Grenzkämpfe statt.

Mitte des 19. Jahrhunderts erforschte der tschechische Historiker Alois Vojtěch Šembera die slawische Besiedlung des westlichen March- und Zayaufers. Er kam zum Schluss, dass die Bevölkerung ab Waltersdorf, mit der Ausnahme von Drösing, bis zur heutigen Staatsgrenze zur überwiegenden Mehrheit (Hohenau und Rabensburg über 90 %) aus Slowaken bestand. Die Volkszählungen Ende des 19. Jahrhunderts weisen zwischen den Jahrzehnten zum Teil absurd hohe Schwankungen bei der Feststellung der Umgangssprache aus, was auf eine weit verbreitete Zweisprachigkeit der in dem Gebiet lebenden Deutschen, Tschechen, Slowaken und Kroaten hindeutet. Der Assimilationsdruck verstärkte sich mit dem Aufkommen des Nationalitätenkonflikts zwischen Deutschen und Tschechen nach 1880 Bis in die Zwischenkriegszeit wurden Gottesdienste in slowakischer Sprache abgehalten[4] und bei der älteren Generation konnte sich das Slowakische bis in die jüngste Zeit erhalten.[5]

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs war Rabensburg Schauplatz von Kampfhandlungen und damit einhergehenden Zerstörungen. Darüber befindet sich im Archiv des Heeresgeschichtlichen Museums ein ausführlicher Bericht. Demnach wurde der Ort am 1. April 1945 durch deutsche Soldaten besetzt. Am 9. April wurden erstmals russische Soldaten gesichtet und es setzte heftiger Artilleriebeschuss ein. Nach dem Fall von Hohenau am 15. April begann der Kampf um Rabensburg, wobei konzentriertes Artilleriefeuer den ganzen Tag über anhielt. In der Nacht auf den 16. April kamen die Russen bis zum Südende des Ortes, wurden jedoch wieder abgedrängt. In der darauf folgenden Nacht wurde der Ort abermals 6 Stunden hindurch mit Artillerie beschossen, was einige Todesopfer forderte und mehrere Häuser in Brand steckte. Der Beschuss ging auch am 18. April unvermindert weiter, bis sich die Deutschen auf Grund der Aussichtslosigkeit einer Verteidigung absetzten und die Russen kampflos in den Ort einmarschierten. Durch den langen Artilleriebeschuss waren 56 Häuser und die Volksschule „total abgebrannt“.[6]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohnerzahl hat sich seit dem Jahr 1991 stabilisiert, da die negative Geburtenbilanz durch eine positive Wanderungsbilanz ausgeglichen wird.[7]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hügelgräber Rabensburg mit Feldkapelle
Pfarrkirche Rabensburg
Richard-Simoncic-Museum
Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Rabensburg
  • Schloss Rabensburg: Die mittelalterliche Burg wurde im 17. Jahrhundert zum Schloss ausgebaut. Es ist nur von außen zu besichtigen.
  • Katholische Pfarrkirche Rabensburg hl. Helena
  • Richard Simoncic-Museum: Das volkskundliche Museum ist im denkmalgeschützten ehemaligen Pfarrhof untergebracht.[8]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2010 gab es in der Gemeinde vierzehn land- und forstwirtschaftliche Betriebe, davon waren zehn Haupterwerbsbetriebe, die über neunzig Prozent der Flächen bewirtschafteten. Im Jahr 1999 waren es 21 Betriebe und sechs Haupterwerbsbetriebe.[9] Der Produktionssektor war schwach ausgeprägt, zwei Betriebe beschäftigten sechs Arbeitnehmer, vorwiegend mit der Herstellung von Waren. Der Dienstleistungssektor gab in 21 Betrieben sechzig Menschen Arbeit, mehr als die Hälfte arbeitete in sozialen und öffentlichen Diensten (Stand 2011).[10][11]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Rabensburg gibt es einen Kindergarten und eine Volksschule.[12]

Gesundheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Marktgemeinde ordiniert ein praktischer Arzt.[13]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat hat 19 Mitglieder.

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • seit ? Wolfram Erasim (SPÖ)

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die niederösterreichische Landesregierung verlieh der Marktgemeinde 1989 folgendes Wappen: Ein erniedrigt geteilter Schild, unten eine rote Zinnenmauer mit drei schwarzen Schießscharten, darüber in Gold drei nach links fliegende schwarze Raben, eins zu zwei gestellt.[20]

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • seit 1990 Landshut in Tschechien[21]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Josef Buchta (* 1948), Präsident des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes
  • Melanie Erasim (* 1983), SPÖ-Politikerin und Abgeordnete zum Nationalrat

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Rabensburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Antonín Bartoněk: Kulturführer Waldviertel, Weinviertel, Südmähren. Deuticke, 1993, ISBN 978-3-216-30043-0 (google.com [abgerufen am 9. April 2021]).
  2. Ein Blick auf die Gemeinde Rabensburg, Fläche und Flächennutzung. (PDF) Statistik Austria, abgerufen am 12. Oktober 2021.
  3. DEHIO Niederösterreich nördlich der Donau. Schroll, Wien 1990, ISBN 3-7031-0652-2, S. 932–934.
  4. Veröffentlichungen des Österreichischen Museums für Volkskunde. Selbstverlag des Österreichischen Museums für Volkskunde, 1954, S. 63 (google.com [abgerufen am 9. April 2021]).
  5. Elisabeth Reif, Ingrid Schwarz: Falsche Grenzen, wahre Hindernisse: ein interdisziplinäres Friedensprojekt zum Thema "Interkulturelle Kommunikation" mit der Slowakei. Mandelbaum, 2002, ISBN 978-3-85476-081-8 (google.com [abgerufen am 9. April 2021]).
  6. Heeresgeschichtliches Museum/Militärhistorisches Institut (HGM/MHI), Militärgeschichtliche Forschungsabteilung (MilFoA), Studiensammlung, Bestand 1945, Schachtel 5, Fasz. 45/9, Gemeindeberichte Niederösterreich, Bezirk Mistelbach
  7. Statistik Austria, Ein Blick auf die Gemeinde Rabensburg, Bevölkerungsentwicklung. Abgerufen am 27. Oktober 2019.
  8. Richard Simoncic-Museum
  9. Statistik Austria, Ein Blick auf die Gemeinde Rabensburg, Land- und forstwirtschaftliche Betriebe. Abgerufen am 27. Oktober 2019.
  10. Statistik Austria, Ein Blick auf die Gemeinde Rabensburg, Arbeitsstätten. Abgerufen am 27. Oktober 2019.
  11. Statistik Austria, Ein Blick auf die Gemeinde Rabensburg, Beschäftigte. Abgerufen am 27. Oktober 2019.
  12. Marktgemeinde Rabensburg, Bildung. Abgerufen am 27. Oktober 2019.
  13. Marktgemeinde Rabensburg, Gemeinde, Wichtige Adressen. Abgerufen am 27. Oktober 2019.
  14. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 1995 in Rabensburg. Amt der NÖ Landesregierung, 30. März 2000, abgerufen am 22. März 2020.
  15. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2000 in Rabensburg. Amt der NÖ Landesregierung, 4. Februar 2005, abgerufen am 22. März 2020.
  16. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2005 in Rabensburg. Amt der NÖ Landesregierung, 4. März 2005, abgerufen am 22. März 2020.
  17. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2010 in Rabensburg. Amt der NÖ Landesregierung, 8. Oktober 2010, abgerufen am 22. März 2020.
  18. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2015 in Rabensburg. Amt der NÖ Landesregierung, 1. Dezember 2015, abgerufen am 22. März 2020.
  19. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2020 in Rabensburg. Amt der NÖ Landesregierung, 26. Januar 2020, abgerufen am 22. März 2020.
  20. Gedächtnis des Landes, Orte: Rabensburg. Niederösterreichische Museum BetriebsgesmbH, abgerufen am 12. Oktober 2021.
  21. Marktgemeinde Rabensburg, Gemeinde, Partnergemeinde. Abgerufen am 27. Oktober 2019.