Altlichtenwarth

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Altlichtenwarth
Wappen von Altlichtenwarth
Altlichtenwarth (Österreich)
Altlichtenwarth
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Mistelbach
Kfz-Kennzeichen: MI
Fläche: 20,43 km²
Koordinaten: 48° 39′ N, 16° 48′ OKoordinaten: 48° 38′ 52″ N, 16° 47′ 45″ O
Höhe: 231 m ü. A.
Einwohner: 764 (1. Jän. 2016)
Bevölkerungsdichte: 37 Einw. pro km²
Postleitzahl: 2144
Vorwahl: 02533
Gemeindekennziffer: 3 16 01
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Florianigasse 150
2144 Altlichtenwarth
Website: www.altlichtenwarth.at
Politik
Bürgermeister: Gerhard Eder (ÖVP)
Gemeinderat: (2015)
(15 Mitglieder)
10
5
10 
Von 15 Sitzen entfallen auf:
Lage der Gemeinde Altlichtenwarth im Bezirk Mistelbach
Altlichtenwarth Asparn an der Zaya Bernhardsthal Bockfließ Drasenhofen Falkenstein Fallbach Gaubitsch Gaweinstal Gnadendorf Großengersdorf Großebersdorf Großharras Großkrut Hausbrunn Herrnbaumgarten Hochleithen Kreuttal Kreuzstetten Laa an der Thaya Ladendorf Mistelbach Neudorf bei Staatz Niederleis Ottenthal Pillichsdorf Poysdorf Rabensburg Schrattenberg Staatz Stronsdorf Ulrichskirchen-Schleinbach Unterstinkenbrunn Wildendürnbach Wilfersdorf (Niederösterreich) Wolkersdorf im Weinviertel NiederösterreichLage der Gemeinde Altlichtenwarth im Bezirk Mistelbach (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Blick auf Altlichtenwarth
Blick auf Altlichtenwarth
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Altlichtenwarth ist eine Gemeinde mit 764 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2016) im Bezirk Mistelbach in Niederösterreich.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altlichtenwarth liegt im Weinviertel in Niederösterreich. Die Fläche der Gemeinde umfasst 20,45 Quadratkilometer. 0,99 Prozent der Fläche sind bewaldet.

Es existieren keine weiteren Katastralgemeinden außer Altlichtenwarth.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname von Altlichtenwarth erklärt sich folgendermaßen: Lichtenwarth, (amtl. Altlichtenwarth); erste urkundliche Erwähnung 1232 als Liehtenwart[1], 1357 als Alten Liechtenwart[2], etymologisch wörtlich „bei der lichten Warte“, womit wohl ein „Aussichtspunkt in einer Lichtung“ gemeint ist, mittelhochdeutsch „warte“ für einen Platz, von dem aus gespäht wird.[3]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Kirche wurde im 12. Jahrhundert auf einem Lösshügel am Nordrand des Ortes, unweit einer Burg der Herren von Liechtenstein erbaut. Altlichtenwarth und seine Umgebung waren Urbesitz der Liechtensteiner seit dem 12. Jahrhundert, auf dieses Geschlecht dürfte auch die damalige Gründung der Pfarre zurückgehen. Am 7. Juni 1232 wurde in Wien das Dokument ausgestellt, in dem Altlichtenwarth zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird.[4] Inhaltlich ging es um eine Rechtssache, die der Babenbergerherzog Friedrich der Streitbare unterfertigte. Unter den genannten Zeugen findet sich der Pfarrer des Ortes Marchwardus de Liehtenwart. In seine Amtszeit fiel der große Umbau der Kirche in den Jahren 1230/40. Die Anfänge der Pfarre gehen jedoch viel weiter zurück. 1391 tauschten die Liechtensteiner die Pfarre Altlichtenwarth gegen die Kirche Maria am Gestade in Wien, 1409 wurde dieser Tausch wieder rückgängig gemacht. Altlichtenwarth blieb bis 1978 Patronatspfarre der Fürsten von Liechtenstein.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Ersten Wiener Türkenbelagerung und des Türkenkrieges fielen osmanische Soldaten auch in Altlichtenwarth ein. Während des Dreißigjährigen Krieges verstarben 1645 46 Menschen an der Pest. Im gleichen Jahr und im Jahr darauf kamen 309 Einwohner Altlichtenwarths im Zuge der Kämpfe gegen schwedische Truppen unter Lennart Torstensson und dessen verbündete ungarische Truppen unter Georg I. Rákóczi ums Leben. Auf dessen Truppen bezieht sich vermutlich auch die Sage vom Blutbad am Kirchweihtag, die sich in Altlichtenwarth erhalten hat. Es wird berichtet, dass die Leute aus ihren Verstecken kamen und das Kirchweihfest feierten, nachdem die Soldaten mordend und sengend das Dorf verlassen hatten. Doch der abziehende Feind hörte das Glockengeläute, kehrte zurück und richtete in der Kirche ein solches Gemetzel an, „daß das Blut in Bächen über die Kirchenschwelle rann“.

Im Jahre 1679 forderte eine Pestepidemie in Altlichtenwarth erneut 134 Tote. Noch heute wird an einem bestimmten Tag eine Prozession zur Pestkapelle abgehalten. Im Zuge der Kuruzenaufstände unter Franz II. Rákóczi kamen 1706 77 Einwohner Altlichtenwarths ums Leben, so findet sich im Sterbebuch ein Verzeichnis aller derjenigen, welche in Erdställen verblichen sind. Die Cholera forderte 1849 103 Tote innerhalb eines Monats, sodass bei knapp 1.000 Einwohnern mehr als 10 % der Bevölkerung verstarben.

Im Ersten Weltkrieg fielen 57 Altlichtenwarther als Soldaten an der Front.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkriegs hatte Altlichtenwarth 74 Gefallene zu beklagen. Gegen Ende des Krieges war das Dorf auch selbst Kriegsschauplatz. Darüber befindet sich im Archiv des Heeresgeschichtlichen Museums ein ausführlicher Bericht. Demnach wurde Altlichtenwarth am 18. April 1945 zunächst kampflos der Roten Armee überlassen, welche den Ort besetzte. Noch am Abend des 18. April wurden viele Frauen und Mädchen durch Rotarmisten vergewaltigt. Die deutschen Truppen verschanzten sich auf dem Hutsaulberg und dem Silberberg und bereiteten sich mit drei Panzern auf einen Gegenstoß vor. Dieser erfolgte in der Nacht auf den 19. April, wobei es Soldaten der Waffen-SS mit Unterstützung leichter Artillerie gelang, die sowjetischen Truppen aus dem Ort hinauszudrängen. Dabei kam es auch zu Nahkämpfen, die auf beiden Seiten viele Opfer forderten (59 deutsche und 27 sowjetische Soldaten wurden in Altlichtenwarth begraben). Während die deutschen Soldaten das Dorf bis zum Morgen des 20. Aprils besetzt hielten, gelang den meisten Bewohnern die Flucht in Richtung Waldviertel und Oberösterreich, lediglich 50 sehr alte Menschen blieben zurück. Am Morgen des 20. April 1945 mussten die deutschen Truppen schließlich der sowjetischen Übermacht weichen. Altlichtenwarth wurde in den darauf folgenden Tagen und Wochen vollständig geplündert, zumal die Bewohner erst Wochen oder Monate nach ihrer Flucht zurückkehrten. Im Zuge der Kampfhandlungen wurden 50 Gebäude vollständig zerstört, weitere 40 durch Beschuss schwer beschädigt, sodass kein einziges Haus ohne Schaden blieb. In der Zeit von Mai bis Oktober 1945 mussten täglich durchschnittlich 50 Bewohner, vielfach Frauen und Mädchen zur Zwangsarbeit in den Grenzort Rabensburg, wo sie Pferde zu betreuen und Hausarbeit zu leisten hatten. Auch zu diesem Zeitpunkt wurden die Frauen und Mädchen missbraucht und zogen sich dabei schwere Erkrankungen zu. Bis Ende des Jahres 1945 hielten Soldaten der Roten Armee Altlichtenwarth besetzt.[5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ergebnis der Volkszählung 2001 gab es 783 Einwohner. 1991 hatte die Gemeinde 808 Einwohner, 1981 895 und im Jahr 1971 1048 Einwohner.[6]

Kirche in Altlichtenwarth
Jahr Einwohner
1783 726
1794 578
1830 882
1846 1.073
1851 1.005
1869 931
1880 1.055
1890 1.196
1900 1.388
Jahr Einwohner
1923 1.286
1951 1.393
1961 1.254
1971 1.048
1981 895
1991 808
2001 783
2007 774

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister der Gemeinde ist Gerhard Eder, Amtsleiter Karl Tonner.

Im Gemeinderat gibt es bei insgesamt 15 Sitzen nach der Gemeinderatswahl vom 25. Jänner 2015 folgende Mandatsverteilung: ÖVP 10, SPÖ 5, andere keine Sitze.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 16, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 76. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 337. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 44,06 Prozent.


Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Altlichtenwarth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BUB II, 138
  2. Urkundenbuch des Landes ob der Enns (OÖUB), Band VII, S. 530
  3. Schuster, Elisabeth: Die Etymologie der niederösterreichischen Ortsnamen, Wien 1990, S. 42
  4. Die Urkunde auf lehre.hki.uni-koeln.de, abgerufen am 24. März 2013
  5. Heeresgeschichtliches Museum/Militärhistorisches Institut (HGM/MHI), Militärgeschichtliche Forschungsabteilung (MilFoA), Studiensammlung, Bestand 1945, Schachtel 5, Fasz. 45/9, Gemeindeberichte Niederösterreich, Bezirk Mistelbach
  6. Historisches Ortslexikon Niederösterreich 3. Teil / 30. Juni 2008