Schwedisches Reich

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Expansion des schwedischen Reichs 1560–1660
Entwicklung des schwedischen Imperiums im frühmodernen Europa (1560–1815)

Schwedisches Reich (schwedisch Sverige riket; auch: Sveriges stormaktstid, übersetzt: Schwedens Großmachtszeit) bezeichnet den in der schwedischen Historiographie üblichen Begriff für das schwedische Herrschaftsgebiet des 17. Jahrhunderts.[1]

Begriffliche Einordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schweden durchschritt in der Frühen Neuzeit eine stark expansive Phase, in der es seinen staatlichen Charakter sukzessive veränderte und bis zum Ende des 17. Jahrhunderts den Charakter eines Vielvölkerreiches aufwies. Das expansive frühneuzeitliche Königreich Schweden hatte seine Grenzen weit außerhalb der schwedisch-finnischen Sprach- und Kulturgrenzen. Historiker verwenden in diesem Kontext am häufigsten den Begriff „Schwedisches Reich“.[2]

Die schwedische Historiographie spricht in dem Kontext vom „eigentlichen Schweden“ und im Fall der Provinzen von den „Ostseeprovinzen“.[3]

Gesamtstaat und Zentralstaat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der frühneuzeitliche europäische Staat war in der Regel ein Konglomerat aus verschiedenen Landesteilen, die ihrerseits über eigene Korporationen und Verfassungen verfügten. Zentrale Klammer bildeten die Krone und die obersten Reichsbehörden. Im Fall des Schwedischen Reiches gab es das eigentliche Schweden, das zur damaligen Zeit aus dem heutigen Schweden bestand. Dies bildete den eigentlichen Zentralstaat, innerhalb dessen die Krone, beziehungsweise der Monarch, eine Art direkten Zugriff besaß.

Die anderen korporativen Kräfte innerhalb des Schwedischen Reiches, vorwiegend ständische und städtische Institutionen und Ritterschaften bildeten die Gegenmacht zur Krone und formten mit ihr den Gesamtstaat. Diese Gegenmächte verfügten über eigene territoriale Grundlagen und waren nur über die Person des Monarchen mit dem Schwedischen Reich verbunden. Sie verfügten ansonsten über weitreichende Autonomien. Dies traf insbesondere auf die Ostseeprovinzen zu. Der schwedische Zentralstaat – das heutige Schweden – war in seiner Herrschaftssouveränität entsprechend eingeschränkt.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Schwedens

Der Beginn des Schwedischen Reichs wird mit der Krönung von Gustav Adolf II. 1611 datiert. Sein Ende wird mit dem Verlust bedeutender Ostseeterritorien im Frieden von Nystad 1721 gesetzt, der den Großen Nordischen Krieg beendete. Die schwedische Geschichtsschreibung verwendet für diese Zeit den Periodenbegriff Stormaktsiden, was Großmacht-Ära bedeutet.

Dominions des Schwedischen Reichs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die schwedischen Dominions waren Territorien innerhalb des schwedischen Reiches, die zur Krone gehörten aber nie als Teil des eigentlichen Schweden, beziehungsweise dem Zentralstaat als zugehörig betrachtet wurden.

Baltische Dominions[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1561 und 1629 eroberte Schweden mehrere Provinzen an der östlichen Ostseeküste. Alle Eroberungen gingen 1721 verloren.

Südschwedische Dominions[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Frieden von Brömsebro 1645 und dem Frieden von Roskilde 1658 expandierte Schweden nach Süden. Die neu dazu gewonnenen Provinzen behielten ihre angestammten Rechte und Privilegien bei und wurden nach 1721 graduell in den schwedischen Zentralstaat eingegliedert.

Kontinentale Dominions[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Dreißigjährigen Krieg im Westfälischen Frieden von 1648 gewann Schweden weitere Provinzen auf dem Territorium des Heiligen Römischen Reiches. Bis 1815 gingen alle Territorien wieder verloren.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Huntley Hayes, Carlton Joseph: Modern Europe to 1870, 1953, S. 233f
  • Roberts, Michael: The Swedish Imperial Experience 1560–1718, Cambridge University Press, 1984, ISBN 978-0-521-27889-8, S. 10f
  • Cooper: The New Cambridge Modern History, CUP Archive, 1979, ISBN 978-0-521-29713-4, S. 408f

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ralph Tuchtenhagen: Zentralstaat und Provinz im frühneuzeitlichen Nordosteuropa, Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2008, S.13
  2. Herman Selderhuis, Markus Wriedt: Konfession, Migration und Elitenbildung: Studien zur Theologenausbildung des 16. Jahrhunderts, Brill, Leiden und Boston 2007, S.54
  3. Ralph Tuchtenhagen: Zentralstaat und Provinz im frühneuzeitlichen Nordosteuropa, Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2008, S.14
  4. Ralph Tuchtenhagen: Zentralstaat und Provinz im frühneuzeitlichen Nordosteuropa, Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2008, S.13