Narva (Stadt)

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Narva
Wappen
Wappen
Flagge
Flagge
Staat: Estland Estland
Kreis: Ida-Virumaa lipp.svg Ida-Viru
Koordinaten: 59° 22′ N, 28° 11′ O59.36666666666728.18333333333325Koordinaten: 59° 22′ N, 28° 11′ O
Höhe: 25 m
Fläche: 84,54 km²
 
Einwohner: 58.663 (2011 [1])
Bevölkerungsdichte: 694 Einwohner je km²
Zeitzone: EET (UTC+2)
Telefonvorwahl: (+372) 035
Postleitzahl: 20001 - 21020
 
Bürgermeister: Tarmo Tammiste

(Keskerakond)

Postanschrift: Peetri pl. 5
20308 Narva
Webpräsenz:
Karte von Estland, Position von Narva hervorgehoben

Narva (deutsch Narwa; russisch Нарва) ist die drittgrößte Stadt der Republik Estland, eine wichtige Industriestadt und das Zentrum der russischsprachigen Minderheit Estlands, zu der ca. 95 % der Einwohner Narvas gehören.

Geografie[Bearbeiten]

Narva und Umgebung

Narva ist die östlichste Stadt Estlands. Sie liegt an der Grenze zu Russland am Fluss Narva, der hier den Grenzfluss bildet und nördlich der Stadt in den Finnischen Meerbusen der Ostsee mündet. Zusammen mit Iwangorod auf der russischen Seite bildet Narva eine Zwillingsstadt.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Zwischen 4600 bis 4100 v. Chr. ist die auch Narva-Kultur genannte Baltische Haffküstenkultur hier verbreitet. Sie gilt als Substratkultur der späteren Westbalten[2].

Geschichte[Bearbeiten]

Durch seine günstige Lage war Narva schon im Mittelalter ein bedeutender Handelsplatz. In der Nowgoroder Chronik wird die Siedlung 1171 erwähnt. 1302 erhielt sie Stadtrecht. Die Dänen verkauften das Gebiet 1346 an den Deutschen Orden. 1492 erbaute Iwan III. (Russland) auf der östlichen Seite der Narva die Festung Iwangorod. Der Livländische Krieg führte zur Besetzung Narvas durch Russland im Jahre 1558. 1581 begann die schwedische Herrschaft. Mit der Schließung des Hansekontors Peterhof in Nowgorod durch Zar Iwan III. nahm die Bedeutung Narvas für den Handel nochmals zu.

Während des Großen Nordischen Krieges fand am 30. November 1700 hier die Schlacht von Narva statt, in der die russische Armee unter Peter I. eine verheerende Niederlage erlitt. Nach der Reorganisierung seiner Truppen eroberte Peter jedoch 1704 (→ Belagerung von Narva) Narva und verleibte mit dem Frieden von Nystad 1721 große Gebiete des Baltikums und Kareliens dem Russischen Reich ein.

Im 19. Jahrhundert verlor Narva seine Bedeutung als Hafenstadt und entwickelte sich zu einem Zentrum der Textilherstellung. Das Unternehmen Kreenholm hat lange Zeit eine erhebliche Rolle für die Stadt gespielt. Von 1918 bis 1940 gehörte die Stadt zur Republik Estland, danach mit der sowjetischen Besetzung Estlands bis 1991 zur Estnischen SSR.

Narva wurde im Zweiten Weltkrieg nahezu vollständig zerstört. Die historischen Bauten wurden in der Regel nicht wieder aufgebaut. Das Stadtbild wird heute von Wohnblöcken mit unverputzten Ziegelfassaden geprägt, die in sowjetischer Zeit gebaut wurden. In dieser Zeit kamen viele russische Zuwanderer in die Stadt, aber auch aus anderen Unionsrepubliken wurden Arbeiter für die Narvaer Industriebetriebe angesiedelt, während die evakuierte estnische Bevölkerung lange Zeit nicht zurückkehren durfte. Daher rührt der heutige hohe russischsprachige Bevölkerungsanteil.

Iwangorod[Bearbeiten]

Estnische Zollkontrolle (1991)

Nach der Gründung von Iwangorod auf dem anderen Ufer der Narva im Jahr 1492 entstand über viele Jahrzehnte eine enge Beziehung zwischen den beiden Städten. In der Zeit der staatlichen Unabhängigkeit der Republik Estland von 1918 bis 1940 lag auch Iwangorod auf estnischem Territorium, da die Grenze zur damaligen Sowjetunion weiter östlich lag. Nach der Okkupation Estlands durch die Sowjetunion 1940 und Konstituierung der Estnischen SSR wurde der Narvafluss zur Grenze zwischen den damaligen Unionsrepubliken Estland und Russland. Mit der erneuten Unabhängigkeit Estlands 1991 entstand wieder eine bewachte Grenze, die seit dem Beitritt Estlands zur Europäischen Union am 1. Mai 2004 Außengrenze der EU ist.

Politik[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

  • Narva Muuseum mit umfangreicher Ausstellung in der Hermannsfeste zur Geschichte von Stadt, Festung und Region sowie der in einem barocken Altstadtgebäude aus dem 18. Jahrhundert untergebrachten Kunstgalerie.

Bauwerke[Bearbeiten]

Parks[Bearbeiten]

Am Stadtrand von Narva liegt, direkt am Grenzfluss Narwa, ein deutscher Kriegsgräberfriedhof, der bereits 1943 von der deutschen Wehrmacht angelegt worden ist. Er wird seit der Mitte der 1990er Jahre vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge betreut und unterhalten. Die weitläufige Anlage, auf der rund 15 000 Kriegstote ruhen und auf der immer noch Zubettungen Gefallener stattfinden, wurde am 29. August 1999 eingeweiht. In Narva bestand das sowjetische Kriegsgefangenenlager 393 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.[4] Schwer Erkrankte wurden im Kriegsgefangenenhospital 1011, Kiviõli, versorgt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Der Bahnhof von Narva

Durch Narva verlaufen sowohl die wichtigste Fernstraße von Tallinn nach Sankt Petersburg als auch die Haupteisenbahnlinie, die vor allem im Güterverkehr mit Russland bedeutsam ist. Im Eisenbahnpersonenverkehr fahren mehrere Zugpaare: zwei mal täglich Narva-Tallinn, je einmal täglich Moskau-Narva-Tallinn sowie St. Petersburg-Narva-Tallinn. Zusätzlich gibt es drei mal wöchentlich ein weiteres Zugpaar zwischen Tallinn und St. Petersburg, welches in Narva hält. Wie überall in Estland hat der Busverkehr einen größeren Anteil im Personenverkehr.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben Narvas spielt das 1857 gegründete Textilunternehmen Kreenholm, das heute zur schwedischen Boras Wäfveri AB gehört.

Medien[Bearbeiten]

Die Zeitung "Narva Postiljon" ist mit 5.000 Exemplaren die einzige Lokalzeitung der Stadt. Sie wird einmal pro Woche (am Samstag) in estnischer Sprache herausgegeben. Zweimal wöchentlich erscheint sie unter dem Namen "Narvskaja Gazeta" auf russisch.

Bildung[Bearbeiten]

Das Narvaer Kolleg der Universität Tartu

In Narva gibt es eine Außenstelle der Universität Tartu, das Narva Kolledž, wo hauptsächlich Lehrer ausgebildet werden. Unterrichtssprache ist vor allem Russisch. Ferner gibt es dort eine Außenstelle der privaten Estonian Entrepreneurship University for Applied Sciences.[5]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Personen, die in Narwa wirkten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Anton Weiss-Wendt: Must-valge linn / Schwarz-weiße Stadt. Vana-Narva fotoajalugu / Fotogeschichte Narvas. Kataloog / Katalog. Tallinn, 1997
  • Karsten Brüggemann (Hrsg.): Narva und die Ostseeregion. Beiträge der II. Internationalen Konferenz über die Politischen und Kulturellen Beziehungen zwischen Russland und der Ostseeregion (Narva, 1. - 3. Mai 2003) = Narva and the Baltic sea region. Narva Kolledž, Narva 2004, ISBN 9985-4-0417-3
  • Heinrich J. Hansen, Geschichte der Stadt Narva, H. Laakmann, 1858, Digitalisat
  • Dirk-Gerd Erpenbeck, Enn Küng: Narvaer Bürger- und Einwohnerbuch 1581 - 1704. Dortmund: Forschungsstelle Ostmitteleuropa 2000, ISBN 3-923293-63-1

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. - Narva - Frendy.de
  2. Marija Gimbutas: Die Ethnogenese der europäischen Indogermanen. Innsbruck, Inst. f. Sprachwissenschaft d. Univ., 1992
  3. http://www.estland.com/staedte/narva/sehenswuerdigkeiten-in-narva/bauwerke/.
  4. Maschke, Erich (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962-1977.
  5. http://www.eek.ee/index.php?pg=292&fil=nar

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Narva – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien