Soltan-gjin Achmet von Magate

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Titelblatt einer gedruckten Festrede von Soltan-gjin Achmet,
Helmstedt 1732

Prinz Soltan-gjin[1] (oder -gyen) Achmet aus dem Haus Magate, russisch Султан Гин Ахмед (geb. vor 1710 angeblich in Ahmedabad, Sultanat Gujarat; gest. nach 1739) stammte nach eigener Aussage aus Ostindien und bekleidete im Mogulreich die Würde eines Raja der Provinz Malwa. Er reiste ab 1730 wegen einer angeblichen siebenjährigen Verbannung durch Europa.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seiner eigenen Darstellung stammte Soltan-gjin Achmet über seine Urgroßmutter aus dem fürstlichen „Hause Magate“,[2][3] kam aus Gusurate (auch Goçurat, heute Gujarat) und war mit dem indischen Großmogul Muhammad Shah (Mahomet Xea[4] = Fergeon Daghtar)[5] verwandt.[6] Wie dieser war er Muslim, wurde aber im Alter von 10 bis 14 Jahren in einem „Convent der Bengianin“ (Banyan; ein Ausdruck für indische Händler bzw. hier als Synonym für Hindu gebraucht)[7] mit dem Hinduismus und angeblich auch mit der Lehre des Konfuzius[8][7] vertraut gemacht.[5] Das Haus Magate habe die Rajas (Statthalter; Gouverneure) der Provinz Malwa gestellt, einer Subah (Provinz) des indo-islamischen Mogulreiches. Zwischen 1714 und 1737 regierte dort – mit zwei Unterbrechungen – der Hindu Raja Jai Singh II. aus der Kachhwaha-Dynastie. 1722/23 und von 1725 bis Ende 1728 wurde Malwa von dem Hindu Girdhar Bahadur (gest. 1728) aus einer Kayastha-Familie beherrscht. Mit beiden war Soltan-gjin Achmet nicht verwandt.

Sein Vater soll Sultan Mirow oder Sultan Mirad,[9] seine beiden älteren Brüder sollen Skanderbeckij (Sikander Beki) und Zebchan Darassier (vermutlich: Zeb Chandar Ashiya o. ä.) geheißen haben.[5][10] „Sultan Gyen Achmet“ berichtete über Zebchan Darassier: „Wegen eines mit meinem Bruder fürgefallenen Misverstandnißes halber ist von den vursagter (= dem Vorgenannten) mir die Ordre worden, aus meinem Vatterlande auff sieben Jahr zu entweichen, wannhero ich nach der mir beygewohnten Passion denen Asiatischen die Europaischen Lander zu besehen fürgezogen“.[11]

Bericht von der Flucht aus Indien über Niederländisch-Indien, Kapstadt und Amerika nach Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cherokee Delegation 1730 in London

Über Bengalen sei er, von seiner Mutter mit Juwelen und Gold unterstützt,[12] auf einem Paketschiff (Packet Jagd) nach Batavia (heute: Jakarta) geflohen und 1728 auf Anraten des Generalgouverneurs von Niederländisch-Indien[12] Mattheus de Haan (1663–1729) mit dem Schiff Huis te Assenburg[13] der Holländischen Ostindien-Kompanie (VOC) zum Cap de bon Espérance[14] gefahren.[11][5] Mit zwei amerikanischen „Prinzen“ (indianischen „Häuptlings“-Söhnen) sei er zunächst nach Batavia zurückgekehrt, habe dort von der Ermordung seines Bruders Zebchan Darassier und der siebenjährigen Verbannung erfahren und sei daraufhin mit den beiden Indianern in die englische Kolonie Carolina nach Amerika gefahren, schließlich 1730 in England in Europa angekommen.[5] Soltan-gjin Achmet begleitete eine Delegation von sieben Cherokee (darunter zwei „Könige“ und zwei „Prinzen“), zu denen Ata-gul' kalu (O Onaconoa; Onkanacleah) gehörte. Die Gruppe kam im Juni 1730 mit Sir Alexander Cuming (1691–1775) auf dem Kriegsschiff (Man-of-war) HMS Fox[15][16] aus Charleston über Dover zu einer Audienz bei König Georg II. von Großbritannien nach London.[17] Soltan-gjin Achmet wurde aber „mit denenselben uneinig“, so dass er nicht wie geplant mit ihnen nach Carolina zurückkehrte.[5]

Stattdessen habe er Holland, dann wieder London, anschließend Spanien[12] und – zusammen mit einem Duc de Saint-Aignan[18]Frankreich (Paris) und Italien (Neapel, Rom, Venedig) besucht, dann sei er nach Konstantinopel gereist. Er habe sich mit Erlaubnis des damaligen Sultans Ahmed III.[10] der Reisegruppe des osmanischen Sondergesandten Efendi Bassa Mustafa nach Wien angeschlossen.[11] Nach einem zeitgenössischen Bericht traf „Mustapha Effendi, anderer (= zweiter) Tefterdar der Pforte,“ am 26. Mai 1731 in Wien ein, um offiziell den Regierungsantritt des neuen Sultans Mahmud I. mitzuteilen.[19] Bassa Mustafa, der Soltan-gjin Achmet ein halbes Jahr „unterhielt“,[12] wurde nach einer „Rebellion“ von Teilen der Janitscharen bald in die Türkei zurückgerufen und stranguliert.[5]

Universitätsbesucher in Deutschland und den Niederlanden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prag, Ingolstadt, Gießen und Marburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus Wien ging Soltan-gjin Achmet zunächst nach Prag:

„Hier fand ich junge Leute, welche sehr frey lebten. Dies gefiel mir. Und weil sie Studenten waren, ward ich auch ein Student. Ich suchte also nur solche Oerter, wo sich Studenten aufhielten.“

Soltan-gjin Achmet: Selbstbericht, um 1733[12]

Soltan-gjin Achmet begab sich nach Deutschland (Tuitschland), „um beydes die vornehmste Hoffe zu nehmen, und auff ein und andere Universität, als Halle, Leipzig, Jena und Halberstadt[20] nützliche Studia, wißenschafften und exercitia zu erlernen“.[11] Auch München[12] und die Universitäten in Prag, Ingolstadt, Gießen und Marburg will Soltan-gjin Achmet besucht haben.[8][12][5] In Gießen sei er kurzzeitig Lehrer gewesen, in Marburg habe er häufig Kontakt mit dem Philosophen Christian Wolff gehabt und im September 1731[21] den schwedischen König Landgraf Friedrich I. von Hessen-Kassel kennengelernt.[10] Er sprach neben seiner Muttersprache Hindi[22][10] auch einige europäische Sprachen: Italienisch, Französisch sowie etwas Lateinisch und Deutsch,[23] wahrscheinlich auch Niederländisch und Englisch, vielleicht Portugiesisch, das in Gujarat in der portugiesisch-indischen Kolonie Diu gesprochen wurde. Soltan-gjin Achmet interessierte sich besonders für philosophische und mathematische Kollegs.[23] Er hörte Vorlesungen – wahrscheinlich von Christian Wolff[24] – über die Philosophie des Konfuzius in Latein und Deutsch und las Samuel von Pufendorfs De Jure Naturae[25] auf Latein.[10]

Hessische, nassauische und Braunschweiger Residenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Soltan-gjin Achmet hielt sich auch einige Zeit an Höfen in Hanau, Frankfurt am Main, Darmstadt, Dillenburg, Siegen, Bevern, Kassel, Hannover-Herrenhausen, Braunschweig und Salzdahlum auf.[10] Er berichtete von Begegnungen mit Graf Johann Reinhard III. von Hanau, Generalpostmeister Anselm Franz von Thurn und Taxis, Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt, Fürst Christian von Nassau-Dillenburg, Amalie Luise verwitwete Fürstin von Nassau-Siegen, geborene Prinzessin von Kurland (1687–1750), und ihrer Schwester Eleonore Charlotte von Kurland (1686–1748), der Herzogin von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern, Herzog Ernst Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern und Prinz Wilhelm von Hessen-Kassel.[10] In Schloss Herrenhausen traf er im Sommer 1732[26] den englischen König Herzog Georg II. August von Braunschweig-Lüneburg wieder, der sich an ihre Begegnung in London erinnerte.[10]

Rinteln und Helmstedt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haupt- und Hörsaalgebäude Juleum der früheren Universität Helmstedt

Prinz Wilhelm von Hessen-Kassel schickte ihn auf seine Kosten an die Universität Rinteln,[10] an der Soltan-gjin Achmet 1732 nachweisbar ist. Er hörte dort anatomische Vorlesungen des Schweizer Professors für Medizin und Physik Franz von Ziegler (1700–1758) und geriet in einen Streit mit reformierten und lutherischen Theologen, in dessen Verlauf er unter Professor Johann Nicolaus Funck eine Rede über den „Gebrauch der Vernunft in Religions-Sachen“ verfasste.[12][10] Die Universität stellte ihm ein Empfehlungsschreiben aus, mit dem er sich im September 1732 als „Soltangin Achmet, Princeps Magatensis,“ in Helmstedt immatrikulierte.[27][28] Zum 47. Geburtstag von Kaiser Karl VI. am 1. Oktober 1732 hielt er dort auf Deutsch eine akademische Festrede, zu der Rektor Erhard Reusch (1678–1740) einlud. Das Studium in Helmstadt wurde ihm von Herzog Ferdinand Albrecht II. von Braunschweig-Wolfenbüttel finanziert.[12][10] In Helmstädt landete er nach einer Schlägerei bzw. einem Duell („ich schlug mich zu oft“)[29] im studentischen Arrest und wurde nach eigenen Angaben, „weil ich noch dazu im Carcer harte Reden ausgestossen hatte, … fortgejaget“; Tanzen und Fechten habe er bei seinem Aufenthalt in Frankreich gelernt.[12]

Magdeburg und Zerbst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anschließend hielt sich Soltan-gjin Achmet sechs Wochen in Magdeburg[30] und drei Monate lang in Zerbst auf.[6][10] Wahrscheinlich besuchte er die Hohe Schule Zerbst.

Halle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 1733 immatrikulierte sich der „Indianer (= Inder) Sultan Gün Achmet“ an der Friedrichs-Universität Halle.[31] Er legte dort ein Empfehlungsschreiben des Fürsten Johann August von Anhalt-Zerbst an den Universitätskanzler Johann Peter von Ludewig vor[12] und bot an, „von der Einrichtung seines Vaterlandes, in geistlichen und weltlichen Sachen, zu schreiben. Weil er die Reisebeschreibungen davon sehr unrichtig finde.“ Er beabsichtige, in zwei Jahren dorthin zurückzukehren.[23] Vizerektor Justus Henning Böhmer händigte Soltan-gjin Achmet eine auf den 21. Februar 1733 datierte (heute nicht mehr lesbare) Urkunde der Universität aus.

In Halle freundete sich Soltan-gjin Achmet mit Johann Wolfgang Brenk (1704–1789)[32] an und quartierte sich in dessen Stube mit ein.[33] Er trat in türkischen Kleidern auf, „war schwärtzlicher Farbe“ und trug sein Haar lang. Als Beweis seiner adeligen „mogulischen“ Abstammung zeigte Soltan-gjin Achmet Ziernarben von Sonne, Mond und Sternen (indische Devas) vor, die ihm unmittelbar nach der Geburt mit einem silbernen Griffel beigebracht worden seien. „Im Trunk war er mäßig, und genoß meistens nur Thee und Coffe. Hingegen aß er des Tages viermal. Des Nachts schwermete er mit unzüchtigen Weibsleuten herum“. Bei seiner Abreise aus Halle nach Weißenfels „vergaß“ er zwar, Brenk dessen Schlafrock und Stiefel zurückzugeben, aber er ließ eine deutsche Bibel zurück,[34] die er von Herzogin Hedwig Friederike von Anhalt-Zerbst, geborener Prinzessin von Württemberg-Weiltingen,[12] als Geschenk erhalten hatte.[35]

Sachsen, Leiden und Utrecht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Soltan-gjin Achmet war seit seinem Aufenthalt in Zerbst im Besitz von „Recommendations-Schreiben“ des Fürsten Johann August von Anhalt-Zerbst an die Herzöge der sächsischen Sekundogenituren in Merseburg, Weißenfels, Weimar, Gotha und Eisenach, deren Höfe er vermutlich noch aufsuchen wollte.[12] Nach seinem Aufenthalt im preußischen Halle und in Sachsen will Soltan-gjin Achmet die Universitäten Leiden und Utrecht in den Niederlanden besucht haben.[5]

Hamburg und Bremen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 25. Januar 1734 wurde „Soltan Gün Achmet“ von dem Professor für Griechisch und Geschichte Michael Richey mit einem Willkommensgedicht in Hamburg begrüßt. Er schrieb sich am dortigen städtischen akademischen Kolleg ein[36] und erwähnt den Professor für Rhetorik und Ethik Johann Albert Fabricius, den Syndikus Johann Julius Surland und den Ratsherren Barthold Heinrich Brockes.[10] Im Verlaufe des Jahres 1734 kam Soltan gjin Achmet von Amadabat, der Prinz „aus dem Hause Magat mit der würde eines Rajas von der Provintz Malvay“, nach Bremen und suchte bei den Milden Stiftungen und Armenanstalten um Unterstützung nach: „Den da aber nun mehro Zeit ist, mich zur Rückreiße anzuschicken um in 17. Monaten Von jetzt mit gottlicher Hilffe wieder in meinen Vatterlande zu seyn (…) und die Reisekosten biß zur Ost Indischen Compagnie in Holland zu bestreiten habe, so ist mir darueber in so weit entfernter Fremde nichts ubrig als Ew. Ew. (= Eure) Magnificentzien um entsprechende Generösität und Hulfe zu bitten“.[11]

Aufenthalte in Schweden und Russland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stettin, Stralsund und Stockholm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großmogul Aurangzeb mit seinem 3. Sohn Muhammad Azam Shah,
dem Miniaturmaler Bichitr zugeschrieben, um 1660

Die erbetene Unterstützung erhielt Soltan-gjin Achmet in Bremen offenbar nicht.[11] Er begab sich über Stettin und Stralsund nach Stockholm und plante, anschließend über Uppsala nach Sankt Petersburg zu reisen. In Schweden richtete er eine Bittschrift auf Deutsch an König Frederik aus dem Haus Hessen-Kassel, den er bereits in Marburg kennengelernt hatte.[10] Die Supplik wurde am 21. Oktober 1734 im Senat beraten. Darin stellte er sich vor als Urenkel des Großmoguln Aurangzeb (Aurengzeb) von „Indostan“ und dessen dritter Frau (Begum), einer Tochter des Regenten zu Amadabat aus dem Haus Magate.[2][3][37] Die Linie zu seinem Vater führte Soltan-gjin Achmet über den 5. und jüngsten Sohn des Großmoguln, Sultan Muhammad Akbar (Sultan Ekbar; 1657–1704), der nach Persien ins Exil gehen musste[38] und sein Großvater gewesen sei. Den Thronprätendenten Neku Siyar (Necossir; geb. 1679; gest. 1720 oder 1723)[39][40] beschrieb er als seinen Onkel, Muhammad Azam Shah (Azzamschaw oder Sultan Mazom) und Bahadur Shah Alam I. = Muhammad Mu’azzam (Siach Halem = Mahomet Mosen) als seine Großonkel. Jahandar Shah (Jehann Daarsiar), Farrukh Siyar (Farogsier),[41] Rafi ud-Daulah (Refiuel Thoule) und Douver Bagh (Douverbagh) erwähnte er als seine Vettern. Sein eigenes Schicksal und das seiner Familie schilderte er ausführlich.[5][10] Die Umschreibungen der indischen Personennamen in Lateinschrift bei Soltan-gjin Achmet entsprechen orthografisch einem genealogischen Tabellenwerk Johann Hübners von 1725.[42]

Vom Königlich-Schwedischen Senat wurde Soltan-gjin Achmet zwar als möglicher Hochstapler beargwöhnt, der Staatssekretär, der mit ihm gesprochen hatte, setzte sich aber für den Bittsteller ein: Aus seiner Rede und seinem Wesen könne nicht geschlossen werden, dass alles unwahr sei; im Übrigen hatte der Prinz versprochen, der Schwedischen Ostindien-Kompanie (SOIC) nach seiner Rückkehr einen guten Dienst beim Großmogul zu leisten. Auch der aus Bremen gebürtige Präsident des Kommers-Kollegiums Daniel Niklas von Höpken (1669–1741), sein Assessor Henric Kalmeter (Kamel) (1693–1750) und der Kaufmann Henrik König (1686–1736), Direktor der SOIC, verwandten sich für ihn.[10] Man gewährte Soltan-gjin Achmet schließlich wie anderen sogenannten morgenländischen Prinzen (så kallade österländska prinsarne) aus dem Libanon, die etwa zur gleichen Zeit auftraten (Victorius Nessar, Abu Genblat Nessar Abaisci Fürst von Chesroan (Keserwan), Joseph Abaisci),[43] ein Gnadengeschenk von 600 Dalers silvermynt (200 Riksdalers).[5]

Sankt Petersburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Султан Гин Ахмед (Sultan Gin Achmed)“ verließ Schweden am 14. Oktoberjul. / 25. Oktober 1734greg. und reiste mit einem Pass des russischen Gesandten beim Niedersächsischen Kreis Alexei Petrowitsch Bestuschew-Rjumin nach Sankt Petersburg,[10] wo sein Fall am 27. Oktoberjul. / 7. November 1734greg. im Kollegium für auswärtige Angelegenheiten der russischen Kaiserin Anna beraten wurde,[44][45] das Heinrich Johann Friedrich Ostermann leitete. Soltan-gjin Achmet gab an, er wolle nicht unter einem Vorwand Geld verdienen, sondern von den gelehrten Professoren in Sankt Petersburg lernen und dann nach einem Besuch in Moskau und dem Ablauf der Verbannungsfrist über Schweden, Dänemark, Holland und England in sein Vaterland zurückreisen. Die Einschätzung der russischen Behörde zu seinem Fall war allerdings eher skeptisch.[10] Sachliche und sprachliche Ungenauigkeiten der Darstellung indischer Verhältnisse und ein türkischer bzw. deutscher Akzent in der Umschrift der indischen Namen und Titel in Soltan-gjin Achmets Bericht weisen auf einen Europäer als Verfasser hin.[7]

Aufenthalt in Paris[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Genreszene des Rokoko im Boudoir – Satirisches Gemälde Morgendlicher Empfang der Comtesse von William Hogarth, um 1743

Jörgen Ludwig Albrecht von Rantzau (1714–1786),[46] der sich 1732 zur gleichen Zeit in Helmstedt immatrikuliert hatte[27][28] und seit dieser Zeit mit ihm befreundet war, traf „Prince Sultan Gin-Achmet, Prince Royal de Madaba (sic!, lies: Ahmadabad),“ 1739 in Paris wieder:[47]

„Sein Charakter, abgesehen von Spottlust, ließ ihn in seiner Eigenschaft als ausländischer Prinz überall als galant und höflich durchgehen. Mohammedaner von Religion, liebt er keinen. Wenn das verkehrt ist, ist das seine Sache. Und meine ist, ganz offen zu bekennen, dass er mein Leben gerettet hat, als er es mir hätte nehmen können.“

Georg Ludwig Albrecht von Rantzau: Mémoires du Comte de Rantzow. Pierre Mortier, Amsterdam 1741, S. 28f.[48]

Soltan-gjin Achmet wohnte in Paris in der Rue de l'Eperon (im heutigen Quartier de la Monnaie). Er berichtete dem Grafen Rantzau, mit dem er auf die Jagd ging und unter anderem im Haus des Botschafters von Portugal Francisco Mendes de Góis (1670–1753) verkehrte, von amourösen Abenteuern (avantures) mit einer Herzogin und großzügigen Unterstützungen (bienfaits), die er von ihr und mehreren anderen bedeutenden Personen des Königreichs Frankreich erhalten hatte. Der Chevalier Alvani, ein portugiesischer Bankier, habe ihn mit seiner Tochter verheiraten wollen. Von einer geplanten Rückkehr in sein Heimatland (je m'en serois retourné dans mon païs) war weiterhin die Rede.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Printzen, so von auswertigen Orten anhero zu kommen und deren Umstände nicht sattsahm bekannt sind, betreffend, 1732, darin: Aktenstück über Sultan Gyn Achmet aus dem Hause Magate in Ost-Indien, von Amadabat, aus dem Königreiche Gusurate – Rajas[49] von der Provinz Malva; Stadtarchiv Magdeburg (Rep. A I Altstadt I / P 103)
  • Unterschrift und Siegel des Sultans Achmet, Verwandter des Großmoguls, 1733; Landesarchiv Sachsen-Anhalt (Z  88 Facharchiv Zerbst, Fach 110, Nr. 3 (fehlt))
  • Universität Sachen. In: Wöchentliche Hallische Anzeigen, Nr. XI vom 9. März 1733, Sp. 168f (Google-Books)
  • Selbstbericht des orientalischen Prinzen Achmet aus „Amadabat in Ostindien“, der sich auch „Osman de Russy“ (?) nannte, über seine Flucht und seinen Aufenthalt in Europa (Halle, 1733), nach einer Tagebuch-Notiz von Johann Wolfgang Brenk zum Jahr 1733. In: Anonymus: Der reisende Avantürier. Oder der verunglückte Goldsucher. Begebenheiten eines Flamländischen Ritters, Bd. III. Frankfurt am Main / Leipzig 1750, S. 387–390 (Digitalisat der Staatsbibliothek zu Berlin)
    • (wiederabgedruckt in) Georg Andreas Will: Lebensgeschichte eines im hohen Alter verstorbenen sonderbaren Mannes M. Johann Wolfgang Brenk's, der im 46sten Jahre seines Lebens von der christlichen zur iüdischen Religion übergieng und sich zu Amsterdam beschneiden ließ. Benedikt Friedrich Haueisen, Ansbach 1791, S. 31–35 (Google-Books)
  • Begrüßungsgedicht von Michael Richey an Soltan Gün Achmet, Hamburg 25. Januar 1734; Universitätsbibliothek Marburg (Autographen, Signatur: Ms. 796)
  • Bittschrift von Soltan gjin Achmed an die Milden Stiftungen und Armenanstalten, Bremen, 1734; Staatsarchiv Bremen (Bestand Ratsarchiv, T.6 Armenanstalten, Stiftungen und Vereine, t.2 Sammlungen und Unterstützungen für einzelne Personen)[50]
  • Bittschrift (supplik) von Soltan-gjin Achmet an König Frederik I. von Schweden, Stockholm, Herbst 1734. In: o. V.: En indisk furste vid Uppsala universitet på 1700-talet. In: Historisk tidskrift 24 (1904), S. 75–79, bes. S. 76–79 (Digitalisat im Internet Archive)
  • Дело в Коллегии иностранных дел о приезде в Россию «индийского султана» Джина-Ахмеда – Die Angelegenheit der Ankunft des „indischen Sultans“ Gin-Achmed in Russland im Kollegium für auswärtige Angelegenheiten, 1734; Koka Alexandrowna Antonowa (Hrsg.): Русско-индийские отношения в XVIII в. сборник документов (= Russisch-indische Beziehungen im 18. Jahrhundert. Sammlung von Dokumenten). Nauka, Moskau 1965, Nr. 65–68, S. 123–128 (Online in russischer Übersetzung bei Средневековых исторических источников Востока и Запада; abgerufen am 4. Mai 2021), darin:
    • Nr. 65 – Vermerk des Kollegiums für auswärtige Angelegenheiten über die Ankunft des reisenden „indischen Sultans“ Gin-Achmet aus Schweden in St. Petersburg, 1734
    • Nr. 66 – Bericht des „indischen Sultans“ Gin-Achmet an das Kollegium für auswärtige Angelegenheiten, der sein Leben und seine Reisen in Europa beschreibt, 1734 (Originalurkunde in Deutsch)
    • Nr. 67 – Protokoll der Aussage des „indischen Sultans“ Gin-Achmet im Kollegium für auswärtige Angelegenheiten über seinen Beruf, seine Vermögensverhältnisse und den Zweck seiner Reise nach Russland, 1734
    • Nr. 68 – Vermerk des Kollegiums für auswärtige Angelegenheiten über eine Urkunde, die die Universität Halle dem „indischen Sultan“ Gin-Achmet ausgehändigt hat, 1734 (Originalurkunde in Deutsch ausgestellt vom Vizerektor Justus Henning Böhmer am 21. Februar 1733; nicht mehr lesbar)
  • George Louis Albert de Rantzow: Mémoires du Comte de Rantzow, Ou Les Heures de Récréation à l'usage de la Noblesse de l'Europe, Bd. I. Pierre Mortier, Amsterdam 1741, S. 28f und 279–283 (Google-Books)

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • (Akademische Einladung) Augustissimo invictissimoque Principi ac Domino Carolo VI … Natalem duodequinquagesimum oratione Germanica demississime subiectissimeque gratulatur illustrissima apud Indos stirpe orivndus Soltan-gjin Achmet ad quam … I Octobris A. MDCCXXXII in Iuleo maiori audiendam … invitat Erhardus Reuschius. Paul Dietrich Schnorr, Helmstedt 1732 (Digitalisat der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel)
  • Dem Allerdurchlauchtigsten, Großmächtigsten und Unüberwindlichsten Fürsten und Herrn, Herrn Carl dem Sechsten Erwehlten Römischen Kayser … Sollte Zu Dero glücklich erlebten Hohen Geburts-Tag, So da war der 1 October des 1732 Jahres, Jn einer öffentlichen Rede Auf der Hochberühmten Julius-Universität Jn tiefster Unterthänigkeit glückwünschen Soltan-gjin Achmet Aus dem Hause Magate in Ost-Indien, von Amadabat aus dem Königreiche Gusurate. Paul Dietrich Schnorr, Helmstedt o. J. [1732] (Digitalisat der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jonas Conrad Schramm:[51] Dissertatione de Prophetis posterioribus ut et de Principibus et Comitibus qui inde ab initio Academiae Juliae nomen dederunt. Johannes Drimborn, Helmstedt 1734, S. 37 (Google-Books)
  • Johann Christoph von Dreyhaupt: Pagus Neletici Et Nudzici, Oder Ausführliche diplomatisch-historische Beschreibung des zum ehemaligen Primat und Ertz-Stifft, nunmehr aber durch den westphälischen Friedens-Schluß secularisirten Hertzogthum Magdeburg gehörigem Saal-Creyses, Bd. II. Schneider, Halle 1750, S. 28 (Digitalisat der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel), (Google-Books)
  • o. V.: En indisk furste vid Uppsala universitet på 1700-talet. In: Historisk tidskrift 24 (1904), S. 75–79 (Digitalisat im Internet Archive)
  • Koka Alexandrowna Antonowa (Hrsg.): Предисловие (= Vorwort). In: Русско-индийские отношения в XVIII в. сборник документов (= Russisch-indische Beziehungen im 18. Jahrhundert. Sammlung von Dokumenten). Nauka, Moskau 1965, S. 5–24, bes. S. 17 (Online bei Средневековых исторических источников Востока и Запада; abgerufen am 12. Mai 2021)
  • Anne E. Dünzelmann: „Vom Gaste, den Joden und den Fremden“. Zur Ethnographie von Immigration, Rezeption und Exkludierung Fremder am Beispiel der Stadt Bremen vom Mittelalter bis 1848. (diss. phil. Bremen 1998). Lit, Münster 2001, S. 177f (Google-Books; eingeschränkte Vorschau)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zur Kleinschreibung durch den Namensträger selbst siehe Dem Allerdurchlauchtigsten … Herrn Carl dem Sechsten Erwehlten Römischen Kayser … Paul Dietrich Schnorr, Helmstedt o. J. [1732], S. 2, den Helmstädter Matrikeleintrag „Soltangin“ u. a.
  2. a b Nach einer älteren Darstellung des Asienreisenden François Bernier war Sultan Ekbar (der angebliche Großvater des Soltan-gjin Achmet) der dritte Sohn des Großmoguln Aurangzeb und Sohn einer Tochter des Gouverneurs von Amadabad „Chah-Naveze-kan … du sang des ancien Souverains de Machate (= vom Blut der alten Herrscher von Machate)“ bzw. „Princes de Machate (= Fürsten von Machate)“; François Bernier: Voyages de Francois Bernier … Contenant la Description des etats du Grand Mogol …, Bd. I. (Claude Barbin, Paris 1670) Nachdruck Paul Marret, Amsterdam 1699, S. 169; vgl. S. 105 u. ö. (Google-Books).
  3. a b „Machate“ bei Bernier (= Magate) meint wahrscheinlich Mascat im Oman; Edward Henry Nolan: The illustrated history of the British empire in India and the East, Bd. I. Virtue, London 1878, S. 666 (Google-Books); Archibald George Constable (Bearb.): Travels in the Mogul Empire, A•D 1656–1668 by François Bernier, Bd. I. University Press, Edinburgh 1891, S. 73f Anm. 2 und 3 und S. 126 (Google-Books); André Wink: The Making of the Indo-Islamic World c. 700–1800 CE. University Press, Cambridge 2020, S. 154 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau).
  4. Edition: Mahomet X:e.
  5. a b c d e f g h i j k Bittschrift, Stockholm 1734; o. V.: En indisk furste vid Uppsala universitet på 1700-talet. In: Historisk tidskrift 24 (1904), S. 75–79.
  6. a b Landesarchiv Sachsen-Anhalt (Z 88 Facharchiv Zerbst, Fach 110, Nr. 3).
  7. a b c Koka Alexandrowna Antonowa (Hrsg.): Предисловие (= Vorwort). In: Русско-индийские отношения в XVIII в. сборник документов (= Russisch-indische Beziehungen im 18. Jahrhundert. Sammlung von Dokumenten). Nauka, Moskau 1965, S. 5–24, bes. S. 17.
  8. a b Augustissimo invictissimoque Principi ac Domino Carolo VI … Natalem duodequinquagesimum oratione Germanica … gratulatur … Paul Dietrich Schnorr, Helmstedt 1732, S. 1f.
  9. „Султан Мирад“.
  10. a b c d e f g h i j k l m n o p q r Ankunft des „indischen Sultans“ Gin-Achmed in Russland …, 1734; Koka Alexandrowna Antonowa (Hrsg.): Русско-индийские отношения в XVIII в. сборник документов (= Russisch-indische Beziehungen im 18. Jahrhundert. Sammlung von Dokumenten). Nauka, Moskau 1965, Nr. 65–68, S. 123–128.
  11. a b c d e f Bittschrift, Bremen 1734; Anne E. Dünzelmann: „Vom Gaste, den Joden und den Fremden“. Lit, Münster 2001, S. 177f.
  12. a b c d e f g h i j k l m Selbstbericht, Halle, 1733. In: Anonymus: Der reisende Avantürier, Bd. III. Frankfurt am Main / Leipzig 1750, S. 388f.
  13. Ein 800-Tonnen-Schiff, Stapellauf 1718 in Amsterdam, 1735 in Batavia abgewrackt.
  14. Die Huis te Assenburg benötigte 1724/25 fünf Monate für die Fahrt von Ceylon bis zum Kap; Uwe Granzow: Quadrant, Kompass und Chronometer. Technische Implikationen des euro-asiatischen Seehandels von 1500 bis 1800. Steiner, Stuttgart 1986, S. 203.
  15. 1702 als Fregatte HMS Nightingale gebaut, 1707 in HMS Fox umbenannt, bestückt mit 24 Kanonen, ab 1727 unter dem Kommando von Captain Thomas Arnold (1679–1737) aus Lowestoft, 1737 abgewrackt.
  16. Thomas Salmon: Modern History or the Present State of All Nations, Bd. XXVII. George Grierson, Dublin 1739, S. 93 (Google-Books).
  17. Daniel J. Tortora: Carolina in Crisis. Cherokees, Colonists, and Slaves in the American Southeast, 1756–1763. University of North Carolina Press, Chapel Hill 2015, S. 17–22.
  18. Wahrscheinlich ist der Diplomat und spätere (ab 1731/32) Botschafter beim Heiligen Stuhl in Rom Paul-Hippolyte de Beauvilliers, duc de Saint-Aignan gemeint.
  19. Andreas Lazarus von Imhoff: Des Neu-eröffneten Historischen Bilder-Saals Neunten Theils Zweiter Periodus, Bd. VI 1739–1733. Johann Leonhard Buggel, Nürnberg 1735, S. 927f (Google-Books).
  20. Kein zeitgenössischer Universitätsstandort, aber Sitz des renommierten Martineums.
  21. Friedrich I. von Hessen-Kassel besuchte Marburg während seiner einzigen Deutschlandreise als König von Schweden vom 14. bis 17. September 1731; Ausführliche Beschreibung der Solemnitäten … Bey höchst-beglückter Ankunfft Sr. Kön. Majest. in Schweden nach Marburg. Philipp Casimir Müller, Marburg 1731 (Google-Books).
  22. „Индийской язык называемой гиндейской – indische Sprache genannt Hinduanisch“; vielleicht ist auch das nah verwandte Gujarati, das in der Region Gujarat dominiert, als Form des Hindi verstanden.
  23. a b c Universität Sachen. In: Wöchentliche Hallische Anzeigen Nr. XI vom 9. März 1733, Sp. 168f.
  24. Henrik Jaeger: Konfuzianismusrezeption als Wegbereitung der deutschen Aufklärung. In: Allgemeine Zeitschrift für Philosophie 37 (2012), S. 165–189.
  25. Samuel von Pufendorf: De Jure Naturae Et Gentium Libri Octo. Junghans, Lund 1672.
  26. Georg II. hielt sich vom 12. Juni bis 25. September 1732, dann erst wieder 1735 in Herrenhausen auf; Karl Otto Unico Ernst von Malortie: Beiträge zur Geschichte des Braunschweig-Lüneburgischen Hauses und Hofes, Bd. II. Hahn, Hannover 1860, S. 1 und 131 (Google-Books).
  27. a b Herbert Mundhenke (Bearb.): Die Matrikel der Universität Helmstedt, Bd. III 1685–1810. Lax, Hildesheim 1979, Nr. 6840, S. 160 (Digitalisat der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel).
  28. a b Jonas Conrad Schramm: Dissertatione de Prophetis posterioribus ut et de Principibus et Comitibus qui inde ab initio Academiae Juliae nomen dederunt. Johannes Drimborn, Helmstedt 1734, S. 37.
  29. Holger Zaunstöck: Das Milieu des Verdachts. Akademische Freiheit, Politikgestaltung und die Emergenz der Denunziation in Universitätsstädten des 18. Jahrhunderts. Akademie Verlag, Berlin 2010, S. 91–94 u. ö. zur Situation in Helmstedt (Google-Books; eingeschränkte Vorschau).
  30. Aktenstück über Sultan Gyn Achmet aus dem Hause Magate in Ost-Indien …; Stadtarchiv Magdeburg (Rep. A I Altstadt I/ P 103)
  31. Johann Christoph von Dreyhaupt: Pagus Neletici Et Nudzici, Bd. II. Schneider, Halle 1750, S. 28; es scheint eine Diskrepanz zur folgenden Datumsangabe (21. Februar 1733 ) zu bestehen.
  32. Aus Eichelsdorf, studierte 27 Jahre lang (1722–1749) an verschiedenen Universitäten, trat 1749 in Amsterdam für einige Zeit zum Judentum über und nahm den Namen Jochanan Brenk an, kehrte 1751 nach Nürnberg zurück, lebte als Sekretär und Jurist, gestorben in Schobdach; Clemens Alois Baader: Lexikon verstorbener baierischer Schriftsteller, Bd. I. Jenisch und Stage, Augsburg / Leipzig 1824, S. 52–56 (Google-Books).
  33. Zum Folgenden Johann Wolfgang Brenk: Tagebucheintrag zum Jahr 1733. In: Anonymus: Der reisende Avantürier, Bd. III. Frankfurt am Main / Leipzig 1750, S. 380–391.
  34. 1728 entsprach der Wert eines einfachen Bibeldrucks ungefähr dem Wochenlohn eines Maurermeisters oder 5 kg Butter; Hans-Jürgen Schrader: Fürstengnade und Lotterie. Modalitäten der Finanzierung der Berleburger Bibel. In: Wolfgang Breul (Hrsg.): Pietismus und Ökonomie (1650-1750). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2021, S. 227–248, bes. S. 244f (Google-Books; eingeschränkte Vorschau).
  35. Georg Andreas Will: Lebensgeschichte eines im hohen Alter verstorbenen sonderbaren Mannes M. Johann Wolfgang Brenk's. Benedikt Friedrich Haueisen, Ansbach 1791, S. 35.
  36. Nicht nachweisbar in Karl Hieronymus Wilhelm Sillem: Die Matrikel des Akademischen Gymnasiums in Hamburg 1613–1883. Gräfe & Sillem, Hamburg 1891, S. 106f (Digitalisat der Universität Hamburg).
  37. Tatsächlich stammte Dilras Banu Begum (geb. um 1622; gest. 1657), die erste Frau Aurengzebs und Mutter des Sultan Muhammad Akbar, wohl aus der persischen Herrscherdynastie der Safawiden. Ihr Vater Badi-uz-Zaman = Shah Nawaz Khan (gest. 1659) war Vizekönig von Malwa, später von Gujarat; Ebba Koch: King of the world. The Padshahnama. An imperial Mughal manuscript from the Royal Library, Windsor Castle. Azimuth, London 1997, S. 104, u. a.
  38. 1699 trat in Dekkan ein falscher Prinz Akbar auf; Jadunath Sarkar: History of Aurangzib. Mainly Based on Persian Sources, Bd. III. M. C. Sarkar, Kalkutta 1928, S. 25, 52f, 136f und S. 353–373 u. ö. (Digitalisat); Bd. V. 1924, S. 249 (Digitalisat im Internet Archive).
  39. Neku Siyar (Nikusiyar) residierte vom 18. Mai bis zum 12. August 1719 im Roten Fort in Agra als Großmogul und ließ Münzen mit seinem Namen schlagen.
  40. Sidney J. Owen: The Fall of the Moghul Empire. John Murray, London, 1912, S. 156 (Digitalisat im Internet Archive). Nach der Darstellung von Soltan-gjin Achmet wurde Necossir im Dezember 1720 von Fergeon Daghtar = Mahomet X.e (Xea) = „jetziger“ (1734) Großmogul Muhammad Shah enthauptet.
  41. Editionen: Ioagsier, Пайогсиер = Payogsier.
  42. Johann Hübner: Genealogische Tabellen, Bd. I. Gleditsch, Leipzig 1725, Tab. 118 (Google-Books); ähnlich Johann Caspar Funcke (1680–1729), Christoph Benjamin Häckhel (1674–1757; Hrsg.): Allgemeine und Neueste Welt-Beschreibung, Bd. II. Daniel Bartholomäi und Sohn, Ulm 1740, Sp. 4330f (Google-Books).
  43. Carsten Niebuhr: Reisebeschreibung nach Arabien und andern umliegenden Ländern, Bd. II. Nicolaus Möller, Kopenhagen 1778, S. 459–464 (Digitalisat der Universitätsbibliothek Kiel), (Google-Books).
  44. Vermerk des Kollegiums für auswärtige Angelegenheiten über die Ankunft des reisenden „indischen Sultans“ Gin-Achmet aus Schweden nach St. Petersburg, 1734; Koka Alexandrowna Antonowa (Hrsg.): Русско-индийские отношения в XVIII в. сборник документов (= Russisch-indische Beziehungen im 18. Jahrhundert. Sammlung von Dokumenten). Nauka, Moskau 1965, Nr. 66, S. 123.
  45. Manuel Sarkisyanz: Russisch-indische Beziehungen im neunzehnten Jahrhundert. In: Jahrbuch des Südasien-Instituts der Universität Heidelberg 2 (1967/68), S. 3–12, bes. S. 3.
  46. Er galt – trotz Zweifel des Großvaters an der Legitimität eines Nachkommens – als Enkel des Christoph von Rantzau und der Dorothea Hedwig von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Norburg. Sein Pate war Ludwig Rudolf von Braunschweig-Wolfenbüttel, ein Neffe seiner Großmutter.
  47. George Louis Albert de Rantzow: Mémoires du Comte de Rantzow, Ou Les Heures de Récréation à l'usage de la Noblesse de l'Europe, Bd. I. Pierre Mortier, Amsterdam 1741, S. 29 (die Festrede hier fälschlich auf 1729 statt 1732 datiert), 262 und 279.
  48. „Son Caractère, à la raillerie près, le faisoit passer par-tout, avec sa qualité de Prince Etranger, pour galant & poli. Mahometan de Religion, il n'en aime aucune. Si c'est perversion, c'est son affaire. Et la mienne est d'avouer fort ingénuement qu'il m'a sauvé la vie, lorsqu'il pouvoit me l'ôter.“
  49. Regest: Insurate-Rajar.
  50. Anne E. Dünzelmann: „Vom Gaste, den Joden und den Fremden“. Zur Ethnographie von Immigration, Rezeption und Exkludierung Fremder am Beispiel der Stadt Bremen vom Mittelalter bis 1848. (diss. phil. Bremen 1998). Lit, Münster 2001, S. 177f und S. 362 Anm. 377.
  51. Jonas Conrad Schramm (1675–1739) aus Braunschweig, ab 1710 Professor der Theologie in Helmstedt; Ingrid Henze: Die Inschriften der Stadt Helmstedt bis 1800. (Deutsche Inschriften 63). Reichert, Wiesbaden 2005, Nr. 522 (Online bei www.inschriften.net).